Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Gendern in der Medizin
Normalerweise nicht, nein. In Verbindung mit dem Gesamtbild halte ich in diesem Fall die aktivistische Intention dahinter aber für recht eindeutig.
Fühlst du dich denn von einer Stellenausschreibung für eine Fachärztin (w/d/m) angesprochen? Oder nur, wenn ein Facharzt (m/w/d) gesucht wird? Und fasst dich das emotional an, dass hier plötzlich die weibliche Form steht?
Endoplasmatisches Reticulum
11.01.2024, 19:20
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Aber gerade wegen der weiblichen Dominanz im Gesundheitswesen wäre es doch eigentlich nur logisch, immer die weibliche Form zu benutzen. Hat man ja in den Jahren der Männerdominanz auch mit der männlichen Form gemacht.
Ich finde es schade, dass eine eigentlich gute Entwicklung, nämlich die zunehmende Wahrnehmung, dass es nicht nur Männer auf der Welt gibt, so politisiert wird, egal von welcher Seite. Ich schüttele über die Hardcore-Feministinnen oder Leute die hinter m/w/d noch 45 weitere Buchstaben haben wollen auch den Kopf, weil es einfach irgendwann nicht mehr praktikabel ist. Aber ein bisschen Sensibilisierung für das Thema ist doch nicht schlecht.
Ich fühle mich natürlich auch bei der männlichen Form angesprochen und bin auch niemandem böse, der mich zB als Arzt bezeichnet (tatsächlich habe ich einen Nachnamen, der NIE richtig ausgesprochen wird, ich bin es also gewohnt auf ungefähr alles zu reagieren ;) ), aber ich versuche tatsächlich wenn ich über mich selbst oder andere weibliche Personen spreche, hier bewusst die weiblichen Formen zu benutzen.
Es ist halt wie bei gerade so ungefähr allem auf der Welt: Der Mensch ist ein Gewohnheitstier und möchte sich nicht ändern. Veränderungen sind grundsätzlich erst mal schlecht. Irgendwann gewöhnt man sich dran und dann ist es egal. Klar ist es einfacher, sich über das Gendern zu echauffieren, dann muss man in der Zeit nicht über den zunehmenden Faschismus in Deutschland oder den Klimawandel nachdenken. Das würde ja noch mehr Anstrengung bedeuten, die man auf gar keinen Fall möchte. Und natürlich wird das Thema dann auch gerne von der Politik aufgegriffen, denn solange sich die Leute nur wegen dem Gendern beschweren, fällt ihnen nicht auf, dass auch bzgl der anderen Themen von der Politik nichts kommt und diese können sich weiter um die wirklich schwierigen Entscheidungen drücken.
Endoplasmatisches Reticulum
11.01.2024, 19:56
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Damit egalisiert man aber die vergangenen Bestrebungen etwa des ursprünglichen Feminismus', auf eine Geschlechtergleichberechtigung hin zu wirken. Denn wenn so etwas jetzt richtig sein soll, weil Frauen überrepräsentiert sind, war es auch früher nicht falsch, als Männer überrepräsentiert waren.
Ich bin absolut gegen Auge um Auge, Zahn um Zahn im Kulturkampf. Damit kommen wir nie vorwärts, sondern pendeln für alle Ewigkeit von einem Extrem ins andere und zurück. Und sehr wahrscheinlich lassen wir viele gute Intentionen und partielle Errungenschaften auf dem Weg hinter uns.
Und damit sind wir doch bei meiner ursprünglichen Aussage: Leben und leben lassen und sich auf die wirklich wichtigen Dinge konzentrieren :)
(Ich hatte noch überlegt, ob ich hinter den ersten Absatz einen Zwinkersmiley setze)
Hab ich mir gerade angehört und stimme in allen Punkten zu!
Wirklich ein sehr guter, unaufgeregter Vortrag.
Danke. Genau so sehe ich das auch.
Und nach dem Vortrag bin ich für mich zu dem Schluss gekommen: macht doch alle was ihr wollt, solange ich auch machen darf was ich will. Und eben dass viele Leute Gendern als Soziolekt verwenden, womit ich kein Problem hab weil ich mit meiner Sprache meist zwar keinen Soziolekt aber meist einen ganz klaren Regiolekt verwende. Womit ich wiederum mit meinem Patientengut sehr gut zurecht komme, die meisten fühlen sich damit scheints sehr wohl...
Espressa
12.01.2024, 10:30
Ich gestehe, dass ich zwischenzeitlich etwas verunsichert war, ob meine Abwehrhaltung dem gendern gegenüber ok ist, oder ob ich mich damit irgendwie inkorrekt verhalte.
Aber nach dem Vortrag bin ich völlig beruhigt und hab auch reichlich Erkenntnisse und Argumente dagegen dazugewonnen.
Endoplasmatisches Reticulum
12.01.2024, 13:41
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Philip_MHH
12.01.2024, 14:15
Es bleibt nur zu hoffen, dass diese Vergewaltigung unserer Sprache sich zügig totläuft. ich nutze Konsequenz das generische Maskulinum, bzw. die in unserer Sprache vorgesehenen Geschlechtsformen und nicht diese Sprachdiarrhoe.
Endoplasmatisches Reticulum
12.01.2024, 15:28
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Kackbratze
12.01.2024, 15:37
Deshalb sind Argumente à la „ist doch wirklich unwichtig“ oder „einfach leben und leben lassen“ Nebelkerzen. Du kannst nämlich die Hand ins Feuer legen, dass, sollte der Tag kommen, an dem Verfechter solcher Ideologien in effektive Machtpositionen gelangen, vom „leben lassen“ kein Krümel übrig bleibt.
Amen.
Das Problem ist die Triebfeder, die solchen konstruierten Reformen zu Grunde liegt. Man versteht sich als Verfechter von Gerechtigkeit und Fortschritt; als Underdog in Rebellion gegen eine intolerante und festgefahrene Mehrheitsgesellschaft. Wer aber Kultur reformieren will, kann die „überholte“ Altkultur nicht tolerieren.
Deshalb sind Argumente à la „ist doch wirklich unwichtig“ oder „einfach leben und leben lassen“ Nebelkerzen. Du kannst nämlich die Hand ins Feuer legen, dass, sollte der Tag kommen, an dem Verfechter solcher Ideologien in effektive Machtpositionen gelangen, vom „leben lassen“ kein Krümel übrig bleibt.
Das halte ich für ziemlich überzogen und paranoid. Als hätte jemand das Gendern erfunden um eine Ideologie durchzusetzen. Die Entwicklung ist aber eine, die sich selbst am laufen hält, weil eben viele, die ein Image und „Corporate Identity“ erhalten wollen, sich nicht auf der Seite der vermeintlich moralisch unterlegenen Position sehen will. Genauso funktioniert anti-rassismus, genauso funktioniert die Tierschutz-Bewegung…. Da steht aber niemand hinter, der das orchestriert. Es gibt nur Nutznieser, die damit unliebsame Konkurrenten ausbooten, weil es ihnen gerade in den Kram passt. Schon mal überlegt, dass die MHH ggf einen Vorteil davon hat, intelligente Frauen einzustellen, die sich eben vorrangig von diesen Stellenanzeigen angesprochen fühlen? Sie haben sich als fleißige Arbeitnehmer herausgestellt und jetzt passen weitere davon eben gut ins Team…. Da profitieren einige vom Gendern - aber diese Profiteure wollen nicht Gendern, sondern Macht und Geld wie immer…
Es bleibt nur zu hoffen, dass diese Vergewaltigung unserer Sprache sich zügig totläuft. ich nutze Konsequenz das generische Maskulinum, bzw. die in unserer Sprache vorgesehenen Geschlechtsformen und nicht diese Sprachdiarrhoe.
Wow, wenn wir jetzt auf dem Niveau angekommen sind, dann bin ich hier raus.
Spannend das hier vor allem Männer dagegen argumentieren, ist aber eigentlich auch logisch. Das Thema ist offensichtlich sehr angstbehaftet.
Natürlich wird mir gleich whataboutism vorgeworfen, trotzdem möchte ich gerne aus der Süddeutschen Zeitung zitieren:
„ Manche deutsche Debatten, die große Wellen schlagen, erscheinen angesichts dieser höchst beunruhigenden Aussichten wie eine Weltflucht. Draußen toben Kriege und Krisen, aber wir diskutieren mit heiligem Eifer, ob Gendersterne die Gesellschaft zu einem besseren Ort machen (die linke Position) oder dringend zu verbieten sind (die konservative). Wer in Talkshows nicht mehr eingeladen werden soll, weil er oder sie etwas gesagt hat, was anderen nicht gefiel. Ob der Versuch, Ölheizungen des Klimas wegen langfristig aus dem Verkehr zu ziehen, gegen ein imaginäres Grundrecht verstößt, nicht mit lästigen Notwendigkeiten behelligt zu werden. Viele Deutsche, die sich mit Hingabe solchen Luxusproblemen widmen, werden sich diese noch zurückwünschen, sollte Trump die Präsidentschaftswahl 2024 gewinnen.“
Aber Hauptsache wir verbieten das Gendern und retten die deutsche Sprache :)
Feuerblick
12.01.2024, 17:54
Naja, mindestens zwei Frauen hier argumentieren auch gegen das Gendern und dafür, dass man Begriffe nutzt, wie sie grammatikalisch vorgesehen sind. :-nix
Ja, wir haben wichtigere Probleme. Aber es ist unnütz und nervt dennoch.
und eine Frau hat kein Bock auf Gendern und Argumentieren...
Endoplasmatisches Reticulum
12.01.2024, 18:49
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LasseReinböng
12.01.2024, 20:23
Das kommt daher, dass die meisten Leute nicht abstrahieren können. Der neue Faschismus kommt eben nicht und sagt: "Ich bin der Faschismus." Der kommt und sagt: "Ich bin der Gute."
oder eben..."ich bin der Antifaschismus" nach Ignazio Silone. Genau so ist es...
Demokratische, freie und offene Gesellschaften sind leider nicht nur durch ältere weiße Männer in braunen Cordhosen und grünen Joppen bedroht.
Kapieren aber viele nicht in unserer Gesellschaft und meinen, sie können sich mit ein bisschen Engagement gegen rechts hier und ein bisschen Regenbogenflagge schwenken da "reinwaschen" um endlich zu den guten Deutschen zu gehören.
Moorhühnchen
12.01.2024, 20:38
Spannend das hier vor allem Männer dagegen argumentieren, ist aber eigentlich auch logisch.
Naja, nicht nur die männliche Fraktion.
Ich verstehe den Sinn, den das Gendern bezwecken will, aber die gute Absicht passt in meinem Empfinden nicht zur deutschen Sprache - weder im Schriftbild noch im Sprachgebrauch.
Ich bin lieber weiterhin Kollegin unter Kollegen, statt Kollegin unter Kolleg*innen. Da schüttelt's mich zu sehr!!
oder eben..."ich bin der Antifaschismus" nach Ignazio Silone.
Viele, auch Akademiker, wissen nicht, dass der Nationalsozialismus eine üble linke Ideologie war bzw. ist. Und diese menschenverachtende Denken. steckt in vielem, was sich heute hinter Gutmenschentum versteckt - in jeglicher Couleur antidemokratisch und antirechtsstaatlich bis aufs Blut.
Das halte ich für ausgemachten Schwachsinn- oder kannst du das irgendwie belegen, rafiki?
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