Das war wie Weihnachten für mich
Krankenpflege in Linz
Nicola Schöppl
Ich bin Oberösterreicherin und habe im Sommer 2006 meine Matura (Abitur) abgelegt. Mein Wunsch, Medizin zu studieren, stand schon lange fest. Nur wo wusste ich noch nicht. Es war seit diesem Sommer nicht mehr so einfach wie in den Vorjahren in Österreich einen Medizinstudienplatz zu bekommen. Also habe ich mich nach Alternativen umgesehen.
EMS-Test in Österreich, Paracelsus-Privatuni in Salzburg und Bewerbung über die ZVS in Deutschland. Für das normale Medizinstudium in Österreich braucht man kein KPP. Ein solches ist also hier eher unbekannt. Die Privatuni in Salzburg verlangt allerdings einen Monat, für das Studium in Deutschland braucht man ja bekanntlich 3 Monate. Also habe ich beschlossen in den Sommerferien nach der Matura einmal ein Monat Krankenpflege-Praktikum an einem Krankenhaus in Linz zu machen. Ich habe mich am Krankenhaus der Elisabethinen in Linz beworben, habe einfach ein Bewerbungsschreiben und einen Lebenslauf an die Pflegedirektion geschickt und innerhalb von ca. 2 Wochen eine Zusage bekommen.
Linz
Ist die Landeshauptstadt des österreichischen Bundeslandes Oberösterreich. Mit 189.343 Einwohnern (Stand: 1. Jänner 2007) ist sie die größte Stadt Oberösterreichs und nach Wien und Graz die drittgrößte Österreichs. Die Stadt ist Zentrum des oberösterreichischen Zentralraums und hat eine Fläche von 96,048 km2. Es ist ungefähr 30 km von meinem Heimatort entfernt, also konnte ich zuhause wohnen und täglich mit dem Bus zum Krankenhaus fahren.
Das Krankenhaus
hat 533 Betten und gehört zum Orden der Elisabethinen (Ordo Sorores Hospitalariae Sanctae Elisabethae T. O. S. Francisci) ist ein katholischer Frauenorden, der in der Krankenpflege tätig ist. Er gehört zur großen Familie der Franziskaner-Tertiaren.
1.Pflegepraktikum – Hilfsdienste und Highlights
Ich musste eine Woche vorher einmal zum Vorstellen kommen. Dort erfuhr ich dann den Dienstplan für die ersten zwei Wochen und wann ich wo am ersten Tag zu sein hatte. Man kann um 2,20€ auch mittags in der Kantine essen. Das habe ich aber nur manchmal in Anspruch genommen, da es auf der Station meist täglich Kuchen gab. Am ersten Tag musste ich um 7 Uhr früh beginnen, etwas früher war ich dort und erhielt meine Dienstkleidung. In österreichischen Krankenhäusern ist die Dienstkleidung streng hierarchisch, man erkennt sofort an den färbigen Säumen der Kittel, wer nur einfacher Stationshelfer, Pflegehelfer, gelernter Krankenpfleger oder Diplomkrankenschwester oder Schwesternschülerin ist. Ich bekam ein nettes blaues Kleidchen einer Stationshelferin. Meine Station war die Chirurgie. Es gab eine sehr freundliche Stationsschwester und auch sonst war das Arbeitsklima sehr gut. Allerdings muss ich gestehen, hatte ich mit den Patienten nicht sehr viel zu tun. Dadurch dass in Österreich das Pflegepraktikum unbekannt ist, und ich noch nicht einmal Medizinstudentin war, durfte ich Betten machen, Kästen auffüllen, Nachtkästchen putzen, Leibschüsseln waschen, aber auch Essen servieren. Es waren wirklich nur einfache Hilfstätigkeiten einer Stationsgehilfin. Manchmal war ich auch zum Patiententransport zu Untersuchungen eingeteilt. Meine Arbeitszeiten waren unterschiedlich, es gab 6, 8 oder 10stündige Dienste. Auch an zwei Wochenenden war ich eingeteilt.
Obwohl meine Tätigkeiten nicht wirklich anspruchsvoll waren, habe ich mich auf der Station sehr wohl gefühlt, es war nicht sehr stressig, außer es waren viele Entlassungen und daher viele Betten neu zu machen. Trotzdem gab es eigentlich täglich Zeit für Kaffee und Kuchen zwischendurch und für nette Gespräche. Highlights waren aber zwei Tage. Man wusste ja, dass ich Medizin studieren wollte und die Stationsschwester ermöglichte es mir, einmal einige Stunden in der Chirurgischen Ambulanz zu verbringen und dort dem Arzt zuzusehen. Und einmal durfte ich einen Tag im OP verbringen. Das war wie Weihnachten für mich. Es war auch eine Schwesternschülerin zum Zusehen da. Wir waren anfangs bei der Ärztebesprechung schon dabei und dann wurden wir von einem OP-Saal in den anderen geschickt. Sobald es wo interessant wurde, hieß es, wo sind die beiden Mädchen, sie sollen kommen. Auf diese Weise sah ich, wie ein Herzschrittmacher eingesetzt wurde, eine Mandeloperation, eine Gallensteinentfernung und eine große Darmoperation, bei der ein Tumor gesucht und entfernt wurde. Und wir waren nicht irgendwo am Rande des Geschehens, sondern durften direkt am Tisch stehen und die Ärzte bemühten sich, uns alles zu erklären. Dieser Tag entschädigte mich für viele eintönige Arbeiten auf der Station. Obwohl ich eher als Stationsputzfrau gearbeitet habe, habe ich doch die eigentlichen Schwestern bei ihren Tätigkeiten beobachten können und hatte immer wieder mal die Gelegenheit auch mit Patienten zu reden und dieser Monat hat mich darin bestärkt, Medizin studieren zu wollen. Außerdem – last but not least – in meiner letzten Woche erfuhr ich, dass ich sogar 650€ verdiene.
Im Laufe des Sommers und Herbsts erfuhr ich, dass ich sowohl in Innsbruck als auch in Regensburg einen Studienplatz bekommen habe. Ich entschied mich dann für Regensburg und damit wurden weitere Pflegepraktika nötig. Also beschloss ich, mich für die Semesterferien (März 2007) wieder im Krankenhaus der Elisabethinen zu bewerben.