Notruf bei Reanimation – wann?
Ein Notruf sollte so schnell wie möglich abgegeben werden. Zuvor sind aber die Vitalfunktionen zu sichern. Daher wird unterschieden:
- Phone first: Wenn zwei Helfer vorhanden sind (während der Notrufabgabe kann die Reanimation durch einen Helfer fortgeführt werden) und wenn ein Kollaps beobachtet wird und Verdacht auf eine defibrillierbare Rhythmusstörung besteht, da diese evtl. nur durch Defibrillation behoben werden kann.
- Phone fast: Nach einer Minute Reanimation, wenn lediglich ein Helfer anwesend ist.
Wie erkenne ich ein kritisch krankes Kind? Bei einem pädiatrischen Notfall gilt es möglichst rasch zu klären, ob sich das Kind in einer vitalen Gefährdung befindet, ob eine solche droht oder ob Zeit für weitere diagnostische Schritte bleibt. Danach richtet sich die Entscheidung zur unverzüglichen Einleitung lebenserhaltender Sofortmaßnahmen mit Alarmierung der Rettungskette, zum Beginn einer Akutbehandlung oder zur stationären Einweisung bei zunächst abwartendem Verhalten.
Zur Beurteilung des kindlichen Zustands werden Allgemeinzustand, Atemwege/ Atemtätigkeit und Kreis- lauf/Hautperfusion bewertet (Tab. 1). Zur Dokumentation der entsprechenden Parameter eignet sich das aus der Geburtsmedizin stammende APGAR-Schema.
„Dran denken“
Trotz der erheblichen Fortschritte in der pränatalen Betreuung, im Neugeborenenscreening und in der bereits regional eingeführten Echokardiografie Neugeborener muss bei einer Verschlechterung des Allgemeinzustands noch immer an.
- eine Neugeboreneninfektion (z. B. BStreptokokken),
- eine dekompensierende Stoffwechselerkrankung und
- kritische angeborene Herzfehler (z. B. komplexe Aortenisthmusstenose, hypoplastisches Linksherz, kritische Aortenklappenstenose, Pulmonalatresie, Transposition der großen Gefäße)gedacht werden.
Notfall Atembeschwerden
Atembeschwerden stellen die häufigsten Notfallsituationen bei Kindern dar.
Fremdkörperaspiration
Die Aspiration von Fremdkörpern geschieht i. d. R. akzidentell und tagsüber (DD nachts: Laryngitis). Neben Hustenattacken imponieren ein Stridor und evtl. einseitig abgeschwächte Atemgeräusche. Therapieziel ist die sofortige Entfernung des Fremdkörpers (mithilfe der Magillzange, wenn sichtbar).
Akute Erstickungsgefahr besteht, wenn der Fremdkörper vor dem Kehlkopf oder in der Luftröhre steckt und nicht abgehustet werden kann (10–15% der Fälle). Hier kann folgendes Manöver angewendet werden: Kopftieflage, bis zu fünf Schläge zwischen die Schulterblätter, dann bis zu fünf Brustkompressionen, ggf. wiederholen, ggf. bis zu fünf Bauchkompressionen.
Das Heimlich-Manöver ist bei Säuglingen und Kleinkindern sowie bei inkomplettem Verschluss der Luftwege oder bei extremem Übergewicht kontraindiziert. Es muss in jedem Fall auf Komplikationen (Verletzung von Bauchorganen, Aspiration, Erbrechen) geachtet werden.
Nach erfolgreicher Fremdkörperentfernung kann ein Stridor imponieren, der durch das Schleimhautödem verursacht wird. Dieses kann durch die Gabe von Prednisolon (3–5 mg/kg) und Inhalation mit Adrenalin (2–4 mg in 2 ml NaCl 0,9%) gebessert werden.
Epiglottitis
Hierbei handelt es sich um eine Entzündung (meist HiB) des Kehldeckels, die v. a. zwischen dem 7. LM und dem 7. LJ auftritt. Die Epiglottitis beginnt rasch mit hohem Fieber, Halsschmerzen, Speichelfluss, Schluckbeschwerden, inspirator. Stridor, Orthodyspnoe, sitzender Haltung, schlechtem AZ. Der Patient ist in die Kinderklinik einzuweisen (sitzend, möglichst auf dem Schoß der Bezugsperson). Unterstützend kann mit Adrenalin inhaliert und bei Zyanose O2 vorgehalten werden. Präklinische Manipulationen (Laryngoskopie, Absaugen, i. v. Zugang) sind wegen der Gefahr eines Glottisschlusses zu vermeiden. Seit Einführung der HiB-Impfung ist dieses Krankheitsbild selten geworden. Angesichts immer wieder vorkommender Impfverweigerung ist aber daran zu denken (ggf. nach dem Impfstatus fragen!).
Pseudokrupp
Dieser wird ausgelöst durch virale oder bakterielle Infektionen, allergische Reaktionen sowie durch eine hohe Schadstoffbelastung in der Umwelt, besonders durch Tabakrauch! Im Vergleich zur Epiglottitis ist der Beginn langamer, mit milderem Fieber und ohne Speichelfluss. Im Verlauf werden vier Stadien unterschieden:
- Heiserkeit, bellender Husten, Stridor bei Belastung
- Stridor, evtl. Einziehungen
- Zusätzlich Atemnot mit Unruhe, Blässe, Tachykardie
- Erstickungsgefahr mit Zyanose, Kaltschweiß, Bewusstseinsverlust.
Hinweis: Dieser Artikel stammt aus (
MMW Fortschritte der Medizin, Heft 21, 2021). Er wurde mit freundlicher Genehmigung der Redaktion
MMW Fortschritte der Medizin hier präsentiert.