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PRIND
13.07.2013, 11:39
So eine Art "Ausildungskatalog" v.a. in den Blockpraktika gibt es bei uns für die Medizinstudenten auch, nur interessiert sich dafür kein Schwein... Ob der Katalog am Ende abgearbeitet wurde und vollständig ist, oder nicht spielt also keine Rolle.

Und das meine ich ja auch wenn ich sage, dass man lieber in bestehende Berufsgruppen investieren sollte, anstatt eine auf rudimentäre Aufgaben spezialisierte Berufsgruppe zu fördern, die eh nur wieder "missbraucht" wird um Mängel zu kaschieren.

Ich will jetzt hier jetzt nicht die PA´s, die sich hier an der Diskussion beteiligen, diskreditieren, aber sich hier anmelden, darüber beschweren wie arrgogant und respektlos die Ärzteschaft ist, aber bis auf "Wir wollen euch nur helfen" kein sinnvolles Argument anbringen, ist meiner Meinung nach eine recht fragwürdige Art zu diskutieren. Seht ihr euren Beruf denn selber nicht auch etwas kritisch?

Ich verstehe schon das es eine schöne Möglichkeit der Weiterbildung ist, aber für mich persönlich als MTRA käme dieses Studium trotzdem nicht in Frage.

Liliac
13.07.2013, 11:55
Da ich im Prinzip außer meinen vorklinischen Semestern und den Praktika dazu kaum Erfahrung habe möchte ich meine Antwort nur auf einen Post weiter vorne beziehen und den Rest mangels Ahnung einfach so stehen lassen :)
Was mir etwas negativ aufgefallen ist war die Aussage, dass man in dem Studium Fragen paukt die aus dem Facharzt Katalog entnommen sind. Für mich klingt das so, als ob die Studenten dort dann das Gefühl vermittelt bekommen sie können das gleiche wie ein Facharzt, schließlich wussten sie die Antworten. Für mich klingt das ein bisschen wie "ich hab den Theorie-Teil in der Führerschein Prüfung bestanden, jetzt bin ich ein guter Autofahrer". Ich finde es nicht gut, wenn man diesen Aspekt als positives Kriterium des Studiums aufführt, schließlich liegen bei einem Facharzt zwischen Anfang der Ausbildung und Beantwortung dieser Fragen mal mindestens 11 Jahre mit teilweise sehr spezifischer Ausbildung, mir ist nicht ganz klar wie das in 3 Jahren Studium auf mehreren Fachgebieten möglich sein soll. Allein von der Logik her ergeben sich für mich dann schon die Probleme, die in den ganzen letzten Posts von den bereits fertigen Ärzten/ Fachärzten beschrieben wurden.

John Silver
13.07.2013, 23:14
Wenn ich so darüber nachdenke, komme ich zu dem Ergebnis, dass dieser Studiengang im Grunde überflüssig ist. Ich revidiere hiermit meine Aussage, das Berufsbild eines Arztassistenten sei an sich sinnvoll. Ist es nicht.

Es gibt zwei Interessensgruppen, die für die Entstehung dieses Berufs verantwortlich sind, und Ärzte gehören nicht dazu.

Auf der einen Seite stehen die ganzen kaufmännischen Verwaltungsheinis. Deren Überlegung lautet offenbar, dass so ein Arztassistent, auch wenn er das Gehalt eines Facharztes beanspruchen sollte, sich dennoch lohnen kann. Ärzte in Weiterbildung sind ein schwierig zu führender Haufen. Sie machen nicht einfach nur die Stationsarbeit und halten sonst einfach die Fresse. Sie wollen bespaßt werden, mit Rotationen, mit Interventionen und Operationen, mit Erklärungen und Fortbildungen. All das ist bei einem Arztassistenten ausgeschlossen. Er schmeißt die Station, indem er die Anordnungen der Ärzte aus der Visite umsetzt, und jammert nicht herum, weil er lieber im OP oder in der Funktion wäre. Um eine chirurgische Station zu schmeißen, braucht man i.d.R. mindestens 4 Ärzte, weil sie ständig im OP, im Dienstfrei, auf Fortbildung oder sonst irgendwo sind. Hingegen reicht nur ein einziger Arztassistent aus. Das ist eine attraktive Rechnung. Letztlich geht es den Anzugträgern, wie immer, nur darum, Ärzte durch niedriger qualifizierte Arbeitskräfte zu ersetzen.

Zu diesem Spiel gehören jedoch zwei, und den dankbaren Mitspieler finden die Anzugträger in denjenigen unter denjenigen Pflegekräften, die eigentlich schon immer Ärzte sein wollten, es aber nicht geschafft haben, weil sie nicht gut genug waren. Man kann nämlich einem Laien den ganzen Kram so verkaufen, als sei man tatsächlich "so was wie eine Arzt", der eben nur kein Oberarzt werden könne. Da fühlt man sich gleich deutlich geiler, da ist man ein richtig toller Hecht.

Alles in allem ist dieses Berufsbild, genauso wie der Beruf einer "Anästhesiepflegekraft mit besonderen Befugnissen", die dann selbständig Narkosen durchführen soll (wohin das führt, wissen wir ja mittlerweile), oder der Beruf eines chirurgisch-technischnen Assistenten, schlicht abzulehnen. Es gibt keinen Grund, diese Berufe einzuführen, außer den obengenannten, und diese Gründe sind wirklich nicht gut.

PRIND
14.07.2013, 11:04
Zu diesem Spiel gehören jedoch zwei, und den dankbaren Mitspieler finden die Anzugträger in denjenigen unter denjenigen Pflegekräften, die eigentlich schon immer Ärzte sein wollten, es aber nicht geschafft haben, weil sie nicht gut genug waren. Man kann nämlich einem Laien den ganzen Kram so verkaufen, als sei man tatsächlich "so was wie eine Arzt", der eben nur kein Oberarzt werden könne. Da fühlt man sich gleich deutlich geiler, da ist man ein richtig toller Hecht.


Mit vielem was du sagst liegst du vermutlich sehr richtig, diesen Absatz möchte ich aber doch kurz kommentieren, da er wohl nur in Einzelfällen so zutrifft.

Ich glaube nicht das jede Pflegekraft, die den Studiengang Arztassistent absolvieren möchte, ein Profilneurotiker ist, der sich dann "geiler fühlt und ein toller Hecht sein will". Finde diesen Vorwurf ehrlich gesagt auch etwas fragwürdig...

Ich kann die Überlegung einer GuK, MTA etc. sich nach X Jahren Berufserfahrung beruflich weiterentwickeln zu wollen definitiv verstehen. Sicherlich ist ein Medizinstudium dann sinnvoller als das Studium zum Arztassistent, andererseits hat nicht jeder Lust nochmal 6 Jahre + Facharztweiterbildung absolvieren zu müssen. Darüber hinaus scheinen die Kosten dieses Studiengangs ja auch oft von den Krankenhäusern übernommen zu werden und das teilweise bei einem fortbestehenden Arbeitsverhältnis (inkl. Gehalt). Daher kann ich es schon verstehen, dass dieses Studium für viele eine adäquate Alternative darstellt. Diese Motivation jetzt zu verteufeln halte ich für falsch.

Man sollte sich in so einer Situation nur kritisch fragen, ob dieser Studiengang wirklich sinnvoll, oder doch nur ein Taschenspielertrick ist, der einem vorgaukelt beruflich einen Fortschritt zu machen. Der Beruf Arztassistent ist halt sehr kritisch zu sehen, Gründe wurden hier ja schon genug genannt :).

CD95
14.07.2013, 19:27
Ich denke , dass das Wortspiel "Arzt- Assistent" und "Assistenz- Arzt" bewusst gewählt worden ist, um Kompetenz zumindest in der Berufsbezeichnung zu vermitteln:-((.
Ich werde in Zukunft auf den Arztbriefen unter meinen Namen "Ärztin in Weiterbildung" schreiben, um aus dieser Verwechslungsnummer raus zu sein.:-meinung

UweWoellner
15.07.2013, 19:29
Ich werde in Zukunft auf den Arztbriefen unter meinen Namen "Ärztin in Weiterbildung" schreiben, um aus dieser Verwechslungsnummer raus zu sein.:-meinung

Ich schreibe deshalb schon "Stationsarzt" oder schlicht "Arzt". Gerade bei den Patienten sorgt die Bezeichnung "Arzt in Weiterbildung" glaube ich eher für Irritationen.

GOMER
16.07.2013, 00:54
Nach dem Studium dieses Threads kann ich nur mit dem Kopf schütteln.
Fakt ist, dass es in Deutschland, wie in nahezu jedem anderen Land auf der Erde, einen Mangel an Ärzten gibt, und dass diejenigen, die es gibt, zum Teil furchtbar schlecht ausgebildet sind. Ich kann mir beim besten Willen nicht vorstellen, dass es in diesem Forum einen Arzt, egal welchen Alters gibt, der behauptet: " Ich bin im Studium richtig gut vorbereitet worden auf meine Zeit als Assistenzarzt (oder genauer gesagt Arzt in Weiterbildung) und als Assistenzarzt bin ich innerhalb der Mindestweiterbildungszeit richtig gut vorbereitet worden auf meine Tätigkeit als vollig unabhängig und selbstverantwortlicher Facharzt". Insbesondere in operativen Fächern gibt es niemanden der die zweite Hälte des vorangegangen Satzes guten Gewissens aussprechen kann.
Einige Punkte die mir besonders negativ aufgefallen sind (sinngemäß):
-"ich brauch keinen Arztassistenten für Blutentnahmen, da hab ich nen PJ'ler"
-"ich will selbst Haken halten im OP, soll der Arztassistent auf Station den Papierkram machen"
-"ich will nicht, dass so ein Arzt für Arme meine Patienten anfasst..."
-"ich übernehm sicher nicht die Verantwortung dafür, was so ein Depp verbockt"

Ich denke wir müssen uns langsam in Deutschland endlich mal mit den Tatsachen auseinandersetzen, man hat jahrzehntelang in der Ärzteschaft verpasst eine vernünftige Lobby zu bilden, der von Seiten der Politik Gehör geschenkt und von Seiten des Volkes uneingeschränktes Vertrauen entgegen gebracht wird. Schließlich geht es doch darum die Gesundheit der Gesellschaft sicherzustellen und letztlich damit ihre Funktinalität und ihren Fortbestand zu gewähren. Nachdem es diese Lobby nicht gibt, herzlcihen Dank an unsere Eltern und Großeltern, die sich um Berufspolitik einen Schei**dreck gekümmert haben, müssen wir (die Gesellschaft) uns jetzt mit dem auseinandersetzen, was uns vorgestzt wurde: Dem Versorgungsengpass, und in einigen Regionen, die non-Existenz von Versorgung.
Die Erfahrung hat gezeigt, dass man auch trotz progressiven Lockens, den Bedarf nicht decken kann, indem man in Polen und Tschechien wildert, aus Rücksicht auf diese Länder halte ich das übrigens grundsätzlich für fragwürdig. Wir werden uns damit abfinden müssen, dass es in Zukunft einfach nur noch eien beschränkte Zahl von Ärzten pro 100.000 Einwohner gibt, und diese beschränkte Zahl von Ärzten kann den Tag auch nicht länger als 24h machen, insbesondere nicht bei so strengen Arbeitszeitgesetzen. Also glaube ich, müssen wir die Ärzte, die wir haben, soweit als möglich entlasten und so gut wie möglich ausbilden.
Das soll heissen, dass der Arzt (respektive der Student) von Anfang an damit vertraut gemacht werden muß, was seine Kernaufgaben sind: Diagnose und Therapie. Blutentnahme, Haken halten und Befunden hinterher zu rennen ist kein Bestandteil der beiden Kernaufgaben.
Um als Student oder junger Assitenzarzt die Anamnese und körperliche Untersuchung zu erlernen (was zweifelsfrei beherrscht werden muss), bringt es wenig, wenn man über Jahre hinweg einfach zum Patienten geht, ihn fragt, wovon man glaubt, das es auf den Bogen gehört und das Stethoskop dahin hält, wie man es mal in einem Youtube Video gesehen hat. Sondern man braucht erfahrenene Altassistenten und Fachärzte die sich die Zeit nehmen einem das beizubrinegn, und zwar wiederholt, und nicht einmal vor zehn Zuhöhrern im Blockpraktikum. Die Tatsache, dass ich aus diesem Studium gegangen bin und keine Ahnung hatte, wie sich ein Herzgeräusch anhört, ist für mich noch heute unfassbar. Natürlich kostet das Zeit, genauso wie es einen Facharzt viel Zeit kostet sich jeden Tag mit zwei seiner Assistenten zusammen zu setzten und eine dreiviertel Stunde die geplante Therapie eines Patienten zu diskutieren. In dieser dreiviertel Stunde bleibt der Betrieb in der Klinik aber nicht stehen, es kommen neue Patienten, es gilt neue Untersuchungen anzumelden und ihre Ergebnisse zu erfassen, die Platzwunden in der Ambulanz zu verschliessen, etc.. Womit wir wieder bei dem vorangegangen Punkt wären, natürlich wäre es gut wenn ein anderer Arzt sich darum kümmern könnte, den gibt es aber nicht. Nicht weil er nicht eingestellt wurde, sondern weil der Markt das nicht hergibt. Meines Erachtens brauchen wir hochqualifizierte Hilfskräfte, damit wir uns endlich wieder um die Kernaufgaben kümmern können. Im OP darf es keine Kernaufgabe des Assistenten sein, drei Stunden lang Haken zu halten, damit er anschließend die Subkutannaht machen darf. Der Assistent muß die OP durchführen, während im der erfahrene Facharzt dabei die Schritte erklärt. Der Student muß in diesem Augenblick in einer Position sein, in der er alle Schritte verfolgen kann, um einen Benefit aus seiner Anwesenheit zu erlangen. Die Operation kann der Student nicht verfolgen, wenn er der Geschichte lediglich seine zwei Hände zu verfügung stellt, aber soweit ab vom Schuss ist, dass das Einzige, was er sehen kann, der Monitor der Anästhesie ist.
Was die Verantwortlichkeit angeht. Bitte beachtet dass diejenigen unter Euch, die sich in Weiterbildung befinden, nicht alleinverantwortlich arbeiten dürfen und das diejenigen unter Euch, die als Fachärzte mit Weiterbildungsassitenten arbeiten nahezu vollverantwortlich sind, für das was durch die Assisteten durchgeführt wird. Nichts anderes würde auf einen Arztassitenten zutreffen. Er kann zwar mit einem Assistenzarzt arbeiten, aber nie kann der Assistenzarzt die Verantwortung für das Tun des Arztassistenten übernehmen, die bleibt immer beim Facharzt. Der Grund warum ich in all meienr Dokumentaion stets meinen Oberarzt mitbenannt habe, ein Punkt der einigen meiner Kollegn entweder nicht bewusst ist, oder einfach missachtet wird.
Nahezu alle anderen westlichen Länder haben es geschafft Berufsbilder zu kreieren, die es den Ärzten erlaubt sich auf die oben genannten Kernaufgaben zu konzentrieren, wieseo können wir uns nicht endlich damit auseinander setzen, und stellen uns noch selbst immer das Bein?

Peter_1
16.07.2013, 07:46
Gut gebrüllt, aber: es gibt ja bereits Berufe die Ärzte entlasten können, dazu braucht es überhaupt keine neuen Studiengänge! Bürokram können Stationsassistenten machen, Blutentnahmen, Viggos usw. werden in den meisten anderen Ländern entweder vom Pflegepersonal übernommen, oder von eigens dafür bestellten Assistenzpersonal (alleine eine Entlastung von diesen beiden Dingen würde massivst Entlastung schaffen). Die Kritik entzündet sich doch nicht an der Notwendigkeit Ärzte zu entlasten, sondern an einem neuen akademischen Berufsbild, dass eigentlich kein Mensch braucht, sondern das nur weitere Verwirrung schafft und dazu noch ureigenste ärztliche Aufgaben übernehmen soll (Anamnese, Untersuchung, Diagnosemassnahmen, "kleine" Eingriffe). Das scheint mir ein Holzweg zu sein, die Erweiterung von Kompetenzen des vorhandenen med. Fachpersonals und eine entsprechende Aufstockung ist doch wesentlich sinnvoller.

davo
16.07.2013, 08:42
Ich denke nicht dass sich das durchsetzen wird. Der Grund warum es in den USA so viele physician assistants, NPs, usw. gibt ist ja ganz einfach dass Ärzte, vor allem Krankenhausärzte, dort viel mehr verdienen als in Deutschland - und dass es im Verhältnis zur Bevölkerung 35% weniger Ärzte als in Deutschland gibt. In Deutschland gibt es also weder eine finanzielle noch eine versorgungstechnische Notwendigkeit solche Berufe einzuführen.

EKT
16.07.2013, 17:57
Die Tatsache, dass ich aus diesem Studium gegangen bin und keine Ahnung hatte, wie sich ein Herzgeräusch anhört, ist für mich noch heute unfassbar.

Allerdings ist das unfaßbar, aber mit Sicherheit bist du selbst schuld! Studium bedeutet selbstverantwortliche Wissensaneignung. :-nix

MissGarfield83
16.07.2013, 18:18
Allerdings ist das unfaßbar, aber mit Sicherheit bist du selbst schuld! Studium bedeutet selbstverantwortliche Wissensaneignung. :-nix

Leider ist es mit vielen nicht weit her damit - dann wird bulimisch für ne Klausur gelernt und was wirklich wichtig ist bleibt eh nicht hängen. Dann lernt man lieber Altfragen und besteht die Klausur mit ner 1 und andere die wirklich das Fach versuchen zu lernen ohne sich diesen Cheat zu gönnen werden mit schlechteren Noten abgespeist ... Um die praktische Ausbildung muss man sich oft leider selbst kümmern durch Wahlfächer oder mehr Interesse in Famulaturen bzw mehr Famulaturen. Aber leider ist das vielen zu anstrengend :(

Zünder
16.07.2013, 18:30
Allerdings ist das unfaßbar, aber mit Sicherheit bist du selbst schuld! Studium bedeutet selbstverantwortliche Wissensaneignung. :-nix


Ich habe auch keine Ahnung wie sich irgendwelche Klappen anhören oder nicht anhören sollten oder Gott weiß was für Herzgeräusche. Ich denke aber auch, dass sowas erst mit der Erfahrung in gewissen Fachgebieten kommt. Wir hatten eine Woche Kardiologie an meiner Uni, was soll denn dabei rauskommen? Famuliert in der Kardio hab ich nicht, interessiert hat es mich auch nie sonderlich und im PJ hab ich bei der Visite immer brav genickt, obwohl ich nichts gehört habe wenn der Chefarzt wieder einen Kolibri demonstrieren wollte. Der Zug der diagnostischen Medizin ist denke ich bei mir abgefahren.

UweWoellner
16.07.2013, 20:22
Fakt ist, dass es in Deutschland, wie in nahezu jedem anderen Land auf der Erde, einen Mangel an Ärzten gibt

Wieso ist das Fakt? Gibt es dafür Belege? Ob es in Deutschland wirklich einen Ärztemangel gibt ist umstritten. Anscheinend liegt eher ein Verteilungsproblem vor.

Miss_H
16.07.2013, 21:20
im PJ hab ich bei der Visite immer brav genickt, obwohl ich nichts gehört habe wenn der Chefarzt wieder einen Kolibri demonstrieren wollte.

Und wieso? Man ist doch da um zu lernen. Dann kann man auch nachfragen.
Auch wenn es schwer fällt Schwächen zuzugeben. Als Student kann man Vieles (noch) nicht!

GOMER
16.07.2013, 22:18
Allerdings ist das unfaßbar, aber mit Sicherheit bist du selbst schuld! Studium bedeutet selbstverantwortliche Wissensaneignung. :-nix

Vielen Dank für Deinen Einwand, ich stimme Dir allerdings nicht zu. Um bei dem Beispiel mit den Herzgeräuschen zu bleiben: Ich erinnere mich gut an eine Episode in meinem Innere-Tertial. Wie immer machte ich alle Aufnahmen (ohne dass mir anschließend einer zur Verfügung stand um die Ergebnisse meiner Anamnese und körperlichen Untersuchung zu besprechen und auszuwerten, es ging ledigleich darum, dass überhaupt etwas auf diesem Bogen stand). Ich dachte, als ich bei dem Patienten auf's Herz hörte: Hmm, irgendwie nicht wie immer. Ging also zum Stationsarzt: "Ich glaube der Patient hat ein Herzgeräusch, könntest Du da auch gleich mal draufhören?" - "Ne, keine Zeit, meld halt ein Echo an...".
In diesem Stil hat sich ein nicht unerheblicher Teil meines Studiums abgespielt. Wenn es bei Dir anders war, dann bleibt mir Dich zu beglückwünschen.
Unabhängig davon finde ich, dass in einem dermaßen verschulten Studium, wie dem unseren, man durchaus erwarten darf, dass einem mal aktiv was beigebracht wird, ohne, dass ich mir jede Lehreinheit vorher mit 60 Blutentnahmen erkaufen muss. Dass das eines gewissen personellen Aufwands bedarf ist klar, daher mein Ruf nach mehr (qualifiziertem) Personal um die ärztlichen Kräfte zu entlasten.

John Silver
17.07.2013, 21:55
GOMER, entschuldige, wenn ich das so direkt sage, aber Du ist leider reichlich naiv; außerdem ist Deine Argumentation insofern sehr zweifelhaft, als dass es sicherlich nicht sinnvoll ist, dem Ärztemangel mit noch mehr unterqualifizierten Möchtegern-Ärzten zu begegnen.

Glaubst Du ernsthaft, dass Arztassistenten dazu bestimmt sind, uns zu helfen und von einfachen Aufgaben zu entlasten? Ich muss Dich enttäuschen. Du siehst die Lage aus unserem Blickwinkel, und versuchst, den Sinn in diesem Berufsbild zu finden, den Du gerne finden möchtest. Doch Du solltest Dich vielmehr fragen, warum Manager, die sonst jeden Cent zweimal umdrehen und einen bei jeder Kleinigkeit übers Ohr hauen wollen, nur um einige Euro zu sparen, nun plötzlich allzu bereit sein sollen, einer Hilfskraft, die lediglich zu unserer Entlastung eingestellt werden soll, ein Facharztgehalt zu zahlen. Klingt das nicht ein wenig zu schön, um wahr zu sein? Das liegt vermutlich daran, dass es auch nicht wahr ist.

Sehen wir doch mal die Lage aus der Sicht eines Managers, insbesondere eines privaten Klinikums. Angenommen, man hat eine chirurgische Abteilung im Haus, mit sagenwirmal 60 Betten. Für so eine Abteilung sind heutzutage Assistenzarztschlüssel von mindestens 7-8 zu veranschlagen. Dazu kommen die Oberärzte und der Chef. Warum sind es so viele Assistenzärzte? Klar, weil die nicht nur auf den Stationen hocken, sondern rotieren, in den Op gehen, im Dienstfrei oder auf einer Fortbildung sind. Und diese Ärzte wissen sehr wohl, dass sie Mangelware sind, und werden immer frecher, fordern immer mehr Geld und freie Tage für Fortbildungen, immer bessere Weiterbildung (die bekanntlich ordentliche Kosten verursacht), wollen keine kostenlosen Überstunden leisten etc. Hat man eine Alternative zu diesen Nervensägen? Aktuell wohl nicht, aber was ist mit so einem Arztassistenten? Der fordert nichts davon, was ein Arzt will. Der deckt die Station ab, ohne darüber zu meckern. Der steht im OP und hält Haken, ohne selbst operieren zu wollen, und unterstützt den erfahrenen Facharzt; dadurch werden in gleicher Zahl mehr Operationen durchgeführt, und der Erlös somit gesteigert. Und man braucht von diesen Arztassistenten weniger als 7-8, es reichen sicherlich 3-4, plus noch 2-3 niedrigqualifizierte CTAs (chirurgisch-technische Assistenten, sprich billige Hakenhalter), und schon hat man dieselbe Klinik am Laufen, aber mit viel weniger Stress, und geringeren Kosten. Herz, was willst Du mehr?

Lasse Dir von niemandem erzählen, man wolle Dir nur helfen. Keine Sau will Dir helfen. Wenn man Dir so etwas sagt, ist das nur einlullendes Geschwafel. Man will Dich damit hinters Licht führen, damit Du auch noch mitmachst, obwohl man in Wahrheit Dir ins Fleisch schneidet. Wenn Du das merkst, ist es zu spät.

Wenn eine Klinik Arztassistenten einstellt, wird es sicher bedeuten, dass mittelfristig Arztstellen abgebaut werden. Das wird jedoch keineswegs bedeuten, dass der Oberarzt Dir plötzlich mehr OPs assistieren wird, nur weil der Arztassistent die Station schmeißt. Du wirst das machen, wozu der Arztassistent nicht fähig ist, und der Oberarzt keine Lust hat: Sprechstunden, Notaufnahme, Hausdienste (davon immer mehr, weil ja Arztstellen abgebaut werden) etc. Die Klinikleitung wird den Oberärzten leistungsabhängige Boni in die Verträge schreiben, und die Oberärzte werden lieber selbst operieren, um mehr zu schaffen und die Boni zu kassieren.

Um unsere Weiterbildung zu verbessern, müssen wir den Ärztemangel konsequent ausnutzen, um uns das Gehör zu verschaffen, dessen Fehlen Du auch beklagst. Wir müssen uns dafür einsetzen, dass unsere Belange an die Tagesordnung kommen, und nicht die Belange gewinnorientierter, börsennotierter Konzerne und ihrer gierigen Aktionäre. Nur wir selbst können uns helfen; alle anderen helfen nur sich selbst. Dein Traum ist ein schöner, aber dennoch nur ein Traum.

Nurbanu
17.07.2013, 23:17
Lasse Dir von niemandem erzählen, man wolle Dir nur helfen. Keine Sau will Dir helfen. Wenn man Dir so etwas sagt, ist das nur einlullendes Geschwafel. Man will Dich damit hinters Licht führen, damit Du auch noch mitmachst, obwohl man in Wahrheit Dir ins Fleisch schneidet. Wenn Du das merkst, ist es zu spät.

Gut analysiert.

Personalführung ist die Kunst, den Mitarbeiter so über den Tisch zu ziehen, dass er die Reibungshitze als Nestwärme empfindet.

Wehrt euch!

GOMER
18.07.2013, 16:59
John Silver hat meinen Idealismus gleich durchschaut. Ich sehe aber ein nicht unerhebliches Problem darin, dass es einfach nicht genug Leute gibt die den Mangel an ärztlichen Personal ausgleichen können. Auch dann nicht, wenn man auf dem Papier die Stellen schafft, daher glaube ich dass wir langfristig in Deutschland qualifiziertes Hilfspersonal brauchen.
Ob das die, in diesem Thread diskutierten, Arztassistenten sind, weiss ich nicht. Ich weiss auch nicht, was den potentiellen Bewerbern auf diesen Studiengang erzählt wird. Ich kann mir gut vorstellen, dass man damit konkret eben die Pflegekräfte ansprechen will, die sich jeden Tag (aus meiner Erfahrung auch nicht selten mit Unterstützung der Oberärzte) furchtbar über ärztliche Berufsanfänger aufhalten.

Fr.Pelz
18.07.2013, 17:27
Natürlich brauchen wir qualifiziertes Hilfspersonal, aber eben niemanden für die primär ärztlichen Aufgaben wie Anamnese und Untersuchung, sondern für die nicht-ärztlichen wie das Kodieren, Termine organisieren, Befunden hinterhertelefonieren, Akten Führen. Dann haben die Assistenten mehr Zeit sich (auch selbstständig) um ihre Ausbildung zu kümmern. Und es ist insgesamt besser für reibungslose Abläufe, wenn eine Funktionsschwester/Stationssekretärin o.ä sich um so etwas jahrelang und routiniert kümmert, als dass jeder Assi, der auf die Station rotiert von neuem sich Telefonnummern, Terminvergabe etc erarbeiten muss.

Brutus
18.07.2013, 17:37
John Silver hat meinen Idealismus gleich durchschaut. Ich sehe aber ein nicht unerhebliches Problem darin, dass es einfach nicht genug Leute gibt die den Mangel an ärztlichen Personal ausgleichen können. Auch dann nicht, wenn man auf dem Papier die Stellen schafft, daher glaube ich dass wir langfristig in Deutschland qualifiziertes Hilfspersonal brauchen.
Das Problem wird ja nur sein, dass die Arztassistenten, wie sie hier ja schon beschrieben wurden, eben nicht die Arbeiten machen werden, für die WIR sie gerne hätten. Also zum Kodieren, knicken, lochen und abheften oder Termine etc... Sondern wie die ehemalige Lunatum es ja so schön erklärte: wir machen den Bauch zu, halten Haken, machen Diagnostik und son Kram... Und die Assistenten werden noch weniger lernen und die Arbeit wird noch uninteressanter.
Und das nächste Problem wird sein: wer soll denn irgendwann die Arbeit der OÄ machen? Da ja die Assistenten nicht mehr an ihre OPs / Zahlen kommen, werden auch keine FÄ mehr so schnell nachkommen. Und irgendwann hast Du keine gut ausgebildeten Ärzte / Fachärzte / Oberärzte mehr...
Nee, wenn man effektiv die Stationsärzte entlasten will, dann muss man Sekretärinnen einstellen, die den ganzen Schreibkram erledigen, Kodierer, die sowieso viel besser wissern, was man am Besten kodieren kann, damit ein max. Gewinn herauskommt, Arzthelfer, die die Blutentnahmen / Viggos erledigen können, usw. usf...
Aber die Arbeiten, die wirklich wichtig im Rahmen der Weiterbildung, des Patientenverhältnisses sind, die muss man nun wirklich nicht an eine neu heranzuzüchtende Berufsgruppe verteilen!
:-meinung