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mainzer
22.12.2011, 21:08
muss unbedingt mal was loswerden...auch thema anästhesie:
unser chef hat uns heut die ergebnisse der weiterbildungs-evaluation 2011 zukommen lassen...und was soll ich sagen...wir liegen über dem schnitt unserer ärztekammer und über dem bundesdeutschen schnitt...in allen punkten :-)

wjsl
26.12.2011, 18:18
Wenngleich ich auch nicht erwäge, mich in dem Fach zu bewerben, muss ich dennoch eine Lanze zumindest für mein PJ Tertial dort brechen; es war mit Abstand das lehrreichste. Ich durfte viel intubieren und alle möglichen Zugänge von Vene über ZVK und Arterie bis hin zu PDK legen, sogar einmal selbst eine Narkose lenken(der Arzt ging kurz mal raus) und mir wurde permanent etwas erklärt, selbst bei mehrstündigen OPs fand sich immer ein Thema. Auf Intensiv hatten wir mehrere Visiten pro Tag, wo ich meine Vorschläge gerne mit dem Oberarzt diskutieren durfte. Mithilfe der Pflege konnte ich Kenntnislücken abdecken, wie das Legen einer Nasensonde. Meine Sicherheit in praktischen Dingen stieg enorm. Die Stimmung im Team war absolut super.

Allerdings hat das Fach eben den supportiven, nicht kurativen, Beigeschmack. Man hat viele Möglichkeiten, es ist abwechslungsreich, es steht viel auf dem Spiel, das ist außer Frage. Aber auf Dauer würde einfach etwas fehlen. Schwer zu beschreiben.

ChillenMitBazillen
26.12.2011, 22:40
Ich kann nur sagen, dass ich mir im PJ die selben Gedanken gemacht habe...und nichts von den Dingen, von denen ich dachte, dass sie mir in der Anästhesie fehlen würden, fehlt mir momentan.

gnuff
26.12.2011, 23:27
...Allerdings hat das Fach eben den supportiven, nicht kurativen, Beigeschmack...
Du bist ja ein ganz Schlauer... ich hoffe mal, dass Dir Deine Arroganz bis zum ersten Dienst erhalten bleibt, dann wenn Du als kurativer Held der Neurochirurgie in den OP einziehst, mal sehen, was die Anästhesiepflege und der Support-Arzt dann von Dir übrig lassen... ach halt, der ganze operative Kram war Dir ja zu anstrengend und zu schlecht bezahlt... Radiologie soll es ja jetzt werden... Prima, nix supportiv und voll kurativ! Frohes Fest! Ich geh' schlafen... muss morgen Support machen...

PS: ich brauche unbedingt einen "ichlachmichtot-Smiley", hat jemand sowas?

wjsl
27.12.2011, 12:22
Hin und her gerissen und im Zweifel warst du wohl nie, oder?

Es geht nicht darum was man am Anfang macht, sondern welche Perspektiven man langfristig hat; immerhin müssen wir den Job wohl mehrere Jahrzehnte lang durch-und aushalten.

Bringt ja auch nichts, wenn man dann am Ende nur noch gereizt alle möglichen Leute attackiert...das siehst du ja selbst.

gnuff
27.12.2011, 12:51
Hin und her gerissen und im Zweifel warst du wohl nie, oder?
Doch, schon, aber ich habe nicht jeden neuen "Gehirnfurz" für die Nachwelt im Internet festgehalten...


...sondern welche Perspektiven man langfristig hat...
Ich halte die Motivation, die Du für Deine "Fachwahl" bzw. das Drumherum hier kundtust für mehr als fragwürdig und glaube, dass Du damit ziemlich auf die Nase fallen wirst.


Bringt ja auch nichts, wenn man dann am Ende nur noch gereizt alle möglichen Leute attackiert...das siehst du ja selbst.
Keine Angst um mein Seelenheil, alles im grünen Bereich. Darüberhinaus "attackiere" (wenn man das unbedingt so bezeichnen will) ich nicht alle möglichen Leute, sondern monmentan exklusiv Dich! Also, fühl' Dich geehrt!

weezy
29.12.2011, 13:45
Ich muss auch nochmal in diesem Thema rumrühren :-winky


Ich wusste im Studium nie, was ich eigentlich mal machen will, dachte, das ergibt sich irgendwie...ist aber nicht passiert. Hab eine Anästhesie-Famulatur gemacht, die ich toll aber auch nen bisschen langweilig fand. Irgendwie wars aber nett und zum PJ bin ich schlussendlich doch wieder dort gelandet.

Da wurde ich dann total geködert, super betreut, es hat mir wahnsinnig Spaß gemacht. :love: Im PJ warten jetzt noch Chirurgie und Innere auf mich, womit ich nichts anfangen kann und am liebsten würde ich das PJ sofort abbrechen und anfangen zu arbeiten ;)

Es fühlt sich toll an für mich, endlich was zu haben, wo ich mir wirklich zur Abwechslung mal vorstellen könnte zu arbeiten :-love
Aber dann hab ich auch wieder viele Zweifel dabei (ich bin ein Grübler ;) ) und zu viele Leute, die von außen auf mich einreden, ich sollte das lassen. Die Argumente sind meist die bekannten Klischees... "Willst du denn den ganzen Tag im dunklen OP sein?" "Als Anästhesist bist du doch kein richtiger Arzt" "Das gefällt dir doch nur, weil es neu ist und du viel praktisch machen konntest"
Ich weiss, das ist ein bisschen blöd. Mir hat das ganze Studium noch nie etwas so gefallen, dass ich wirklich richtig Lust dazu und Spaß dabei hatte... Aber ich kann irgendwie nicht beurteilen, ob es nicht wirklich nur so klasse war, weil ich so gut bereut wurde und so viel Praktisches machen durfte.. Ist das nach 10 Jahren immer noch spannend? Und dann auch die Aussicht, quasi immer an ein Krankenhaus gebunden zu sein... könnt ihr euch denn vorstellen, mit 50 immer noch Narkose zu machen?? Habe das zum Ende meines PJs verstärkt beobachtet und musste irgendwie feststellen, dass es gar keine "alten/älteren" Anästhesisten gibt...also die Oberärzte sind alle 40-50, aber ich meine mich an fast keinen "normalen Facharzt" über 40 zu erinnern... (Maximalversorger). Was machen die denn dann alle? Kleine Häuser?

kra-
29.12.2011, 20:49
gnuff, findest du nicht, dass du etwas überzogen reagierst? Den "supportiven Beigeschmack" kann man ja nicht wirklich zu 100% abstreiten. Ich will das Fach ja auch machen und weiß, was für ein wichtiges Glied ein Anästhesist im Krankenhaus ist. Aber man muss sich auch damit abfinden, dass später Oma Brömmelkamp nie sagen wird: "Geh mal in die Städtische Klinik, da ist der Dr. kra-, der macht die besten Narkosen!". Mir ist das nicht wichtig und ich muss auch kein Neurochirurg werden um mich interessant zu machen, aber es gibt halt Leute, die so etwas eben in ihre Entscheidung mit einbeziehen. Und die hier so anzumaulen finde ich erstens nicht notwendig und zweitens wirft das ein zweideutiges Bild auf deine Berufsgruppe. Jm2c.


Habe das zum Ende meines PJs verstärkt beobachtet und musste irgendwie feststellen, dass es gar keine "alten/älteren" Anästhesisten gibt...also die Oberärzte sind alle 40-50, aber ich meine mich an fast keinen "normalen Facharzt" über 40 zu erinnern... (Maximalversorger). Was machen die denn dann alle? Kleine Häuser?

Das ist mir auch schon aufgefallen und würde mich brennend interessieren. Kann ja nicht jeder so coole fixed-wing Arbeitsplätze haben...

Miss
29.12.2011, 20:56
Also, bei uns gibts genügend OÄ/FÄ um die 60, über 60. In Großstäden und in Zeiten der Klinikverbände, die ihre Fachabteilungen gezielt im Ballungszentrum verteilen (soll ja alles lukrativ sein), gibts sowieso weniger Maximalversorger, sondern eher Schwerpunkt-Krankenhäuser. Da gehts deswegen ja nicht unstressig zu bzw. mit fast 700 Betten ist man ja kein kleines Haus.

Aber Leute, niemand kann Euch den letzten Zweifel nehmen, niemand kann für Euch entscheiden.
Ich finde Anästhesie persönlich und insgesamt nicht langweilig. Aber daß es ein dankbares PJ-Fach für Studenten ist, kann man nicht leugnen, das praktische Arbeiten, mal was machen dürfen, macht einen als Student ja einfach glücklich, nichts einfacher als das in der Anästhesie ;-) in anderen Fächern darf man als Jungassi aber dann auch überall was.

Miss
29.12.2011, 21:04
Ich find das ehrlich gesagt auch nicht so überzogen.
Es ist ja nicht nur in diesem Thread so. Aber diesen Schuh mit dem Support ziehe ich mir sowieso nicht an, einfach mal locker durch die Füße atmen und dem Ego in die Wange kneifen ;-) mir ist Oma Müller außerdem irgendwie relativ schnuppe bzw. wurscht, was sie Irmchen über die tollen Ärzte beim Kaffee trinken erzählt...

gnuff
29.12.2011, 21:08
gnuff, findest du nicht, dass du etwas überzogen reagierst? ...

Nope! Wenn Du mal alle Beiträge liest, die wjsl in den vergangenen Wochen hier verfasst hat, dann wirst Du verstehen wieso...


...Kann ja nicht jeder so coole fixed-wing Arbeitsplätze haben...
Der war mal so richtig billig... ausserdem bin ich noch nicht 40 ;-)

Muriel
29.12.2011, 21:09
Ich sähe es sogar als großen Vorteil, wenn Patienten quasi keine Ahnung von meiner ärztlichen Existenz hätten ;-) ich möchte meinen Job im Leben nicht tauschen, aber immer wieder in der Fußgängerzone von Patienten begrüßt zu werden, ist nicht so prickelnd.

gnuff
29.12.2011, 22:31
... die bekannten Klischees..."Als Anästhesist bist du doch kein richtiger Arzt"Das ist ein Vorteil, kein Nachteil ;-)


"Das gefällt dir doch nur, weil es neu ist und du viel praktisch machen konntest"
Einzig mögliche Antwort: Ja genau!


...könnt ihr euch denn vorstellen, mit 50 immer noch Narkose zu machen?

Absolut! Ich liebe meinen Job! Trotz mancher nerviger Details, trotz Stress, trotz Dienst und speziell heute trotz mancher Urologen...
Ich habe nie verstanden wieso Anästhesie langweiliger sein soll als andere Fächer. Monotonie kann es überall geben. Irgendwann hängen einem Chirurgen die Gallenblasen auch zum Hals raus und einem Internisten macht Blutdruck einstellen ggf. auch nur ein paar Jahre Spass. Die meisten Chirurgen bzw. Internisten werden zu Recht versichern, dass sich ihr Fachgebiet nicht darauf reduzieren lässt. Anästhesie hat ein phantastisch grosses Spektrum und wie bei allen anderen Disziplinen ist das in erster Linie abhängig von der Klinik an der Du arbeitest. Sollte es aber irgendwann doch zum Langeweile-GAU kommen, so hat Anästhesie einen unschlagbaren Vorteil: Ich glaube es ist in keinem anderen Fach so einfach seine Zelte abzubrechen und woanders anzufangen. Anästhesie hat viele unterschiedliche Sparten und die Spezialisierung nimmt immer mehr zu. Und wenn Du auf den ganzen avancierten Kram keinen Bock mehr hast, dann gehst Du halt nach Bad Dingenskirchen und betäubst Lap.-Gallen für €120,- die Stunde. Es gibt Schlimmeres...

wjsl
30.12.2011, 19:08
Ich verstehe die emotionale Reaktion nicht; wenn das alles so großer Blödsinn wäre könnte er dir doch egal sein. Will das aber nicht bewerten, weiß nicht was der Hintergrund der Gereiztheit ist.

Wollte auch keinen falschen Eindruck erwecken; Anästhesie ist ein tolles Fach mit vielen Möglichkeiten, von Notfallversorgung bis zur Schmerztherapie ist alles drin. Man kann sich fast nur mit Medizin beschäftigen, sehr viel Drumrum fällt weg. Teilweise ist es sogar kurativ. Ich kann eigentlich nicht sagen was es genau ist, aber obwohl das PJ Tertial wirklich toll war, würde ich es nicht langfristig machen wollen.

Interessen habe ich durchaus, aber Zweifel an meiner Leistungsfähigkeit. Deshalb überlege ich so viel herum. Das öffentlich zu tun ist nicht weniger sinnhaft oder sinnlos als hierauf Attacken folgen zu lassen. Von beidem hat niemand wirklich etwas.

Rumpelstilzchen
30.12.2011, 21:33
Ich habe meine Fachrichtungswahl bisher nicht bereut, nur die Wahl meines Arbeitgebers für die ersten drei Jahre, aber das habe ich korrigiert. Ich finde es sehr befriedigend, einen Patienten nach einem mehrstündigen Eingriff mit dem Ende des Verbandes zu extubieren und ihn wach und schmerzfrei im Aufwachraum abzugeben. Die Intensiv- und Notfallmedizin reizt mich auch und die diversen Zusatzbezeichnungen, die ein Anästhesist erwerben kann.

Einen Einblick in viele operative Fachrichtungen zu haben, sich ein breites Wissen anzueignen, Kenntnisse aus Physiologie, Biochemie, Anatomie aktiv anzuwenden, um zu verstehen, was da eigentlich so während einer Narkose passiert - ich find's spannend.

Aber man kann sein Leben auch in den operativen Fächern wegwerfen, wenn man das denn will.

Kackbratze
30.12.2011, 23:41
Aber man kann sein Leben auch in den operativen Fächern wegwerfen, wenn man das denn will.

Contenance, Herr Kollege, wer wie wo sein Leben "wegwirft" entscheidet die Person immernoch selber und nicht ein Anderer.

Brutus
31.12.2011, 10:24
Und dann auch die Aussicht, quasi immer an ein Krankenhaus gebunden zu sein... könnt ihr euch denn vorstellen, mit 50 immer noch Narkose zu machen?? Habe das zum Ende meines PJs verstärkt beobachtet und musste irgendwie feststellen, dass es gar keine "alten/älteren" Anästhesisten gibt...also die Oberärzte sind alle 40-50, aber ich meine mich an fast keinen "normalen Facharzt" über 40 zu erinnern... (Maximalversorger). Was machen die denn dann alle? Kleine Häuser?

Sie dürfen, nachdem sie in der großen Schlacht mit den Operateuren von denselben verwundet wurden und seitdem unter unvorstellbaren Qualen leiden, mit den Elben nach Aman (http://ardapedia.herr-der-ringe-film.de/index.php/Aman) segeln um dort mit wiederhergestellten Leibern und Geist in Frieden zu leben. :-)) :-))

Also ich kenne jede Menge FÄ / OÄ / CÄ jenseits der 40, die in KH arbeiten, und ich hoffe, dass bleibt auch so, und ich werde nicht in allzuferner Zukunft einfach ins Nirvana hinübergleiten. Natürlich ändert sich ein wenig die Belastung. Wir haben schon zugesehen, dass die "Alten" nicht den stressigen ITS-Dienst machen mussten, sondern eher die ruhigen FA-Dienste oder Rufdienste. Ich kenne aber eben auch diejenigen, die alle Dienste mitgemacht haben. Mein ehemaliger ltd. OA fährt auch noch regelmäßig NEF, also im Dienst. :-))
Außerdem gibt es ja auch Möglichkeiten, sich niederzulassen (Schmerztherapie, Anästhesiepraxis, etc..)
Und das Problem mit dem Alter werden ja nicht nur ausschließlich die Anästhesisten haben. Und ich finde, es gibt schlimmere Fachrichtungen, wenn man älter wird, und das soll jetzt gar nicht böse oder abwertend gemeint sein. Wir haben meiner Meinung nach eine Fachrichtung, in der man durchaus auch im Alter noch unter vernünftigen Bedingungen arbeiten kann. Ich muss nicht mehrere Stunden stehen und ständig an irgendwelchen Intrumenten ziehen oder die Spitze betonen. DAS würde ich im Alter deutlich weniger gerne machen (Gut, da hat der "alte" Operateur auch seine HiWis für. :-)) :-)))

wjsl
31.12.2011, 13:51
Man wirft sein Leben nur weg, wenn man das Fach wählt, das einem selbst nicht liegt, oder weil man seinen Beruf zu wichtig nimmt. Das kann einem überall passieren. Vielleicht ist auch das Haus wichtiger als das Fach. Eigentlich hatte ich im PJ nicht den Eindruck, dass Chirurgen ihr Leben mehr verschwenden würden als andere...

Solara
31.12.2011, 13:55
Man wirft sein Leben nur weg, wenn man das Fach wählt, das einem selbst nicht liegt, oder weil man seinen Beruf zu wichtig nimmt. Das kann einem überall passieren. Vielleicht ist auch das Haus wichtiger als das Fach.

Was denn nun, ist das Fach nun wichtig oder doch unwichtig, weil das Haus wichtig ist?

wjsl
01.01.2012, 21:55
Das wird sich vermutlich noch früh genug rausstellen...auf jeden Fall fand ich den Kommentar von wegen "Leben wegwerfen" aber doch zu hart...