Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : administrativer Umgang mit nonbinären Patienten
Seiten :
1
2
3
4
5
[
6]
7
8
Endoplasmatisches Reticulum
31.01.2022, 10:36
Das Problem ist, dass es sich um Projektionen der persönlichen Gefühlswelt handelt. Im Miteinander braucht es aber irgendwo objektive Kriterien, um Kommunikation, Verständnis und Urteilsfähigkeit zu gewährleisten. Wenn die subjektive, willkürliche, jederzeit wandelbare, nicht zu rechtfertigende und nie zu hinterfragende Gefühlswelt eines Menschen bestimmt, was alle anderen Menschen tun und denken dürfen oder müssen, dann zersplittert die Gesellschaft und wir verenden in einer Dystopie, in der die Gefühle und Wahrnehmungen bestimmter Menschen mehr wert sind als diejenigen anderer.
Beispiel gefällig? Mann sein ist richtig scheiße manchmal. Frau sein ist richtig scheiße manchmal. Interessiert es irgendwen, ob es meine Gefühle verletzt, dass mein Geschlecht jetzt anscheinend ein Kleidungsstück ist, das andere nach Belieben auftragen und ablegen wollen, wie es gerade passt? Ich habe mir die Spielregeln meines Geschlechts nicht aussuchen können. Das ist ein Privileg, das kein Mann und keine Frau auf dieser Welt genießt – aber von der LGBTQ-Fraktion regelmäßig mit einer revolutionistischen Selbstverständlichkeit und Vokalität eingefordert wird. Wie löst die neolinke Ideologie ihre immanente Widersprüchlichkeit zwischen verachtenswerter Cultural Appropriation und applauswürdiger Gender Appropiation auf?
Letztlich kann man sich auch fragen: Wenn eine Minderheit ihr Denken und ihre Sprechweise einer Mehrheit aufzwingen kann. Wenn ich tun und lassen kann, was ich will, und trotzdem auf kurz oder lang meinen Job verliere, weil irgendjemand aus der Minderheit sich beleidigt fühlt. Wie sind dann eigentlich wirklich die Machtverhältnisse? Oder provokanter: Wer ist hier der Oppressor?
Transmenschen tun mir sehr leid. Ich kann mir den immensen Leidensdruck gar nicht ausmalen, den die erleben. Nichtbinäre hingegen übertreten meines Erachtens sehr oft bewusst die Schwelle zur Clownswelt, um zu provozieren. Das ist für mich im Wesentlichen eine zeitgenössische Anti-Masche. Ich bin anders, ich bin besonders, ich stehe außerhalb des Systems, und ich muss mich weder erklären noch festlegen. Gab es früher auch schon. Bloß vor 20 Jahren hätten die nicht nachts in der Notaufnahme randaliert und Ärzten Anwälte auf den Hals gehetzt. Man hätte sie als Emos im Moshpit auf Konzerten von Fall Out Boy oder My Chemical Romance getroffen und ein paar Bier mit ihnen getrunken.
Nur damit ich es richtig verstehe:
Du meinst also, non binäre Personen seien per se Menschen, die je nach aktuellem Anlass mal Männlein mal Weiblein sein wollen, um möglichst großen Nutzen aus der jeweiligen Rolle zu ziehen? Wow... Hast du dich je mit einer non binären Person mal wirklich unterhalten und weißt, was das bedeutet? Ich glaube, ich lese hier besser nicht mehr weiter, das tut echt weh.
Matzexc1
31.01.2022, 15:31
Nur damit ich es richtig verstehe:
Du meinst also, non binäre Personen seien per se Menschen, die je nach aktuellem Anlass mal Männlein mal Weiblein sein wollen, um möglichst großen Nutzen aus der jeweiligen Rolle zu ziehen? Wow... Hast du dich je mit einer non binären Person mal wirklich unterhalten und weißt, was das bedeutet? Ich glaube, ich lese hier besser nicht mehr weiter, das tut echt weh.
Ich hab das genauso wie du verstanden und muss sagen, dass es Einzelfällen durchaus vorkommen kann das jemand versucht über Behauptungen non binär/behindert/krank/besonders zu sein Vorteile für sich zu bekommen.
Wie ich darauf komme? Das hat es seit Urzeiten gegeben. Ich würde die Beschreibung des vorliegenden Falles dort mit einsortieren, weil hier mehrere Hinweise darauf sind.
1.Betonung einer besonderen Gruppe anzugehören, 2.Eine Forderung, inklusive Drohung mit Medien und Anwalt,3. Respektlosigkeit bei gleichzeitiger Einforderung von selbigem, 4.Trotz Erfüllung der Forderung wird noch ein Anwalt losgelassen.
Dieses Verhalten wird auch von Helikoptereltern/Menschen allgemein gezeigt.
Einen wichtigen Punkt Muriel hast du verallgemeinert:
Endoplasmatisxhes Reticulum schreibt von einem häufigen Übertreten, das auf alle zu beziehen das hast du getan und gleichzeitig auch noch die Standardkeule geschwungen mit der Frage: hast du schon Mal/hast du eigentlich....?
Liebe Muriel sowas tut mir weh weil mit solchen Aussagen torpediert Mann/Frau/nicht binär jede Diskussion
Espressa
31.01.2022, 15:46
Non binäre wollen weder noch sein. (Wenn ich es richtig verstehe).
Trotzdem denk ich, IST die Welt binär. Und besser finden sie einen Weg, damit umzugehen, als dass die Binarität der Menschen grundsätzlich in Frage gestellt wird.
1. Ich schrieb in meinem ersten Beitrag bereits, dass die Anspruchshaltung der erstgenannten Person natürlich nicht geht. Das Verhalten war nix, nachts können solche Diskussionen nicht geführt werden, ich glaube, das hat auch keine*r hier bestritten. Und natürlich gibt es in jeder Gruppe Menschen, ob nun marginalisiert oder nicht, Charaktere, die völlig überzogen, was weiß ich was fordern. Sie fallen nur nicht immer so auf.
dass mein Geschlecht jetzt anscheinend ein Kleidungsstück ist, das andere nach Belieben auftragen und ablegen wollen, wie es gerade passt? Dazu noch Espressas unglaublicher Satz
Non binäre wollen weder noch sein. klingt schon sehr danach, als sei das eine Masche, sich hervorzutun und Vorteile abzugreifen, oder nicht? Und ja, ich frage mich tatsächlich, ob hier mal jemand mit non binären Personen wirklich gesprochen hat? Ich bin mit einer befreundet und bin verdammt froh, dass sie das hier nicht lesen wird. Sie leidet seit Jahrzehnten unter diesem Zustand ist zumindest froh, seit einigen Jahren diesen verstehen und erklären zu können, nachdem sie immer nur "anders" war, an sich zweifelte und sich ihrer selbst lange nicht sicher war.
MissGarfield83
31.01.2022, 16:16
Non binäre wollen weder noch sein. (Wenn ich es richtig verstehe).
Trotzdem denk ich, IST die Welt binär. Und besser finden sie einen Weg, damit umzugehen, als dass die Binarität der Menschen grundsätzlich in Frage gestellt wird.
Unsere westlichen Kulturkreise sind binär. Mehr Geschlechter hat es in anderen Kulturkreisen ( polynesisch, indisch, albanisch z.b.) immer gegeben. Nur weil unsere Gesellschaft durch Herrschaft von Kirche etc. diese Welt binär diesbezüglich unterteilt hat, so ist das ebenso nur ein Konstrukt. Selbst die reine Biologie ist nicht binär ( Stichwort Intersexualität, XY- Frauen, etc. ). Von daher ist dieses bestehen auf Binärität eiglich nur der versuch sich die Welt zu simplifizieren.
@muriel : Teile deine Meinung und finde das Unwissen, die fehlende Empathie und die Ignoranz die hier wie eine Monstranz vor sich hergetragen wird schwer erträglich.
MissGarfield83
31.01.2022, 16:29
Sie leidet seit Jahrzehnten unter diesem Zustand ist zumindest froh, seit einigen Jahren diesen verstehen und erklären zu können, nachdem sie immer nur "anders" war, an sich zweifelte und sich ihrer selbst lange nicht sicher war.
Absolut. Der Leidensdruck betroffener Menschen sei es trans*/nonbinary ist recht hoch, auch ohne dass andere ihnen erzählen, dass sie ihr eigenes Genderkonstrukt herausgefordert sehen und der Mensch am besten sich unsichtbar machen soll, weil sie mit dem Anderssein des Gegenübers nicht klarkommen - auch wenn sie das nen feuchten Kehrricht angeht. Wenn man etwas nicht versteht oder nachfühlen kann, so kann man sich doch respektvoll verhalten und es einfach akzeptieren. :Meinung
Espressa
31.01.2022, 16:38
Ich hatte vorhin schon einige Fragen zum Thema gestellt. Aber man bekommt nie Antworten, sondern nur eine Rüge wie man so ahnungslos sein kann.
Wäre irgendwie netter, jene die sich auskennen würden eher mal erklären.
Was ist denn so unglaublich an dem Satz, das nonbinäre sich keinem Geschlecht zugehörig fühlen?
Matzexc1
31.01.2022, 16:43
Unsere westlichen Kulturkreise sind binär. Mehr Geschlechter hat es in anderen Kulturkreisen ( polynesisch, indisch, albanisch z.b.) immer gegeben. Nur weil unsere Gesellschaft durch Herrschaft von Kirche etc. diese Welt binär diesbezüglich unterteilt hat, so ist das ebenso nur ein Konstrukt. Selbst die reine Biologie ist nicht binär ( Stichwort Intersexualität, XY- Frauen, etc. ). Von daher ist dieses bestehen auf Binärität eiglich nur der versuch sich die Welt zu simplifizieren.
@muriel : Teile deine Meinung und finde das Unwissen, die fehlende Empathie und die Ignoranz die hier wie eine Monstranz vor sich hergetragen wird schwer erträglich.
Dann hilf uns beim Unwissen und hör mit der nebenberflichen Empörtsein-Haltung auf die hier nichts sinnvolles beiträgt. Und bitte ich habe hier schon mehrfach um beispiel für die von dir bemängelten Punkte gebeten, habe also die güte vom hohen Ross herabzusteigen
Und natürlich gibt es in jeder Gruppe Menschen, ob nun marginalisiert oder nicht, Charaktere, die völlig überzogen, was weiß ich was fordern. Sie fallen nur nicht immer so auf.
Dem letzten Satz kann ich aufgrund eigener Erfahrung nicht zustimmen. Es sind meist die Leidenden die nicht überall damit haussieren gehen, die Aufmerksamtkeitsheischer fallen sehr schnell auf
Ich bin mit einer befreundet und bin verdammt froh, dass sie das hier nicht lesen wird. Sie leidet seit Jahrzehnten unter diesem Zustand ist zumindest froh, seit einigen Jahren diesen verstehen und erklären zu können, nachdem sie immer nur "anders" war, an sich zweifelte und sich ihrer selbst lange nicht sicher war.
Ich freue mich für deine Freundin, ich fände es sehr gut wenn du uns mehr erzählen würdest, so dass wir daraus etwas für unsere Tätigkeit lernen können.
Nur vermute ich das du einen gewissen Halo Effekt hast. Du schliesst aus persönlicher Erfahrung auf die Allgemeinheit aller Personen die sich non-binär fühlen, ich kann das gut verstehen mir geht es bei anderen Dingen genauso.
Ich finde die Art und Weise wie du hier mit den Meinungen/Erfahrungen anderer umgehst nur nicht gerade sinnvoll.
Selbst die reine Biologie ist nicht binär ( Stichwort Intersexualität, XY- Frauen, etc. ). Von daher ist dieses bestehen auf Binärität eiglich nur der versuch sich die Welt zu simplifizieren.
Seit wann geht es hier um Biologie? Hier geht es aktuell nur um Gefühle und Befindlichkeiten und zwar auf der Empörungsebene
MissGarfield83
31.01.2022, 16:45
Wie fühlt man sich denn als non-binär?
Wie fühlt man sich als Mann, oder als Frau
Was soll man bitte auf diese Frage antworten? Es ist doch immer ein individuelles Ding. Espressa du stellst Fragen auf die du scheinbar keine Antwort erwartest, weil du sie so stellst dass sie nicht allgemeingültig beantwortbar sind.
MissGarfield83
31.01.2022, 16:51
Dann hilf uns beim Unwissen und hör mit der nebenberflichen Empörtsein-Haltung auf die hier nichts sinnvolles beiträgt Hmm. Gut dem gibt es wohl nichts mehr hinzuzufügen. Wer keine Erklärung will und stattdessen sich respektlos und mit Stereotypen auslässt - der kriegt auch keine. Es ist ein sensibles Thema und bisher hatte ich eher das Gefühl dass hier eine Stimmung herrscht in denen Erklärungen eh vergebene Liebesmüh sind.
Bin hier raus. Macht eh keinen Sinn.
Matzexc1
31.01.2022, 16:57
Hmm. Gut dem gibt es wohl nichts mehr hinzuzufügen. Wer keine Erklärung will und stattdessen sich respektlos und mit Stereotypen auslässt - der kriegt auch keine. Es ist ein sensibles Thema und bisher hatte ich eher das Gefühl dass hier eine Stimmung herrscht in denen Erklärungen eh vergebene Liebesmüh sind. Überzeuge mich vom Gegenteil, dann erkläre ich soweit mir möglich gerne.
Für mich hört sich das so an als ob du gar keine Antwort hast, du forderst hier Respekt ein aber gleichzeitig sitzt du auf einem sehr hohen moralischen Ross.
ich bitte dich höflichst und in aller Form um eine Erklärung bezüglich non-binär,Geschlechteridentität und wie ich als Arzt damit am besten umgehen kann.
Alternativ werde ich jede Buch- oder Blogempfehlung nur zu gerne entgegennehmen
Edit: MissGarfield, ich meine das direkt über diesem Satz stehende sehr ernst, der umgangston hier gefällt mir auch nicht
Feuerblick
31.01.2022, 16:58
Also ich wäre sehr daran interessiert, von MissGarfield und Muriel etwas mehr zum Thema zu erfahren.
Ich habe keinerlei Erfahrung im Umgang mit non-binären Personen (mit trans-Personen hingegen schon) und muss zugeben, dass mich solche Dinge bei meinem Gegenüber im normalen Umgang z.B. unter Kollegen oder im Bekanntenkreis auch nicht interessieren.
Aber für den Fall, dass man mit einer solchen Situation im beruflichen oder privaten Umfeld konfrontiert würde, wäre es doch gut, wenn diejenigen, die sich auskennen, etwas mehr erzählen würden. Das würde, da bin ich mir sicher, das eine oder andere Vorurteil abschwächen. Akzeptanz hängt auch ein wenig von Wissen ab, finde ich.
Ich gehe einfach mal davon aus, dass die meisten hier, die im Rahmen ihrer ärztlichen Tätigkeit mit non-binären Personen zu tun haben oder hatten, eher die unangenehm fordernde, laute Spezies erlebt haben. Die aber nicht die Mehrheit repräsentieren dürften und damit zu unrecht Augenrollen beim Stichwort „non-binär“ auslösen. :-nix
][truba][
31.01.2022, 17:10
Noch nie Kontakt gehabt :-nix
Endoplasmatisches Reticulum
31.01.2022, 17:46
Aber für den Fall, dass man mit einer solchen Situation im beruflichen oder privaten Umfeld konfrontiert würde, wäre es doch gut, wenn diejenigen, die sich auskennen, etwas mehr erzählen würden. Das würde, da bin ich mir sicher, das eine oder andere Vorurteil abschwächen. Akzeptanz hängt auch ein wenig von Wissen ab, finde ich.
Da gebe ich dir Recht. Aber! Am lautesten oder empörtesten sein oder das Vertreten einer bestimmten Meinung ist kein Indikator für Fachkundigkeit. Ich bezweifle ehrlich gesagt, dass es da Wissen abseits politisch einseitiger Stammtischideologie zu hören gibt. Es ist halt ein Unterschied, ob man sich zuhause in seiner Bubble bewegt, wo einem fürs Rezitieren einer Einheitsmeinung beständig auf die Schulter geklopft wird, oder ob man in der realen Welt mit kritischen Menschen diskutiert, die nicht jede in den Raum gestellte Behauptung einfach anerkennen. So bleibt für mich leider oft der fade Beigeschmack, das solche Themen Zeloten anzuziehen scheinen, die nicht diskutieren sondern nur dozieren wollen. Schade!
Feuerblick
31.01.2022, 18:07
Ich persönlich glaube, dass auch Meinungen aus einer anderen Bubble als der eigenen durchaus hilfreich sein können. Findest du nicht? Ich glaube auch nicht, dass hier irgendwer zustimmendes Schulterklopfen erwartet. Aber das Beharren auf der eigenen Meinung ohne Gegenargumente hören zu wollen (und diejenigen, die sie gerne liefern würden, durch solche Postings u.a. wie deines zu vergraulen) ist jetzt auch nicht die beste Diskussionskultur, finde ich.
Man könnte sich ja einfach mal anhören, was andere zu sagen haben und dann entscheiden, ob man es blöd findet. Statt die Leute von vornherein zu diskreditieren, weil der Ton hier im Thread nun wirklich nicht dazu angetan ist, private, sensible Dinge preiszugeben.
Ist es so aus der Mode gekommen, sich erst einmal zu informieren und sich dann eine Meinung zu bilden? DAS finde ich schade!
Wir leben in einer heteronormativen Gesellschaft, in der es Mann und Frau gibt und idealerweise heterosexuelle Beziehungen gepflegt werden. Die reine Homosexualität hat sich ja GsD über die letzten Jahrzehnte hinweg eine größere Akzeptanz erarbeitet und in den jungen Generationen ist (so mein Eindruck) deutlich weniger an Vorbehalten, dummen Witzen etc darüber zu hören. Nichtsdestotrotz ist es immer noch häufig ein Thema, dass ein Coming Out nicht mir nichts dir nichts mal eben beim Abendessen erzählt wird. Im Gegensatz zu trans*-/Nonbinaritätsthemen jedoch besteht hier jedoch eine eindeutige Geschlechtsidentifikation mit dem biologischen Geschlecht (Penis = Mann, Vulva =Frau), die sexuelle Präferenz ist aber eben nicht "klassisch" (*)
Und damit sind wir bei dem Punkt, der hier schon einige Male durcheinandergeworfen wurde: Geschlecht und Sexualität. Es gibt unterschiedliche Ebenen, Geschlecht zu definieren, auch biologisch. Äußere und innere Geschlechtsmerkmale, Chromosomen sind da die eine Seite, das, was im Englischen als "sex" bezeichnet wird, im Gegensatz zum "gender", dem sozialen, erlebten Geschlecht. Ein Kind wird geboren und aufgrund äußerlicher Geschlechtsmerkmale wird es als Junge oder Mädchen bezeichnet werden, was in über 99% der Fälle auch stimmen dürfte (übrigens ein Grund für mich, den Transmenschen häufig nicht teilen, dass ich denke, dass es, sofern nicht irgendwie auffällig, ok ist, auch von Mädchen und Jungen zu sprechen und nicht bei Kleinkindern zB von "weiblich gelesen"). Nun gibt es aber eben Menschen, die sich mit dieser Zuordnung nicht identifizieren können. Nein, ich kann mir das persönlich selber nicht vorstellen, weil ich immer ein Mädchen/eine Frau war, mich als solche fühle, nie daran zweifelte, mich in meinem Körper wohl fühle (auch wenn ich uteruslose Menschen einmal im Monat sehr beneide ;-) ) Aber es gibt nun mal Menschen, bei denen das anders ist, die ihren zB männlichen Körper nicht als den gefühlt richtigen ansehen können, die sich weiblich fühlen und nicht als eine ganze Person gefühlt und körperlich betrachten können. Da hilft es auch nicht, wie Lilo Wanders mal nette Kleider anzuziehen, das ist Travestie und hat nichts mit Geschlechtsidentität zu tun. Ich habe mir öfters mal versucht, das so vorzustellen, als würde ich plötzlich morgens ohne Brüste aber mit Penis aufwachen, meine sonstige Person würde aber völlig gleich bleiben. Wahrscheinlich trifft es das auch nicht im Ansatz, aber da kann ich mir zumindest irgendwie vorstellen, dass ich da merken würde, dass das alles nicht zusammengehört.
Bei den Transmenschen, die ich kenne, war die Erkenntnis bzw Akzeptanz dieser Erkenntnis ein Prozess, der sich über Jahre hinweg zog. Das ist keine Mode, die gerade in ist, die man mal als Trend mitmachen kann. Wie MissGarfield ja schon schrieb, ist der Prozess, bis evtl geschlechtsangleichende OPs stattfinden, ein jahrelanger mit intensiver psychotherapeutische Begleitung und Leben im "anderen Geschlecht" (weiß gerade nicht, wie ich es richtig ausdrücken soll). Alleine das zeigt ja eigentlich schon, dass es einem damit schon sehr ernst sein muss, sonst tut man sich das echt nicht an.
So, Nonbinarität. Zugegebenermaßen für mich das, was ich auch erst so gar nicht und nur ganz langsam begreife. Meine Freundin (biologisch Frau, daher vereinfacht nun so genannt) beschreibt es wie einige Transmenschen als Fremdsein im eigenen Körper, jedoch ohne Wunsch, ein anderes Geschlecht anzunehmen, weil sich das ebenso falsch anfühlt. Sie fühlt sich eben nicht als "Frau Müller" sondern als "Kim Müller" (Name stimmt natürlich nicht). Mit "sie" bezeichnet zu werden, was ja entsprechende weibliche Bilder erzeugt, passt nicht, weil eben sowohl sie als auch er falsch sind. Sie ist Mensch, nicht mehr, nicht weniger. Die englischsprachigen Länder haben they/them (die alte Singularform) zur Bezeichnung, die deutschen Versuche finde ich ziemlich schrecklich, aber ich maße mir da kein Urteil drüber an. Diese Freundin findet es übrigens voig normal zB beim Arzt als "Frau Müller" aufgerufen zu werden und wird da auch nicht zwangsläufig was sagen, außer bei der Hausärztin. In persönlichen Beziehungen/Freundschaften/Kollegialität bittet sie dann darum, einfach als Kim Müller und nicht Frau Müller bezeichnet zu werden. Da erwartet sie zu Recht Akzeptanz, wie sie woanders im Supermarkt beim Blick auf die EC-Karte genannt wird, ist ihr schnuppe.
Was mir hier so sauer aufgestoßen ist, ist nicht Unwissen, absolut nicht. Wie gesagt, verstehe ich ja auch nur einen Bruchteil von alldem. Aber es schimmerten immer wieder Tendenzen durch, die von Ignoranz, über Arroganz, Genervtsein bis ins Lächerliche ziehend waren. Und da frage ich mich, warum das so sein muss. Nur weil ich Empfindungen anderer Menschen nicht kenne, habe ich doch kein Recht, sie diesen abzusprechen. Wer bin ich, dass ich mich darüber erhebe, Diskriminierung, die nun mal besteht, nicht als solche anzuerkennen, nur weil sie mich nicht betrifft oder "ja gar nicht so gemeint war". Ich denke, wir täten gut daran, anderen zuzuhören und sie nicht zu bezichtigen, sich ja nur anzustellen oder Vorteile herauszuziehen.
* Ich klammerte hier bewusst homosexuelle Transmenschen aus in den Beschreibungen, dass es sie gibt, steht außer Frage, aber irgendwann wird es ja vielleicht doch zu kompliziert ;-)
Feuerblick
31.01.2022, 18:15
Danke! Hm, darüber muss ich mal eine Runde nachdenken. Mir war bisher nicht klar, dass man sich als Frau oder Mann „fühlt“ - jenseits der offensichtlichen biologischen Zuordnung und der Anrede, die irgendwie ja auch Gewohnheitssache ist. Oder anders: Mir war nicht klar, dass es irgendwie seltsam ist, sich als „Mensch“ zu fühlen. :-nix
xenopus laevis
31.01.2022, 18:31
Warum sprechen wir überhaupt Menschen mit Geschlecht an? Ein "Entschuldigen Sie Bitte" genügt vollkommen oder halt wie o.g. mit Vor- und Nachnamen. Ich werde sehr oft als "junger Mann", Kollegen oder "Kleiner" bezeichnet/aufgerufen. Ich will gar nicht erst wissen wie es für non-binäre Menschen empfunden wird, wenn es mich selbst enorm auf die Eierstöcke geht.
Matzexc1
31.01.2022, 18:33
Vielen Dank Muriel*gefaelltmir**gefaelltmir*
Powered by vBulletin® Version 4.2.3 Copyright ©2026 Adduco Digital e.K. und vBulletin Solutions, Inc. Alle Rechte vorbehalten.