Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Marburger Bund - was blüht uns dieses Jahr ?
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Mr. Pink online
06.10.2021, 22:35
Die Gewerbeaufsicht kommt halt nicht von sich aus. Wieso auch, das bedeutet ja Arbeit. Das heißt Anzeige muss gestellt werden. Kann wohl auch anonym erfolgen. Aber die Eier muss erst mal einer haben. In meiner alten Abteilung war es übrigens genau so: anonyme Anzeige, Gewerbeaufsicht kam, Prüfung erfolgte, Ergebniss war wenig überraschend. Massive Arbeitszeitgesetz Verstöße, Mängel bei der Zeiterfassung etc. Konsequenz war eine in Relation sehr geringe finanzielle Strafe für die Klinik und bzgl. Arbeitsbedingungen hat sich 0,0 geändert.
Erschreckend war aus meiner Sicht, dass daran nicht in erster Linie die Teppichetage schuld hatte sondern Chef- und Oberärzte bewusst keine Veränderungen für die Assistenten zulassen wollten. Wieviel Druck von ganz oben kam kann man als kleiner WBA natürlich nicht nachvollziehen, aber ich denke, es ist nicht nur eine Frage vom Management in den Kliniken, sondern leider auch vom fehlenden Engagement einer älteren Generation von Chef- und Oberärzten gegenüber dem Nachwuchs. Spiegelt sich in mangelhafter oder schlichtweg fehlender Weiterbildung wider und bedingt nicht zuletzt auch den sich zuspitzenden Mangel an Nachwuchs.
Welche Rolle der MB spielen könnte um da eine Änderung im mindset zu bewirken, ist mir bislang leider noch nicht klar.
cartablanca
07.10.2021, 01:19
es ist nicht nur eine Frage vom Management in den Kliniken, sondern leider auch vom fehlenden Engagement einer älteren Generation von Chef- und Oberärzten gegenüber dem Nachwuchs.
Hätte ich jetzt gar nicht so erwartet. Vor dem Hintergrund, dass der Chef und die Oberärzte persönlich für Verstöße gegen das AZG haften...
Mr. Pink online
07.10.2021, 05:38
Der Chef haftet. Aber erfahrungsgemäß fallen die Strafen nicht sensibel genug aus. Da das ganze ein flächendeckendes systemisches Problem ist kann ich auch nicht von einem Einzelfall ausgehen. Ich denke nicht, dass es nur ein Generationenproblem ist. Dass man den jungen nichts"gönnen" will. Am Ende geht es ums Geld. Für einen WBA muss man im Zweifelsfall eine halbe OA Stelle wegrationalisieren. Diesen Schuh will man sich ungern anziehen. Dann lieber die unterbesetzten WBA wie Leibeigene behandeln. Die gehen ja eh nach kurzer Zeit wieder. Interesse an langfristiger Bindung besteht so oder so nicht.
D.Hollywood
07.10.2021, 17:52
Wenn der MB wollte, könnte er z.B. streiken. Oder mal genauere / schärfere Formulierungen in den Verträgen durchsetzen. Und dann an einer großen Klinik, die zB die Zeiterfassung nicht einhält, konsequent für jede Abteilung durch die Instanzen klagen. Sozusagen als Exempel, dass sich das nicht-einhalten für die Kliniken nicht lohnt bzw. sehr riskant ist.
Die Alternative: Ärzte einfach mal konsequent pünktlich nach Hause gehen…
Endoplasmatisches Reticulum
07.10.2021, 20:02
Die Alternative: Ärzte einfach mal konsequent pünktlich nach Hause gehen…
Setzt halt wieder voraus, dass alle mitmachen oder man selbst entweder unkündbar ist oder eine Alternative an der Hand hat ... wir drehen uns im Kreis.
D.Hollywood
07.10.2021, 20:12
Setzt halt wieder voraus, dass alle mitmachen oder man selbst entweder unkündbar ist oder eine Alternative an der Hand hat ... wir drehen uns im Kreis.
Klar müssen dann alle mitmachen, aber ne Ankündigung wir werden ab xx.xx.xx pünktlich nach Hause gehen ist einfacher durchzusetzen als ein ganzer Tag alle weg.
Warum sollte das Haus seine Ärzte kündigen? Gäb ne tolle Schlagzeile wenn kurz mal die Versorgung zusammenbricht
Endoplasmatisches Reticulum
07.10.2021, 20:21
Es ging bei dem Zitat ja aber darum, was der Marburger Bund machen könnte. Da ist es in meinen Augen keine Alternative, Aktion und Durchführungsverantwortung wieder auf das Individuum abzuwälzen. Dass man als einzelner Assistenzarzt maximal angreif- und erpressbar ist, ist ja gerade einer der Hauptgründe, warum sich bei uns so wenig tut!
Klar sollen Ärzte nicht alles mit sich machen lassen. Wehren alleine bedingt aber keinen Erfolg und ist je nach individueller Situation nach Kosten/Risiko-Abwägung ggf. eine sehr schlechte Option. Daher würde ich mir unabhängig von individuellen Problemen eine stärkere Gewerkschaft wünschen.
D.Hollywood
07.10.2021, 20:30
Klar sollen Ärzte nicht alles mit sich machen lassen. Wehren alleine bedingt aber keinen Erfolg und ist je nach individueller Situation nach Kosten/Risiko-Abwägung ggf. eine sehr schlechte Option. Daher würde ich mir unabhängig von individuellen Problemen eine stärkere Gewerkschaft wünschen.
Ja stimmt
Moorhühnchen
14.10.2021, 18:55
Definitiv muss eine Regelung für Teilzeitkräfte und Dienste her. Der Tarifvertrag hat eher zur Verschlechterung geführt.
Habe gerade erst die Zeit gehabt, die Ausführungen in der MB-Zeitung vom 8. Okrober mal zu lesen. Dort wird zumindest geschrieben: "Die bisherige Regelung hat dazu geführt, dass teilzeitbeschäftigte Ärztinnen und Ärzte stärker als zuvor zur Leistung von Bereitschaftsdiensten herangezogen wurden. Dem soll dadurch begegnet werden, dass Teilzeitbeschäftigte nur noch in dem Umfang zur Leistung von Bereitschaftsdiensten verpflichtet werden dürfen, der dem Verhältnis ihrer Arbeitszeit zu der von vollzeitbeschäftigten Ärztinnen und Ärzten entspricht."
Verstoß gegen die Regelung von zwei freien Wochenenden im Monat soll sofort zur finanziellen Kompensation führen, der Bezugszeitraum soll nicht mehr das Kalenderhalbjahr sondern der Kalendermonat sein.
War nicht heute die erste Verhandlungsrunde angesetzt?
Mistermeo
16.10.2021, 22:32
Habe gerade erst die Zeit gehabt, die Ausführungen in der MB-Zeitung vom 8. Okrober mal zu lesen. Dort wird zumindest geschrieben: "Die bisherige Regelung hat dazu geführt, dass teilzeitbeschäftigte Ärztinnen und Ärzte stärker als zuvor zur Leistung von Bereitschaftsdiensten herangezogen wurden. Dem soll dadurch begegnet werden, dass Teilzeitbeschäftigte nur noch in dem Umfang zur Leistung von Bereitschaftsdiensten verpflichtet werden dürfen, der dem Verhältnis ihrer Arbeitszeit zu der von vollzeitbeschäftigten Ärztinnen und Ärzten entspricht."
Verstoß gegen die Regelung von zwei freien Wochenenden im Monat soll sofort zur finanziellen Kompensation führen, der Bezugszeitraum soll nicht mehr das Kalenderhalbjahr sondern der Kalendermonat sein.
War nicht heute die erste Verhandlungsrunde angesetzt?
Jep, die kamen zu keiner Einigung (wie erwartet...) und Vertagen sich auf Mitte November. Ob die ihre 5,5% Lohnerhöhung durchbekommen halte ich auch für unwahrscheinlich. Mal schauen, was uns dann erwarten wird...
Naja, die 5,5% sind ein Witz gegen die Zusatzkosten wenn Bereitschafts- und Rufdienste wirklich mal nach Einsatzzeiten eingestuft werden würden... Praktisch jeder Hintergrund wäre dann Bereitschaft und fast alle BD wären Anwesenheitsdienste.
@freak1: du willst also sagen dass sowohl die bisherigen Tarifverträge als auch die Forderungen des MB super sind aber es allein an dir scheitert weil du deren Umsetzung nicht auf die Reihe bekommst?
Bei uns gab es eine Analyse der Einsatzzeiten und die Bereitschaftsdienststufe wurde entsprechend angepasst. Musst dich halt mal kümmern.
Wie ich schon mehrfach erwähnte: ich bin nicht der Meinung dass man den MB verantwortlich dafür machen kann wenn der Tarifvertrag nicht umgesetzt wird. Ebenso kann er nichts dafür wenn gesetzlich vorgeschriebene Pausen oder Höchstarbeitszeiten überschritten werden. Wie denn auch.
Wenn es Probleme gibt mit der Präzisierung von manchen Sachen, dann werden die eben angegangen. So wie es jetzt geschieht mit dem Bereitschaftsdienst und ich finde spannend was letztlich für die Rufbereitschaft rauskommt.
Die 5,5% für ein Jahr finde ich eine sinnvolle Forderung. 1 Jahr Laufzeit ist aber nicht realistisch. Seien wir da mal ehrlich. Es wird also wieder auf irgendwo zwischen eineinhalb und zwei Jahre rauslaufen schätze ich und hoffe auf >3% pro Jahr. Und idealerweise noch deutliche Klarheiten für BD und RD.
FirebirdUSA
17.10.2021, 10:24
Es kommt mir ein bisschen wie „auf der anderen Seite der Weide ist das Gras grüner Diskussion“ vor. Meine Erfahrung ist die selbe wie von anigu, wenn man zusammenhält ist ein entsprechende Anpassung z.B. von RD auf BD möglich. Es scheitert aber meist an den Beteiligten, bei letzten Streik wollte dann doch fast keiner teilnehmen, weil -oh Wunder- man dann ja auf seinen Lohn verzichten muss.
Mal davon abgesehen, dass ein vergleichbarer Streik wie die von der IG Metall im Gesundheitswesen sofort von einem Gericht kassiert werden würde und die „Notfallversorgung“ leider vom Arbeitgeber ausgenutzt werden kann und wird.
Wer jetzt mit Streikgeld bei IGM kommt, dann bitte auch die 1% Beitrag vom Bruttolohn nicht vergessen… ich bin mir nicht sicher ob hier viele bereit wären 500 - 1200 Euro im Jahr zu zahlen.
Nefazodon
17.10.2021, 10:39
Die Möglichkeiten wirksam zu streiken sind leider, wie FirebirdUSA es sagt, im Gesundheitswesen tatsächlich sehr begrenzt. Deswegen werden die Erhöhungen auch immer hinter dem, was in anderen Bereichen erstreikt wird (Lokführer, IG-Metall) zurückbleiben.
Dennoch lässt sich beobachten, dass im Moment immer mehr Gruppen einen höheren Lohn aushandeln....und wenn selbst Beschäftigte auf dem Bau oder bei der Bahn eine Corona-Prämie kriegen, stellt sich mir schon die Frage, mit welcher Begründung man diese den Ärzten vorenthält.
Auf dem Pflegetag wurde ja jetzt die Forderung aufgestellt, dass das Einstiegsgehalt der Pflege bei 4000 Brutto liegen soll....ich denke im Lichte dieser Forderung wäre es schon an der Zeit, auch für Ärzte eine spürbare Lohnerhöhung auszuhandeln...
Thomas24
17.10.2021, 10:55
Wenn es Probleme gibt mit der Präzisierung von manchen Sachen, dann werden die eben angegangen. So wie es jetzt geschieht mit dem Bereitschaftsdienst und ich finde spannend was letztlich für die Rufbereitschaft rauskommt.
Die 5,5% für ein Jahr finde ich eine sinnvolle Forderung. 1 Jahr Laufzeit ist aber nicht realistisch. Seien wir da mal ehrlich. Es wird also wieder auf irgendwo zwischen eineinhalb und zwei Jahre rauslaufen schätze ich und hoffe auf >3% pro Jahr. Und idealerweise noch deutliche Klarheiten für BD und RD.
Die Forderung ist zwar ein "ordentlicher Schluck aus der Pulle", um es mal mit Altkanzler Schröder zu sagen- aber man sollte 5,5% Gehaltssteigerung in den allgemeinen Kontext stellen. September Inflation +4,1%, Nahrungsmittel +4,9 %, Energiepreise +14.3% (und wenn der Winter dieses Jahr kalt ausfallen sollte, werden die Strompreise noch stärker anziehen, da derzeit Windflaute herrscht und wir mehr ausländisches Erdgas, Kohlestrom und Atomenergie als sonst üblich importieren müssen). https://www.destatis.de/DE/Themen/Wirtschaft/Preise/Verbraucherpreisindex/_inhalt.html
Wenn am Ende dann tatsächlich >3% pro Jahr herauskäme, bliebe vermutlich dennoch ein realer Kaufkraftverlust oder gerade ein "Break even" übrig.
https://www.marburger-bund.de/bundesverband/pressemitteilung/marburger-bund-und-bg-kliniken-einigen-sich-auf-neuen-tarifvertrag
Ein paar Punkte aus dem TV BG wären auch nicht schlecht: z.B. eine Reduktion der Arbeitszeit um 2h/w bei gleicher Bezahlung + 3% Gehaltssteigerung. Fänd ich fair, wenn man die 5,5%/a für 1 Jahr nicht durchbekommt.
Und ich hätte gerne eine Anerkennung meiner Leistung für die Allgemeinheit in dieser Pandemie! Prämien, kostenfreies Parken oder Risikoaufschlag..
tragezwerg
17.10.2021, 14:24
Ich hätte gerne mal ne angemessene Vergütung für Bereitschaftsdienste bzw. weniger lächerliche Nachtzuschläge bei Schichtdienst.
Wenn ich Samstag nen 24h-Dienst mache (der ja durch den fehlenden Ausgleichstag am meisten Geld bringt) und die Vergütung mal pro Stunde rechne, ist das knapp überm Mindestlohn (klar, die Rechnung hinkt, aber psychologisch ist das echt ätzend wenn man bedenkt dass man 24h seiner Lebenszeit bei der Arbeit vergeudet hat).
RodneyBay
17.10.2021, 15:32
Ich hätte gerne mal ne angemessene Vergütung für Bereitschaftsdienste bzw. weniger lächerliche Nachtzuschläge bei Schichtdienst.
Wenn ich Samstag nen 24h-Dienst mache (der ja durch den fehlenden Ausgleichstag am meisten Geld bringt) und die Vergütung mal pro Stunde rechne, ist das knapp überm Mindestlohn (klar, die Rechnung hinkt, aber psychologisch ist das echt ätzend wenn man bedenkt dass man 24h seiner Lebenszeit bei der Arbeit vergeudet hat).
Ich halte nix von 24h auf die Dauer. Am Anfang ist es schön: Man hat am nächsten Tag frei, steckt es einfach so weg. Aber auf die Dauer ist es nix. Insbesondere, wenn man wirklich 16-20 arbeitet und nur wenige Stunden zur Ruhe kommt.
Besser fände ich es mit 12-14h Schichten zu arbeiten bzw. am allerbesten ist es ohne diese Dienste.;-)
tragezwerg
17.10.2021, 15:52
Ich halte nix von 24h auf die Dauer. Am Anfang ist es schön: Man hat am nächsten Tag frei, steckt es einfach so weg. Aber auf die Dauer ist es nix. Insbesondere, wenn man wirklich 16-20 arbeitet und nur wenige Stunden zur Ruhe kommt.
Besser fände ich es mit 12-14h Schichten zu arbeiten bzw. am allerbesten ist es ohne diese Dienste.;-)
Mein Problem bei kürzeren Nachtdiensten ist, dass man dann immer mehrere am Stück machen muss um nicht haufenweise Minusstunden zu generieren. Und je älter ich werde, desto schlechter vertrage ich Nachtdienstblöcke (ich brauche teils ne Woche um danach wieder ne halbwegs normalen Schlafrhythmus zu haben...vom organisatorischen Aufwand bezüglich Kinderbetreuung mal abgesehen)
RodneyBay
17.10.2021, 19:48
September Inflation +4,1%
Naja, da ist kräftig was aufzuholen. Wie hoch war die Inflation 2020: 0.5%.
Ja das war ne Gelegenheit mit der reduzierten MwSt, den niedrigen Ölpreisen usw. Aber nun muss "nachgeholt" werden.
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