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Krankenpflegepraktikum im Westpfalz-Klinikum

Kaiserslautern: Ein Glücksfall

Anna Wings

 

Gleich nach dem Abi bewarb ich mich für mein erstes Krankenpflegepraktikum. Ich hatte mir in den Kopf gesetzt, Medizin zu studieren: Diverse „Schnupperpraktika“ während der Schulzeit, die ich auf verschiedenen Stationen des lokalen Krankenhauses gemacht hatte, bestätigten mich in meiner Berufswahl. Leider wurden mir diese Praktika nicht anerkannt, weil sie entweder nicht die erforderliche Tagesanzahl erfüllten oder schon zu lange her waren. Für mein erstes richtiges Pflegepraktikum fiel meine Wahl auf die Station für Unfall- und Wiederherstellungschirurgie des Westpfalz-Klinikums in Kaiserslautern. Und es sollte sich als wahrer Glücksfall herausstellen!

Früher Start

Der Tag auf der Chirurgie beginnt für die Schwestern und Pfleger um sechs Uhr mit der Frühbesprechung. Bei einer Tasse Kaffee erhält man alle neuen Informationen über die Patienten auf der Station und bekommt Aufgaben zugeteilt, die während des Arbeitstages erledigt werden müssen. Gegen sieben ist meist alles besprochen, der Nachtdienst geht nach Hause und der Frühdienst beginnt die Morgenrunde. Die Stationswagen werden mit frischer Bettwäsche, Waschutensilien und Wasserflaschen beladen. Medikamente und Untersuchungsmaterialien, sowie der Wagen mit den Patientenkurven werden bereitgestellt. Wenn alles vorbereitet ist, geht es in Gruppen von zwei oder drei Mitarbeitern durch die Zimmer. Die Patienten werden geweckt, es werden Blutdruck, Temperatur und Puls gemessen und in den Kurven dokumentiert. Anschließend heißt es Waschen und Anziehen, auf der unfallchirurgischen Station benötigen viele Patienten die Hilfe des Pflegepersonals. Danach werden die Betten gemacht und die Zimmer aufgeräumt. Die Patienten erhalten ihre Medikamente, frisches Wasser und alles, was sie sonst noch benötigen, bevor das Frühstück gebracht wird. Patienten, die operiert werden, bleiben nüchtern und müssen für den Eingriff vorbereitet werden. Im Laufe des Morgens werden viele Patienten in den OP oder zu Untersuchungen abgerufen, müssen dorthin gebracht und wieder abgeholt werden. Zwischendurch beantwortet man laufend die Klingel, hilft den Patienten beim Aufstehen und beim Gang zur Toilette oder bringt ihnen etwas. Wenn gerade nicht so viel los ist, werden die Zimmer der entlassenen Patienten aufgeräumt und ausgewaschen. Diese Arbeit ist gerecht zwischen allen Mitarbeitern aufgeteilt; man muss nicht – wie in anderen Häusern – als Praktikant den ganzen Morgen alle anfallenden Nachtschränkchen auswaschen, ohne am Ende einen Patienten gesehen zu haben.

Tolles Betriebsklima belohnt

Die Arbeitsatmosphäre auf dieser Station ist mehr als angenehm: Als Praktikant wird man als vollwertiges Mitglied des Stationsteams angesehen. Folglich hat man die gleichen Pflichten und die gleichen, nicht so begehrten Arbeiten zu erledigen, darf dafür aber genauso die interessanten Dinge erledigen und bekommt viel gezeigt und erklärt. Der zukünftige Medizinstudent erfährt, welch anspruchsvolle, anstrengende und unersetzbar wichtige Arbeit das Pflegepersonal verrichtet. Hoffentlich wird sich uns dies für immer einprägen, sodass wir später als Ärzte produktiv mit dem Pflegepersonal zusammenarbeiten und auf ihren Rat hören, schließlich verbringen sie die meiste Zeit mit dem Patienten. Wer sich Mühe gibt auf der Station mitzuhelfen, wird jeden Tag durch ein wirklich tolles Betriebsklima belohnt, und kann manchmal sogar bei der Visite oder interessanten Prozeduren zusehen, die die Ärzte auf Station durchführen. Ich hatte zudem das ein oder andere Mal das Glück, auch mal im OP zusehen zu dürfen, was für Pflegepraktikanten ja eigentlich nicht vorgesehen ist. Ich habe mich sehr darüber gefreut und war richtig traurig, als meine sechs Wochen Pflegepraktikum vorbei waren – es war eine tolle Zeit!