Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Massenpanik bei Love Parade
Feuerblick
24.07.2010, 19:22
Die Organisation solcher Ereignisse ist eine Wissenschaft für sich und wenn eine Region damit noch keine Erfahrung hat, dann wird es wirklich schwierig. Diejenigen, die solche Einsatzpläne dann genehmigen, haben meist am allerwenigsten Ahnung von der Materie.
Hinterher kann man natürlich locker sagen, woran es gelegen hat. Es vorher zu wissen, ist die Kunst... Da helfen auch keine Computerprogramme - da hilft nur viel Erfahrung. Leider...
Dr.Hackenbush
24.07.2010, 19:23
Gerade gefunden -> http://www.derwesten.de/kultur/musik-und-konzerte/loveparade/Loveparade-Macher-findet-Duisburg-fast-perfekt-id3275061.html
„Fast perfekt“? Erstmals rollt die Parade auf einem umzäunten abgeschlossenen Gelände.
Sattler: Das begrenzt wird von der Autobahn auf der einen und der Bahn auf der anderen Seite. In der Tat, von den Sicherheitsauflagen her ist diese sicher die aufwändigste Produktion. Wir haben Zugänge gebaut, Fluchtwege, wir hatten keinen Strom und kein Wasser. Weil aber das ganze Gelände eingeebnet werden musste, konnten wir die Leitungen unterirdisch legen. Über Kabelkanäle kann also keiner stolpern.
Es besteht die Sorge, der Platz könnte für die erwartete Million nicht reichen.
Sattler: Die Loveparade ist eine dynamische Veranstaltung, kein Konzert, wo 150 000 Leute vor der Bühne stehen und -bleiben. Das Publikum an sich ist dynamisch, da ist ein ständiger Durchlauf, nur die Hardcore-Fans bleiben zehn Stunden. Es kommen Leute, die wollen nur mal gucken, und andere, die wollen nur abends dabei sein. Sie sind nicht alle zur gleichen Zeit am gleichen Ort. Es ist ein ständiges Kommen und Gehen, das zeigt auch die Erfahrung von Essen und Dortmund. Wir gehen davon aus, dass sich das Publikum im Laufe des Tages einmal komplett austauscht.
Habt ihr versehentlich zwei Threads gemacht?
http://www.medi-learn.de/medizinstudium/foren/showthread.php?t=59243
http://www.medi-learn.de/medizinstudium/foren/showthread.php?t=59244
Hoppla-Daisy
24.07.2010, 19:28
Ich arbeite gerade dran! ;-)
EDIT: Feddisch
Kackbratze
24.07.2010, 19:39
Wichtig ist erstmal, dass alle Betroffenen sicher und gut versorgt werden. Fehlersuche und Fingerzeigen kommt noch früh genug.
Noch wichtiger ist eigentlich, dass man danach aus den Fehlern lernt, so dass das nicht wieder passiert!
Feuerblick
24.07.2010, 19:41
Das ist der einzige Vorteil: In einem Ballungsraum wie diesem bekommt man die Patienten schnell und gut versorgt.
Selbst wenn es Mängel gegeben hat, lässt sich so eine Massenpanik mit tödlichem Ausgang nicht sicher verhindern. Beim Roskilde Festival vor einigen Jahren gab es auch 12 (?) Tote. Erinnert sich noch jemand daran?
Feuerblick
24.07.2010, 19:48
Japp, erinnere mich dran.
Es heisst gerade, es sei keine Massenpanik gewesen sondern die Leute seien schlicht eingeklemmt gewesen... Das mit dem Tunnel war vermutlich deshalb so wenig geschickt, weil man erst DAHINTER Einlasskontrollen gemacht hat. Daher lief der Tunnel halt voll. Man darf hoffen, dass auch aus diesen Fehlern Lehren gezogen werden.
Hoppla-Daisy
24.07.2010, 19:51
Lava, schau dir das Gelände mal bei Google maps an ;-). Man kann solch ein Festival mit diesen Massen an Menschen nicht auf nem Gelände durchführen, was auf der einen Seite durch die Autobahn, auf der anderen durch Bahngleise begrenzt wird. Und wenn man dann um das Gelände noch Zäune spannt, ist abzusehen, wann die große Herde (zumal größtenteils alkoholisiert und unter Drogen) auszubrechen versucht.
Naja, in diesem Fall lag das Problem ja wohl eher daran, dass auf ein Gelände, was nur für ca. 500.000 Menschen ausgelegt ist, von > 1 Mio. Menschen bevölkert wurde. Und wenn man denen sagt "du kommst hierrr ned rrrrein", werden manche schon mal motzig und halten sich nicht an die Regeln.
Aber das ist Grundlage der Chaosforschung... scheint für Sicherheits"fachleute" nicht zu gelten, wie es scheint.
Feuerblick
24.07.2010, 19:53
Derartige Organisation wird von Feuerwehr, Hilfsorganisationen und Stadt durchgeführt und letztlich genehmigt. Leider eben keine Fachleute...
Dr.Hackenbush
24.07.2010, 20:36
Lava, schau dir das Gelände mal bei Google maps an ;-).
Setz doch nen Link (http://maps.google.de/maps?hl=de&ie=UTF8&ll=51.423196,6.771322&spn=0.005359,0.011609&t=h&z=17), dann muss sie nicht suchen. :-stud
Ich wollte mal Klugschei$$en
Meine Prognose: Der OB, der Polizeichef sowie der Feuerwehrchef werden ihren Hut nehmen...ändert nur leider nix daran, daß 18? Menschen durch insuffiziente Planungen ihr Leben lassen mussten.
Eine typisch deutsche Art der Fehlerbewältigung...es muß wer Schuld sein, und der muß geh'n.
Dafür sah der Behandlungsplatz, der ziemlich genau 60 min. nach den ersten Meldungen einer "Panik" mit mehreren Verletzten und Toten, auf der A 59 aufgebaut zu sehen war, schon recht professionell und gut strukturiert aus. Insofern gehen die MANV-Konzepte doch vielleicht langsam auf...
Hypnos, der 3x als NA bei einer Love-Parade dabei war...
Relaxometrie
25.07.2010, 09:07
Insofern gehen die MANV-Konzepte doch vielleicht langsam auf.
Es gibt wahrscheinlich keine starre Regel, ab wann der MANV-Alarm ausgelöst wird, oder? Der Notarztanfänger würde wahrscheinlich schon bei einem VU mit 2 Autos, 6 Insassen und schweren Verletzungen gerne MANV auslösen, das was gestern auf der Loveparade passiert ist, lässt kein Zweifel daran, daß es ein MANV ist. Aber man kann bestimmt auch Unterstützung anfordern (beispielsweise oben angesprochener VU), ohne gleich ein MANV draus zu machen, oder?
Es gibt wahrscheinlich keine starre Regel, ab wann der MANV-Alarm ausgelöst wird, oder? Der Notarztanfänger würde wahrscheinlich schon bei einem VU mit 2 Autos, 6 Insassen und schweren Verletzungen gerne MANV auslösen, das was gestern auf der Loveparade passiert ist, lässt kein Zweifel daran, daß es ein MANV ist. Aber man kann bestimmt auch Unterstützung anfordern (beispielsweise oben angesprochener VU), ohne gleich ein MANV draus zu machen, oder?
MANV ist in jeder Stadt / Landkreis anders definiert. Das begründet sich schon allein aus der Tatsache, daß die Definition für MANV mit der "Erschöpflichkeit des örtlichen Regelrettungsdienstes" untrennbar verknüpft ist...
Wer an der genauen MANV - Definition in seinem Tätigkeitsbereich interessiert ist, möge sich bei der örtlichen Feuerwehr u./o. beim ÄLRD erkundigen...
Sebastian1
25.07.2010, 10:26
Ich war gestern als Notarzt dort und habe Patienten aus dem Tunnel in die Klinik transportiert. In der Tat hatte ich eher damit gerechnet, mit Exsikkosen, Intoxikationen und Schnittverletzungen zu tun zu bekommen; was sich dann dort abgespielt hat, war dann etwas ganz anderes.
Offenbar war genau dieser Tunnel als Nadelöhr n Vorbesprechungen mehrfach kritisiert worden, aber das ist hörensagen.
Allerdings habe ich noch nie und ich glaube werde ich auch nie wieder ein solches Aufgebot an Rettunkskräften, Feuerwehr und Polizei erleben. Was dorthin nachgefordert wurde, war unglaublich, halb NRW war offenbar da.
mezzomixi
25.07.2010, 10:36
Ich war gestern als Notarzt dort und habe Patienten aus dem Tunnel in die Klinik transportiert. In der Tat hatte ich eher damit gerechnet, mit Exsikkosen, Intoxikationen und Schnittverletzungen zu tun zu bekommen; was sich dann dort abgespielt hat, war dann etwas ganz anderes.
Offenbar war genau dieser Tunnel als Nadelöhr n Vorbesprechungen mehrfach kritisiert worden, aber das ist hörensagen.
Allerdings habe ich noch nie und ich glaube werde ich auch nie wieder ein solches Aufgebot an Rettunkskräften, Feuerwehr und Polizei erleben. Was dorthin nachgefordert wurde, war unglaublich, halb NRW war offenbar da.
Lies Dir mal die Kommentare zu diesem Artikel durch und achte aufs Datum.. Da wird einem schlecht wenn man das sieht
http://www.derwesten.de/kultur/musik-und-konzerte/loveparade/Loveparade-wird-zum-Tanz-auf-dem-Drahtseil-id3265037.html
Relaxometrie
25.07.2010, 11:00
Lies Dir mal die Kommentare zu diesem Artikel durch und achte aufs Datum.. Da wird einem schlecht wenn man das sieht
http://www.derwesten.de/kultur/musik-und-konzerte/loveparade/Loveparade-wird-zum-Tanz-auf-dem-Drahtseil-id3265037.html
Die Kommentare (habe erst ca. die ersten 10 gelesen) sind realistisch und berechtigt. Leider wird man als vorsichtiger Mensch oft vorschnell als Spaßbremse bezeichnet, weswegen realistische Kritik oft leider im Nichts verhallt.
Dem Artikel entnehme ich zwei Passagen, die auf organisatorische Mängel von unvorstellbarem Ausmaß hinweisen:
1.
"So dürfen die Besucher auf keinen Fall versuchen, das vom Hauptbahnhof aus gut sichtbare Loveparade-Gelände über die Gleisanlagen zu erreichen."
Einen solchen Fallstrick muß man als Veranstalter vermeiden. Bei Publikum, bei welchem man Alkohol- und Drogenkonsum und undurchdachte Handlungen vermuten muß, ist es leichtsinnig, den Veranstaltungsort so zu wählen, daß Bahngleise eine mögliche Abkürzung zum Erreichen des Orts darstellen.
Zum Glück stellte sich dieser Mangel aber nicht als Gefährdung heraus.
2.
"Zwei festgelegte Routen führen die Besucher vom Bahnhof zum einzigen Zugang des Partygeländes."
Ein Zugang heißt auch, daß es nur einen Ausgang gibt. Das ist ebenfalls an Nachlässigkeit nicht zu überbieten. Schon ohne Chaos und ohne einer Panik wollen Menschen einen Veranstaltungsort auch mal verlassen. Wenn man aber nicht raus kommt, weil der einzige Ein-/Ausgang noch durch ankommende Massen verstopft ist, hat man ein Problem! Dann beginnt die Panik, weil die Menschen dann anfangen, das Gelände über Notausgänge oder sogar über gar nicht dafür vorgesehene Stellen zu verlassen.
Mit dem dummen Verhalten von einigen Menschen muß man -gerade bei einer solchen Veranstaltung- immer rechnen, und die Veranstalter sind selbstverständlich nicht für alles verantwortlich zu machen. Aber die oben dargelegten beiden Punkte halte ich für einen Beweis für die katastrophale Planung der Veranstaltung.
Zum Glück stellte sich dieser Mangel aber nicht als Gefährdung heraus.
Doch. Laut Spiegel Online musste der Zugeverkehr Richtung Süden gestoppt werden, weil Menschen über die Bahngleise liefen. Ging also noch glimpflich aus...
Die Niere
25.07.2010, 11:35
Was ist mit der offiziellen Darstellung gestern Abend, dass das Problem weniger im Tunnel bestanden hat, sondern vielmehr darin, dass Menschen nach "Du kommst hier nicht mehr rein" angefangen haben die Wände und Zäune im Bereich des Tunneleingangs zu überklettern und dabei gestürzt und schlussendlich die Panik mitverursacht haben?
@Seb: Ich hoffe für dich ist alles einigermassen gut ausgegangen...
gruesse, die niere
Keenacat
25.07.2010, 11:48
Selbst wenn das denTatsachen entspricht liegt die Verantwortung dafür bei den Veranstaltern. Mit solchen Dingen MUSS man rechnen, wenn man eine Veranstaltung mit 1 Million erwarteten Besuchern auf einem Gelände durchführt, auf das man eigentlich nur 250.000 drauflassen kann. Wenn man das nicht bewältigen kann, ohne das jemand zu Schaden kommt, hat man Schuld. Fertig. Das war vorher ohne weiteres abzusehen.
mezzomixi
25.07.2010, 11:49
Was ist mit der offiziellen Darstellung gestern Abend, dass das Problem weniger im Tunnel bestanden hat, sondern vielmehr darin, dass Menschen nach "Du kommst hier nicht mehr rein" angefangen haben die Wände und Zäune im Bereich des Tunneleingangs zu überklettern und dabei gestürzt und schlussendlich die Panik mitverursacht haben?
@Seb: Ich hoffe für dich ist alles einigermassen gut ausgegangen...
gruesse, die niere
Das sagen sie ja bei der Pressekonferenz grade auch. Angeblich sind alle zu Tode gekommenen
Leute im Bereich hinter dem Tunnel aufgefunden worden. Wenn man sich allerdings die Bilder bei Bild online ansieht, liegen die Leichen eindeutig im Tunnel und nicht dahinter :-nix
Der Typ eben sprich von einer Fläche von max. 240.000qm und zwar nicht nur das eigentliche Gelände sondern inklusive umliegender "Ausweichflächen" - wenn die Angaben von anwesenden bzw noch anreisenden 1,4 Mio Menschen stimmen macht das knapp 0,2qm pro Person :-?
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