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hobbes
27.11.2002, 13:38
Original geschrieben von airmaria

Ich habe lediglich eine weitere sinnvolle Möglichkeit der Organspende aufgezeigt: die Organspende von - gegebenenfalls auch denaturierten - Muskeln.
Natürlich ist es krass und kommt in unserer wohlbehüteten Gesellschaft anstößig rüber... aber genauso war es gedacht!
Das Leben ist krass! Zumindest an vielen Orten auf dieser Erde.


Trotz all des Elendes auf dieser Welt, trotz hungernde arfikanischen Kindern, haben wir immer noch das Recht unser Leben und auch die Behandlung unserer Toten im Einklang mit den mitunter christlichen Wertvorstellungen der westlichen Gesellschaft zu leben.
Ich kann dir garantieren, dass in Afrika die Verstorbenen auch nicht von Hungernde aufgegessen werden, sondern dass ihnen noch viel mehr als bei uns die Ehre erwiesen wird. (um gleich vom Kannibalismus zu differenzieren - selbst hier lag und liegt (?) der Sinn nicht im Mensch als Nahrungsmittel sondern im Ritual.
Das zeigt wohl, dass sehr wohl vom Footballteam zu unterscheiden ist.
(Ups, war wieder so eine belangloses posting - mir ist es aber trotzdem wichtig genug).

Sebastian1
27.11.2002, 13:43
Sicher steckt dahinter eine ethische Wertvorstellung, hobbes. Aber wir diskutieren hier grade über einen Tabubruch, nämlich öffentliche Sektionen, den Maß an Respekt, den man dem Toten menschen zollt oder nicht zollt, wenn man ihn öffentlich seziert. Das ist - meiner Meinung nach - ein etwas anderes Level als Hut oder Nicht Hut.
Eine Diskussion über diese ethischen Wertvorstellungen mag sinnvoll sein, ist aber denke ich zu weit vom Thema selbst entfernt, um das in diesem Thread zu tun. Man driftet dabei viel zu sehr in Details ab, ohne die eigentliche Frage zu diskutieren. Und - ebenso wie bei dem Thema der öffentlichen Sektion, welches ja nach dn Umfrageergebnissen sichtlich polarisiert - man wird auch für diese scheinbaren Normen (Hut, Hemd) keine Einigung erzielen können, denn die Sichtweisen sind da genauso unterschiedlich. Wenn kaddel das Beispiel des roten Hemdes auführt kann ich die Motive genauso akzeptiren und gutheißen wie die von jemandem, der traditionelles Schwarz zur Beerdigung trägt. Wenn von Hagens einen Hut trägt, meinetwegen soll er das tun - ob ich das dann gut finde, steht auf einem ganz anderen Blatt. Das würde ich aber ncht als Tabubruch bezeichnen, jedenfalls keinefalls in dem Maße,wie es eine öffentliche Sektion ist. Und darüber diskutieren wir hier doch, oder vertue ich mich da? Komm doch bitte mal zum wesentlichen zurück...

Gruß,
Sebastian

Froschkönig
27.11.2002, 17:42
Ich wollte hier auch nochmal was sagen, was überhaupt nix mit dem Thema zutun hat :

Dieser Thread hat bereits knapp 2500 "Hits", dennoch haben nur knapp 50 Leutchens bei der Umfrage mitgemacht. Es resultiert hier zwar auch schon eine Mehrheit, aber es wäre doch wirklich nicht zuviel verlangt, mal eben bei der Umfrage auf den Knopf zu drücken....wenn da möglichst viele teilnähmen, wäre das ergebnis einfach signifikanter ! Keine Angst, Umfragen sind WIRKLICH anonym ;-)

Das gilt natürlich für alle Umfragen, nur hier wird dieser Beitrag im Moment wahrscheinlich am öftesten gelesen...


Danke

Lava
27.11.2002, 18:03
Und mal ehrlich- wie lange und intensiv hast Du Dich mit einem Physikbuch beschäftigt? Wenn Dich jetzt jemand fragen würde, ob Du für x,xx Euro einen Raketenstart beobachten willst?

Sorry AWG, aber der Vergleich hinkt schon wieder. Raketen sind was anderes als tote Menschen. Raketen haben kein eigenes Leben und können auch keine Meinung dazu haben, was mit ihnen nach dem Tod geschehen soll.
Gemeinsamkeiten gibt es aber doch: wenn ich mir jetzt so einen Raketenstart ansehen - was ich liebend gern tun würde! - habe ich dann was gelernt? Ich stehe da, glotze und sage "boah, was'n Feuerball". So ähnlich stelle ich mir das mit den Sektionen vor. Die wollen halt mal einen Menschen von innen sehen und vielleicht sogar anfassen und nicht was lernen.
Da ich aber Körperwelten (mit Abstrichen was die Machart und die Herkunft der Leichen) durchaus für gut halte, sollte man die Sektionen vielleicht nicht so verteufeln. Aber wenn schon Sektionen, dann in einer Art Seminar, in der auch über die Ethik geredet wird! Und dann bitte nicht von so einem Spinner wie von Hagens.

sabo
27.11.2002, 18:21
... platzt mir aber echt bald der Kragen.....

wenn schon die Diskussion unerwartete Wendungen genommen hat (ob Herr von Hagens nun Hut trägt oder peng....)
Jetzt auch noch mit dem Umfrage-Ergebnis hier was repräsentatives darstellen zu wollen/sollen ... neee...... das ist doch echt zuviel verlangt...
Und was bitte würden auch die Meinungen von 2.500 Leuten hergeben.... ???? Es ist immernoch ein kleiner Kreis....

Ich habe mich auch an der Umfrage beteiligt, aber bitte.... ich rechne nicht mit repräsentativen Ergebnissen, die den deutschen Durchschnitt darstellen.....
Genausogut könnte man nach dem Zuschauerverhalten bei Arztserien fragen.........

War nicht die eigentliche Frage nach dem Sinn bzw Unsinn öffentlicher Sektionen???????????

Leider ist wohl mein Posting überlesen worden... ich spreche ja auch nur als "Halblaie" und gehöre nicht dem elitären Weiskittelgeschwader an......
Man, echt.... wenn ich einige Meinungen lese platzt mir echt der Kragen bzw geht mir das Messer in der Tasche auf......

Bitte, liebe Medizinstudenten, denkt auch mal an die Leute, die dann mal "unter Euch" aber auch mit Euch arbeiten müssen...
Ohne Krankenschwestern, Physiotherapeuten etc wärt auch ihr irgendwann aufgeschmissen...
Und wenn mein Posting gelesen worden wäre, wüsstet Ihr auch, warum ich so frustig reagiere......

:-(

Alles wird gut
27.11.2002, 18:56
Original geschrieben von Janine


Sorry AWG, aber der Vergleich hinkt schon wieder. Raketen sind was anderes als tote Menschen. Raketen haben kein eigenes Leben und können auch keine Meinung dazu haben, was mit ihnen nach dem Tod geschehen soll.


... eine Leiche hat auch kein eigenes Leben... deswegen ist es ja eine Leiche! :-D

Du hast aber auch nicht so ganz verstanden, was ich damit ausdrücken wollte: Es geht nicht immer nur darum, alles was man sieht auch gleich zu verstehen oder sich damit auszukennen, sondern man darf sich hier und da auch mal einen Eindruck von Dingen verschaffen, von denen man keine Ahnung hat.

Sektionen werden jeden Tag durchgeführt- es ist eine absolute Alltagsroutine für jeden Pathologen. Keiner von denen verneigt sich vor der Sektion vor der Leiche oder spricht ein Gebet... und jetzt gucken ein paar Leute zu, die das auch nicht machen- so what!?
Wir haben doch bestimmt alle mal beim Präppen den ein oder anderen Witz oder Spruch über die Leiche gemacht, oder zumindest drüber gelacht. Auf jeden Fall hatte sich jeder ziemlich schnell dran gewöhnt, dass er mit Leichen arbeitet und die letzten 10 min war die Frage wichtiger, was man gleich in der Mensa essen würde und nicht, was das für eine Person war, die da vor einem "zerschnippelt" wird!
Da glaube ich, dass die Ehrfurcht eines "Normalsterblichen" vor den Toten weitaus größer ist, wenn er sich nur einmalig eine Sektion anschaut, als eines Mediziners, der zweimal die Woche an der Leiche arbeitet...

hobbes
27.11.2002, 22:34
@sabo

Ich habe jedenfalls habe dein posting nicht überlesen. Ja, ich denke deine Gründe für den Besuch der Körperwelten und auch dein Interesse an einer Sektionsteilnahme sind vollkommen aufrichtig. Tatsächlich ist nichts dagegen einzuwenden, wenn sich Physiotherapeuten Leichen angucken. Auch nicht wenn dies Leute mit wirklichem Interesse tun. Das habe ich aber schon eingangs des threads erwähnt.
All dies rechtfertigt aber eine Sektion à la Hagen leider nicht. Dort steht die Show, die Zelebration des Präparators himself und die Stillung der Sensationsgier der zuschauenden Meute im Vordergrund. Deshalb werden dadurch ethische Grundsätze verletzt und die Würde der Präpleiche und seiner Angehörigen gleich null gesetzt.


Leider ist wohl mein Posting überlesen worden... ich spreche ja auch nur als "Halblaie" und gehöre nicht dem elitären Weiskittelgeschwader an......

Deine zum Ausdruck gebrachte Unmut der Medizinerschaft gegenüber hat mich nun aber sehr entsetzt. Für mich gibt es auch in den medizinnahen Berufen keine Halblaien, keine "unterhalb uns". Ihr seid in eurem Gebiet besser geschult als wir, wir sind es in andere Gebieten. Ok?
Ich habe nicht gesehen, dass dich hier einer nicht für voll genommen hat. Es passiert aber allen hier, dass mal ein posting untergeht, weil es so viele neue Reaktionen zu diesem thread gab.

sabo
28.11.2002, 08:23
... ich wollte den Unmut auch nich verallgemeinern, denn sicherlich gibt es auch in diesem Forum Leute, die liberal gegenüber den medizinverwandte Berufen sind.
Aber einige kommen doch recht elitär rüber und die wollte ich damit eigentlich erreichen.

Und mal ehrlich, das im Moment Dr. von Hagens wieder sehr präsent in den Medien ist, liegt doch nun nichtmehr an der Obduktion an sich, sondern vielmehr daran, dass momentan keine anderen Katastrophen auszuschlachten sind.

Gruss,
Sabo

luckyblue
28.11.2002, 08:29
Wenn meine Formulierungen irgendwelche indiskreten Nebentöne enthalten sollten, bitte ich dies zu entschuldigen. So was passiert im Eifer des Gefechts.

Um noch mal die Intention hinter meinen (zugegebenermaßen vielleicht etwas ausufernden) Postings auf den Punkt zu bringen: Es ging mir darum, darzustellen, dass vor dem HIntergrund der vielfältigen und letztendlich nicht verifizierbaren Todesvorstellungen in religiösen und philosophischen Strömungen im Allgemeinen und der Vorstellung von der Menschenwürde in der demokratischen Zivilisation im Besondern sowohl eine öffentliche Sektion als auch eine Plastination zu Ausstellungszwecken zumindestens ethisch problematisch, wenn nicht abzulehnen ist. Der Grund dafür ist eine Verletzung der Menschenwürde, und zwar wegen Berührung der Persönlichkeitsrechte der Leiche, insbesonder wegen Missachtung der Nicht-Eigentumsfähigkeit der Leiche (Kommerzialisierung).

Diese Verletzung der Menschenwürde gemäß der Moralvorstellung unserer Gesellschaft kann man nicht wegdiskutieren. Es bleibt auch dann eine Verletzung, wenn man - was ja an sich nicht unmoralisch ist - die betreffenden Normen für altmodisch und überholt hält. Die Norm unserer Zeit ("soziokulturell") ist unabhängig von unserem Verhalten, das lediglich die Norm von morgen bestimmen kann. Daraus resultiert, dass normabweichendes Verhalten immer eine Verletzung der Norm ist, diese aber nicht zur Disposition stellt.

Man kann durchaus geteilter Meinung sein hinsichtlich gesellschaftlicher Normen, vermutlich setzt eine erfolgreiche gesellschaftliche Integration auch einen gewissen Rollenkonflikt voraus; in existenziellen Grenzsituationen (z. B. Tod) sollte meiner Ansicht nach aber mit Tabubrüchen gegeizt werden. Aber - wie gesagt - nur meine Ansicht. Letztendlich muss das jeder für sich selbst entscheiden, da man über die Gültigkeit moralischer Aspekte keine eindeutigen Aussagen machen kann, es bleibt immer eine Frage des Bezugssystems.

*********
Noch ein paar - ganz prosaische - Worte zu der öffentlichen Sektion des von Hagens. Man sollte folgendes bei der Bewertung, ob es sich hier um PR-Show oder Lehrveranstaltung handelt, noch mal berücksichtigen:

Bei der Ankündigung der Sektion sprach von Hagens davon, dass es sich bei der Leiche um eine 33jährige Deutsche handele. Die Frau sei kürzlich infolge Epilepsie verstorben. Ziel der Sektion sei eine professionelle pathologische Untersuchung unter besonderer Berücksichtigung des Gehirns (zwar habe ich von Epilepsie keine Ahnung, frage mich aber trotzdem, was denn eine makroskopische Untersuchung des Gehirns hinsichtlich Epilepsie Großartiges zutage fördern soll - und was das hinsichtlich Lerneffekt dem 640-köpfigen Publikum bringen soll, aber das ist ja sowieso eine andere Frage).

Der Ankündigung folgten dann die ersten PRoteste der Öffentlichkeit und die Einleitung von ERmittlungen durch die Behörden. Ein Vorwurf lautete, dass von Hagens als Anatom nicht die notwendige Qualifikation zum Pathologen nachweisen könne.

Und was macht von Hagens tatsächlich? Öffnet eine 74-jährige Männerleiche aus der Tiefkühltruhe, verstorben am 17. März dieses Jahres, die angeblich Teil der Ausstellung werden soll. Plötzlich geht's nicht mehr um Ätiologie, sondern nur noch um volkstümliche Anatomie-Vorlesung. Fällt ja niemandem auf, und von Hagens ist fein raus: ordentlich PResserummel, und die britischen Behörden können ihm nichts anhaben, weil er per definitionem keine pathologische Untersuchung macht, sondern lediglich öffentlich eine Leiche präpariert. Ganz schön ausgefuchst. Hut ab, Herr Professor!

cu, luckyblue

luckyblue
28.11.2002, 08:44
@sabo

ich glaube nicht, dass es in diesem Forum irgendeinen gibt, der ernsthaft die These vertreten würde, dass anatomisches Wissen Medizinern vorbehalten sein soll. Es geht hier mehr um den Weg der Vermittlung, und der ist bei von Hagens meiner ANsicht nach ein Holzweg.

Darüber hinaus gibt es an fast allen anatomischen INstituten Präparatensammlungen, zu denen öffentlich zugängliche Führungen angeboten werden. Die sind vielleicht nicht so spektakulär, aber der Rahmen ist lernfreundlicher. Darüber hinaus weiß ich von Physiotherapeuten, die in ihrer Ausbildung durchaus mal im Präpkurs vorbeischauen durften. Das ist auch immer eine Frage der Kommunikation.

cu, luckyblue

airmaria
28.11.2002, 09:39
Original geschrieben von Janine
Die wollen halt mal einen Menschen von innen sehen und vielleicht sogar anfassen und nicht was lernen.

Sehr schönes Ding Jane!

Genau darum geht es! Es ist die Neugier, die befriedigt werden will! Neugier ist Streben nach einem Wissen, was man bis dato noch nicht hat, wenn sie befriedigt ist, weiß man es....
Aber wenn jemand nachher etwas weiß, was er vorher nicht wußte, hat er etwas gelernt!

Warum muß denn bei dieser ganzen Geschichte immer unser kleinkariertes Medizinergewissen aufschreien und fordern, daß man die Organe dann auch gleich alle mit Vornamen benennen können muß?
Warum können wir den Normalsterblichen diese "niedere Neugierbefriedigung" nicht gönnen?
Diese ist wenigstens ehrlich gemeint!

"Mary" airmaria

Alles wird gut
28.11.2002, 10:35
Original geschrieben von luckyblue
@sabo

Es geht hier mehr um den Weg der Vermittlung, und der ist bei von Hagens meiner ANsicht nach ein Holzweg.



Ja, da sind wir doch alle beieinander!!!
Vielleicht sollten wir diese Diskussion weniger um die Person "von Hagens" führen, als darüber, ob sich hier ein (sinnvolles) neues Betätigungsfeld für Mediziner auftut!?

hobbes
02.12.2002, 12:42
Genau darum geht es! Es ist die Neugier, die befriedigt werden will! Neugier ist Streben nach einem Wissen, was man bis dato noch nicht hat, wenn sie befriedigt ist, weiß man es....

Heiligt dieser Zweck (Befriedigung einer undefinierten diffusen Neugier) das Mittel? Ich denke nein.
Ich bin vollkommen¨überzeugt, dass auch viele darauf neugierig sind, einem Sterbenden zuzusehen. Viele wollen US-Hinrichtungen live am TV erleben. Trotzdem darf dieser Neugier nicht stattgegeben werden. Und das ist doch richtig so!

Commander
02.12.2002, 14:24
Das ist ja Wahnsinn, wieviele direkte und indirekte Beiträge für das Thema "Sektion mal anders" geleistet worden sind: da raucht es kräftig in dem Gyros frontalis.

Meine kurze Meinung:

Ich hätte es lieber gesehen, daß ein Humanbiologe solche öffent-lichen Sektionen vorgenommen hätte, denn ein ehemaliger Mediziner, wie Hr. von Hagen, sollte sich immer eins vor Augen halten: das Versprechen, sich der Gesundheit und dem Wohlbefinden des Patienten zu widmen, gilt auch über dessen Tod hinaus.
Das mag merkwürdig klingen, hat aber einen sehr realen Hintergrund, den ich mit dem folgenden kurzen Beispiel erläutern will.

Es gibt Menschen, denen ist es egal, wie mit ihrer leblosen Hülle nach dem "Tod" umgegangen wird. Sogar geistig und intellekuell hochstehende Zeitgenossen gehen so weit, daß sie sagen: "Ihr könnt meinen Körper den Hunden zum Fraß vorwerfen, meinem Geist schadet es nicht"

Dann gibt es wiederum Menschen, die würdevoll bestattet werden möchten, mit all ihren persönlichen Vorstellungen. Stellt man nun diesen Menschen in Aussicht, daß sie als Anschauungs-objekte verwendet werden und auch noch Geld bringen für die Präparatoren, kann sich dieses äußerst negativ auf ihr Wohlbe-finden auswirken.

Das führt uns zu Punkt 1): Es dürfen nur Menschen präpariert und ausgestellt werden, die dieses ausdrücklich vor ihrem Ableben schriftlich hinterlassen haben oder diese Entscheidung einer ihr gewählten Vertrauensperson übertragen haben !

Sollte man Hr. von Hagen nachweisen können, daß er diesen Punkt übertreten hat, soll jede zutreffende Leiche konfisziert und würdevoll beerdigt werden --> seine Ausstellung kann er ruhig weiter führen, er verstößt gegen kein weltliches Gesetz, denn sonst hätten auch britische und deutsche Behörden seine Aktionen unterbunden.

Punkt 2): Hr. von Hagen könnte Mr.X oder Mr.Y genannt werden, er ist ein Spiegel dessen, wie unsäglich naiv und unaufgeklärt wir immer noch mit dem Thema Tod umgehen. An dieser Diskussion sollten sich nicht nur Mediziner beteiligen, sondern auch alle Geisteswissenschaftler und Theologen.
Warum regen wir uns also über Hr. von Hagen auf, wenn wir nach wie vor Männer an Spitzenregierungsposten wählen und dulden, wie Bush, Sharon, Gaddafie, Saddam, Fidel Castro und viele andere, die den Tod dutzender, hunderter und tausender Menschen forcieren oder billigend in Kauf nehmen.

Der Tod schmeckt uns nicht, wir fliehen vor ihm, anstatt sich ihm zu stellen. Ja, wir leben sogar in der irrigen Meinung, daß wir in Kriegshandlungen mit dem Tod des Gegners unseren Tod hinaus-schieben,
Solange wir, besonders in der breiten Öffentlichkeit, den Tod nicht realistisch betrachten und ihm Rechnung tragen, werden Menschen wie Hr. von Hagen Geld mit solchen Ausstellungen machen können. Das führt uns zu Punkt

zu Punkt 3) Die Hochschulen und Universitäten sind im Zuge der Aufklärung der Gesellschaft verpflichtet, selber solche Ausstel-lungen zu gestalten und das in einem würdigen Rahmen. D.h.: jeder Besucher sollte möglichst umsonst in solche Vorstellungen gehen dürfen.
Und diejenigen der Mediziner, die die Befürchtung haben, daß ihr elitäres Wissen dadurch abgestuft werden könnte, weil nun "jedermann" oder "Otto-Normalverbraucher" dieses komplexe Gebilde eines "humanen Säugetieres" in sich "aufsaugt", kann ich beruhigen: kaum einer wird das lexikalische Wissen der menschlichen Anatomie lernen, wenn es nicht zu seinem Berufsbild gehört !

Ich könnte also so weit gehen und alle med. Fachschaften und Unis aufforden, selber Aufklärungsarbeit in Form von Publikationen und Ausstellungen zu leisten. Es wäre der Beginn einer Renaissance des Wissens um den Reichtum des menschlichen Wesens, und dazu gehört sein Körper und seine Vergänglichkeit ! Dann käme auch wieder Ehrfurcht, Respekt und Dankbarkeit in unsere armen verkümmerten Gehirne !


Zusammendfassend kann ich nur an jeden Mediziner appelieren, der dieses Thema verinnerlicht hat, sich in seinem Umfeld als würdiger Vertreter seines Faches zu benehmen und zu handeln.

Meine konkrete Forderung wäre, die längst überfällige Geste an die Bevölkerung, die immerhin den Unibetrieb finanzíert, das Wunderwerk Mensch in einem würdevollen und respektvollen Rahmen zu präsentieren !

Ich glaube, das ist auch der Wunsch vieler Menschen, die sich freiwillig im Dienst der Wissenschaft gestellt haben, egal ob sie ihren eigenen Körper zur Verfügung stellen oder Körper anderer mit viel Aufwand präparieren.

Sollte dieses nicht möglich sein, dann kann man Hr. von Hagen keinen Vorwurf machen, im Gegenteil: die Unzulänglichkeit der Unis und der Forschung kämen nur deutlicher zum Vorschein und man könnte dann erst recht sagen: Requim in pace für Bildung, Forschung und Aufklärungsarbeit !!!

Martin

Froschkönig
02.12.2002, 17:48
Alles in punkto Sektionen weiter hier, alles um das Thema

Ami´s als Weltpolizei (http://www.medi-foren.de/showthread.php?s=&threadid=5211) für und wider
bitte unter obigem link

Viel Spaß noch im Forum

airmaria
02.12.2002, 21:21
Original geschrieben von hobbes

Viele wollen US-Hinrichtungen live am TV erleben. Trotzdem darf dieser Neugier nicht stattgegeben werden. Und das ist doch richtig so!

Ich habe sicherlich schon daraufhingedeutet, daß es für mich auch "Grenzen des guten Geschmacks" gibt, doch finde ich Deine Aussage argumentativ etwas schwach...

Mit den Worten "...und das ist auch richtig so" haben schon viele erzkonservative Menschen in der Geschichte die kulturelle Weiterentwicklung aufhalten wollen... ohne Erfolg!

Durch Nichtbeachtung, Verschweigen oder gar Tabuisierung gewisser Themen ist noch niemandem geholfen worden.

Es gibt denke ich genügend Beispiele dafür... sog. sexuelle Revolution, Drogenproblematik...

Warum ist der Tod so geheimnisvoll?

"Mary" airmaria

hobbes
02.12.2002, 21:30
ach so...nun ich kann schon darlegen, warum das so richtig ist. Um das nicht so unbegründet dastehen zu lassen. Aber eigentlich ist es doch wirklich klar.
Es geht auch hier um den Persönlichkeitsschutz des Hinzurichtenden, um den Schutz der Würde des Toten und seiner Familie. Und es geht wohl auch um den Schutz der TV-Zuschauer, welche sich dessen was sie da schauen, nicht allzu bewusst sind.


...glaube dadurch wird keine kultuerelle Weiterentwicklung vereitelt...

luckyblue
08.12.2002, 19:57
Original geschrieben von luckyblue
Vor der Kulisse der Individualität unseres Interieurs wird das Wirken des Leichen-Gurus dann also reüssieren, wenn Thomas Gottschalk den ersten Wettkönig präsentiert, der mit der Wette kandidierte: "Ich unterscheide blind 200 männliche Leichen an der Größe ihrer Corpora cavernosa!"


Na, liege ich falsch oder habe ich Recht - vor dem Hintergrund von Gottschalks Kuh-Wette: Der Euter-Grapscher auf dem Bild wettete, mit verbundenen Augen seine 50 Kühe durch Euter-Auskultation unterscheiden zu können. Er behielt Recht.

Gibt's hier vielleicht 50 Kühe, mit denen ich die Wette bei Gelegenheit mal nachstellen könnte? Rein aus wissenschaftlichem Interesse, versteht sich;-)

(Was man alles tut, um alte Threads wieder nach oben zu bringen ...)

cu
luckyblue

Rico
08.12.2002, 22:10
Original geschrieben von luckyblue
Der Euter-Grapscher auf dem Bild wettete, mit verbundenen Augen seine 50 Kühe durch Euter-Auskultation unterscheiden zu können. Hat der nicht eher palpiert?

Froschkönig
08.12.2002, 23:45
Jaja...der hat palpiert...
Dennoch kann ich luckyblue´s ansinnen nachvollziehen :-)) :-)) :-))

(Palpieren macht in dem fall ja auch mehr spaß als auskultieren :-D)