Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Erfahrungen in Altenheimen
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DerBlinde
26.04.2003, 17:14
Ich habe im Studium mal Nachtwachen in einem Altenheim gemacht, das von einer schweizer Firma geleitet wurde, die zu Scientology gehörte (das AH war ehemals zur Diakonie gehörig). Die Leitung hat Prämien für die Stationen ausgeschrieben, die am wenigsten Inkontinenzmaterial im Monat verbrauchen. Folge: Die Alten bekamen EINE Windel pro Tag und Inkontinenzmaterial haben sich die Stationen gegenseitig geklaut. Das ganze Haus hat so dermassen nach Kot und Urin gestunken, daß einem fast schlecht wurde :(
RS-USER-rettungshamster
26.04.2003, 20:49
Auch eine Möglichkeit das Personal zu motivieren. Leider viel zu oft auf die Kosten der Bewohner.
Aber immerhin schon mal auf eine solche ausgefallene Idee zu kommen, verlangt von der Führungskraft eine Menge Phantasie. Kaum zu glauben das es soetwas gibt. Wobei man dieses Ereignis noch in die Kategorie "Harmlos" ablegen kann. In meiner persönlichen Laufbahn sind mir noch härtere Dinge untergekommen - man darf nur nie anfangen darüber hinwegzusehen und in diesem Strom mitschwimmen und stillschweigen darüber zu behalten.
RS-USER-Claudi
27.04.2003, 12:44
Trotzdem glaube ich, dass die Probleme in den Heimen vielschichtig sind und dass das neue Altenpflegegesetz (so nötig es auch ist) nicht die alleinige Lösung sein wird - allenfalls ein erster Ansatz. Alte Menschen waren und sind kein Thema - weder in der Politik noch in der Gesellschaft. Und was in den Heimen los ist interessiert einfach niemanden (wenn man mal von Ausnahmen wie z. B. Herrn Fussek absieht ;) ). Die Probleme werden allenfalls von Betroffenen thematisiert. Aber gut - was Personal in Altenheimen angeht, will ich mich mal nicht zu weit aus dem Fenster lehnen. Mein letzter Stand ist da von 2001 - da war es noch so, dass der Personalschlüssel aufgrund der Pflegestufen der zu betreuenden Menschen erstellt wurde und dass von diesem Personal 50 % eine fachliche Ausbildung haben musste. Hat sich da wirklich so viel verändert, in den letzten knapp 2 Jahren??
Kann ich kaum glauben.... :-p
Aber wäre die schlechte Ausbildung der Altenpflegekräfte die Wurzel allen Übels, dann dürfte es ja in der Krankenpflege gar keinen Pflegenotstand geben ;) - denn hier gibt es schon ewig die 3-jährige Ausbildung und die geschützte Berufsbezeichnung. Und hier ist sogar die Ausbildung der Krankenpflegehilfe gesetzlich geregelt (im Gegensatz zur Altenpflegehilfe - denn die fällt ja wohl raus aus dem neuen Altenpflegegesetz, woll? :-p )
Zum Pflegenotstand im Krankenhaus kann ich nun wieder definitiv so einiges sagen und ich glaube, da lassen sich durchaus Parallelen zum Altenheim ziehen: Wir haben derzeit in Deutschland ca. 40.000 unbesetzte Stellen in der Krankenpflege! Etwa 2/3 davon können nicht besetzt werden, weil es an ausgebildetem Personal fehlt und 1/3 aus finanziellen Gründen. Fakt ist: Niemand will mehr diesen Job machen - sich für ein paar Euro derart abrackern. Es gibt ja auch den gemeinen aber wahren Spruch: "Für Krankenpflege brauchst du ein weiches Herz - und eine genauso weiche Birne...." :D
Die Fluktuation ist riesig, die gesundheitliche Belastung immens, die Arbeitsbedingungen vielerorts katastrophal und die gesellschaftliche Stellung der in der Pflege arbeitenden ist auch nicht gerade riesig... Hauptsächliches Ziel des neuen Altenpflegegesetzes ist es, den Beruf für junge Menschen attraktiver zu machen - auf dass mehr Leute in die Pflege gehen und die unbesetzten "Fachstellen" besetzt werden können. Netter Gedanke - aber das hat schon in der Krankenpflege nicht funktioniert.
Dass es auch gute Pflege gibt, zeigen beispielsweise Hospize. Aber aus eigener Erfahrung weiß ich, dass das nur deshalb möglich ist, weil die Pflegenden dort einen unermüdlichen Idealismus haben und oft ihre Freizeit freiwillig und unentgeltlich opfern. Solange nicht endlich mehr Geld für die Pflege alter und kranker Menschen zur Verfügung gestellt wird, die Gesellschaft weiterhin so wenig Achtung vor dem Alter hat und solange man Personalschlüssel mit der Stopuhr erstellt, wird sich rein gar nichts ändern. Das ist zumindest meine bescheidene Ansicht...
@rettungshamster: Hast du denn schon die alte Ausbildung zur Altenpflegerin absolviert? Dann hättest du ja im Grunde genommen nicht viel vom neuen Gesetz - oder bekommen die jetzigen Altenpfleger die Möglichkeit, diese Qualifikation nachzuholen? Wäre ja wünschenswert.
RS-USER-Cypher
27.04.2003, 13:05
Mal ganz materialistisch gedacht: Wenn die Pflegekräfte das Gehalt bekommen würden, was ihnen für ihre Arbeitsleistung zustünde, dann würden auch sicherlich mehr Menschen diesen Berufsweg einschlagen.
Aber die chronische Unterbezahlung ist ja eh ein leidiges Thema im medizinisch-pflegerischen Sektor.
Und besser werden wirds in absehbarer Zeit bestimmt nicht!
RS-USER-Claudi
27.04.2003, 13:32
Original geschrieben von Cypher
Mal ganz materialistisch gedacht: Wenn die Pflegekräfte das Gehalt bekommen würden, was ihnen für ihre Arbeitsleistung zustünde, dann würden auch sicherlich mehr Menschen diesen Berufsweg einschlagen.
Da hast du ganz sicher recht! Wenn ich genauso viel (oft mehr) verdiene, wenn ich im Büro sitze, pünktlich Feierabend habe und alle Wochenenden frei, dann müßte ich ja blöd sein (oder idealistisch ;) ) wenn ich in der Pflege arbeiten würde. Aber man müßte insgesamt die Arbeitsbedingungen grundlegend verbessern - dann würden auch mehr in die Pflege gehen. Da müßte man mal ansetzen. (kost aber wieder alles zu viel :rolleyes: )
DerBlinde
27.04.2003, 15:34
Keks?? :D :D
Nein, das ist ja genau die gleiche Diskussion wie bei den Docs. Und das Problem des neuen Arbeitszeitgesetzes. Es gibt meiner Meinung nach 3 Gruppen: 1) Wenn ich schon in der Klinik unterbezahlt werde, will ich weniger arbeiten (und begrüssen die 48 Stunden-Woche) 2) Ich will ordentlich bezahlt werden, egal wieviel ich arbeite - Money rocks! (so wie ich, keine Familie - da geht das ;)) 3) Ich MUß ordentlich bezahlt werden, weil ich sonst meine Familie nicht ernähren kann (so wie einige Kollegen von mir).
In jedem anderen Wirtschaftsbereich funktioniert das. Ist ein Beruf so unattraktiv, daß ich (fast) keiner mehr machen will, muß ich neue Anreize schaffen. Und der Beste ist immernoch das Geld!
RS-USER-Claudi
27.04.2003, 17:25
@derBlinde: Danke für den Keks... :-p
Der winzig kleine Unterschied: Du kriegst immerhin soviel Kohle, dass du dich privat versichern kannst..... :D
RS-USER-rettungshamster
27.04.2003, 18:09
Betr.: Claudi
Ich befinde mich derzeit noch in der Ausbildung und werde nächstes Jahr ins Examen gehen, also bin ich klar im Vorteil was die Novellierung des AP-Gesetzes betrifft. Allerdings wage ich es zu bezweifeln, dass das neue Gesetz darauf ausgerichtet ist, diesen Berufszweig für junge Menschen attraktiver zu machen. Wenn junge Menschen heute die Wahl hätten zwischen einer KP-Ausbildung oder AP-Ausbildung werden diese bervorzugt die KP-Ausbildung beginnen.
Wie du bereits erwähnt hast, ist dieser Beruf in unserer Gesellschaft noch nicht von diesem Stellenwert geprägt wie es in der KP der Fall ist. Zudem die finanziellen Voraussetzungen zu den alten Bedingungen noch attraktiver gewesen sind wie es ab August der Fall sein wird. Mit dem Gesetz kommt auch eine feste Ausbildungsvergütung ( Gott sei dank trifft mich das nicht, denn sonst wäre ich beim retten geblieben ;) )
Denn für dieses Geld wird sich wohl kaum ein Mensch für drei Jahre Vollzeit auf die Schulbank setzen. Dann noch eher junge Menschen, welche aber aus den oben genannten Gründen ausbleiben dürften. Die älteren (ab 30 aufwärts, meist mit Familien ) können es sich nicht erlauben diese Schule in Vollzeit und unter dieser Vergütung zu absolvieren. Eine berufsbegleitende Ausbildung wird bis zu 5 Jahre in Anspruch nehmen. Ich frage Dich: Welcher Mensch würde das mitmachen? Ich denke das die Altenpflegeschulen in naher Zukunft um jeden einzelnen Bewerber froh sein können, der sich bereitwillig auf die Schulbank setzt.
Naja, vielleicht hätten sie bei der Gesetzesentwicklung mal jemanden fragen sollen der sich mit sowas auskennt :-p
DerBlinde
27.04.2003, 18:51
Original geschrieben von Claudi
@derBlinde: Danke für den Keks... :-p
Der winzig kleine Unterschied: Du kriegst immerhin soviel Kohle, dass du dich privat versichern kannst..... :D
Ich war auch im AiP privat versichert. Das hängt nicht mit dem Gehalt zusammen.
Die Ärzte nehmen eine Sonderstellung im Versicherungswesen ein. Zum Beginn des AiP ist es einem freigestellt, ob man sich gesetzlich oder privat versichern will. Am Ende des AiP kann man nochmal wählen. Danach ist es fest.
So muß man sich überlegen, was man will und was günstiger ist. Wenn man eine Familie möchte, ist es sicher besser, sich gesetzlich zu versichern. Wenn nicht, kann eine private Verischerung u.U. günstiger sein (da die Versicherungen zusätzlich oft den Ärzten Sonderkonditionen einräumen).
RS-USER-Rettungshund
27.04.2003, 18:56
Original geschrieben von DerBlinde
da die Versicherungen zusätzlich oft den Ärzten Sonderkonditionen einräumen
Mitarbeiterrabat oder?*gg*
RS-USER-Claudi
27.04.2003, 19:08
Original geschrieben von rettungshamster
...Allerdings wage ich es zu bezweifeln, dass das neue Gesetz darauf ausgerichtet ist, diesen Berufszweig für junge Menschen attraktiver zu machen.
So steht es zumindest im Urteil des Bundesverfassungsgerichtes, welches über das Altenpflegegesetz entschieden hat ;) . Wenn du es genauer wissen willst: Zitat: "Eine bundeseinheitliche Regelung der Altenpflege stärkt die Attraktivität der Ausbildung und läßt damit eine Erhöhung des Fachkräfteanteils in der Altenpflege erwarten."
Übrigens: Die Krankenpflege hat derzeit keinen besonders hohen Stellenwert - ganz im Gegenteil. Es wird schon lange überlegt, wie man das Ansehen der Pflegeberufe verbessern kann. Man überlegt sogar, ob die Berufsbezeichnung "Schwester/Pfleger" überhaupt noch zeitgemäß ist...
Ansonsten: Bring' doch bitte eine alte Frau auf den neuesten Stand: Wie wird der Personalbedarf in Altenheimen denn nun im Jahre 2003 ermittelt??? :confused:
@derBlinde: Ja - ihr Ärzte seid schon arm dran... :D
Nein im Ernst: Im Moment möchte ich auch mit keinem Mediziner tauschen müssen - jedenfalls mit keinem der in Deutschland arbeitet.
ABER: Geld ist nicht alles! Gerade in der Pflege ist der Zeitmangel ein viel größeres Problem. Wenn du auf der Onkologie arbeitest und du weißt in Zimmer x liegt jemand im Sterben - du schaust bei deinem ersten Rundgang noch rein und schwörst dir, alle 15 Minuten hinzugehen. Dann kommst du ins routieren. Hier was, da was - hopp hopp hopp. Du guckst auf die Uhr : 2 Stunden vergangen - -------------------- !!! Ab ins Zimmer x, schleichst dich rein und hoffst, dass sie noch schnauft... So ein Arbeiten ist auf Dauer unglaublich frustrierend und läßt sich nur abstellen, wenn man mehr Personal hat. Und man hat mehr Personal, wenn's mehr Geld gibt... :-p . Also ist Geld wohl doch alles... ;)
RS-USER-Cypher
27.04.2003, 20:04
Original geschrieben von Claudi
[...] Übrigens: Die Krankenpflege hat derzeit keinen besonders hohen Stellenwert - ganz im Gegenteil. Es wird schon lange überlegt, wie man das Ansehen der Pflegeberufe verbessern kann. Man überlegt sogar, ob die Berufsbezeichnung "Schwester/Pfleger" überhaupt noch zeitgemäß ist... [...]Da hat sich auch schon unsere Regierung Gedanken drüber gemacht und bereits am 10.04.2003 das neue Krankenpflegegesetz verabschiedet (muß quasi nur noch durch den Bundesrat):
Original geschrieben von www.dbfk.de
Der Bundestag beschließt heute in zweiter/dritter Lesung die Novellierung der Krankenpflegeausbildung. >>Eine gute Ausbildung ist das A und O für jeden beruflichen Weg. Das gilt um so mehr, wenn es um Berufe geht, die kranken und bedürftigen Menschen helfen<< sagte die Parlamentarische Staatssekretärin im Bundesministerium für Gesundheit und Soziale Sicherung, Marion Caspers-Merk, in Berlin. Mit dem Gesetz wird die Ausbildung in der Krankenpflege modernisiert und den aktuellen gesellschaftlichen Herausforderungen angepasst.
Die wesentlichen Inhalte des Gesetzes lauten:
1. Es bleibt bei zwei Berufsbildern für die Kranken- und Kinderkrankenpflege. Allerdings enthält die Ausbildung künftig weitgehend gemeinsame Ausbildungsanteile. Den besonderen Erfordernissen einer kindgerechten Versorgung wird Rechnung getragen.
2. Die neuen Berufsbezeichnungen Gesundheits- und Krankenpfleger/in und Gesundheits- und Kinderkrankenpfleger/in unterstreichen bereits sprachlich den erweiterten Ansatz in der Krankenpflege.
3. Die Ausbildungsziele werden den neuen Anforderungen angepasst. Dabei wird der eigenständige Aufgabenbereich der Pflege hervorgehoben. Und es wird klargestellt, dass die Pflege nicht auf den kurativen Aspekt beschränkt ist. Krankenpflege beinhaltet fortan auch präventive, rehabilitative und palliative Maßnahmen und unterliegt somit einem umfassenden Ansatz.
4. Die praktische Ausbildung findet nicht mehr nur in Krankenhäusern, sondern auch in geeigneten ambulanten oder stationären Pflege- oder Reha- Einrichtungen statt [...]Quelle: http://www.dbfk.de/bv/top/
Original geschrieben von Claudi
[...] Ansonsten: Bring' doch bitte eine alte Frau auf den neuesten Stand: Wie wird der Personalbedarf in Altenheimen denn nun im Jahre 2003 ermittelt???[...] Guckst Du hier: http://thema-pflege.de/Fachtipps/management/mindestpmanagement.html ;)
RS-USER-Claudi
27.04.2003, 20:15
@Cypher: Danke schön ! :D
Die neuen Berufsbezeichnungen hauen mich aber nu' nicht gerade vom Schlitten.... ;) Bisschen mehr Phantasie hätte ich schon erwartet.
Venensuchgerät
28.04.2003, 07:59
Original geschrieben von rettungshamster
Denn für dieses Geld wird sich wohl kaum ein Mensch für drei Jahre Vollzeit auf die Schulbank setzen. Dann noch eher junge Menschen, welche aber aus den oben genannten Gründen ausbleiben dürften....Ich denke das die Altenpflegeschulen in naher Zukunft um jeden einzelnen Bewerber froh sein können, der sich bereitwillig auf die Schulbank setzt.
Naja, vielleicht hätten sie bei der Gesetzesentwicklung mal jemanden fragen sollen der sich mit sowas auskennt :-p
Altenpfleger ist ein ganz normaler Ausbildungsberuf wie jeder andere auch! Natürlich werden mehr junge Menschen (sag wie "alt" bist du? ;) ) die Ausbildung beginnen. Und die älteren müssen es dann eben über den 2. Bildungsweg versuchen, wenn sie sich umorientieren. Ganz genauso als wenn sie etwas anderes lernen wollen (z.B. mit 30 plötzlich Bäcker werden wollenI. Das ist doch ganz normal, oder? Und bei den vielen fehlenden Lehrstellen derzeit, wage ich deine Aussage zu bezweifeln... Die Krankenpflegeschulen legen sehr oft gesteigerten Wert auf einen guten Schulabschluß und gute Noten (um sicher zu gehen, dass die Bewerber den doch recht umfangreichen Stoff auch verdauen können). Alle die durch das Raster fallen können auf die Altenpflege ausweichen (weniger Stoff, trotzdem schöner sozialer Beruf).
Aber mal nachgefragt: Was hätte denn deiner Meinung nach besser gemacht werden können, beim Altenpflegegesetz?
Und: Wer ist Herr Fussek :confused:
RS-USER-Claudi
28.04.2003, 16:20
Original geschrieben von Venensuchgerät
Und: Wer ist Herr Fussek :confused:
Herr Fussek wird nicht müde seit vielen Jahren die Mißstände in den Altenheimen an die Öffentlichkeit zu bringen. Außerdem betreibt er seit über 20 Jahren ein Notruftelefon für Pflegeopfer. Drum ist er vielen engagierten Altenpflegern ein Begriff.
Als ich vor ein paar Monaten das letzte aktuelle von ihm gehört habe, hatte ich nicht den Eindruck, dass sich irgendetwas verbessert hat (Qualitätssicherung, angeblich mehr Personal etc.). Von Ausnahmen vielleicht abgesehen. ;)
Venensuchgerät
29.04.2003, 14:31
Original geschrieben von Cypher
Da hat sich auch schon unsere Regierung Gedanken drüber gemacht und bereits am 10.04.2003 das neue Krankenpflegegesetz verabschiedet (muß quasi nur noch durch den Bundesrat)
Ja - es wird (wenn nicht wieder irgendwas dazwischen kommt :D ) am 01.01.2004 in Kraft treten!
RS-USER-Claudi
30.04.2003, 13:33
Original geschrieben von Venensuchgerät
Aber mal nachgefragt: Was hätte denn deiner Meinung nach besser gemacht werden können, beim Altenpflegegesetz?
In Bayern wird oft kritisiert, dass das AltPflG die Ausbildung in Form einer "Erstausbildung" vorsieht. Damit spricht man natürlich mehr junge Bewerber an, nämlich die Schulabgänger (ist ja auch Sinn der Sache ;) ). Genau die seien aber angeblich mit den Aufgaben der Altenpflege hoffnungslos überfordert (aufgrund fehlender Reife). Die anderen Bundesländer trauen ihren 16-19 jährigen halt etwas mehr zu.
Ich persönlich finde, Krankenpflege ist auch nicht ohne (eher schlimmer) was die psychische Belastung angeht, denn es geht "nicht nur" um Alter, Demenz und Tod, sondern oft um schlimme Erkrankungen (mitunter tödlich verlaufend) auch bei Kindern oder jungen Menschen, die das Leben noch vor sich haben. Oder um Unfallopfer, die dann in jungen Jahren Invalide sind etc. Hier stört es aber niemanden, wenn die Ausbildung mit 17 begonnen wird (seit 1985 Mindestalter). Vor 1985 soll das Mindestalter 18 gewesen sein - wurde dann aber runtergesetzt, um mehr Bewerber zu bekommen. Und trotzdem stellen die Krankenpflegeschulen lieber etwas "ältere" - so 19-21 Jährige ein. Diejenigen haben dann oft 1 Jahr Praktikum oder Zivildienst im Krankenhaus hinter sich. Da hatte dann auch wieder keiner nach dem Alter gefragt :-p . Aber egal.
Meiner Meinung nach stellt das AltPflG durchaus eine Verbesserung der Ausbildung dar - vor allem, weil sie endlich bundesweit einheitlich geregelt wird. Wenn man sich überlegt, dass bisher z. B. die medizinisch/pflegerischen Inhalte der Ausbildung je nach Bundesland zwischen 12 und 63 % lagen... Bayern und Sachsen haben sogar nur eine 2-jährige Ausbildung. Oft 18 Monate nur Schule und 6 Monate Praxis - fertig ist die Altenpflegerin ;) . Obwohl mir schon bewusst ist, dass Quantität nicht zwangsläufig was mit Qualität zu tun hat :D . In Zukunft wird jedenfalls der praktische Teil der Ausbildung überwiegen.
Zu den Inhalten der Ausbildung hätte ich mir allerdings ein paar handfestere Regelungen gewünscht - aber es ist immerhin ein Anfang. Was die Kohle angeht: Ich habe mal die Ausbildungsvergütungen rausgesucht und zum Vergleich ein paar andere... Und wem das zuwenig ist, kann ja Krankenpflege lernen. :)
Altenpflegerin:591,- /638,- / 681,-
Friseur:321,- /403,-/493,-
Bäcker:383,- /440,-/542,-
Maler/Lackierer:417,- /455,-/589,-
Metzger:464,-/540,-/631,-
Steinmetz:535,-/599,-/657,-
Bürokaufmann:602,-/659,- /723,-
Krankenpfleger/-in:698,-/755,-/847,-
;)
Das krasseste Beispiel hab ich einmal in einem Altenheim in Stuttgart erlebt. Nachmittag, 2030, Seniorenheim XYZ. Fahren hin, "was wolen sie hier, wir wollten AND".
Haben den Pat trotzdem mal angeguckt, ca. 80 Jahre alt, ohne Windel im eigenen Urin und Kot, EKG unter aller Sau-total schwach und arhythmisch...--> Transport. AH-Team sagt nein, sie hätten eine Patientenverfügung (von Tochter, Pat war entmündigt), also kein transport. Beim gehen haben wir mal die Krankenakte angeguckt und festgestellt, daß die nen Herzschrittmacher hat. Laut EKG muß der kaputt gewesen sein.
Wir mußten sie dann da lassen.
Und warum? Damit das AH noch Geld für sie kassiert...
RS-USER-Hoffi
03.05.2003, 09:20
Naja für solche Sachen (und für Zwangseinweisungen) werden RA ja auch als Ordungsbeamte ausgebildet, das die einfach sagen können der kommt jetzt mit. Im Zweifel holt man sich den NA das der das durchsetzt...
RS-USER-DerDings
03.05.2003, 15:12
das mußt du mir jetzt aber erklären - ein RA kann sich über eine patientenverfügung hinwegsetzten ? und bei den einweisungen - darf er auch auf die psych. einweisen ? das darf bei uns nicht mal der NA !!!!!!!!!
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