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Pflegepraktikum – ganz anders und besser

Krankenpflege in Linz

Nicola Schöppl

Obwohl meine Tätigkeiten nicht wirklich anspruchsvoll waren, habe ich mich auf der Station sehr wohl gefühlt, es war nicht sehr stressig, außer es waren viele Entlassungen und daher viele Betten neu zu machen. Trotzdem gab es eigentlich täglich Zeit für Kaffee und Kuchen zwischendurch und für nette Gespräche.
Highlights waren aber zwei Tage. Man wusste ja, dass ich Medizin studieren wollte und die Stationsschwester ermöglichte es mir, einmal einige Stunden in der Chirurgischen Ambulanz zu verbringen und dort dem Arzt zuzusehen. Und einmal durfte ich einen Tag im OP verbringen. Das war wie Weihnachten für mich. Es war auch eine Schwesternschülerin zum Zusehen da. Wir waren anfangs bei der Ärztebesprechung schon dabei und dann wurden wir von einem OP-Saal in den anderen geschickt. Sobald es wo interessant wurde, hieß es, wo sind die beiden Mädchen, sie sollen kommen. Auf diese Weise sah ich, wie ein Herzschrittmacher eingesetzt wurde, eine Mandeloperation, eine Gallensteinentfernung und eine große Darmoperation, bei der ein Tumor gesucht und entfernt wurde. Und wir waren nicht irgendwo am Rande des Geschehens, sondern durften direkt am Tisch stehen und die Ärzte bemühten sich, uns alles zu erklären. Dieser Tag entschädigte mich für viele eintönige Arbeiten auf der Station.
Obwohl ich eher als Stationsputzfrau gearbeitet habe, habe ich doch die eigentlichen Schwestern bei ihren Tätigkeiten beobachten können und hatte immer wieder mal die Gelegenheit auch mit Patienten zu reden und dieses Monat hat mich darin bestärkt, Medizin studieren zu wollen. Außerdem – last but not least – in meiner letzten Woche erfuhr ich, dass ich sogar 650€ verdiene.
Im Laufe des Sommers und Herbsts erfuhr ich, dass ich sowohl in Innsbruck als auch in Regensburg einen Studienplatz bekommen habe. Ich entschied mich dann für Regensburg und damit wurden weitere Pflegepraktika nötig. Also beschloss ich, mich für die Semesterferien (März 2007) wieder im Krankenhaus der Elisabethinen zu bewerben.

2. Pflegepraktikum – ganz anders und besser!

Auf meine telefonische Anfrage erfuhr ich, dass ich gerne wieder kommen könnte, aber trotzdem wieder alle schriftlichen Bewerbungsunterlagen brauchen würde –Bürokratie eben.
Diesmal jedoch studierte ich ja schon Medizin, also verlief mein zweites Pflegepraktikum ganz anders. Ich kam auf eine Interdisziplinäre Station, auf der sowohl Betten der Dermatologie, Gastroenterologie und Pneumologie untergebracht waren. Natürlich durfte ich wieder nur mein Stationshelferinnen-Kleidchen anziehen, da ich ja in der offiziellen Krankenhaus-Hierarchie immer noch ein Niemand war, aber ich wurde diesmal wie eine Schwesternschülerin betrachtet – und leider auch bezahlt und erhielt für dieses KPP nur noch 170€. Das heißt aber auch, ich war echt zum Lernen da. Ich durfte auf die Glocke gehen, Blutdruck- und Blutzucker messen, Infusionen abhängen, Patienten waschen, Verbinden lernen etc… durfte sogar vereinzelt Neuzugänge auf der Station selbständig aufnehmen, natürlich unter Aufsicht.
Da es eine sehr kleine Station war, die personalmäßig gut besetzt war, war es auch hier nicht stressig, wir hatten ein tolles Arbeitsklima, eine extrem nette Stationsschwester und auch tolle Ärzte, mit denen ich mich einige Male unterhalten konnte. Die meisten fanden es interessant und lustig gleichzeitig, dass ich als Österreicherin in Deutschland studiere, wenn doch so viele Deutsche an unsere Medizinunis drängen. Wenn ich mal sonst nichts zu tun hatte und den Stationshelferinnen bei ihrer Arbeit half, die ich ja im Sommer vorher perfekt gelernt hatte, hat man sich sogar extra bei mir bedankt, das wäre ja nicht nötig.
Auch dieses Mal konnte ich wieder einmal im OP und in der Ambulanz zusehen, habe dem Arzt dort sogar etwas assistieren dürfen und wurde von ihm auch gleich getestet, was ich vom Anatomie-Kurs noch wusste. Mit Frau Kollegin angesprochen zu werden, hat mich gleich um 5cm wachsen lassen!
Es war ein wirklich tolles und gelungenes Krankenpflegepraktikum. Am Ende kamen mir sogar die Tränen beim Abschied, die ganze Stationsbelegschaft hatte sich versammelt und mir einen Blumenstrauß geschenkt! Sie haben mir gesagt, dass sie sich gefreut haben, dass ich da war und dass ich sehr geschickt gewesen sei. Das hört man doch wirklich gern. Sogar eine der Ordensschwestern aus der Pflegedirektion kam extra hoch, um sich von mir zu verabschieden. Man merkt, glaube ich, wirklich, dass in einem Ordensspital das Arbeitsklima etwas anders ist, als in einem öffentlichen Haus. Es geht zumindest bei den Elisabethinen sehr herzlich und menschlich zu. Davon profitieren auch die Patienten. Einmal hatte eine Dame auf unserer Station Geburtstag, also ist die ganze Belegschaft in ihr Zimmer, um ihr Happy Birthday vorzusingen. Oder zu Ostern, da erhielt jeder Patient und jeder Angestellte (aus dem ganzen Krankenhaus!) ein Osterlamm aus Biskuit. Das sind Kleinigkeiten, aber sie tragen natürlich zum Klima eines Krankenhauses enorm viel bei. Es ist auch nie so stressig auf den Stationen, dass man nicht mit den Patienten etwas plaudern oder mit ihnen am Gang spazieren gehen kann.
Alles in allem finde ich, dass das Krankenpflegepraktikum wirklich eine tolle Sache ist. Man lernt den Krankenhausalltag auch von der Seite des Stationspersonals und der Pflege kennen. Ich glaube, dass es für jeden künftigen Arzt eine gute Erfahrung ist, auch diese Arbeiten kennen und schätzen zu lernen. Ich bin froh, dass diese Art Praktika in Deutschland zum Medizinstudium dazugehören und ich sie machen durfte. Meinen 3. Monat werde ich in den USA machen, um mein Englisch wieder aufzupolieren.

Aber ich bin sicher, dass ich zu einer Famulatur wieder ins Krankenhaus der Elisabethinen nach Linz zurückkehren werde.
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