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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Läuft der Klinikkollaps schon?



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Cor_magna
09.01.2024, 12:57
Da ich aus dem Laborbereich komme, ganz einfaches Beispiel: Fast keine Klinik hat mehr ein vor Ort Labor.
Wird seitens der Vorstände und Geschäftsführungen so entschieden. Die Ärzte sind sich der Defizite der Laborversorgung nicht in vollem Umfang bewusst, aber merken natürlich, dass es schlechter geworden ist.
Dass Transportwege von teilweise über 6 Stunden (oder mehr, inklusive Material liegt rum vor Ort) für die Präanalytik nicht in jedem Fall ideal ist, ist vielleicht nicht jedem so bewusst ;-)
Da wird auch mittelfristig kein Roboterlabor und kein Drohnenflug was dran ändern.
(Zumal der Drohnenflug aktuell noch nicht wirtschaftlich ist und die Strecken teilweise deutlich länger sind als via Auto - Stichwort Flugzonen).

Jeder der eine Uniklinik bei sich in der Stadt hat, kann vermutlich froh sein.

Ach, das ist doch immer so, das Bewusstsein was im Hintergrund so alles läuft kommt erst dann, wenn es mal nicht mehr funktioniert.

Ärzte sitzen doch auch nur rum und diktieren bisschen Briefe und reden mit Patienten, weiß gar nicht wieso die sich so aufregen, ist doch easy Leben :-))

Labormediziner sowieso, einfach den ganzen Tag "V" auf der Tastatur drücken :-))

ehem-user-19-05-2025-1430
09.01.2024, 13:06
Ich will hier keine Grundsatzdiskussion über die Allgmeinmedizin führen. Es gibt natürlich gute und schlechte Kollegen aber da sehe ich kein Unterschied zu anderen Fächern?

Ich bin allerdings doch verblüfft über manche Kommentare. Wie stellt ihr euch das vor? Patient mit Sodbrennen direkt zum Gastroenterologen schicken mit dem Hinweis aber eine Kettenhemdunterhose zu tragen sofern er nicht bekanntschaft mit der stählernen Anaconda bekommen möchte aus abrechnungsgründen?

Bei uns in der Praxis (ländliche Versorungspraxis) werden grob über den Daumen geschätzt 90% der Beratungsanlässe vor Ort geklärt ohne dass wir nur auf die Idee kommen den Patienten/die Patientin weiterzuschicken. Bei den anderen 10% erfolgt die Überweisung locker in der hälfte der Fälle nur auf Drängen des Patienten ohne das wir es für sinnvoll erachten würden. Klassiker unspezifischer Kreuzschmerz ohne Red Flags der unbedingt zum Orthopäden will, der dann entweder bei einem guten Kollegen Diclo und Physio bekommt aber bei einem schlechten ohne Untersuchung ins MR geschickt wird und dann im nächsten (!) Quartal erst wieder zum Verlauf einbestellt wird und danach Diclo und Physio bekommt... (überspitzt formuliert, gibt natürlich auch viele gute Kolleg*Innen)... während dem ganzen sind 4 Monat vergangen und der Kreuzschmerz spontan schon viel besser...

rafiki
09.01.2024, 14:05
Jemanden, der mal eben Diclo rasuhaut, als guten Kollegen zu bezeichnen, ist merkwürdig.

nappy
09.01.2024, 14:26
Das mit dem Diclo entspricht aber der Leitlinie…wobei ich lieber ibu gebe 😉

anignu
09.01.2024, 14:39
Zurück zum Thema:
dass Oberärzte Station machen müssen ist nicht neu, das gab es schon vor 10 Jahren, zumindest sporadisch. Ich war auch mal in einer Klinik in der der Chefarzt für ein paar Patienten (nicht-privat) der Stationsarzt war. Die Stationen waren alle überbelegt und die Assistenzärzte unterbesetzt und der Chefarzt war dann für die Außenlieger zuständig. Ist selten, kam aber vor.

Zentrenbildung ist auch nicht neu. Es gibt immer mehr Untersuchungen, durchgeführt von und durch große Zentren, in denen dann herauskommt dass die Ergebnisqualität von großen Zentren besser ist als von kleinen Klitschen. Macht ja auch von der Überlegung her Sinn. Wenn man in einer Klinik ist in der der Operateur täglich 8 Endoprothesen reinkloppt dann sollte das gut funktionieren. Und in der anderen Klinik in der die Gesamtheit der Unfallchirurgie keine 20 Knieprothesen einbaut pro Jahr und für jede Knieprothese >4h braucht ist das halt schwieriger. In der Onkologie ist es genauso und in immer mehr Bereichen kommt es schon oder wird es kommen.

Und das Thema "Kosten" ist auch nicht neu. Viele öffentliche Kliniken sind defizitär und werden seit Jahren subventioniert durch die öffentliche Hand während manche Privatkliniken viel Geld aus dem System abgreifen. Das Thema der Vorhaltekosten muss endlich klar auf den Tisch. Und man wird sich tatsächlich auch überlegen müssen welche Kliniken man schließt... oder umbaut. Wir haben Akuthäuser bis hin zu Unikliniken die ihre Patienten nicht losbekommen weil der Abfluss nicht gewährleistet ist. Pflegeheime sind voll, in Rehakliniken bekommt man keinen Platz etc. Und so stopft man sich die Akutversorger zu mit Patienten die man nicht mehr los wird. Dafür hat man aber viele kleine Akutversorger...

Es wird sich was ändern, die Richtungen sind irgendwie angedeutet, es werden sich manche Tendenzen verstärken andere werden abgeschwächt werden etc. Auf der anderen Seite war ich mal in einer Klinik die seit >10 Jahren tot geredet wird. Muss saniert werden, ist nicht sanierbar, muss geschlossen werden, wird aber nicht geschlossen, manche Teile der Krankenhauses sind seit vielen vielen Jahren Baustelle, andere Teile sollten Baustelle sein sind es aber nicht... Und der Klinikbetrieb geht einfach weiter. Seit vielen vielen vielen Jahren. Und wenn man ganz ehrlich ist: ein Ende ist nicht in Sicht.
Geredet wird viel, gehandelt wenig. Und wenn gehandelt wird, dann ist es halt so. Ich bin Arzt, ich hab eine gute Ausbildung. Ich mach mir keine Sorgen um meinen Job. Ich werd immer was finden. Aktuell gibt es viele offen Stellen für meinen Bereich, sie finden halt niemanden.

Tramaldol
09.01.2024, 16:08
Interessante Bericht. Die Frage ist, ob es jetzt mit der Ärzteschwemme losgeht. Habe das irgendwie schon vor Jahren vorhergesagt. In meiner Metropolregion im Südwesten sind noch viele Stellen auf Fach- und Oberarztebene ausgeschrieben. Hier gab es vor 2-3 Jahren eine Konsolidierung vor allem von kirchlichen Häusern.

Finde die Situation schon spannend und gleichzeitig etwas besorgniserregend. Bin aktuell im ANÜ-Bereich tätig. Noch finde ich Aufträge, die Angebote sind insgesamt aber etwas zurückgegangen.


Es ist doch erfreulich, dass Häuser, die miese Qualität bieten zusammengelegt werden oder umfunktioniert werden in ein MVZ oder Altenheim.

Wenn es weniger ANÜ/Honorarärzte gibt ist das ein gutes Zeichen. Es ist teuer und schlecht (jmd. bleibt nur kurz, engagiert sich dementsprechend nicht, kennt Gepflogenheiten nicht usw.) für Patienten und die Einrichtungen.


Dass Stellen ausgeschrieben werden, heißt nicht, dass sie auch besetzt werden. Die werden einfach pro forma ausgeschrieben, oder die Interessenten werden gesammelt, damit man irgendwann, wenn man wieder einstellen kann, die besten Kandidaten auf Lager hat.


In den Unikliniken, die ich kenne, werden ausgechriebene Stellen auch besetzt. In Unikliniken ist es eh immer ein Kommen-und Gehen bei Ärztem, nix neues.

Locutus001
10.01.2024, 12:44
Welch köstlicher Neologismus!

Sind das so Schwämmchen von depperten Medizinern? Davon gibt es tatsächlich eine Schwemme...

Viel saugt viel ;-)
Ab einem gewissen Tipptempo, leidet die Rechtschreibung und Zeichensetzung fürchte ich haha :-)

Feuerblick
10.01.2024, 19:35
Ich habe die Gender-Debatte mal aus dem Klinik-Kollaps-Thread abgetrennt.
Hier entlang: https://www.medi-learn.de/foren/showthread.php?110312-Gendern-in-der-Medizin
Bitte nicht wundern, „Ersteller“ ist bei sowas immer derjenige, dessen Beitrag der erste abgetrennte Beitrag ist.

Gruß
Feuerblick
MediLearn-Moderatorin

LasseReinböng
11.01.2024, 10:26
Im ANÜ-Bereich in der Anästhesie und Intensivmedizin sind die Angebote für Ärzte nach meiner Erfahrung merklich zurückgegangen, bundesweit.

Kackbratze
16.01.2024, 16:11
Dadurch, dass gerade das Geld alle ist und auch bald Wahlen anstehen, wird das mit der Krankenhausreform von Herrn L. nix mehr, die Subventionen werden jetzt auch ausbleiben, weswegen ich von einer baldigen Schließung nach Insolvenz kleinerer Kliniken ausgehe.
Selbst in Bremen wird schon ein Standort geschlossen werden, das ZKH Bremen-Mitte hat garnicht die räumlichen Kapazitäten das aufzufangen, aber politisch soll das nunmal so sein.

anignu
16.01.2024, 16:26
Es laufen auch grad teils wirklich komische Dinge. Es gibt Krankenhäuser die sind es schon weit in den roten Zahlen und dann wird in genau diesen Krankenhäusern, in der manche Abteilungen schließen müssen, eine neue Abteilung aufgebaut mit einem riesen Aufwand. Eine Abteilung für die es im Umkreis einfach tatsächlich viele Alternativen bereits gibt. Also in eine volle Konkurrenzsituation hinein. Mit sinnvoller Krankenhausplanung hat das nichts zu tun. Jeder macht was er gern tut und will sich profilieren. Zahlt ja eh dann die Stadt oder der Landkreis...

Endoplasmatisches Reticulum
16.01.2024, 16:40
..........

Kandra
16.01.2024, 16:56
Es laufen auch grad teils wirklich komische Dinge. Es gibt Krankenhäuser die sind es schon weit in den roten Zahlen und dann wird in genau diesen Krankenhäusern, in der manche Abteilungen schließen müssen, eine neue Abteilung aufgebaut mit einem riesen Aufwand. Eine Abteilung für die es im Umkreis einfach tatsächlich viele Alternativen bereits gibt. Also in eine volle Konkurrenzsituation hinein. Mit sinnvoller Krankenhausplanung hat das nichts zu tun. Jeder macht was er gern tut und will sich profilieren. Zahlt ja eh dann die Stadt oder der Landkreis...

Spielst du damit auf diese eine Klinik in eurem Klinikverbund an? Das fand ich auch wunderlich..
Wurde aber vermutlich schon länger geplant wie es die Reformpläne gibt und war deshalb schwer zu stoppen.

Kackbratze
16.01.2024, 20:25
Jetzt erstmal die Umstellung der Notaufnahmen auf vorherige Telefontriage "zur Entlastung". Alter, was für ein bullshit. Nicht EIN Mensch wird am Telefon die Verantwortung übernehmen, das wird dann ALLES endgültig in die Krankenhäuser verfrachtet werden.

Das hier ist Deutschland, die passenden Buzzwords werden per whatsapp, reddit und facebook geteilt werden, so dass parallel auch keine andere Wahl als die Notaufnahme bleibt.

Aber auch da nochmal etwas aufbauen, was man nicht braucht, mehr Geld versenken und nach und nach in der Versenkung verschwinden lassen, nachdem das Geld erstmal verloren ist UND die Kliniken dadurch über die Klippe geschubst wurden.

Thomas24
16.01.2024, 21:06
Hey, aber Karl L. geht das Problem der überlasteten Notaufnahmen an... Die Ärmel hochgekrempelt, was für ein Machertyp /s

Mal im Ernst: man merkt fast jeder seiner Entscheidungen an, dass er nie auch nur einen Tag klinisch gearbeitet hat.
Währenddessen stapeln sich auch zukünftig die Leute in der ZNA kreuz- und quer, angefangen vom Atemwegsinfekt über "die Stelle am Rücken juckt seit Tagen so komisch" bis hin zum vitalen Notfall... und alle sind *natürlich* bereits am Telefon her-vor-ra-gend triagiert worden. Ne, is klar.

anignu
17.01.2024, 00:20
Spielst du damit auf diese eine Klinik in eurem Klinikverbund an? Das fand ich auch wunderlich..
Wurde aber vermutlich schon länger geplant wie es die Reformpläne gibt und war deshalb schwer zu stoppen.
Nö, überhaupt nicht. Das macht tatsächlich Sinn, wenn auch nicht aktuell in der jetzigen Sekunde sondern perspektivisch und völlig anderem Zusammenhang und im Verbund und mit Restrukturierung von ein paar Leuten usw... Es gibt da tatsächlich ein paar Ideen, mit denen es so richtig richtig Sinn macht, sowohl aus Patientenperspektive als auch als Mitarbeiterperspektive als auch aus Klinikverbundperspektive. Aber politische Gründe verhindern das noch. Das könnte ich dir wann anders gern erzählen.
Ich mein andere Kliniken in der Nähe. Die suchen teils per Headhunter...


Notaufnahmen sind für mich der Graus. Sowas von vollkommen fehlentwickelte Einrichtungen als Anlaufstelle für alles was schief läuft in diesem System. Da kommt einfach alles zusammen. Jeder noch so große Mist, alles was keinen niedergelassenen Arzt findet, bis hin zu den echten Notfällen. Und weil man so oft so limitiert ist von den Zimmern und vom Personal gibt es so oft so sinnlose Wartezeiten. So viele Dinge könnten anderweitig ambulant geklärt werden. Mit bissl "Gesundheitsbildung" von den Leuten und ambulanten Möglichkeiten andererseits.

ehem-user-19-05-2025-1430
17.01.2024, 10:33
Das Ergebnis der jetzigen Situation hat doch wirkklich gar nichts mit der Politk Karl Lauterbachs zu tun sondern liegt - wie in so viele Bereichen - an seit Jahren verschleppten Entscheidungen/Weigerung politischer Entscheidungen. Will jetzt hier wirklich keine Detaildiskussion aber Karle vorzuwerfen dass er noch nie Station geschrubbt hat ist doch wirklich komisch wenn man bedenkt dass er der einzige Minister wahrscheinlich seit jahren ist der absolut vom Fach und Experte ist. Und wenn man als Geundheitsminister voin Haus aus Gesundheitsökonom und Epidemiologe ist statt irgendein porschefahrender Ärztelobbyist find ich ich jetzt von der Fachlichkeit in ordnung. Irgendwelchen niedergelassenen oeprativen Augenärzten/ästhetischen Dermatologen/Plastikern oder Implant-Zahnärzten nocht mehr Kohle zuzufrachten, da is er sicherlich der falsche, keine Frage. Ob das ein Problem ist darf jeder selbst entscheiden.

Meine These mittlerweie in Anbetracht unserer ärztlicehn Selbstverwaltung: je mehr Kritik von Ärzten ein Gesundheitsministe hat, desto bessere Arbeit leister er wahrscheinlich. Wenn man mal allein unseren KV-Chef anguckt, dass der keine Goldzähne hat wundert einen ja schon...undwürdig....

Bonnerin
17.01.2024, 10:57
Das Ergebnis der jetzigen Situation hat doch wirkklich gar nichts mit der Politk Karl Lauterbachs zu tun sondern liegt - wie in so viele Bereichen - an seit Jahren verschleppten Entscheidungen/Weigerung politischer Entscheidungen. Will jetzt hier wirklich keine Detaildiskussion aber Karle vorzuwerfen dass er noch nie Station geschrubbt hat ist doch wirklich komisch wenn man bedenkt dass er der einzige Minister wahrscheinlich seit jahren ist der absolut vom Fach und Experte ist. Und wenn man als Geundheitsminister voin Haus aus Gesundheitsökonom und Epidemiologe ist statt irgendein porschefahrender Ärztelobbyist find ich ich jetzt von der Fachlichkeit in ordnung. Irgendwelchen niedergelassenen oeprativen Augenärzten/ästhetischen Dermatologen/Plastikern oder Implant-Zahnärzten nocht mehr Kohle zuzufrachten, da is er sicherlich der falsche, keine Frage. Ob das ein Problem ist darf jeder selbst entscheiden.

Meine These mittlerweie in Anbetracht unserer ärztlicehn Selbstverwaltung: je mehr Kritik von Ärzten ein Gesundheitsministe hat, desto bessere Arbeit leister er wahrscheinlich. Wenn man mal allein unseren KV-Chef anguckt, dass der keine Goldzähne hat wundert einen ja schon...undwürdig....

Good luck have fun als Hausarzt im System von Hr. L.

davo
17.01.2024, 10:59
Ausgeprägter Masochismus scheint bei deutschen Ärzten recht verbreitet zu sein...

Christoph_A
17.01.2024, 12:00
Epidemiologe.......rofl....das Karlchen, unser Universalgelehrter.
Ich bin ja der ganzen Coronapandemie bis heute böse, daß sie dieses Mietmaul der Klinikkonzernketten, das ja eigentlich schon eingemottet war, wieder aus seiner Tonne geholt hat. Ansonsten, jeder weitere Satz zur überbordenden Kompetenz unseres Gesundheitsministers wäre zuviel der Ehre.