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Feuerblick
21.11.2002, 13:27
Da Du Dich schon für den Ausdruck "Material" meintest, rechtfertigen zu müssen, scheinst DU in den "nur toten Körpern" zumindest etwas zu sehen, dem man mit gewissem Respekt oder zumindest Anstand begegnen sollte und eben den vermisse ich...nicht mal so sehr bei von Hagens selbst, als beim durchschnittlichen Körperwelten oder Sektionsbesucher

Ich war wie gesagt vor einigen Jahren auf einer Körperwelten-Ausstellung und muss sagen, dass der duchschnittliche Besucher den ausgestellten Körpern sicher genauso viel wenn nicht sogar mehr Respekt und Interesse entgegengebracht hat, als der durchschnittliche Medizinstudent "seinen Leichen" im Präp-Kurs, die er halt sezieren mußte...

Die Rechtfertigung meines Ausdrucks sollte eher ein Entgleiten der Diskussion wegen meiner Wortwahl verhindern..... :-)

Gruß
Feuerblick
:-angel

Alles wird gut
21.11.2002, 14:20
Original geschrieben von Rico

Besonders kritisch wird es, wenn man Tabus bricht, die so tabu sind, daß gesetzlich ganz eindeutig verboten sind. Denn tote Körper sind nicht bloß leere Hüllen (@Feuerblick) oder Überbleibsel. Nicht umsonst haben wir Straftatbestände wie Leichenschändung, Störung der Totenruhe, etc.) - die Würde des Menschen bleibt über den Tod hinaus bestehen und (jetzt kommt der Knackpunkt:) ist UNANTASTBAR UND UNVERÄUSSERLICH.
Und ich bezweifle mal stark, daß es mit der Menschenwürde vereinbar ist, für 19,95€ auf Tabletts durch's zahlende Publikum gereicht zuwerden, selbst wenn der Verstorbene in sowas eingewilligt hat, ...

Es ist aber durchaus legitim bestehende (stringente?!) Tabus in Frage zu stellen!
Ich frage mich, ob der Mensch sich da nicht irgendwo zu wichtig nimmt, zu sagen, meinem Körper darf nichts geschehen auch nach dem Tod nicht aber mit dem Rest der Lebewesen auf dem Planeten mache ich, was ich will- egal ob tod oder lebendig!?
Ich finde auch eine Zustimmung zu Lebzeiten unbedingt von Nöten, aber das Körperinnere der Öffentlichkeit zu präsentieren, und das zugegeben teils sehr orginell, ist nicht die schlechteste Form der modernen Unterhaltung.
Jeder kennt heute die innersten Beweggründe eines Serienkillers, Vergewaltigers und Kinderschänders und bekommt Sensationsberichte und Spielfilme im Wochentakt vorgesetzt aber eine Niere in der Hand halten soll er nicht, weil's "falsch" ist?!
Vor Jahrhunderten waren Sektionen selbst für Mediziner verboten- der Mensch als Abbild Gottes darf nicht angetastet werden...

Für mich kann man von Hagens seine Profilneurose und seine Geldgier vorwerfen aber nicht die Plastination von Körperteilen.

Feuerblick
21.11.2002, 14:27
Alles-wird-gut: Ich kann Dir mal wieder nur aus tiefstem Herzen zustimmen!!!!!!

:-dafür

Doc Pepp
21.11.2002, 15:08
Original geschrieben von Alles wird gut

Jeder kennt heute die innersten Beweggründe eines Serienkillers, Vergewaltigers und Kinderschänders und bekommt Sensationsberichte und Spielfilme im Wochentakt vorgesetzt aber eine Niere in der Hand halten soll er nicht, weil's "falsch" ist?!
Vor Jahrhunderten waren Sektionen selbst für Mediziner verboten- der Mensch als Abbild Gottes darf nicht angetastet werden...

Für mich kann man von Hagens seine Profilneurose und seine Geldgier vorwerfen aber nicht die Plastination von Körperteilen.

Jepp, genau das meine ich doch auch! :-dafür
Ausserdem ist es ja tatsächlich jedem freigestellt sich für das Thema zu begeistern oder nicht.
Die "Dummen" vor sich selbst zu schützen - wie oben irgendwo gefordert - ist ungefähr so erfolgreich wie Sandburgenbauen bei Sturmflut.

hobbes
21.11.2002, 15:11
Jeder kennt heute die innersten Beweggründe eines Serienkillers, Vergewaltigers und Kinderschänders und bekommt Sensationsberichte und Spielfilme im Wochentakt vorgesetzt aber eine Niere in der Hand halten soll er nicht, weil's "falsch" ist?!

Dieses Argument verstehe ich überhaupt nicht. Erstens ist natürlich die Rechtfertigung: "die machen auch was schlechtes, also soll man damit fortfahren" absurd. Zweitens werden die Motive der Serienkiller, Vergewaltiger und Kinderschänder in den allermeisten Filmen wohl kaum in verherrlichender oder verharmlosender Weise dargestellt. Wenn das so wäre, dann müsste ein solcher Film - zu Recht - unter Zensur fallen.
Sollen wir nun aber der breiten Öffentlichkeit Gelegenheit geben ihre inneren nekrophilen Züge auszuleben? Ich meine, ich kann mir gut vorstellen, dass jeder irgendwo solche Züge hat, dass sich wohl jeder im Innersten für die Erkenntnis dessen interessiert, was der Tod darstellt. Aber dürfen wir diesem Drang wirklich stattgeben?
Es ist ja interessant: Hier in Deutschland ist praktisch jeder gegen Hinrichtungen und die Amis werden als moralische Unholde bezeichnet, wenn diese einer solchen Hinrichtung gar noch - via TV - beiwohnen wollen. Und das ist ja auch richtig so. Nur: es ist wie bei Hagen - die Straftäter sind gemäss vom Volk legitimierten Gesetz zum Tode verurteilt, die Leute haben Interesse für die Hinrichtungsshow, die Motivation stimmt also, die Kasse wohl auch - so what? Natürlich geht das nicht an - hier müssen also höhere Instanzen - Gerichte - die Menschen vor ihrer Thorheit schützen!
Wie ist es bei Hagens: die Toten sind angeblich mal einverstanden gewesen, das Interesse der Zuschauer ist da - alles ist alles ok??

Auch andere Tiere als der Mensch haben einen sehr bewussten und von Respekt geprägten Umgang mit toten Tieren der eigenen Spezies, hier sind exemplarisch Elephanten zu nennen. Hingegen wird die Leiche einer fremden Spezies zuweilen doch recht unzimperlich verspiesen - also in einem sinnbringenden Akt. Einfach totbeissen oder richtige Leichenschändung ist jedoch nur bei domestierten Tieren (Hauskatze) zu finden. Es tut manchmal gut, wenn wir durch unsere unnatürliches Lebenshaltung in der zivilisierten Gesellschaft verwirrt, die beispielhaften Reaktionen bei den naturverbundenen Tieren suchen gehen! Die Sektion in der medizinischen Ausbildung ist zumindest in der Intention sinnbringend, für die Öffentlich auf dem Sonntagsausflug bei Hagens kann aber davon nicht mal im Ansatz die Rede sein.

Nochmals: es geht nicht um die Verteidigung von Wissensmonopol (das ist vollkommen lächerliich - jeder von euch weiss, dass man in zwei Stunden Leichen bestaunen, nicht den Hauch von Anatomiekenntnissen aquirieren kann.



Vor Jahrhunderten waren Sektionen selbst für Mediziner verboten- der Mensch als Abbild Gottes darf nicht angetastet werden...

Diese alten Praktiken stimmen. Sie waren und sind heute wohl auch noch religiös verbindlich deklariert. Jedoch steckt hinter jedem solchem Gebot ein ganz praktischer Grund. Es ging damals wohl um die Prävention von Seuchen. Leichen sollten möglichst umgehend so entsorgt werden, dass sich andere nicht mehr kontaminieren können. Diese Problematik wurde erst später durch Fixationsverfahren und verbesserte Hygiene und Sterilitäts-massnahmen behoben. Daher ist heute eine Sektion viel unproblematischer. Ich glaube, wir sollte diese religiösen Begründungen nicht immer für bare Münze nehmen.



Denn tote Körper sind nicht bloß leere Hüllen (@Feuerblick) oder Überbleibsel.

Das ist natürlich schon so. Wenn die Leiche übrig bleibt, was ist dann gegangen? Die Seele? Habt ihr die schon mal präpariert?? Nein, ich will jetzt nicht die Religion kritisieren oder lächerlich machen, aber eine solch plastische Vorstellung der Religion wäre mit der Wissenschaft nicht vereinbar. Gegangen ist gar nichts, es noch alles da, aber es lebt nicht mehr, bzw. der Zerfall des menschlichen Körpers ist mit dem Eintritt des sog. Todeszeitpunkt nicht mehr reversibel und die Zerfallsreaktionen beginnen. Tod im weiteren Sinne ist also nicht eine Reaktion, die von einer Sekunde auf die andere passiert, sondern ein Prozess, der sich über eine längere Zeit abspielt. Z. B. vom Eintritt eines Myokardinfarktes - über das Kammerflimmern, die Devibrilationsversuche, die zunehmende Ischämie im Cortex, später im Hirnstamm (Patient ist per definitionem tot, seine visceralen Organen könnten aber jetzt noch gespendet werden!), über den Untergang durch Ischämie weiterer Organe, die Auflösung der Zellstrukturen, u.s.w.. Merke auch: Haare und Nägel wachsen über den Todeszeitpunkt hinaus. Kurzum was ich sagen will: es ist falsch, dem Lebendigen allen Respekt und Würde zu gewähren und ihn in der nächsten Sekunde lustig und interessiert zu sezieren und seine Organe in einer gut gelaunten Runde herumzureichen.

Das nicht alle Medizinstundenten in der Präparation den nötigen Respekt zeigen, spricht nicht gerade für diese Fehlbaren.

Alles wird gut
21.11.2002, 19:03
Erstens ist natürlich die Rechtfertigung: "die machen auch was schlechtes, also soll man damit fortfahren" absurd. Zweitens werden die Motive der Serienkiller, Vergewaltiger und Kinderschänder in den allermeisten Filmen wohl kaum in verherrlichender oder verharmlosender Weise dargestellt. Wenn das so wäre, dann müsste ein solcher Film - zu Recht - unter Zensur fallen.

An diesem Punkt hast Du mich zum Einen missverstanden und zum Anderen eine etwas naive Aufassung.
Meine Argumentation basierte in keinem Fall in der Verrechnung von verschieden Übeln (das war nur bei der Bundestagswahl so ;-) ).
Beim einen wird objektiv das menschliche (harmonische) Zusammenleben gefährdet und beim anderen "gefällt" manchen die Vorstellung nicht. (Hoffe, Du verstehst, was ich meine!)

Man kann nicht abstreiten, dass ein Hannibal in "Das Schweigen der Lämmer" eine gewisse Faszination auf das Publikum ausgestrahlt hat. Die "Natural born killers" waren auch keine unsymphatischen Asoziale, sondern richtig "cool". Siehe auch Pulp Fiction, Se7en, Man bites dog...
Ein Bericht über sexuellen Missbrauch jagt den anderen und fasst immer erklärt ein Psychologe dabei, warum der Täter nicht anders konnte, da er selber früher misshandelt wurde oder keine Freunde hat...
In mittlerweile doch einigen Filmen werden Vergewaltigungsszenen bis ins kleinste Detail dargestellt und die laufen nicht unbedingt nach 24 Uhr.
Und ich kann mir schon vorstellen, dass da jemand, der für sowas widerliches eine Neigung verbirgt, plötzlich "Lust" (ein eigentlich falsches Wort für das Thema) erhält, das auch mal live auszuprobieren!


Hier in Deutschland ist praktisch jeder gegen Hinrichtungen und die Amis werden als moralische Unholde bezeichnet, wenn diese einer solchen Hinrichtung gar noch - via TV - beiwohnen wollen. Und das ist ja auch richtig so. Nur: es ist wie bei Hagen - die Straftäter sind gemäss vom Volk legitimierten Gesetz zum Tode verurteilt, die Leute haben Interesse für die Hinrichtungsshow, die Motivation stimmt also, die Kasse wohl auch - so what? Natürlich geht das nicht an - hier müssen also höhere Instanzen - Gerichte - die Menschen vor ihrer Thorheit schützen!

Also die amerikanische Medienpolitik finde ich überhaupt nicht vergleichbar, schon gar nicht im Vergleich Hinrichtung-Sektion!!!
Und ein Gericht hat noch vor keiner Thorheit bewart, sondern allerhöchstens welche bestraft- das zeigen doch genau die Todesstrafen in Amerika: Es wird weiterhin gemordet und ausgeraubt: Abschreckung gleich Null...


Jedoch steckt hinter jedem solchem Gebot ein ganz praktischer Grund. Es ging damals wohl um die Prävention von Seuchen. Leichen sollten möglichst umgehend so entsorgt werden, dass sich andere nicht mehr kontaminieren können.

Das ist doch nicht Dein Ernst!? Zu dieser Zeit hatten die Leute von Mikrobiologie noch überhaupt keine Ahnung!!! Pest und andere Infektionen waren eine Strafe Gottes oder der Fluch einer Hexe und als Therapie hat man Frauen verbrannt!

Heutzutage gibt es eine Menge Leute, die fast alles tun würden, um ins Fernsehen zu kommen. Z.B die alltäglichen Talkshows- was da für ein Mist verzapft wird... :-(
Oder auch die tollen neuen Gerichtssendungen... Aufregung und Grusel für gelangweilte Menschen, deren eigenes Leben nichts zu bieten hat!
Da stellt sich doch echt die Frage, ob man solche Leute nicht besser erst vor die Kamera holt, wenn sie nichts mehr sagen können ("etwas zu sagen" haben sie zu Lebzeiten ja doch auch schon nicht...) :-))

Froschkönig
21.11.2002, 19:51
Also, bei der Geschichte mit der Seuchenprävention bin ich mir da auch nicht so ganz grün....man hätte das Verbot auf offensichtlich an einer grassierenden Seuche Verstorbene beschränken können und wenn die Sektion bei einem nach dem Tod gekühlten Leichnam unter eigenem Schutz erfolgt, wäre das kein Problem gewesen....wer es nicht weiß : Das so genannte "Leichengift" Cadaverin ist Decarboxyliertes Lasin und nicht sooo whnsinnig tödlich :-D

@AWG : Die von Dir angesprochenen Filme übern zweifellos eine gewisse faszination aus, jedoch (hoffentlich) nur, weil es Fiktion ist, und nicht, weil man da reale geschehnisse betrachtet, in einem solchen Falle wäre das Publikum nach gängiger Definition nämlich pervers...also man sieht Dinge, die eigentlich schrecklich sind, völlig ungestraft, weil sie nie passierten, da darf man dann schon mal neugierig sein.

Aber Hobbes hat mich auf ein neues Argument gebracht :
Wenn die Leichen also allen gezeigt werden sollen, die "Bock" drauf haben, wenn Tod kein Tabu mehr im Religiösen Sinne ist....frage ich mich :

WARUM NUR WOLLEN NICHT ALLE ANGEHÖRIGEN BEI DER BEFRAGUNG DIE ORGANE IHRER VERSTORBENEN VERWANDTEN SPENDEN ???? DER IST DOCH TOT ??? MACHT DOCH NIX !!! KEIN TABU MEHR !!!! HAT DIR DAS NOCH KEINER GESAGT ???

Eben !!! Wenn da irgend so ein vielleicht freiwilliger obduziert wird , ist das "geil", wenn tante Herta posthum ihre Nier spenden soll, ist das ekelhaft und überhaupt rücksichtslos, daß man danach gefragt wird....


awaiting statements
Frosch

Alles wird gut
21.11.2002, 20:01
Eben !!! Wenn da irgend so ein vielleicht freiwilliger obduziert wird , ist das "geil", wenn tante Herta posthum ihre Nier spenden soll, ist das ekelhaft und überhaupt rücksichtslos, daß man danach gefragt wird....

Das ist eben die Sache mit dem freiwilligen Einverständnis: Der Eine will's der andere nicht!
Und nur weil es jetzt ein paar wollen und ein paar andere davon einen (fraglichen) Nutzen ziehen bedeutet das noch lange nicht den terminalen Werteverfall unserer Gesellschaft und dass keiner mehr das Recht hat über seinen Körper zu entscheiden!

hiddl
21.11.2002, 21:45
@ hobbes


Merke auch: Haare und Nägel wachsen über den Todeszeitpunkt hinaus

oh nein, das tun sie nicht, es schrumpelt nur die Haut, weil sie Wasser verliert. Davon abgesehen muß ich Dir Recht geben. Auch ein Toter hat seine Würde.
Wenn ich an meinen Besuch bei der Körperwelten-Ausstellung denke, wird mir immer noch ganz schlecht. Extra aus Kiel nach Mannheim gefahren, mitten im Präp-Kurs, Prof. Tillmann, einen der Kritiker, die immer im Spiegel auftreten, im Nacken und die feste Überzeugung, es wird so schlimm schon nicht sein. Und dann standen wir stundenlang in der Schlange, vor uns die Jugendgruppe mit dem Kasten Bier (kein Scherz!), dann an den Präparaten vorbeigequetscht - also interessant war's schon, aber gelernt hat keiner was dabei, fürchte ich. Es haben nur alle - so wie wohl auch wir - ihre Sensationsgier befriedigt.


@ Alles wird gut

Für mich kann man von Hagens seine Profilneurose und seine Geldgier vorwerfen aber nicht die Plastination von Körperteilen.
Das ist auch nicht ganz falsch, denke ich, denn ohne diese Profilneurose und Geldgier gäbe es wohl weder die Körperwelten-Ausstellung noch die öffentliche Leichenöffnung in London und wir hätten gar nichts, worüber wir diskutieren müßten.

Gruß, Ute

flyingbarbar
22.11.2002, 09:13
Moin moin zusammen,

finde es interessant das die wenigen Stimmen hier bei der Umfrage doch einen relativ guten Querschnitt zeigen. :-notify
Auf www.n-tv.de wurde die gleiche Frage zum Thema gestellt.

Ergbnisse könnt ihr unter http://www.n-tv.de/3081957.html?zeige_ergebnisse=1 einsehen.

Grüße flyingbarbar

Rico
22.11.2002, 11:04
Wobei natürlich die ntv-Umfrage mit ihren 2400 Stimmen und einer Differenz von 8% zugunsten der Gegner schon ein signifikantes Votum hat - wir hingegen noch eher im unentschiedenen Bereich rumdümpeln...

flyingbarbar
22.11.2002, 11:39
stimmt, dieser thread ist schon über 380 mal aufgerufen worden und ich denke damit auch mehr als einmal gelesen.....aber leider haben nur 25 leutchen abgestimmt :-(( ...nicht wirklich aussagekräftig.

...aber daran kann man ja noch arbeiten.....


Grüße flyingbarbar

hobbes
22.11.2002, 23:20
...über das postmortale Haar- und Nagelwachstum möchte ich jetzt nicht lange weiter schreiben. Nur soviel: wenn man den Tod als dynamischen Prozess auffasst, stimmt es eben doch, dass Haare und Nägel nach dem def. Hirntod weiterwachsen.

Zitat: Professor Manfred Dietel, Pathologe an der Charité. "Die Haare wachsen nach dem Tod kurze Zeit weiter", erklärt der. Denn Tod ist nicht gleich Tod: Während das Gehirn als erstes stirbt (und der Hirntod wird heute als der "offizielle" Todeszeitpunkt angesehen), leben andere Zellen im Körper weiter. Bindegewebszellen, zu denen auch die haarproduzierenden gehören, können durchaus noch einige Stunden funktionieren.



Und ein Gericht hat noch vor keiner Thorheit bewart, sondern allerhöchstens welche bestraft- das zeigen doch genau die Todesstrafen in Amerika: Es wird weiterhin gemordet und ausgeraubt: Abschreckung gleich Null...

Das ist nun ganz klar falsch. Wer solche Aussagen trifft und der Verfassung wie auch der Jurisprudenz jegliche präventive Wirkung abspricht, der müsste konsequenterweise hingehen und sich für die Abschaffung aller Strafgesetze stark machen, da diese laut Zitat absolut nutzlos sind.
Übrigens zeigte die konsequente Durchsetzung der Strafnormen in New York City in den letzten Jahren eine massive Reduktion der Straftatbestände. Das spricht dann wohl für sich.

Froschkönig
23.11.2002, 01:16
Original geschrieben von hobbes

Das ist nun ganz klar falsch. Wer solche Aussagen trifft und der Verfassung wie auch der Jurisprudenz jegliche präventive Wirkung abspricht, der müsste konsequenterweise hingehen und sich für die Abschaffung aller Strafgesetze stark machen, da diese laut Zitat absolut nutzlos sind.
Übrigens zeigte die konsequente Durchsetzung der Strafnormen in New York City in den letzten Jahren eine massive Reduktion der Straftatbestände. Das spricht dann wohl für sich.

Das meinst Du nicht ernst oder ? Auch wenn manche nicht abgeschrekt werden, so überlegen es sich die unentschlossenen zweimal und außerdem ist mir persönlich lieber, ein nicht abgeschreckter Straftäter wird weggesperrt, bevor er das zu seinem Hobby macht.

Alles wird gut
23.11.2002, 15:48
Original geschrieben von hobbes
[B
Das ist nun ganz klar falsch. Wer solche Aussagen trifft und der Verfassung wie auch der Jurisprudenz jegliche präventive Wirkung abspricht, der müsste konsequenterweise hingehen und sich für die Abschaffung aller Strafgesetze stark machen, da diese laut Zitat absolut nutzlos sind.
Übrigens zeigte die konsequente Durchsetzung der Strafnormen in New York City in den letzten Jahren eine massive Reduktion der Straftatbestände. Das spricht dann wohl für sich. [/B]

Man muss doch nicht immer alles so absolut sehen!
Ich finde einige Gesetze durchaus sehr sinnvoll und auch die Existenz einer Judikative.
Nur muss man wohl leider anerkennen, dass ein Gesetz alleine noch keine Straftaten verhindert und die Angst vor Strafe nur bei Leuten, die sowieso nicht allzuviel kriminelles Potential haben, effektiv illegale Handlungen verhindert.
Aber ich finde, eine Diskussion über Sinn und Unsinn von Gesetzen sollten wir mal in einem Thread gesondert diskutieren!

In dem hiesigen Fall geht es bislang um eine moralisch-ethische Fragestellung und die Moral dahinter empfinde ich als eine dogmatische, die nicht wirklich auf Argumenten basiert.
Wem schadet es denn, wenn eine Sektion öffentlich durchgeführt wird?


Zitat: Professor Manfred Dietel, Pathologe an der Charité. "Die Haare wachsen nach dem Tod kurze Zeit weiter", erklärt der. Denn Tod ist nicht gleich Tod: Während das Gehirn als erstes stirbt (und der Hirntod wird heute als der "offizielle" Todeszeitpunkt angesehen), leben andere Zellen im Körper weiter. Bindegewebszellen, zu denen auch die haarproduzierenden gehören, können durchaus noch einige Stunden funktionieren.

Was bitte sagt das denn schon aus? Das einzelne Zellen des menschlichen Körpers auch einige Zeit ohne den intakten Kreislauf überleben. Ein Huhn kann sogar noch laufen, wenn man ihm den Kopf abschlägt!
Das was den Menschen zum Menschen macht ist nicht, dass seine Nägel und Haare noch nach dem Tod weiterwachsen. Das, was ihn vielleicht wirklich von den (meisten) Tieren unterscheidet und abhebt ist nunmal sein Bewustsein und das Denkvermögen. Nach dem Hirntod ist der Mensch halt auch nur noch ein "lebender" Zellhaufen und unterscheidet sich, biologisch gesehen, nur durch die äussere Form von einer Zellkultur in einer Petrischale!
Damit will ich nicht ausdrücken, dass man dann damit machen kann, was man will! Ich halte ethische Grundsätze für eine sehr sinnvolle und wichtige Sache, aber sie sollten Hand und Fuß haben und nicht nur auf "Gefühlen" basieren.

hobbes
24.11.2002, 00:47
Zuerst möchte ich festhalten, dass meine Moralvorstellung nicht zwischen Mensch und Tier unterscheidet. Der Mensch ist ein Tier - der Punkt ist allenfalls dass Tiere derselben Spezies einen anderen Stellenwert geniessen.

Um Alles-wird-Gut's neuste Gedanken weiter zu spinnen: Wenn wir uns also an dem "es-schadet-niemandem" und "das sind ja nur Gefühle" Konzeption halten, dann ist die Behandlung von ehemals lebendigem "Material" und zweitens "potentiell lebendigem Material" ohne Bewusstsein und Denkvermögen, nämlich ungeborenes Leben - nicht unter denjenigen Schutz zu stellen, denn wir den Lebendigen zugestehen. Auch sind dabei offenbar Gefühle nicht zu beachten, sondern nur eine Schaden-Nutzen-Analyse. Ok, dann hast du absolut recht AWG. Demnach könnten wir die Organe nach dem Hirntod auch verkaufen, aus den Schädeln tolle Hallowen-Dekorationen basteln und ohne jegliche gesetzliche Barrieren an embryonalem Material basteln.

Nun gut, jedem seine Moral - meine ist dies jedenfalls nicht!
:-meinung

24.11.2002, 01:18
Muss Hobbes mal zustimmen!

Ich meine, da stellt sich dieser selbsternannte "Populäranatom" dahin und verkündet, er will die "Nichtfachwelt" in die Anatomie einführen...

Wasn dasn Quatsch!

Wir haben uns im Physikum im Präpkurs die Präparate selbst erarbeitet und es war schwer genug (oder nicht?).

Und nun soll da also der Sparkassenangestellte und der Bürokaufmann dahingehen, sich irgendwelche Sektionen angucken und sagen "Ach ja jetzt, so ist das".

Tolle Wurst!

Verbieten sag ich!

Chater

Feuerblick
24.11.2002, 11:37
Und, medichater? Bist Du neidisch, dass Du präppen mußtest und der Bankangestellte die Anatomie in populär-verdaulichen Häppchen serviert bekommt????? Machen wir doch ne Medizin-Elite auf! Nur wir, die wir Leichen persönlich zerschnippeln durften, dürfen auch wissen, wie der menschliche Körper aufgebaut ist!!!!!

Und an alle, die der Meinung sind, dass der tote Körper doch noch alles ist, was den Menschen ausmachte: Habt Ihr auch was gegen Organtransplantation? Das ist doch dann das Ausschlachten des Menschen, der nicht besser behandelt wird, als jedes x-beliebige Auto, oooooder??????

Gruß
Feuerblick
*aufKonfrontationskursgehend*

Captain Cosmotic
24.11.2002, 11:48
:-meinung

Kann Dir nur zustimmen, Feuerblick. Ich denke, wir nehmen uns alle mal wieder zu wichtig. Zunächst Ethik den Lebenden, danach kann man über Tote diskutieren...Solange im weltweiten Durchschnitt das menschliche Leben den Wert eines Turnschuhs hat, sollte man seine Ethik- und Moralvorstellungen wieder etwas ins objektivere Licht rücken.

Gruss,
Der Captain *inkonfrontationskursmitziehend*

Alles wird gut
24.11.2002, 16:38
@Hobbes: Was soll die Polemik?
Eben reden wir noch über Sektionen von (selbst) gestorbenen Erwachsenen und kaum lehnt man das nicht aus Prinzip ab, treibt man Kinder ab und gründet eine Organ-Mafia!?!

Ich habe auch nie behauptet, dass bei diesem Thema Gefühle keine Rolle spielen dürfen!