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zur lebend-nierenspende
Hasse dat gelesen, liebe niere?:-))
Die Niere
09.09.2010, 09:42
öhm, diese aussage auf unreflektierte zahlen aus holland, welche sicherlich multifaktoriell beeinflusst sind, zu stützen, genügt wohl nicht den umständen, zumal die vorangehende wissenschaftliche arbeit über die motivation selbst zur lebend-nierenspende einen sehr klaren zusammenhang zwischen geld und motivation hinsichtlich der organspendewilligkeit beweisen konnte.
airmariaWoher weisst du, dass ich die Zahlen nicht reflektiert habe? Warum sollte deine Zahlen zur Nierenspende nicht ge"biast" sein und frei von "multiplen Faktoren" und es gibt noch immer einen riesigen Unterschied zwischen 100.000 Dollar und eine geringe Ermässigung bei Krankenkassenbeiträgen (die sich zwar im Laufe des Lebens summieren, aber wir alle wissen, dass Menschen nicht long-term denken).
gruesse, die niere
airmaria
09.09.2010, 10:56
Woher weisst du, dass ich die Zahlen nicht reflektiert habe?
weil JEDER dann sehr schnell auf den schluss gekommen wäre, dass die ursprünglich von flemingulus anhand der eurotransplant-statistik generierten zahlen aus holland für diese ursächlich getätigte aussage nun wahrlich nicht zu gebrauchen sind:
in holland wurde erst 2006 das krankenkassensystem vollständig auf den kopf gestellt, es gibt verschiedene private versicherungsträger, keine staatlichen, dieser symbolische 10%-rabatt wurde bei wie vielen versicherungen ende 2008 eingeführt, wie lange würde es brauchen bei solch einer massnahme, bis sich das in den zahlen niederschlägt, wie lange müsste man einen fraglichen effekt beobachten und endlos weiter…
ich behaupte ja auch nicht pauschal, dass 10% ermässigung in der krankenversicherung zu einem anstieg von 7% der organspender führen, was ich theoretisch unter zugrundelegung der beiden stichjahre 2009 gegenüber 2008 tun könnte… was selbstverständlich unsinn wäre!
prinzipiell können wir natürlich jede studie in frage stellen, aber die wissenschaftlich qualität des einen arguments gegenüber dem anderen zeigt wohl ein sehr, sehr deutliches gefälle.
das annals of internal medicine hat einen impactfaktor von gut 16 und ist im fachspezifischen ranking auf platz 4 von 132, dementsprechend in der quartile-kategorie q1 gelistet – auch wenn ich nun wahrlich kein freund von diesem rankingzeugs bin, aber immerhin… es ist nicht medi&zini!
airmaria
Annabell Lee
23.09.2010, 16:39
Das Thema geht sehr tief in den Bereich "wem gehört der physische Körper eines Menschen". Zu Lebzeiten geht man ja schon davon aus, dass er in gewisser Art und Weise auch Allgemeingut sei: Immerhin gibt es in der Medizin Zwangsbehandlungen und, wenn man so will, den "Zwang" zu leben. Insofern wäre es in dieser Gesellschaft nur logisch, den Körper insbesondere auch nach dem Tod als Allgemeingut zu behandeln.
Allerdings könnte man auch argumentieren, dass der "Status" Organspender unter Umständen einen negativen Effekt auf die Intensität der im Notfall stattfindenden Behandlung haben könnte. Viele Menschen tragen diese Sorge, würden aber aufgrund eines Mangels an organisatorischer Kompetenz dennoch keinen Widerspruch einlegen. Jemand der wirklich spenden will, ist bei dem Umfang der jetzigen Werbekampagnen und leichten Zugänglichkeit entsprechender Dokumente, zumindest in der überwiegenden Zahl der Fälle, ausreichend kompetent ein solches auch auszufüllen und in seine Brieftasche zu legen. Insofern ist die Widerspruchsregelung problematisch.
Aktuell können, so weit ich informiert bin, auch die Angehörigen noch zustimmen; da man davon ausgeht, dass diese den Willen des Verstorbenen kennen (sollten). Insofern ist eine erweiterte Zustimmungsregelung einer Widerspruchsregelung nicht unbedingt unterlegen.
Man könnte jedoch auch, so wie bei Wahlen, jeden Bürger in regelmäßigen Abständen zu solchen Themen befragen. Beispielsweise simultan mit dem Wahlgang. Bei denen, die nicht erscheinen, wird dann eben nach Eintritt des Todes durch die Angehörigen eine Entscheidung gefällt.
Ebenfalls muss man bedenken, dass die wenigsten Toten auch als potentielle Organspender zur Verfügung stehen; in der Mehrzahl der Fälle sind die Organe gar nicht verwendbar. Meiner Meinung nach liegt die Zukunft in Lebendspenden und vielleicht irgendwann einmal künstlich aus Zellkulturen gezüchteten Organen; diese hätten auch den Vorteil, dass man Immunreaktionen durch genetische Modifikationen effektiver Eindämmen könnte, irgendwann vielleicht sogar transplantieren könnte, ohne Immunsuppressiva verabreichen zu müssen.
Dazu müsste man jedoch einige Schranken in der Forschung mit embryonalen Stammzellen erheblich lockern. Bevor wir über Dinge wie Organspendeausweise diskutieren, sollten wir diese wieder in den Blickpunkt der Öffentlichkeit rücken. Solange an dieser Front nichts passiert, ist alles andere nur Ergebniskosmetik, ohne grundsätzlich etwas am Grundproblem zu ändern.
*hoch hol*
So, ab Mittwoch soll das Ganze also von den Gesundheitsministern beleuchtet werden. Bin gespannt, auf was man sich letztendlich einigt, wohl wahrscheinlich, so die Tagesschau, auf die Entscheidungslösung.
Feuerblick
26.06.2011, 19:11
Plan scheint tatsächlich zu sein, die Menschen einmalig zu einer Entscheidung zu bitten und das dann auf Führerschein oder Perso zu vermerken. Wäre schön, wenn es genau so passieren würde. :-dafür
Frage ist, ob man, und so wäre es wünschenswert, sich auch noch umentscheiden kann. Ich kann mir in beide Richtung gut nachvollziehbare Gründe dafür vorstellen.
Feuerblick
26.06.2011, 19:14
Da jeder Mensch über sich selbst entscheiden darf, muss eine solche Umentscheidung möglich sein.
Relaxometrie
26.06.2011, 19:20
Ich bin ganz überrascht, daß sich bzgl. der Organspendeorganisation tatsächlich etwas in Bewegung setzt. Ich sag' ja schon seit Jahren, daß die erweiterte Zustimmungslösung, die wir aktuell haben, nix is.
Von der derzeit favorisierten Entscheidungslösung habe ich noch nie etwas gehört, aber sie gefällt mir gut. Vielleicht sogar besser, als die Widerspruchslösung, die ich aber auch ok finde.
Ob man dem Empfänger mit jeder vorgenommenen Organspende tatsächlich einen Gefallen tut, oder doch in einigen Fällen falsche Hoffnungen schürt, steht auf einem anderen Blatt. Daß man durch die Änderung der Spenderegeln den Organmangel zu verringern versucht, finde ich trotzdem richtig. Wobei auch hier die Frage ist, ob der Organmangel tatsächlich an der fehlenden Spendebereitschaft, bzw. an der Nachlässigkeit der Menschen liegt, die sich trotz theoretischer Spendebereitschaft nie dazu geäußert haben, oder ob nicht auch Kliniksstrukturen Schuld am Organmangel sind, die aufgrund von Zeitdruck und Personalmangel eher dazu führen, daß man den personal- und zeitintensiven Vorgang der Organentnahme gar nicht erst anleiert.
Die Niere
27.06.2011, 16:43
...oder ob nicht auch Kliniksstrukturen Schuld am Organmangel sind, die aufgrund von Zeitdruck und Personalmangel eher dazu führen, daß man den personal- und zeitintensiven Vorgang der Organentnahme gar nicht erst anleirt.Zumindest bei diesem Punkt muss ich sagen, dass ich so etwas NOCH NIE erlebt habe und jeder potentielle Organspender durch die Maschinerie gejagt wird, auch wenn es halt Arbeit macht. Wär ja auch noch schöner.
Bin gespannt was in D entschieden wird und wie die CH dann darauf reagiert.
gruesse, die niere
Feuerblick
27.06.2011, 16:53
Zumindest bei diesem Punkt muss ich sagen, dass ich so etwas NOCH NIE erlebt habe und jeder potentielle Organspender durch die Maschinerie gejagt wird, auch wenn es halt Arbeit macht. Wär ja auch noch schöner.
Bin gespannt was in D entschieden wird und wie die CH dann darauf reagiert.
gruesse, die niereZumal ab einem gewissen Zeitpunkt die Klinik selbst ja nichts mehr mit Hirntoddiagnostik etc. zu tun hat. Im Prinzip endet die Tätigkeit der Kliniksärzte damit, die Angehörigen um Zustimmung zu bitten und dann die DSO zu informieren. :-nix
Die Niere
27.06.2011, 18:33
Zumal ab einem gewissen Zeitpunkt die Klinik selbst ja nichts mehr mit Hirntoddiagnostik etc. zu tun hat. Im Prinzip endet die Tätigkeit der Kliniksärzte damit, die Angehörigen um Zustimmung zu bitten und dann die DSO zu informieren. :-nix
Aber wer übernimmt dann die Hirntoddiagnostik? Zumindest bei uns wurde das immer hausintern durchgeführt...
Feuerblick
27.06.2011, 18:50
Schon hausintern. Aber das ist ja primär kein zusätzlicher "Arbeitsaufwand", der einen von einer Organspende abhalten könnte. Wirklich aufwändig ist ja eher der Papierkram und das Zusammensuchen möglicher Empfänger, Organisation der Entnahme und der zuständigen Teams etc. Und das übernimmt normalerweise ja der Koordinator der DSO (war an meinem alten Haus am Klinikum angesiedelt und kannte alle seine Schäfchen sehr gut, hat teilweise sogar die initialen Angehörigengespräche übernommen, wenn die Station das wollte).
Die Niere
27.06.2011, 21:02
Ach so...das ist natürlich klar, dass die Koordination dann vom Transplantkoordinator durchgeführt wird, aber die Hirntoddiagnostik ist durchaus ein sehr grosser Aufwand. Aber wenn sich ein Arzt traut, darauf zu verzichten, weil er kein Bock auf Arbeiten hat, dann dürfte er schnell seine Approbation abgeben...
gruesse, die niere
Feuerblick
27.06.2011, 21:06
Ich glaube auch nicht, dass Entnahmeteams locker flockig absagen, weil sie gerade keinen Bock haben... Nee, nee, am Arbeitsaufwand scheitert das Ganze eher nicht.
Aber wenn sich ein Arzt traut, darauf zu verzichten, weil er kein Bock auf Arbeiten hat, dann dürfte er schnell seine Approbation abgeben...
...zumal die kliniken für die durchführung des gesamten vor- und nachlaufs einer organspende auch gut entlöhnt werden...selbst bei abbruch der spende....
DanielOliver
05.07.2011, 17:03
Schon hausintern. Aber das ist ja primär kein zusätzlicher "Arbeitsaufwand", der einen von einer Organspende abhalten könnte. Wirklich aufwändig ist ja eher der Papierkram und das Zusammensuchen möglicher Empfänger, Organisation der Entnahme und der zuständigen Teams etc. Und das übernimmt normalerweise ja der Koordinator der DSO (war an meinem alten Haus am Klinikum angesiedelt und kannte alle seine Schäfchen sehr gut, hat teilweise sogar die initialen Angehörigengespräche übernommen, wenn die Station das wollte).
Naja, es ist schon ein gewaltiger Unterschied ob man bei infauster neurologischer Prognose die Therapie beendet oder ggf. noch Tage weiterführt, dann einen komplette Hirntoddiagnostik macht, die entsprechenden Angehörigengespräche macht und dann noch die komplette Spenderevaluation. Die DSO macht zwar den Papierkram und sagt was sie braucht, aber für die Anmeldung der Untersuchungen und dann deren Durchführung, ggf. incl. beatmetem Transport zur HKU usw. ist schon die jeweilige ITS zuständig. Das ist dann schon recht viel Arbeit, gerade für kleinere Häuser ohne jede Routine.
Feuerblick
05.07.2011, 17:49
Ich kenne bisher nur Häuser mit Transplantationsbeauftragtem, der sich um die ganzen Dinge kümmert...
Ach so...das ist natürlich klar, dass die Koordination dann vom Transplantkoordinator durchgeführt wird, aber die Hirntoddiagnostik ist durchaus ein sehr grosser Aufwand. Aber wenn sich ein Arzt traut, darauf zu verzichten, weil er kein Bock auf Arbeiten hat, dann dürfte er schnell seine Approbation abgeben...
gruesse, die niere
Das versteh ich gerade nicht. Warum verliert er seine Approbation? Wenn er keinen Bock auf Arbeit hat, meldet er den potentiellen Organspender nicht und der Patient verstirbt irgendwann an was auch immer...
Oder bezieht sich das auf dem Verzicht auf die Hirntoddiagnostik und trotzdem Organentnahme???
Die Niere
05.07.2011, 21:42
Das bezieht sich einfach darauf, dass ich es für ziemlich menschenverachtend halte, aus Faulheit eine lebensrettende Organspende zu unterbinden und den "Fall" einfach unter den Tisch zu kehren.
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