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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Läuft der Klinikkollaps schon?



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docdean
15.02.2024, 14:13
Keine oder schlechte Gesundheitsversorgung ist für die Volkswirtschaft noch teurer. ... Wäre alles möglich, aber kostet halt Geld und das darf es ja heute nicht mehr.

Genau, heute getätigte Investitionen würden langfristig viele Kosten sparen und die gesamte Gesellschaft und Wirtschaft stützen. Aber bedank dich bei den Lügnern und Bauernfängern der CDU und FDP, dass der Staat aufs Minimum begrenzt bleiben muss und auf gar keinen Fall übers Budget hinaus planen darf.


Leider wird immer vergessen, dass auch sog. Konsumausgaben des Staates für die Wirtschaft förderlich sind. Würde man der Ärzteschaft, den Pflegekräften, Physiotherapeuten, technischen Assistenten, medizinischen Fachangestellten etc. attraktive Arbeitsbedingungen schaffen und sie gut bezahlen, würden diese das Geld ja auch wieder ausgeben und damit in die Privatwirtschaft getragen. Die Bezahlung wäre wohl kaum so hoch, dass das meiste ungenutzt auf dem Konto versauert. Aktuell schrecken die Umstände aber mehr Bewerber ab, sodass sich die Leute lieber in irgendwelche Bullshit-Jobs begeben.

Hm, als Arzt muss ich zugeben, dass ich gar nicht mehr Geld ausgeben kann oder will, als ich schon habe, alles darüber hinaus würde tatsächlich in die Altersvorsorge oder sogar in Arbeitszeitverkürzung gehen. Aber ansonsten stimme ich zu. Dass ein großer Teil der Berufstätigen heute so niedrig bezahlt wird, dass sie außer beim Vermieter kaum noch Geld ausgeben können, ist eine Katastrophe für die Binnenwirtschaft und eine Spirale nach unten. Dass die sich dann gesellschaftlich relativ wertlose Jobs suchen, ist das eine Problem, das größere ist ja, dass viele sogar überhaupt nicht mehr arbeiten wollen, weil es sich nicht lohnt. Mit Bürgergeld hat man fast genauso wenig Geld, dafür aber weniger Stress mit den Fixkosten und mehr Freizeit.

Tramaldol
15.02.2024, 16:01
Keine oder schlechte Gesundheitsversorgung ist für die Volkswirtschaft noch teurer. Als Teil der öffentlichen Daseinsvorsorge darf der Staat da meiner Meinung nach gern Geld reinpumpen und nicht auf Kosten der Mitarbeiter und der Schwächsten im System (Gesundheitsversorgung von Kindern, Obdachlosen etc.) das ganze kaputtsparen. (...) Würde man der Ärzteschaft, den Pflegekräften, Physiotherapeuten, technischen Assistenten, medizinischen Fachangestellten etc. attraktive Arbeitsbedingungen schaffen und sie gut bezahlen, würden diese das Geld ja auch wieder ausgeben und damit in die Privatwirtschaft getragen. Die Bezahlung wäre wohl kaum so hoch, dass das meiste ungenutzt auf dem Konto versauert. Aktuell schrecken die Umstände aber mehr Bewerber ab, sodass sich die Leute lieber in irgendwelche Bullshit-Jobs begeben.

Keine oder schlechte Gesundheitsfürsorge ist Blödsinn, insbesondere für den Teil der Bevölkerung, die aktiv im Arbeitsleben steht. Man muss jedoch konstatieren, dass es einfach viel zu viel Geld im System gibt und es falsch ausgegeben wird. Die Profiteure tun alles mögliche um den Status quo aufrechtzuerhalten.
In einer Diskussion von Pneumologen ging es zuletzt darum, was man ambulant machen könne und was nicht und was man dadurch spart. Man "spare" ja nur den Nachtdienst sagt der Chefarzt. Nein: Da arbeiten Pflegekräfte im 3 Schichtmodell und auch ein Arzt ist nachts da. Ganz klar ist ambulant günstiger als stationär. Und das ist nur ein Beispiel. Es wird sehr viel gemacht "wegen der Abrechnung" . Es bestehen in zahlreichen medizinischen Bereichen "Fehlanreize" die gnadenlos durch MVZ-Ketten, aber auch Klinikbetreibern ausgenutzt werden.
Das muss reformiert werden, nicht einfach mehr Geld mit Steuermitteln oder Beiträgen mit der Gießkanne verteilen. Dann meckert zwar keiner, aber es ist Blödsinn.
Mit dem Abbau von Betten und den ganzen Mini-Einheiten wird dann endlich mehr Personal frei die Berufe werden wieder attraktiver wegen besserer Personalschlüssel. Jeder weiß wieviele Patienten eine Pflegekraft in Ausland betreut und wieviele hier.

Kackbratze
15.02.2024, 20:56
Jeder weiss auch, dass sich Qualifikation, Ausbildung und berufliche Tätigkeiten unterscheiden.

Tramaldol
18.02.2024, 12:12
Wichtig wäre es die Beiträge zu den Krankenversicherungen stark zu begrenzen. Wer mehr haben will außer Basisversorgung, soll eine Zusatzversicherung abschließen. Dass der CA der Anästhesie dann nicht mehr 1x Woche mit dem weißen Jaguar vorfahren kann und durch den OP schlendert, muss dann möglicherweise "leider" in Kauf genommen werden.

davo
18.02.2024, 12:16
Viel mehr als eine Basisversorgung bekommt man doch in vielen Fächern schon heute nicht.

LasseReinböng
18.02.2024, 12:54
Um es auf den Punkt zu bringen: Was ist eurer Meinung nach der Hauptgrund oder wichtigste Auslöser für die aktuellen Klinikpleiten? Man hört die unterschiedlichsten Theorien, von zu vielen und zu teuren Honorarärzten, weil man kein Personal mehr findet, bis hin zur Pandemie.

Den einen Kostenfaktor gibt es nicht. Mal davon abgesehen - ich bin ja erstaunt, wie sehr die Zeitarbeit in der Pflege zugenommen hat. Ich war neulich in einer Anästhesie tätig, wo ca. 30% der Anästhesiepflege von der Zeitarbeit waren.

Was das Honorararztwesen betrifft, so habe ich den Eindruck, daß es dort gerade richtig bergab geht. Closed Shop ?!

Endoplasmatisches Reticulum
18.02.2024, 13:47
..............

Tramaldol
18.02.2024, 18:02
Viel mehr als eine Basisversorgung bekommt man doch in vielen Fächern schon heute nicht.

Das sehe ich anders. Wenn du z.B. im Ruhrgebiet eine neue Hüfte willst, kannst du innerhalb von 20 km dir ne Klinik aussuchen (!) und in drei Tagen ist sie drin. Anderswo gibt's Wartezeit.
Ähnlich ist es bei Medikamenten. Während anderswo die Guidelines preisgünstige Medikamente als "Basis" fordern, kann man hier oftmals aufschreiben, was man will ohne sich rechtfertigen zu müssen.
Es ist bereits sehr viel Geld in dem System und will man umschichten, gibt es einen Riesenaufschrei. Es kann jedoch nicht die Lösung sein mit der Gießkanne noch mehr Geld reinzupumpen.

anignu
19.02.2024, 17:04
Es ist bereits sehr viel Geld in dem System und will man umschichten, gibt es einen Riesenaufschrei.
Das war immer so und wird immer so sein. Jedem dem Geld weggenommen wird, wird anfangen zu protestieren.

Üblich sind auch pauschale Kürzungen in jedem Bereich um 10% und dann schaut man mal wer sich am meisten wehrt und bei denen macht man dann halt nur 5% mit dem Argument "jeder muss seinen Teil beitragen". Usw. Alles ganz normal.

Und viele Dinge sind aktuell noch gar nicht begriffen oder durchkalkuliert: z.B. alles was Richtung Ambulantisierung geht.
Aktuell werden in Kliniken gern mal "ambulante" Eingriffe stationär gemacht weil die Schmerzen postoperativ ja ach so groß sind und dann wird eine stationäre DRG abgerechnet. Weil die ganze Infrastruktur der Klinik einen ambulanten Eingriff einfach nicht wirtschaftlich abbildet und man so doch noch bissl was mitnimmt. Und jetzt kommen dann Hybrid-DRGs. Ehrlich gesagt habe ich die ganze Sache noch nicht im Detail durchgeschaut, nach meinem Verständnis läuft es jedoch darauf raus dass Eingriffe pauschal abgerechnet werden egal ob ambulant oder stationär. Und das würde für die jetzt ambulanten Eingriffe eher ein Plus und für die jetzt stationären Eingriffe eher ein Minus bedeuten... wird noch spannend.

Kackbratze
21.02.2024, 13:28
Es bedeutet erstmal, dass die ambulanten Anästhesisten plötzlich zu "Angestellten" der abrechnenden Chirurgen werden. Spannende Zeiten.
Ansonsten sind die Hybrid-DRG auf so wenige Eingriffe beschränkt (beidseitige Leistenhernien sind z.B. ausgenommen), so dass das wieder ein Reform-Sturm im Wasser-Schnapsglas ist.

rafiki
21.02.2024, 14:55
Was das Honorararztwesen betrifft, so habe ich den Eindruck, daß es dort gerade richtig bergab geht. Closed Shop ?!

In meinen Gebieten nicht. Werde täglich zugeschüttet mit Angeboten. Nur leider werden die Preise gedrückt bzw. steigen nicht weiter, weil sich etliche billig verkaufen: Discounter-Ärzte für Discounter-Kliniken.

AlexDo86
21.02.2024, 17:36
In meinen Gebieten nicht. Werde täglich zugeschüttet mit Angeboten. Nur leider werden die Preise gedrückt bzw. steigen nicht weiter, weil sich etliche billig verkaufen: Discounter-Ärzte für Discounter-Kliniken.

Erhalte auch täglich Angebote. Bezahlung meist zwischen 95 und 110/Stunde + Unterkunft, Anreise etc.
Gesucht werden meist Assistenz- oder Fachärzte, insbesondere für Dienste.
Insgesamt habe ich eher den Eindruck, dass die Nachfrage seitens der Kliniken weiter steigt, als dass es bergab geht.

rafiki
21.02.2024, 17:50
Als OA hatte ich mal für 6 Monate für 2€/min bei minutenweiser Abrechnung, Überstunden genauso und freie Unterkunft. Aber das wäre mir mittlerweile deutlich zu wenig bei der Schufterei.

freak1
21.02.2024, 19:20
Vermutlich geht nur diese unvorstellbare Auftragslage bei den Anästhesisten zurück?

][truba][
21.02.2024, 19:46
@KB und anignu

Haben eure Kliniken denn dort schon sinnvolle Konzepte erarbeitet bzgl der Hybrid-DRG?

In der Uro betrifft es relativ viele Eingriffe (theoretisch jede URS) und das Potenzial dahingehend (eben die 1,4K für einen ambulanten Fall einzustreichen) hat bei uns weder mein Chef noch die Geschäftsführung gepeilt. Die einen wollen die OP gar nicht mehr anbieten, die anderen einfach weiter mit einer Übernachtung durchziehen (dann natürlich defizitär). „Haben wir halt schon immer so
gemacht“. Diese starren Klinikstrukturen sind echt manchmal grausam.

anignu
21.02.2024, 23:19
Nach meinem Wissen: null.

Aktuell umfasst der (Start-)Katalog ja nur Viszeralchirurgie mit bestimmten Hernien + Sinus pilonidalis, Fußchirurgen, paar Uro-Sachen und paar Gyn-Sachen. Letztlich ist es aber aus meiner Sicht nicht schwierig herauszufinden was kommen wird: die ganzen Grenzfälle von ambulant zu stationär. In der Gefäßchirurgie sind das Shunt-Neuanlagen, vielleicht sogar Shuntrevisionen, und alle PTA-Sachen. Und hier wird es plötzlich auch extrem politisch denn aktuell sind in Sachen PTA im ambulanten Sektor nur Radiologen mit der KV abrechnungsbefugt und sowohl die Angiologen als auch Gefäßchirurgen laufen dagegen Sturm. Im stationären Setting machen Gefäßchirurgen regelmäßig PTAs und ambulant wäre es plötzlich nicht erlaubt... egal. Anderes Thema.
Auf jeden Fall glaube ich dass die schön langsam einfach keinen Bock mehr haben dass man mit haarsträubenden Ausreden einen stationären Aufenthalt rechtfertigt um deutlich mehr zu kassieren. Ich geh davon aus dass da auch Hybrid-DRGs kommen werden. Und schön langsam wird sich dann herauskristallisieren welche Kliniken den Umstieg verstehen und welche nicht.

Neckar
22.02.2024, 04:03
[truba][;2276271']@KB und anignu

Haben eure Kliniken denn dort schon sinnvolle Konzepte erarbeitet bzgl der Hybrid-DRG?

In der Uro betrifft es relativ viele Eingriffe (theoretisch jede URS) und das Potenzial dahingehend (eben die 1,4K für einen ambulanten Fall einzustreichen) hat bei uns weder mein Chef noch die Geschäftsführung gepeilt. Die einen wollen die OP gar nicht mehr anbieten, die anderen einfach weiter mit einer Übernachtung durchziehen (dann natürlich defizitär). „Haben wir halt schon immer so
gemacht“. Diese starren Klinikstrukturen sind echt manchmal grausam.

Bin auch in der Uro und wir befassen uns aktuell damit. Wie können 1,4K überhaupt kostendeckend für so eine material intensive op sein? Operateur, ota, Anästhesist, Anästhesie Pfleger, Narkose und medis, starres + ggf. flexibles URS gerät, ggf. DJ, steri kosten usw. Da verpuffen sich 1400€ sehr schnell.

iIn meiner Umgebung hat kein niedergelassener Urologe Bock/die Möglichkeit es anzubieten.

Frage mich ehrlich, wenn das für die Krankenhäuser defizitär wird, wer dann die Eingriffe durchführen wird.

][truba][
22.02.2024, 04:30
Gut, die Punkte die du ansprichst (Operateur, OTA, Anästhesist etc.) arbeiten ja eh im Krankenhaus. Die müssen, anders als die ambulanten Kollegen, nicht extra bezahlt werden (siehe KB´s Post).

Das System hat meiner Meinung nach schon Sinn. Wie oft sehe ich Eingriffe, bei denen ich überhaupt nicht verstehe, warum die in der Klinik bleiben (müssen/sollen wg. der Abrechnung). Junge Leute mit Steinen bis 10mm, die man im besten Fall einfach raus zieht oder einfach gelasert bekommt und dann eben raus holt.

Und es gibt ja immer die Möglichkeit den Fall trotzdem stationär abrechnen zu lassen. Habe ich, wie du es beschreibst, einen komplizierteren Fall bei dem ich nun wirklich alle Register ziehen muss und semirigides und flexibles URS Gerät brauche, die Schleimhaut beim Lasern eventuell alteriert wird etc. pp. habe ich meinem Chef vorgeschlagen z.B. am Ende des Eingriffes einen Mono - J mit DK zu legen und den Patienten 48-72h damit zu versorgen. Dann raus und E. Dann kann man, allein mit der OP und dem Ödem- und somit Kolikrisiko, Vermeidung von Fieber den Aufenthalt rechtfertigen und er wird stationär (besser) vergütet.

Wenn man so jemandem natürlich zusätzlich einen DJ legt, ihn am nächsten Tag entlässt und in der hybriden DRG bleibt, macht man auf jeden Fall ein Defizit.

Wird auf jeden Fall interessant zu sehen wie es sich entwickelt. In der Ambulanz sieht es nämlich wieder anders aus. Da hat KB recht. Denn von den 1,4k muss der, der abrechnet, nämlich alles bezahlen. Material, andere Kollegen, Saalmiete etc. Da sehe ich auch nicht direkt wer das übernehmen/machen soll. Allein so ein Dormia Körbchen kostet ja schon gut min. 100€