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Sebastian1
04.02.2011, 18:14
Persönliche Erfahrung (Maximalversorger, ~750 Betten):
Dienste als Berufsanfänger frühestens nach einem Jahr. Vorher schonmal Spätdienste oder Wochenenddienste als zweiter Mann. OA in Rufbereitschaft, kann aber auch mal ne halbe Stunde dauern, bis der da ist. Im Zweifelsfall gibt's aber auch noch jemanden auf Intensiv, der im Akutfall helfen könnte.
Richtig frühes alleinlassen in Diensten als Berufsanfänger hab ich in der Anä noch nicht gehört, fände ich auch ziemlich übel.

Muriel
04.02.2011, 18:26
Mein ehemaliger AG (Maximalversorger 900 Betten) hatte immer drei Anästhesiedienste mit Anwesenheit (1 OA oder FA, 1 fortgeschrittener Assi, ein Assi in den ersten beiden Jahren). Aus Erzählungen von Freunden an unterschiedlichen Unikliniken kenne ich es so, dass immer fünf Anästhesisten im Haus anwesend waren im Dienst. Ob das pauschal so stimmt, keine Ahnung, aber für mich klingt das nach "je größer das Haus, desto mehr Welpenschutz" ;-)

Xela
04.02.2011, 19:09
Mein ehemaliger AG (Maximalversorger 900 Betten) hatte immer drei Anästhesiedienste mit Anwesenheit (1 OA oder FA, 1 fortgeschrittener Assi, ein Assi in den ersten beiden Jahren). Aus Erzählungen von Freunden an unterschiedlichen Unikliniken kenne ich es so, dass immer fünf Anästhesisten im Haus anwesend waren im Dienst. Ob das pauschal so stimmt, keine Ahnung, aber für mich klingt das nach "je größer das Haus, desto mehr Welpenschutz" ;-)

bei mir siehts so aus: Maximalversorger, knapp über 1000 Betten, 2 Anästhesiedienste (1 FA + 1 AA) für Op, Kreißsaal (>2300 Geburten/Jahr), Rettungsstelle/Polytraumaversorgung, Reatelefon + akutes Abdomen-Notruf (nach dem den Chirurgen eins in der Rettungsstelle hochgegangen ist werden wir Anästhesisten jetzt auch dazugerufen.. yippie!).

OA macht Rufbereitschaft, ist je nach Diensthabendem in 20-40min im Haus.

Zusätzlich gibt es 1 Anästhesisten auf der IMC (21 Betten), 1 auf der Kinder-ITS und 1-2 auf der ITS (interdisziplinär, 36 Betten mit zusätzlich chirurg. + internist. Dienst).

Wenn wir viel zutun haben bzw. mehrere Notfälle gleichzeitig rufen wir die Kollegen auf IMC, KITS bzw. ITS an und bitten um Hilfe - oft können die Kollegen die Stationen aber nicht verlassen, dann wirds richtig eng.

Da die Dienste oft ganz schön happig sind kommt man bei uns erst nach 18 Monaten in den Dienst- vorher wär ich da gar nicht fit genug für gewesen. Man muss quasi überall alleine klarkommen können.

Hypnos
04.02.2011, 19:35
Uniklinik im La-La Land:
4 Anästhesisten im Dienst, davon
1 OA (Anwesenheitsdienst)
1 FA (1. Dienst, organisiert die OP-Koordination und sämtliche Anästhesieleistungen (incl. Rea, Aussentermine, Schockraum etc.) nach 16.00 Uhr)
1 AA {2. Dienst}(fortgeschrittene Weiterbildung oder Youngster-FA) - Der Mann / Die Frau für die regulären OP's
1 AA (Welpe) {3. Dienst} ab 22 Uhr und am WE zusätzlich zuständig für den Akutschmerzdienst

Diensteintritt in die 3. Dienstgruppe nach ziemlich genau 6 Monaten.

Gruß, Hypnos

lara162
04.02.2011, 19:35
Bei uns (Uniklinik) ist es folgendermaßen:
Dienstbesetzung (Nacht/We): 1 OA, 1(ggf. fast) FA, 1 Assi. Kinderklinik und Gyn sind extra besetzt. Ergo sind 4 Dienste (Kinder ist Rufdienst) fest im Haus für die operative Versorgung. Tx Dienst gibt es zusätzlich noch als Rufdienst.

ITS (54 Betten) ist exta besetzt und managed auch den Schockraum sowie Readienst mit.
Nachtdienste macht man bei uns ca. nach einem Jahr Berufserfahrung, We-Tagdienste früher. Ein paar Monate nach Berufsbeginn auch Spät- und Langdienste.

Dass die Betreuung an der Uni besser ist, würde ich nicht pauschal behaupten wollen. Learning by doing gibt es wohl auch überall. Es ist allerdings immer wer da, den man dazu rufen kann. Dafür ist da Spektrum an der Uni eben auch anders, als an einem kleinen, peripheren Haus und man muss (bzw. darf, je nachdem wie man das persönlich sieht) oftmals auch sehr sehr früh an die großen operativen Kisten.

Für mich persönlich kam es nicht in Frage, an einem kleinen Haus anzufangen. Mir wurde auch im Gespräch mit Anästhesisten im PJ davon abgeraten. Aber im Endeffekt ist das eine persönliche Entscheidung, pro und kontra gibt es wohl für beides.

Rumpelstilzchen
04.02.2011, 22:06
Ich bereue meine Entscheidung für Anästhesie bisher nicht.

In meinem momentanen Haus (Kreiskrankenhaus) ist die Besetzung im Dienst: 1 Assistent und ein Oberarzt im Rufdienst.

Manchmal ein schmaler Grat.

Kaffee_Caro
08.02.2011, 09:30
Wenn ich das so lese, dann wäre mir glaube ich ein größes KH lieber, auch wenn dann (z.B. Uniklinik) die Arbeitszeiten etwas länger wären. "Welpenschutz" ist mir gerade am Anfang wichtiger.

Physiologicus
18.12.2011, 18:37
Ich würde diesen Thread gerne wieder aufgreifen, um folgende Fragen loszuwerden:

1.) Habe gerade mein Anästhesie-Tertial hinter mir und bin sehr ernüchtert, was auch an der bescheidenen Lehre/praktischer Ausbildung meiner Abteilung lag. Nun frage ich mich, ob es im OP tatsächlich ein so ermüdend langweiliger Trott ist, oder ob man sich sinnvoll und ausreichend beschäftigt fühlt, wenn man voll eigenverantwortlich arbeiten darf und alles überblicken muß.
Zusammenfassend also die Frage, ob Anästhesiologie auch dann die richtige Wahl sein kann, wenn man von "AINS" auf "A", also die Tätigkeit im OP am liebsten verzichten möchte?

2.) Im Gegensatz dazu hat mir die Intensivzeit wesentlich mehr Spaß gemacht und ich würde meinen Schwerpunkt gerne darauf legen. (Stationsarbeit in einem Umfang, der mir gefällt, Pat. körperl. untersuchen, viel Technik, die mich begeistert und zusätzl. z.T. auch Diagnostik mögl.) Gibt es in der Ausbildung bzw.im späteren Facharztdasein die Möglichkeit, sich weitgehend aus dem OP herauszuhalten und schwerpunktmäßig in der Intensivmedizin sowie ggf zusätzl. in der Notfallmedizin zu arbeiten? Wäre die Innere Medizin dafür ggf. doch die bessere Fachrichtung?

3.) Gelgentlich ist die Notaufnahme unter Leitung der Anästhesie, allerdings habe ich bisher dennoch nur Chirurgen und Internisten erlebt, die dort das Tagesgeschäft schmeißen. Hat man auch als Anästhesist die Möglichkeit in der Patientenaufnahme zu arbeiten, anstatt nur die Anlieferung im Notarztdienst zu übernehmen?

4.) Meine bisherige Bekanntschaft mit Anästhesisten hat mir sehr den Eindruck vermittelt, daß es sich dabei mehr um eine zuarbeitende Tätigkeit handelt. Überspitzt ausgedrückt: im OP ist man oft der Depp der Chirurgen, auf der Intensivstation schmeißt man den Laden, muß aber darauf warten, daß die Internisten/Chirurgen 1-2x pro Woche vorbeischauen und dann alles besser wissen bzw. auch besser können (z.B. apparative Diagnostik).
Am Ende lacht natürlich der Anästhesist, wenn er pünktlich nach Hause gehen kann, nach dem OP keine Briefe oder Visiten mehr erledigen muß, oder die Notfallsituation rettet, wenn es tatsächlich mal schnell gehen muß, trotzdem bin ich mir nicht sicher, ob ich mich mit dem vermeintlichen "Knechtstatus" auf Dauer wohlfühlen würde.
Ob man sich ohne großartige diagnostische/therapeutische Tätigkeit selbst als "Schmalspurmediziner" empfindet, hängt zwar sehr von einem selbst ab, aber so ganz kann ich diesen Eindruck nach meiner bisherigen Erfahrung noch nicht ablegen, belehrt mich bitte eines Besseren!


Wäre für eure Einschätzungen und Empfehlungen sehr dankbar!

mainzer
18.12.2011, 21:26
Ich würde diesen Thread gerne wieder aufgreifen, um folgende Fragen loszuwerden:

...ok, dann wird's jetzt aber laaaaang...

[QUOTE=Physiologicus;1487833]
1.) Habe gerade mein Anästhesie-Tertial hinter mir und bin sehr ernüchtert, was auch an der bescheidenen Lehre/praktischer Ausbildung meiner Abteilung lag. Nun frage ich mich, ob es im OP tatsächlich ein so ermüdend langweiliger Trott ist, oder ob man sich sinnvoll und ausreichend beschäftigt fühlt, wenn man voll eigenverantwortlich arbeiten darf und alles überblicken muß.
Zusammenfassend also die Frage, ob Anästhesiologie auch dann die richtige Wahl sein kann, wenn man von "AINS" auf "A", also die Tätigkeit im OP am liebsten verzichten möchte?

op-tätigkeit KANN, MUSS aber nicht langweilig/ermüdend sein... klar, kleine eingriffe von <60min dauer mit larynxmaske am laufenden band sind nicht sonderlich spannend...aber gerade am anfang als frischgebackener arzt wird man darüber sicherlich auch schon glücklich sein...die lernkurve steigt und irgendwann wird man ja auch zu den größeren eingriffen eingeteilt: (schwierige) intubationen, atemwegsalternativen bei schwierigem atemweg (fast-trach, fiberoptische intubationen), zvk, (wach)arterielle druckmessung, pdk, ein-lungen-beatmung, massenblutungen, ...
und dann wird die ganze sache auch schon wieder spannend :-)
eigenverantwortliches arbeiten ist nach einarbeitungszeit sicherlich vollständig möglich...zur not ist ein oa idealerweise in rufnähe..
dass man - gerade am anfang seiner fa-ausbildung auf das "a" von "ains" komplett verzichtet ist sicher nicht möglich; im fortgeschrittenen ausbildungsstand rotiert man dann der erfahrung nach in die übrigen bereiche (notfallmedizin ab 24 monaten tätigkeit als arzt; intensivzeit...). als fa kann man sich dann wiederum gezielt nach einer stelle umsehen, bei der man in die leitung/führung einer intensivstation verstärkt eingebunden ist und entsprechende weiterbildungen absolviert (spezielle intensivmedizin...).



2.) Im Gegensatz dazu hat mir die Intensivzeit wesentlich mehr Spaß gemacht und ich würde meinen Schwerpunkt gerne darauf legen. (Stationsarbeit in einem Umfang, der mir gefällt, Pat. körperl. untersuchen, viel Technik, die mich begeistert und zusätzl. z.T. auch Diagnostik mögl.) Gibt es in der Ausbildung bzw.im späteren Facharztdasein die Möglichkeit, sich weitgehend aus dem OP herauszuhalten und schwerpunktmäßig in der Intensivmedizin sowie ggf zusätzl. in der Notfallmedizin zu arbeiten? Wäre die Innere Medizin dafür ggf. doch die bessere Fachrichtung?

s.o.



3.) Gelgentlich ist die Notaufnahme unter Leitung der Anästhesie, allerdings habe ich bisher dennoch nur Chirurgen und Internisten erlebt, die dort das Tagesgeschäft schmeißen. Hat man auch als Anästhesist die Möglichkeit in der Patientenaufnahme zu arbeiten, anstatt nur die Anlieferung im Notarztdienst zu übernehmen?

meistens sind die notaufnahmen tatsächlich unter internistischer/chirurgischer führung; im zuge der einführung der interdisziplinären notaufnahme werden hier auch immer häufiger anästhesisten hinzugezogen (auf fa-/oa-ebene; gerade als leiter/gesamtverantwortliche)...ob und inwieweit hier administrative aufgaben überwiegen kann ich leider nicht sagen.



4.) Meine bisherige Bekanntschaft mit Anästhesisten hat mir sehr den Eindruck vermittelt, daß es sich dabei mehr um eine zuarbeitende Tätigkeit handelt. Überspitzt ausgedrückt: im OP ist man oft der Depp der Chirurgen, auf der Intensivstation schmeißt man den Laden, muß aber darauf warten, daß die Internisten/Chirurgen 1-2x pro Woche vorbeischauen und dann alles besser wissen bzw. auch besser können (z.B. apparative Diagnostik).
Am Ende lacht natürlich der Anästhesist, wenn er pünktlich nach Hause gehen kann, nach dem OP keine Briefe oder Visiten mehr erledigen muß, oder die Notfallsituation rettet, wenn es tatsächlich mal schnell gehen muß, trotzdem bin ich mir nicht sicher, ob ich mich mit dem vermeintlichen "Knechtstatus" auf Dauer wohlfühlen würde.
Ob man sich ohne großartige diagnostische/therapeutische Tätigkeit selbst als "Schmalspurmediziner" empfindet, hängt zwar sehr von einem selbst ab, aber so ganz kann ich diesen Eindruck nach meiner bisherigen Erfahrung noch nicht ablegen, belehrt mich bitte eines Besseren!

komme mir im op nicht wie der sklave vor....drehen wir's mal andersrum...wenn WIR keine narkose machen operieren die CHIRURGEN nicht! punkt! :-)
und sowohl im op als auch auf intensivstation HAST du ein breites angebot diagnostischer möglichkeiten (auskultation, sonographie in der anästhesie [zvk-anlage, periphere nervenkatheter, fast], bga-interpretation, hzv-messung...)
und zum thema "schmalspur"....muss schon manchmal schmunzeln, da UNS anästhesisten halt im op bei durchsicht der befunde die hyper-/hypokaliämie auffällt...oder der quick der bei 20% liegt und der chirurg sich wundert, warum es so blutet....tssss...soviel zum thema schmalspur :-)



Wäre für eure Einschätzungen und Empfehlungen sehr dankbar! Belehrt mich bitte eines Besseren!

hiermit geschehen :-)

Kackbratze
18.12.2011, 23:17
*seufz*

Ich hasse das "wir sind man viiiel besser als wie Ihr" Gerede der verschiedenen Abteilungen.

Ohne Anästhesie keine Chirurgie, keine Radiologie (in Einzelfällen) und auch keine interessanten Gespräche im OP.
Aber ohne Chirurgie könnt ihr Anästhesisten euren Heilschlaf euch sonstwohin stecken.

Bah, bin ich wieder böse (sorry, Z.n. Nachtdienst).


Um es auf den Punkt zu bringen (IMHO):
Es ist vollkommen egal, WER eine Notaufnahme schmeisst, die Person sollte Ahnung von dem Thema haben. Das Gleiche gilt für OP, ITS und Co.
Jedes Krankenhaus steht und fällt nicht nur mit der interdisziplinären Zusammenarbeit, sondern auch mit dem Können des Einzelnen.
Wenn Du Interesse an der NA hast, dann musst Du dir leider ein Haus suchen, bei dem die Anästhesie nicht bloss im Schockraum dabei ist. Wo das der Fall ist, kann ich Dir leider nicht sagen.

Wenn Du tatsächlich in einem Haus landen solltest, in welchem ein Anästhesist bloss Intubationssklave ist:
such Dir ein Neues.

Klar, dass die Chirurgen/Internisten auf der ITS bei der Visite "alles Besser wissen", aber auch da gibt es feine Abstufungen und ich verweise wieder auf den Intubationsteil.
Ohne Zusammenarbeit kein gutes Patientenoutcome.

Und wenn man ehrlich ist, haben Internisten, Chirurgen und Anästhesisten verschiedene Blickwinkel auf einen Patienten, so dass nicht der Einzelne, sondern das Gesamtbild entscheidend ist.

Deswegen empfehle ich Dir, dass Du dir eine Klinik suchst, die nicht von Neid, Mißgunst und "dicken Eiern" zerfressen ist.

mainzer
19.12.2011, 17:54
..Heilschlaf...


interessant...DAS sag ich meinem intubierten septiker, wenn ich morgen zum dienst komme.... :-)

Leelaacoo
19.12.2011, 20:48
interessant...DAS sag ich meinem intubierten septiker, wenn ich morgen zum dienst komme.... :-)

Hey, das können wir Internisten auch, dafür brauchts euch net ;-)
Ich sehe es auch wie Bratze: wenn es in einem Haus die Tradition einer vernünftigen und produktiven Zusammenarbeit ohne Spartengehässigkeit gibt kann man von allen Fachrichtungen was lernen und die Patienten profitieren auch...wenn nicht: schade drum, und weg damit!
Es ist ja alles kein Hexenwerk, wenn man mal ehrlich ist...man kann intubieren lernen, man kann operieren lernen, man kann Diagnostiktechniken lernen....aber wenn du alles selbst können willst, ist das ein echter Brocken und um alles richtig zu können ist die Medizin einfach zu breitgefächert. Der beste Arzt kennt seine Grenzen und holt sich rechtzeitig Kollegen, die etwas besser können. Heldentum und Überschätzung geht ganz oft voll in die Hosen und meist auf Kosten der Patienten.

Ich will, sollte ich mal orperiert werden, einen fähigen Anästhesiten haben, der Routine hat und einen fähigen Chirurgen, der sein Fach beherrscht...der Erste muss mich aber nicht toll operieren können und der Zweite mich auch nicht intubieren und die Narkose steuern.

LG Lee (habe während meinem PJ in der Schweiz mal einen Arzt kennengelernt, der ein Generalist werden wollte...hatte 3 Jahre Innere, 3 Jahre Chirurgie, 1 Jahr Anästhesie, 1 Jahr Uro, 2 Jahre Pädiatrie und 1 Jahr Patho gemacht...Radio wollte er auch noch gerne, fand aber nicht die richtige Stelle. Ich fand das schon beeindruckend, aber irgendwie fühlt sich das auch an wie ein Gemischtwarenladen...von allem etwas, aber alles nicht in bester Qualität...)

Miss
19.12.2011, 21:37
*grins*
überall gibt es Chirurgen, die auf dicke Hose machen (und Internisten, die nicht intubieren können :-D), und es soll sogar unentspannte Anästhesisten geben :-))
Wie gesagt, es zählt das respektvolle Miteinander, jeder hat seine Stärken, man kann nicht alles können.

Und, als Student fand ich das auch soooooo *gähn* laaaaaangweilig, ich wollte nur eine Stippvisite in der Anästhesie machen, weil ichs ganz sinnvoll fand (später für Innere ;-)) da konnte nämlich in meinem PJ Haus niemand ZVKs stechen und sowieso ganz wenig praktisches, weil sie erst gaaaanz spät in die Funktionen kamen. Ich find Innere noch immer spannend, aber ganz im Ernst, diese ewig langen Visiten, diese Diskussionen, ob man bei Frau Meyer das Delix von 2,5 auf 5 erhöhen soll -oder mal was ganz Verrückes machen und komplett umstellen...das wäre nix für mich gewesen. Ich arbeite gern praktisch, ich mag, daß in der Anästhesie die meisten Fälle relativ schnell abgeschlossen werden und man sich nicht monatelang mit Lieschen Müller auf Station rumschlagen muß. Ist einfach so. Es gibt zwar auch ein paar Langlieger und Verlegungsberichte muß man auch schreiben (kurze :-) ), aber das geht alles.

Man kann das als Student nicht wirklich gut beurteilen, weil man halt nur mitläuft und nicht die Verantwortung trägt oder Entscheidungen trifft, das ist gerade spannend.
Wobei das halt auch nicht für jeden was sein muß :-nix Schnupper doch einfach mal noch in andere Fächer rein, wenn Du Dir nicht sicher bist...wechseln kann man immer noch.

Sebastian1
19.12.2011, 21:56
Man kann das als Student nicht wirklich gut beurteilen, weil man halt nur mitläuft und nicht die Verantwortung trägt oder Entscheidungen trifft, das ist gerade spannend.Kann ich nur unterschreiben. Ich habe im Studium 2 Anästhesie-Famulaturen gemacht, die ich zum Teil sterbenslangweilig fand, und die mich fast davon abgehalten hätten, Anästhesie als Beruf zu ergreifen.
Natürlich ist auch jetzt nicht jeder Arbeitstag Emergency-Room-alike, aber ich bin mit der Wahl nach wie vor sehr zufrieden und würde mich jederzeit wieder so entscheiden.

Alles andere, insbesondere über interdisziplinäre Zusammenarbeit, wurde ja schon gesagt, kann ich mich ebenfalls nur anschliessen.

Einen Punkt sollte man allerdings bedenken: Eine Niederlassung oder rein ambulante Tätigkeit ist zwar auch in der Anästhesie grundsätzlich möglich, aber sicher ist man im Schnitt für das Berufsleben mehr an die Klinik (Dienste, Wochenenden, Feiertage, Hierarchien...) gebunden, als das ein Allgemeinmediziner, Internist oder Chirurg sein dürfte...

kra-
19.12.2011, 23:20
Uns wie sieht für euch "alte Hasen" die Zukunft aus? Habt ihr schon ein klares Bild, wie es nach dem FA weitergehen soll?

Ich finde Anästhesie immer noch wahnsinnig spannend und kann mir auch kein konservatives oder chirurgisches Fach auf Dauer vorstellen. Aber die Vorstellung mit 60 noch Nachtdienste schieben zu müssen und dann noch finanziell schlechter als die Kollegen gestellt zu sein gibt einem schon zu denken... Der Radiologie zB stehe ich nicht wirklich abgeneigt gegenüber und dieses Fach ist sowohl finanziell als auch in puncto Niederlassungsmöglichkeiten deutlich reizvoller. Zur Zeit wäre mir das noch zu patientenfern, aber wer weiß wie ich in 20 Jahren darüber denke?

Was macht denn eigentlich Hypnos? Der müsste doch FA sein, hab schon lange nichts mehr von ihm gelesen.

LasseReinböng
19.12.2011, 23:32
Ich fand meine Anästhesiefamulatur auch recht langweilig...habe zwei Wochen bei den Narkosen zugeschaut, (meist erfolglos)das Intubieren geübt und eine Woche auf einer operativen Intensivstation verbracht.

In unserer Vorlesung meinte ein Dozent mal, die Intensivmedizin sei das eigentlich wahre Interessante an der AINS....ich habe nach einer Woche gepiepse und fehlendem Lichteinfall fast einen Koller bekommen. Außerdem fand ich es schwer, mir überhaupt die Krankengeschichten zu merken, weil mir die Gesichter/Persönlichkeiten der Patienten fehlten, es waren eben scheinbar leblose, künstlich beatmete Körper, die in Betten lagen.

Nichtsdestotrotz finde ich, als Physiologiefreak, Anästhesie gut und könnte mir zumindest vorstellen, daß als Einstieg zu machen, weil man sich mit zentralen Aspekten der Medizin beschäftigt, während in anderen Fächern erstmal auf der Station die Verwaltungsarbeit dominiert, langfristig bin ich allerdings eher skeptisch.


Ich habe auch einige Anästhesisten ( Flüchtlinge aus der Inneren) getroffen, die mit ihrer Arbeit nicht so zufrieden waren. Der pünktliche Dienstschluss ist halt nicht alles, wenn die 8h vorher unbefriedigend waren.

kra-
22.12.2011, 13:47
Uns wie sieht für euch "alte Hasen" die Zukunft aus? Habt ihr schon ein klares Bild, wie es nach dem FA weitergehen soll?

Nein? Keine Pläne? :(

gyrasehemmer
22.12.2011, 17:29
*seufz*

.....

Wenn Du tatsächlich in einem Haus landen solltest, in welchem ein Anästhesist bloss Intubationssklave ist:
such Dir ein Neues.

Klar, dass die Chirurgen/Internisten auf der ITS bei der Visite "alles Besser wissen", aber auch da gibt es feine Abstufungen und ich verweise wieder auf den Intubationsteil.
Ohne Zusammenarbeit kein gutes Patientenoutcome.

Und wenn man ehrlich ist, haben Internisten, Chirurgen und Anästhesisten verschiedene Blickwinkel auf einen Patienten, so dass nicht der Einzelne, sondern das Gesamtbild entscheidend ist.

......

DITO!

gyrasehemmer
22.12.2011, 17:31
ssssssss

gnuff
22.12.2011, 20:26
Nein? Keine Pläne? :(

Doch, schon... einerseits fange ich an zu fliegen (fixed wing), was bei uns eine eigene Dienstgruppe ist und andererseits plane ich eine zweijährige Weiterbildung in "Critical Emergency Medicine" (http://www.ssai.info/education/training-programs/critical-emergency-medicine.html)...