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MissGarfield83
12.07.2013, 15:22
Wo sprechen ich denn über meine Arzt Assistenten ? Ich glaube du hast mich falsch verstanden - es ging nur um die Bedingungen unter denen ich später als Ärztin akzeptieren könnte dass da ein PA mir Arbeit abnimmt . Ich hab vor dem Studium Krankenschwester gelernt und in meinen Kursen saßen nicht unbedingt die hellsten Köpfe - in den Famus die ich bisher gemacht hab, hab ich gute und schlechte Pflegende,MFAs, OTAs erlebt. Besonders in Mangelberufen hab ich das Gefühl dass die schlechten immer mehr werden. Wenn ich dann daran denke, dass sich aus diesem Pool die PA Anwärter rekrutieren wird mir Angst und bange. Ich habe es erlebt was es bedeutet wenn jemand mit lückenhaften Kenntnissen zu viel Selbstbewusstsein entwickelt. Bei jemandem der sich als Fast-Arzt fühlt ist das ne sehr explosive Mischung. Besonders wenn ich daran denke dass ich dafür später als Approbierte den Kopf hinhalten muss. Für Studenten gerne, aber nicht für die Delegation ureigenster ärztlicher Tätigkeiten an Assistenzpersonal.
Ehemaliger User 20130712
12.07.2013, 18:51
@CD95
Nein die Anspielung war in keinster Weise so gemeint. Wollte damit eigentlich nur sagen, dass kein Chef dieser Welt einem soviel Geld zahlt wenn man fachlich ein Volldepp, absolut unfähig ist und nur zum Kaffeekochen geeignet ist, wie einige Male hier erwähnt wurde
@MissGarfield
das Studium an den Hochschulen dauert 3 Jahre. Wenn Du Krankenschwester warst dann weißt Du ja, dass es sowohl unter den Pflegenden als auch unter einigen Mediziner Leute gibt die es drauf haben oder eben nicht und die Angst, dass wie schon erwähnt, jeder an der Hochschule angenommen wird kann ich Dir nehmen, das ist definitiv nicht der Fall. Und auch die Studieninhalte waren für die "kurze" Zeit echt heftig. Wir wurden nur von Oberärzten und Chefärzten von früh bis abends unterrichtet, abends war man froh wenn man seinen Namen noch richtig aussprechen konnte, WE gab es die letzten 3 Jahre auch nicht, da wurde nur gepaukt da die Klausuren teilweise aus Facharztprüfungen laut Dozenten übernommen wurden. Ich verstehe Eure Argumentation was Anamnese und Untersuchung betrifft, das ist aber auch nicht unsere Hauptaufgabe, sehr wenige von uns dürfen das selbständig machen, wir sind ja dafür da um den Ärzten zu helfen, egal ob das eine OP-Aufklärung ist, Blutabnahmen, Arztbriefe schreiben, Untersuchungen anordnen, um uns um die Rehas zu kümmern, präoperative Vorbereitungen, Zunähen im operativen Bereich, zwischen Pflege und Ärzten vermitteln usw. und nicht um den Ärzten die Arbeit wegzunehmen. Man fungiert auch eher mit als ein Ansprechpartner für die Patienten. Jeder von uns weiß wie stressig ein Klinikalltag ist und wie wenig Zeit manchmal für die Patienten bleibt. Kurzes Beispiel: Visite in großen Häusern, dauert max. 5 Minuten pro Patient, manche Patienten verstehen überhaupt nicht was Ihnen die Ärzte da sagen und trauen sich nicht zu fragen oder haben Angst vor versammelter Mannschaft eine Frage zu stellen, um sich nicht zu blamieren, sind vielleicht sehr unsicher, haben Angst. Da denke ich hat man doch eine gute Möglichkeit den Patienten bei Fragen weiterzuhelfen, diese Zeit hat man doch meistens als Arzt nicht weil man sofort in den OP muss usw.
Skalpella
12.07.2013, 19:46
Ich habe in meiner Zeit in der Anästhesie (als Ärztin, wohlgemerkt) diverse PA-Studenten gesehen. Zum Beispiel fachweitergebildetes Anästhesiepflegepersonal, aber auch Physiotherapeuten.
Alle in einem Studiengang!!!
Klar sind die fachweitergebildeten Anästhesiepflegekräfte überlegen! (genauso, wie ich, als fachweitergebildete Anästhesieschwester in der Anästhesie einen gelungenen Einstieg hatte ;-) ). Die Physiotherapeuten dagegen wirken, wie jeder andere Anfänger im OP einfach wie ein Anfänger im OP. Trotz klinischer Erfahrung und einer sehr anspruchsvollen Ausbildung. Dennoch dürfen sie intubieren und sollen das laut "Tätigkeitskatalog" auch tun!
Der abzuarbeitende "Tätigkeitskatalog" war im Übrigen bemerkenswert! Unter anderem war dort eine PEG-Anlage zu finden(!) WTF! Wohlgemerkt, es stand da nicht: "Assistenz bei", sondern "PEG-Anlage". Warum sollte ein internistischer Facharzt einen Physiotherapeuten (oder wen auch immer), der einen ärztlichen Assistenzberuf studiert, eine PEG-Anlage machen lassen? Wer hat ihn das im Studium im Rahmen eines definierten Tätigkeitskatalogs machen lassen? Warum sollen PAs Dinge lernen wie "den Bauch auf- und wieder zumachen?". Warum lernen das nicht junge Ärzte, oder, noch besser, Studenten? Wo ist der Tätigkeitskatalog für Mediziner?
Da man mit sachlicher Diskussion oft nicht weiterzukommen scheint: Meiner Meinung nach sollten, vor der Durchführung urärztlicher Tätigkeiten (operieren, auch nähen; körperliche Untersuchung. . .) ein Medizinstudium oder zumindest das absolvierte Physikum stehen. Ich fordere die praxisnahe Ausbildung auch für Mediziner. Hier führe ich, nicht zum ersten Mal, einen verbindlichen Tätigkeitskatalog für das Pflegepraktikum an.
Warum bilden wir paramedizinische Berufe scheinbar besser aus, als zukünftige Mediziner? Berufe, die dann profilneurotierend die Kliniken bevölkern und damit wieder vielen jungen Medizinern die adäquate Ausbildung vorenthalten.
Sehr schön auf den Punkt gebracht, Skalpella :-)
Feuerblick
12.07.2013, 19:59
Warum bilden wir paramedizinische Berufe scheinbar besser aus, als zukünftige Mediziner? Berufe, die dann profilneurotierend die Kliniken bevölkern und damit wieder vielen jungen Medizinern die adäquate Ausbildung vorenthalten.
Und da liegt der Hase im Pfeffer. Medizinische Assistenzberufe bekommen viel ausführlich beigebracht, was man sich als Arzt mühsam selbst beibringen muss. Trotzdem hält der Arzt den Kopf hin. Wenn junge Mediziner endlich mal eine vernünftige Weiterbildung erhalten und jenseits von "See one, do one, teach one" sind, DANN kann man auch hingehen und Arztassistenten ausbilden. Sonst hängt da irgendwas sehr, sehr schief. Und das hat nichts mit "Wegnehmen" zu tun sondern mit der Verteilung der Verantwortung.
Coxy-Baby
12.07.2013, 20:02
@lunatum: ihr dürft eigenverantwortlich OP Aufklärungen machen?
Ehemaliger User 20130712
12.07.2013, 20:05
Hallo Skalpella,
ehrlich gesagt dachte ich Du hast Dich evtl. mit Physiotherapeuten verschrieben. Hm, so jemanden gibt es bei uns nicht, keiner aus meinem Studiengang war ein Physiotherapeut oder geschweige denn jemand der vorher nicht im OP gearbeitet hat aber gut es ist anscheinend nicht überall so.
Ehemaliger User 20130712
12.07.2013, 20:16
@Cox-Baby
es kommt immer darauf an in welchem Haus man arbeitet und welche Aufgaben an uns delegiert werden, aber ja wir dürfen die OP-Aufklärungen machen, jedoch ist es bei uns so, dass der Operateur dem Patienten schon bei einer OP-Entscheidung die OP erklärt. Dann kommt der Patient zu mir, ich gehe Alles mit ihm durch, allgemeine Risiken, spezielle Risiken, der Chef spricht noch kurz mit dem Patienten ob er noch Fragen hat und unterschreibt mit auf der Aufklärung.
MissGarfield83
12.07.2013, 20:20
@lunatum : Es ist sicher berechtigt was du ansprichst, vor allem in kleinen Häusern mangelt es doch oft an ärztlichem Personal und da sind Dinge wie die Entlastung bei Briefen, Reha Anträgen, prä-Op Vorbereitungen ( exclusive Aufklärung - da urärztliche Aufgabe ) sicherlich eine gute Sache.
Du bemängelst dass es wenig Zeit für die Patienten gäbe und sich viele nicht trauten Fragen zu stellen wenn da ein Pulk Ärzte durchs Zimmer fegt - sicher ist das so . Um so etwas vorzubeugen habe ich bisher wenn ich Stationsarbeit gemacht habe es durchaus so gehalten noch einmal nachmittags nach meinen Schäfchen zu schauen und offen geblieben Fragen zu klären. Aufklärungen, sofern bis dahin noch nicht gemacht, sind auch in diesem Zeitraum gemacht worden ( bei mir natürlich unter Aufsicht, da rechtlich sonst problematisch ). Ich finde es ist immer eine Frage der Selbstorganisation, wie man sich um die Patienten kümmert um seinen eigenen Ansprüchen an die Patientenversorgung aber auch an die eigene Freizeit und den Feierabend gerecht zu werden. Wenn es nötig war bin ich deswegen gerne auch mal länger geblieben - aber der Patient war zufrieden und hat sich gut aufgehoben gefühlt, die Schmerztherapie passte und insgesamt entstand einfach ein vertrauensvolles Klima.
Ich finde Feuerblick und Skalpella haben es gut auf den Punkt gebracht - es werden urärztliche Aufgaben an euch deligiert, in welchen ihr sicherlich auch laut Katalog ausgebildet werdet, aber die eigentlich zum ärztlichen Tätigkeitsbereich gehören und die ich mir auch in der Ausbildung nicht von einem PA wegnehmen ließe - genausowenig später wenn ich schon mehr Erfahrung habe. Aufklärungen gehören z.B. meines Erachtens in Arzthand ( man kann nur vollständig über etwas aufkären was man selbst durchgeführt hat ), genauso wie Anamnese, Untersuchung, Anordnungen von spezieller Medikation, Anordnung von Untersuchungen ( besonders wenn es dabei nicht um die 08/15 präOP Vorbereitung geht ) - denn man ist als Arzt für all das verantwortlich. Das Selbstbewusstsein von PAs da sie ja all diese Tätigkeiten gelernt haben und diese auch ausführen möchten kann da einer vertrauensvollen Zusammenarbeit durchaus im Weg stehen - denn die wirklich wichtigen Dinge sind einfach nicht an einen Arzt-light wie PAs hier schon despektierlich genannt wurden deligierbar. Es ist nunmal ein Assistenzberuf - der aufgrund seiner Ausbildung Kompetenzen einfordern will, die ihm nicht zustehen. Egal wieviel klinische Erfahrung da ist - denn die Verantwortung hat zuletzt immer ein Arzt.
Vermittlung zwischen Pflege und Ärzten ? Braucht man wirklich sowas ? Wenn man die pflegenden Kollegen mit Respekt behandelt, kriegt man den auch zurück und dann ist es durchaus einfach durch Einbeziehung der Pflege an Informationen zum Patienten zu kommen - wobei da die Qualität durchaus schwankt. Aber für ein gutes Klima auf meinen Stationen brauch ich keinen PA sondern einen Kuchen und ein paar Tassen Kaffe mit den Kollegen und Kolleginnen ... deutlich günstiger und sinnvoller ;-)
es kommt immer darauf an in welchem Haus man arbeitet und welche Aufgaben an uns delegiert werden, aber ja wir dürfen die OP-Aufklärungen machen,...
NEIN! Dürft Ihr nicht! Zumindest nicht in Deutschland! Die Aufklärung ist ureigenste Aufgabe des ARZTES und kann nicht delegiert werden an nichtärztliches Personal. Wenn Du es trotzdem machst, ist die Aufklärung nichtig. Und ein Aufklärungsfehler führt zur Beweislastumkehr und eine Massnahme könnte zur Körperverletzung werden, da der Patient im eigentlichen Sinne nicht einwilligen konnte...
Bei MIR würden keine PAs Aufklärungen vornehmen! Ich bin gerne in der Sonne unterwegs und mag ungefilterte Luft...
jedoch ist es bei uns so, dass der Operateur dem Patienten schon bei einer OP-Entscheidung die OP erklärt. Dann kommt der Patient zu mir, ich gehe Alles mit ihm durch, allgemeine Risiken, spezielle Risiken, der Chef spricht noch kurz mit dem Patienten ob er noch Fragen hat und unterschreibt mit auf der Aufklärung.
Zumindest unterschreibt der CA / OA noch mit. Ob das im Zweifel ausreicht wird dann irgendwann mal ein Gericht klären, wenn was schiefgegangen ist...
Nicht überzeugt? Dann klickst Du hier zum Nachlesen! (https://www.aekhb.de/data/mediapool/pa_re_aufklaerung.pdf)
Und da einfach mal mit Sinn und Verstand durchgucken...
Ich verstehe überhaupt nicht warum man so etwas überhaupt braucht, außer um bei den Personalkosten Geld zu sparen (wobei, wenn Lunatum so mit dem Gehalt protzt, kann es das ja eigentlich auch nicht sein) Es ist doch völlig klar, dass wenn man Ärzte entlasten will, man ihnen Leute zur Seite stellt, die die nicht-ärztlichen Aufgaben erledigen.
In unserer Klinik sind per Dekret die Ärzte für die Aktenführung zuständig und so sitze ich seit neuestem mit den Kollegen in der Bastelstunde und loche Befunde um sie wegzuheften....
Das ist mal Schwachsinn.
Dafür hatten wir auf meiner alten Station eine Funktionsschwester, die großartig Termine organisieren konnte und anderen Bürokram gemacht hat.
Gerade bei der krassen Zunahme von allem möglichem Dokumentationskram, bin ich doch froh, wenn ich mal mit dem Patienten sprechen und ihn untersuchen kann. Das will ich nicht "abgenommen" bekommen, dafür bin ich Ärztin geworden!
Und ich würde mir ziemlich blöd vorkommen, wenn mir ein Arztassistent hinterherscharwenzeln würde um die Patienten zu fragen, ob sie meine Ausführungen bei der Visite nicht verstanden haben.
Ich muss mich Frau Pelz anschließen - ich will weder, dass man mir Anamnesen, noch koerperliche Untersuchungen, Therapieplaene, Aufklaerungen, Briefe und erst recht keine OP-Assistenzen, Naehte oder gar ganze "kleine" Eingriffe abnimmt. Ich wuerde naemlich durchaus gern was lernen in meiner Weiterbildung, und damit meine ich nicht Knicken-lochen-heften-dokumentieren. Und das ominoese Logbuch sollte ja auch mal vollwerden.
An meiner letzten PJ-Klinik hatten wir eine Stationssekretaerin, die hat Rehas angemeldet, Befunde angefordert, die Entlassungen in den Kalender geschrieben und solche Sachen. Das war nuetzlich und sinnvoll. Aber diesen Arztassistenten - Ganz ehrlich, ich erkenne den Sinn nicht an. Und wenn ich lese, dass da eigenstaendig Aufklaerungen gemacht werden, wird mir noch dazu ganz uebel. Rein juristisch.
John Silver
12.07.2013, 21:06
Hm... Ich denke, dass der Beruf eines Arztassistenten in erster Linie für kleinere Kliniken in der Pampa gedacht ist, die zunehmend Schwierigkeiten haben, Assistenzärzte zu rekrutieren. An sich halte ich die Einführung einer solchen Berufsgruppe für sinnvoll, jedoch hat man in Deutschland bisher eher den Profilneurotikern unter den Möchtegern-Pflegeakademikern das Planen dieses Berufsbilds überlassen, statt zu versuchen, das Profil dieses Berufs an die realen Notwendigkeiten anzupassen. Das führt zu Problemen.
Einige der angeführten Punkte klingen durchaus angebracht. Es gibt jede Menge Tätigkeiten, die man einem Arzt abnehmen kann und soll. Es erschließt sich mir jedoch nicht, weshalb man dafür eine so teure Spezialkraft braucht. Muss man 3 Jahre studieren, um Blut abzunehmen, periphere Zugänge zu legen, Blutprodukte anzuhängen oder Haken zu halten? Sicher nicht. Ein Studium ist auch nicht notwendig, um vom Arzt angeordnete Untersuchungen wie Konsile oder Röntgen anzumelden, oder um dem Patienten eine Pflege oder Reha zu organisieren. Das kann jede halbwegs gescheite Sekretärin.
Reichlich sinnfrei ist das Argument, man solle einen PA dazu verwenden, um den Patienten zu erklären, was der Arzt bei der Visite erklärt habe, weil diese zu schnell gegangen sei. Erstens untergräbt dieses Verhalten das Vertrauen des Patienten in den Arzt, wenn dessen Aussagen immerzu von einer Assistenz erklärt werden müssen. Zweitens ist es geradezu idiotisch, eine Fachkraft für 70 Tsd. € für einen solchen Zweck einzustellen. Wie wär's stattdessen damit, den Arzt tatsächlich von primitiven Aufgaben, für die er überqualifiziert ist, zu entlasten, damit er mehr Zeit für die Vosite hat? Aber nein, wir lassen lieber den Arzt Blut abnehmen, während der PA mit dem Patienten spricht.
Das Beispiel "Aufklärung" wurde schon erörtert, und lässt sich recht einfach resümieren: Schon unter den Ärzten dürfen nur diejenigen eine Aufklärung über wasauchimmer durchführen, die zur Durchführung ebendieses wasauchimmers befähigt sind. So steht es im neuerdings in Kraft getretenen Gesetz. Sprich: Selbst unter den chirurgischen Assistenzärzten dürfen eigentlich nur diejenigen bspw. über eine Pankreaskopfresektion aufklären, die dieser Operation zumindest mehrmals beiwohnten, und deshalb die einzelnen Schritte kennen; ferner nur diejenigen, die auch eine größere Anzahl an solchen Patienten postoperativ in allen Bereichen betreut haben, und deshalb die möglichen Komplikationen und den Umgang damit kennen. Selbst wenn also der jeweilige Chefarzt das Risiko auf sich nehmen sollte, dass die Aufklärung von einer Assistenz, und nicht von einem Arzt, vorgenommen wird (und das ist sicherlich, zumindest bis zu den ersten entsprechenden Gerichtsurteilen, ein Risiko), so muss man sich zunächst ein ausgeklügeltes Rotationssystem für ebendiese Assistenz einfallen lassen, damit die Assistenz die notwendigen Aspekte kennt. Wenn es einer Klinik an jungen Ärzten mangelt, ist ein schlechtes Rotationssystem meistens eine der Ursachen dafür. Nun stelle man sich vor, eine solche Rotation wird für PAs geschaffen. Wundert man sich dann wirklich, dass die jungen Ärzte nicht gut auf die PAs zu sprechen sind?
Eine Ansage, ein PA verdiene 65-70 Tsd. € pro Jahr, verwundert mich sehr. Wie wird das begründet? Bei aller Liebe, die Qualifikation eines PAs ist der eines Arztes doch deutlich unterlegen, auch wenn Der PA langjährige Erfahrung als Pflegekraft, Anästhesiefachpflege oder MTA haben sollte. Man kann in 3 Jahren definitiv nicht den gleichen Ausbildungsstand, wie nach 6 Jahren, erreichen. Warum wird ein (eigentlich nicht mal) halber Arzt für ein ganzes Arztgehalt eingestellt? Für ein Facharztgehalt, wohlgemerkt? Klar, ein PA, der vorher 10 Jahre als Pfleger auf der ITS gearbeitet hat, ist im Alltag etwas mehr wert, als ein blutiger Anfänger von Assistenzarzt. Aber erstens hat bei weitem nicht jeder PA diese Vorgeschichte; und zweitens sollte man die Erfahrung einer Pflegekraft nicht überschätzen. Ich habe bisher nur extrem wenige Pflegekräfte erlebt, die mit mir zumindest in den für sie vertrauten Bereichen auf Augenhöhe diskutieren konnten, weil sie fachlich wirklich gut bewandert sind; 9 von 10 sind mir, was Fachwissen betrifft, deutlich unterlegen, auch wenn sie numerisch mehr Jahre Arbeitserfahrung haben. Diese Feststellung hat nichts mit Überheblichkeitzu tun; es ist lediglich eine Feststellung.
Was den Vorwurf betrifft, wir fühlten uns durch die PAs bedroht, so ist dieser Vorwurf zu lächerlich, um näher erörtert zu werden.
Alles in allem denke ich, dass man mit einem solchen Beruf durchaus sinnvoll eine Lücke in der Krankenhaushackordnung schließen kann; die aktuelle Umsetzung ist jedoch aus meiner Sicht mehr als fragwürdig.
Hm... Ich denke, dass der Beruf eines Arztassistenten in erster Linie für kleinere Kliniken in der Pampa gedacht ist, die zunehmend Schwierigkeiten haben, Assistenzärzte zu rekrutieren. ... Zweitens ist es geradezu idiotisch, eine Fachkraft für 70 Tsd. € für einen solchen Zweck einzustellen. Wie wär's stattdessen damit, den Arzt tatsächlich von primitiven Aufgaben, für die er überqualifiziert ist, zu entlasten, damit er mehr Zeit für die Vosite hat? Aber nein, wir lassen lieber den Arzt Blut abnehmen, während der PA mit dem Patienten spricht.
Naja, auf der anderen Seite: wenn eine Provinzklitsche genug Geld hat, um ggf. mehrere dieser PA anzustellen... DANN könnte man genausogut den Assistenzärzten ein gescheites Gehalt zahlen und hätte somit einen Standortvorteil gegenüber anderen KH... Und ich bin mir sicher, wenn ein KH ein übertarifliches Gehalt für Assistenten zahlt, der bekommt auch Personal!
Eben gerade Aufklärungen sind doch abgesehen von dem Juristischen und dem rein Informativen (wo jeder Patient sein eigenen Bedarf dran hat, der häufig geringer ist als gedacht, zumindest meiner Erfahrung nach - was das Technische angeht) vor allem zum Schaffen einer Vertrauensbasis da.
Wenn das ein Arztassistent machen würde, würde das die Kluft zwischen dem Patienten und einem anonymen Operateur doch größer werden lassen. Weil der Assistent dann eben sagen würde "DIE Ärzte machen das so und so" statt "WIR machen das so und so"
Wenn ich weiß, dass ich assistiere, sag ich in der Aufklärung mit einem Augenzwinkern manchmal sowas wie "der OA xy wird Sie operieren, der macht das sehr häufig und sehr gut - und damit auch wirklich nichts schief geht, guck ich ihm noch auf die Finger". Dann haben die Patienten doch schon eher einen Bezug zur OP (bild ich mir zumindest ein).
Und stattdessen soll der Patient durch einen zusätzlichen nichtärztlichen Ablauf durchgeschleust werden? Nein danke. Es heißt doch aus Patientensicht schon viel zu oft: "Sie haben eine Frage zu ihrer Behandlung? Da müssen Sie den Arzt fragen, ich mach hier nur das EKG/die Narkoseaufklärung/die Blutabnahme/die Essenbestellung."
John Silver
12.07.2013, 21:49
@Brutus: Ja, Du hast Recht, das ist ein gutes Argument.
Ich habe gerade im Geiste eine Liste dessen zusammengestellt, wovon ich gerne befreit wäre; kodieren etc. Ich kann bisher keine Tätigkeit ausmachen, deren Durchführung ein dreijähriges Studium voraussetzt. Die Anfertigung des Arztbriefs wiederum ist eine Aufgabe, die auch ein Arzt erst mit viel Erfahrung gut erledigt; deshalb halte ich hier Substitution für nicht sinnvoll, weil damit sicher Qualität verloren ginge.
Ehemaliger User 20130712
12.07.2013, 22:21
Vielen Dank für Eure Meinungen!
@Skalpella: Einfach nur Danke, du bringt es genau auf den Punkt!
Kleine Anekdote von mir: Ein ehemaliger Anästhesiepfleger, der sich zum PA ausbilden lässt, erklärte mir neulich, was dies genau sei... unter anderem
"Das selbe wie Assistenzarzt, nur kann man kein Oberarzt werden".
UweWoellner
13.07.2013, 10:57
Ich bin vor einigen Wochen als Berufseinsteiger (als Arzt) in einer Klinik angefangen. Dort gibt es zwei Arztassistentinen, die schon seit über 20 Jahren im Geschäft sind. Ich bin heilfroh, dass die beiden Damen da sind :-). Ich weiß es nicht sicher, gehe aber davon dass die beiden kein Studium zum PA gemacht haben, sondern auf anderem Wege zur Arztassistentin geworden sind.
Anderseits stehe ich dem Berufsbild der PAs/Arztassistenten kritisch gegenüber. Warum die Bezeichnung "Arztassistent"? Ist da eine mögliche Verwechslung mit den Assistenzärzten gewollt? Ich habe den Eindruck, mit dieser Berufsgruppe versucht man auf einem sehr fragwürdigen Weg den Ärztemangel (der ja in Wirklichkeit ein Verteilunsgprobelm ist) zu bekämpfen. Ich habe einige PAs in Ausbildung kennengelernt und hatte dabei oft den Eindruck, dass es sich dabei um Profilneurotiker handelt, die dem Traum Arzt zu werden hinterherlaufen und nun der Meinung sind: Meine Ausbildung ist ja im Grunde genauso schwer/anspruchsvoll wie ein Medizinstudium und eigentlich kann und weiß ich mehr als du junger Arzt. Es mag sicher Leute geben, die für dieses Berufsbild eine andere Einstellung mitbringen, aber das sind meine Erfahrungen.
Pupskopf
13.07.2013, 11:17
Ich sage den Patientin immer und unterschreibe meine Brief jetzt immer mit Arzt in Weiterbildung, nicht dass es da noch zu verwirrungen kommt...
Ich kann mich noch erinnern wie frustriert ich im PJ war als so ein "arztassistent" einen zvk legen durfte und ich nicht, mit dem argument dass das ja in seinen komischen "studienzielen" stehen würde. Aha, ich darf etwas nicht lernen obwohl ich jetzt wo ich im beruf arbeite es machen soll... toll. Das gleiche mit ops. Wie soll ich später die nötige erfahrung bei bestimmten Ops haben wenn nicht ich assistiere sonder dieser "arztassisten" und ich den schreibkram machen muss...
einfach verrückt...
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