Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Erfahrungen in Altenheimen
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Der Pfleger
23.05.2003, 16:25
:(
Ich denke mal das das Führungsproblem nicht nur in Altenheimen besteht, sondern auch in Krankenhäusern. Die meisten Gründe sind halt finanzieller Art. Ich habe ein paar Jahre in einer MAV (Mitarbeitervertretung; Betriebsrat in kirchlichen Einrichtungen) gearbeitet, da bekommt man viel mit (gut, das ist jetzt ein anderes Thema....).
Wie gesagt, wenn mehr Kohle da wäre, wäre mehr Personal da, wenn mehr Personal da wäre, wäre die Pflege besser. Leider gilt das auch für Krankenhäuser!
SchwesterA
23.05.2003, 16:40
[B]In der Tat ist es so, dass die meisten Heime um ihren Ruf in der Öffentlichkeit wissen. Primär kommen Kritiken (meist negativ behaftet ) von den Angehörigen - damit haben sich die Leitungen mittlerweile auf ihre Art und Weise arrangiert.
Klar wissen die das, aber erstaunlicherweise scheint es ihnen egal zu sein, wem auch immer in nem Heim... Denn kaum ist der eine Bewohner weg (tot, andres Heim, was auch immer), kommt schon der nächste. Ich seh´s bei uns, es gibt hier 2 Heime mit erstaunlich schlechtem Ruf, völlig gerechtfertigt, wo man sich fragt, warum Leute ihre Eltern... dorthin schicken. Antwort: Es gibt keine Alternative! Hätten Alten - und Pflegeheime etwas Konkurrenzdruck wäre das schon lange anders. Solange das aber so ist, dass es wenig andere (auch bezahlbare) Möglichkeiten gibt, wird sich in den Heimen nicht viel ändern!
Wir haben diese Woche eine Pat. bekommen, die kommt übrigens alle paar Monate, mit V.a. Aspirationspneumpnie- ohne Atemgeräusche, Fieber oder sonstigen Symptomen. Wie sich herausgestellt hat, war sie total verstopft.... Und alles andere als sauber. Und es kam kein anständiger Pflegebericht mit - man muss sie waschen. Ganz prima, das seh ich selbst. Aber wieviel Sondenkost? Wird sie mobilisiert? Nix, gar nix..... Ich werde da nächste Woche anrufen, find´s ne Frechheit (die gesamte Situation der Dame)!
RS-USER-rettungshamster
23.05.2003, 21:04
Wie man so schön sagt: "Konkurrenz belebt das Geschäft".
Sicher nicht falsch, aber dennoch sieht die Lage momentan so aus, dass die Menschen nicht die Möglichkeit haben die Heime zu wählen. Zumal die Heimplätze an der vor Ort wohnenden Bevölkerung berechnet werden.
Aber um eine gesteigerte Qualität in der Pflege zu schaffen, bedarf es auch nicht mal immer das finanzielle. Es wäre schon mal nicht schlecht wenn manche Häuser ihren Arbeitsablauf neu organisieren würden. Wer schreibt denn zum Beispiel vor, dass die Bewohner um 6 Uhr in der Früh gewaschen werden müssen. Es gäbe hunderte Beispiele die ich für ein effizienteres - und auch bewohnergerechtes - arbeiten habe. Diese Umsetzung ist zwar ein schweres Stück arbeit - aber dennoch zu bewerkställigen. Kleine Erfolge konnte ich hinsichtlich dessen schon erzielen. Auch wenn es von einem sehr viel Geduld, Einfühlungsvermögen und Diplomatie abverlangt.
Geht nicht - gibts nicht !;)
RS-USER-Claudi
23.05.2003, 21:13
Original geschrieben von rettungshamster
Sicher nicht falsch, aber dennoch sieht die Lage momentan so aus, dass die Menschen nicht die Möglichkeit haben die Heime zu wählen.
Das gilt aber doch nur für den Fall, dass man ganz schnell einen Heimplatz braucht und den nächstbesten nehmen muss.
Zumindest in NRW ist es schon so, dass man sich durchaus sein Heim noch aussuchen kann (wo kämen wir auch sonst hin ;) ). Es gibt nur sehr lange Wartelisten (2-3 Jahre). Man sollte sich also rechtzeitig kümmern und nicht, wenns zu spät ist.
RS-USER-rettungshamster
23.05.2003, 21:18
Interessant zu sehen wie sehr sich die Bundesländer in diesem Bezug unterscheiden...
RS-USER-Claudi
23.05.2003, 21:20
BAYERN ist sowieso ein Kapitel für sich, oder? :-p
nichts für ungut.
RS-USER-rettungshamster
23.05.2003, 21:34
Da ich keine gebürtige Bayerin bin, können mich solche Bemerkungen nicht erschüttern - aber du hast schon Recht, es ist schon ein Völkchen für sich. Kann mich nur schwer an manche ihrer Charaktereigenschaften gewöhnen.
Der Pfleger
24.05.2003, 14:55
Eigentlich kann man sich das Heim ja aussuchen, aber da gibt es auch unterschiede. Wenn man im Münsterland ist, kann man sích das Heim aussuchen.
Bei uns im Ruhrgebiet, zummindest bochum, muss man das erst beste nehmen, weil nicht genügend Betten da sind. Wenn man ein Heim ablehnt, kann es passieren, das einem das nächste Heim erst ein paar Monate später "angeboten" bekommt.
SchwesterA
24.05.2003, 15:47
Original geschrieben von rettungshamster
Aber um eine gesteigerte Qualität in der Pflege zu schaffen, bedarf es auch nicht mal immer das finanzielle. Es wäre schon mal nicht schlecht wenn manche Häuser ihren Arbeitsablauf neu organisieren würden. Wer schreibt denn zum Beispiel vor, dass die Bewohner um 6 Uhr in der Früh gewaschen werden müssen. Es gäbe hunderte Beispiele die ich für ein effizienteres - und auch bewohnergerechtes - arbeiten habe. Diese Umsetzung ist zwar ein schweres Stück arbeit - aber dennoch zu bewerkställigen. Kleine Erfolge konnte ich hinsichtlich dessen schon erzielen. Auch wenn es von einem sehr viel Geduld, Einfühlungsvermögen und Diplomatie abverlangt.
Den Satz hör ich so oft, aber warum wird man dann bitte schön immer gleich komisch angeschaut,wenn man von diesen jahrelangen Normen abweicht? Ich finde, in der Pflege, auch im KH, ist das sehr ausgeprägt! Immer wieder hör ich von KollegInnen, "es macht nichts, wenn wir XY nach dem Frühstück waschen", aber sobald es darum geht, dass es die Situation erfordern würde, dass man es tatsächlich mal so machen könnte/müsste, wird sich plötzlich trotzdem beeilt und geschuftet, dass der Pat. doch VORHER gewaschen ist... Ich wag es (hauptsächlich an WE) immer wieder, mich über diese ungeschriebene Regel hinwegzusetzen und ernte in den meisten Fällen komische Blicke oder die entsetzte Frage, ob ich mich und meine Arbeit nicht besser organisieren kann... Wenn ich dazu dann erzähle, dass wir auf der Station, auf der ich vorher gearbeitet habe, grundsätzlich erst NACH dem Frühstück gewaschen haben (Ausnahmen bestätigen die Regel...), werde ich genauso entsetzt angeschaut. Ich glaube, es ist ein ziemliches Problem in der Pflege, dass Neues sehr kritisch und skeptisch angeschaut wird und ich frage mich, warum das so ist! Und es sind beileibe nicht nur die "alteingesessenen" Schwestern/Pfleger, die so reagieren!
Was die freie Wahl des Heims angeht, so ist das in BW auch so, dass man sich´s aussuchen kann, aber wenn es z.B. wie bei uns nur 2 oder 3 Heime hat (und die dann noch nen schlechten Ruf haben...), was will man machen? Die richtig guten Heime sind zudem oft nicht bezahlbar, weil alles, was über Körperpflge und Ernährung rausgeht, extra bezahlt werden muss (bzw. auch vom Personal als Luxus angesehen wird). Und das wiederum ist ein personelles Problem, denn wenn das Personal schon mit den pfleg. Grundleistungen völlig ausgelastet bzw. überlastet ist, woher sollen die dann die Zeit haben für Beschäftigung, prof. Pflege und vielleicht ein bisschen Freundlichkeit? Die Omi, von der ich im letzten Posting schon erzählt hab, saqt z. B.,dass manche Schwestern in ihrem Heim nicht mal mehr "Guten Morgen" sagen....
Der Pfleger
24.05.2003, 16:05
Bei uns auf der Station sind auch nicht alle Pat. um 8 Uhr gewaschen. Die Patienten haben es zum Teil auch lieber, wenn sie nach dem Frühstück versorgt werden.
Den schwerstpflegebedürftigen Pat. ist es meistens sowieso egal wann sie versorgt werden.
RS-USER-Claudi
24.05.2003, 21:32
Original geschrieben von SchwesterA
Immer wieder hör ich von KollegInnen, "es macht nichts, wenn wir XY nach dem Frühstück waschen", aber sobald es darum geht, dass es die Situation erfordern würde, dass man es tatsächlich mal so machen könnte/müsste, wird sich plötzlich trotzdem beeilt und geschuftet, dass der Pat. doch VORHER gewaschen ist... Ich glaube, es ist ein ziemliches Problem in der Pflege, dass Neues sehr kritisch und skeptisch angeschaut wird und ich frage mich, warum das so ist!
zum einen liegts an einer gewissen "Panik" - wer weiß was noch alles passiert, wenn erst mal die Docs die Station überrollen :D ...Und vor dem Frühstück hat man i.d.R. die meiste "Ruhe" - kein Telefon, (noch) keine Aufnahmen, keine Ärzte :-p etc. Habe das auch immer wieder mal erlebt, dass wenn man nicht VOR dem Frühstück wäscht, es hinterher nicht mehr schafft - und es kommt um 13:00 Uhr irgendwie nicht gut in der Übergabe zu sagen "Ähm ja und die Grundpflege haben wir heute noch nicht geschafft...."
Auf kleinen Stationen, die sich gut organisieren können, klappt es allerdings normalerweise recht unproblematisch, die Patienten "flexibel" zu versorgen. Das erfordert allerdings auch Flexibilität vom Pflegepersonal. Leider haperts da sehr oft.
Ich denke, da lassen sich auch (wie so oft) Parallelen Altenheim / Krankenhaus ziehen. "Neueinführungen" sind tatsächlich ein echtes Problem. Keine Ahnung warum.... Alte Besen kehren gut, oder wie sagt man?
RS-USER-rettungshamster
24.05.2003, 22:27
Alles was Veränderung bedeutet macht dem Menschen Angst - eine neue Organisation festgefahrener Stationsabläufe, bedeuten primär eine Mehrarbeit, die keiner bereit ist zu leisten, auch wenn sie folglich eine Entlastung darstellen würde und somit auch das Personal zufriedener wäre.
Aber diese Ergonomie, wie sie derzeit in den Einrichtungen gefahren werden (egal ob Altenheim oder Krankenhaus ), wird nicht mehr lange von Bestand sein können.
RS-USER-Claudi
24.05.2003, 22:32
Original geschrieben von rettungshamster
Aber diese Ergonomie, wie sie derzeit in den Einrichtungen gefahren werden (egal ob Altenheim oder Krankenhaus ), wird nicht mehr lange von Bestand sein können.
sorry, rettungshamster - aber diesen Satz höre ich jetzt seit beinahe 20 Jahren. :D :D
RS-USER-rettungshamster
24.05.2003, 22:39
Ja - und du nimmst es offensichtlich hin und gibst dich damit zufrieden...
... dann aber darf man auch nicht meckern wenn es nicht besser wird...
RS-USER-Claudi
24.05.2003, 22:40
Original geschrieben von rettungshamster
Ja - und du nimmst es offensichtlich hin und gibst dich damit zufrieden...
... dann aber darf man auch nicht meckern wenn es nicht besser wird...
Wie bitte? Offensichtlich hast du meine Berichte hier nicht gelesen, oder? :mad:
RS-USER-rettungshamster
24.05.2003, 22:43
Warum habe ich dann das Gefühl Resignation daraus zu lesen ?
RS-USER-rettungshamster
24.05.2003, 22:47
... vielleicht sollte noch erwähnt werden, dass man Altenheimstrukturen nicht mit denen des Krankenhauses gleichzusetzen sind...
...und von dem was ich hier rede, sind ganz klar Verbesserungsvorschläge welche die Altenpflegeeinrichtungen betreffen...wie es im genaueren bei euch in den Kliniken abläuft-bin ich ganz klar der falsche Diskussionspartner
RS-USER-Claudi
24.05.2003, 22:52
Original geschrieben von rettungshamster
Warum habe ich dann das Gefühl Resignation daraus zu lesen ?
Vielleicht weil es nicht einfach ist als einzelne Person irgendwas zu verändern in der großen Mühle des Gesundheitswesens.
Was mich betrifft - ich hab mich wirklich von meiner Ausbildung an bis zum letzten Tag in der Pflege lang gemacht um irgendwas zu verändern. Hab mir viele Blessuren geholt, mir den Schädel eingerannt , mir viele Feinde gemacht, bin angemobbt worden. Hats sich gelohnt? Hat sich was verändert? Nein. Definitiv nein - oder so gut wie nichts. Was macht man dann als Schwester? Man sucht sich ein Arbeitsumfeld, wo mehrere Menschen das gleiche Ziel verfolgen, denn nur Gruppendynamik kann was verändern.
Dazu müssen alle an einem Strang ziehen und das sehe ich nicht -Sorry. Und mit dem permanenten Wiederholen, dass es so nicht weitergehen kann, verändert sich nichts.
RS-USER-rettungshamster
24.05.2003, 22:53
Gebe ich dir recht - aber ich zähle mich nicht zu dem Personenkreis die es für ersichtlich halten nur "heiße Luft" abzulassen.
Venensuchgerät
25.05.2003, 07:28
Original geschrieben von rettungshamster
Ja - und du nimmst es offensichtlich hin und gibst dich damit zufrieden...
... dann aber darf man auch nicht meckern wenn es nicht besser wird...
also diesen Kommentar verstehe ich jetzt irgendwie nicht :confused:
den Standardspruch "diese Ergonomie, wie sie derzeit in den Einrichtungen gefahren werden (egal ob Altenheim oder Krankenhaus ), wird nicht mehr lange von Bestand sein können" habe ich sinngemäß auch schon 100 x gehört, ebenso "Hilfe! Uns droht der Pflegenotstand!"
Und trotzdem ist es mir nicht egal und ich nehme es auch nicht so hin.
Aber @Rettungshamster du hast meine Frage noch gar nicht beantwortet: Was hätte deiner Meinung nach am Altenpflegegesetz besser gemacht werden können? Nachdem du doch eher dagegen bist, hast du dir doch sicher Gedanken dazu gemacht.
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