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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : "Macht" der einzelnen Facharztgruppen in der KV



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Evil
08.08.2020, 06:47
Zu a) Mag sein, dass es in einigen Ruhrgebietsstädten ein leichtes Bevölkerungswachstum gegeben hat, da das aber eher durch Flüchtlinge oder einkommensschwache Bevölkerungsgruppen erfolgt, löst das nicht das Problem der fallenden Einkünfte in der GKV, sondern verschärft es eher.
Und sie Querfinanzierung ist eben kein Pseudoargument. Wenn der Staat über die Beihilfe Rücklagen für die Beamten bildet, ist deren Finanzierung auch in Zukunft bereits gesichert, im Gegensatz zu den GKV-Versicherten.
Und natürlich geht es nur uns Geld, darüber reden wir doch schon die ganze Zeit :-D
Es gibt genug gierige Politiker, die für kurzfristige Ziele die PKV- und Beihilfeeinlagen plündern wollen, da ist die Gerechtigkeitsdiskussion vorgeschoben.
Daher nochmal die Frage: werden GKV-Versicherte tatsächlich so viel ungerechter behandelt? Abseits von Klischees...

Zu b) ah ok, Deine Aussage basiert auf einer eigenen Beobachtung mit n=3. Die Evidenz überzeugt mich.

daCapo
08.08.2020, 08:14
a) Nee da verstehst du wieder etwas falsch. Es geht hier nicht um Ruhrgebietsstädte. Die Bevölkerung ist gewachsen. Dieses Szenario mit schrumpfender Bevölkerung wird schon seit den 80er Jahren angeleiert. Faktisch ist die Bevölkerung gewachsen und nicht nur durch Leute, die garnicht arbeiten. Im Gegenteil machen sie die Jovs, die keiner will. Die PKV Mitglieder (also Begüterte und Beamte) haben den Vorteil niedrigerer Beiträge. Den Mitgliedern geht es nur ums Geld, dies war gemeint. Eine Person mit Behinderung oder chronischer Erkrankung wird erstmal in der PKV abgelehnt, in der GKV muss sie genommen werden. Das ist unfair. Eine reiche, priviligierte Schicht entzieht sich somit der eigentlichen Solidargemeinschaft, wo auch "teure" Patienten drin sind mit chronischen Erkrankung und schafft ein Scheinabbild der Gesellschaft mit Einkommen >60.750€ und Beamtenstatus. Daher auf die Frage: Werden GKV Pat. ungerecht behandelt ein klares JA, vor allem wegen der unterschiedlich hohen Beiträge und der Tatsache, dass die GKV jeden nehmen muss und die PKV unliebsame Patienten nicht aufnimmt (nur so geht das nämlich mit den niedrigeren Beiträgen). Die GKV hat ebenso Rücklagen, wie bereits mehrfach erwähnt. Auf der anderen Seite könnte die GKV deutlich mehr prüfen, ob Behandlungen in dieser Form notwendig sind: Als Extrembeispiel dient hier die Homöpathie. Es wäre allerdings wünschenswert, wenn die GKV einschreitet, bevor Resourcen genutzt werden.
Eine "Quersubventionierung" bleibt eine Pseudoargument. Wenn es sie die PKV nicht gäbe, gäbe es ja noch mehr Resourcen in der GKV. Diese werden der GKV entzogen, weil die Reichen noch reicher werden wollen und Beamte einen nicht nachvollziehbaren Sonderstatus haben. Oder gibt es einen Grund, warum sie in die PKV müssen ohne die Bemessensgrenze zu erreichen? Außer das übliche: Das war schon immer so und muss für immer so bleiben.

b) Ich bin an dieser Uniklinik nur 1 Jahr und werde auch nicht so lange bleiben mehr hoffentlich, und dann schon N=3. Kann man ja hochrechnen. Für die 3 Patienten ist das nicht toll. Sehe da eher den individuellen Schaden. Soviel Geld vorhanden im System und dann so ein Niveau.

Evil
08.08.2020, 11:03
Die Gerechtigkeitsdebatte hinkt an mehrern Stellen. Denn erstens wird den GKV-Versicherten ja nichts vorenthalten, sie stünden also bei der Einheitsversicherung auch nicht besser da. Zweitens sind die Rücklagen ein Witz, weil die allenfalls für wenige Monate reichen, die der PKV geplantermaßen auf Jahre.
Wenn Du Dir die aktuellen Beiträge der PKV mal anschaust, so zahlen lediglich junge, männliche, gesunde Selbstständige geringere Beiträge als in der GKV, alle anderen deutlich mehr, das ist also auch unzutreffend.
Und genau diese Gruppe zahlt dafür höhere Sozialabgaben für Ihre Mitarbeiter, die wiederum in die GKV fliessen. Dass die sich der Solidargemeinschaft entziehen, ist somit ein unfairer und falscher, gleichwohl beliebter Vorwurf des linken Spektrums.
Aber klar, solche Anwürfe passen ja gut, wenn man das Vermögen anderer anzapfen möchte.

Thomas24
08.08.2020, 15:07
Die Gerechtigkeitsdebatte hinkt an mehrern Stellen. Denn erstens wird den GKV-Versicherten ja nichts vorenthalten, sie stünden also bei der Einheitsversicherung auch nicht besser da. Zweitens sind die Rücklagen ein Witz, weil die allenfalls für wenige Monate reichen, die der PKV geplantermaßen auf Jahre.
Wenn Du Dir die aktuellen Beiträge der PKV mal anschaust, so zahlen lediglich junge, männliche, gesunde Selbstständige geringere Beiträge als in der GKV, alle anderen deutlich mehr, das ist also auch unzutreffend.
Und genau diese Gruppe zahlt dafür höhere Sozialabgaben für Ihre Mitarbeiter, die wiederum in die GKV fliessen. Dass die sich der Solidargemeinschaft entziehen, ist somit ein unfairer und falscher, gleichwohl beliebter Vorwurf des linken Spektrums.
Aber klar, solche Anwürfe passen ja gut, wenn man das Vermögen anderer anzapfen möchte.

Absolutely. 100 % agreed.

Im Grund genommen kann man sich die ganze vorgeschobene Diskussion um vermeintliche Bevorzugung und Privilegien sparen (und die impliziten oder manchmal sogar expliziten Vorwürfe: die Etablierten wollen sich nur ihre Pfründe sichern gleich mit)- in einem auf Umlage basierten System muss das Verhältnis von Einzahlern zu Leistungsbeziehern stabil bleiben. Gerät das Gleichgewicht aus dem Takt, muss zwingend etwas geändert werden- weniger Auszahlungen oder mehr Einzahlungen.

Wenn jede Frau im gebährfähigen Alter -theoretisch- 2,1 Kinder bekommen müsste, allein damit die nachwachsende Generation zahlenmässig die vorangegangende Generation zu ersetzen kann, aber seit Jahrzehnten nur 1,6 Kinder geboren werden... nun ja. Dann muss man eben woanders Geldquellen anzapfen.

Theoretisch könnte man die Deckungslücke ja auch über Immigration lösen- aber das würde voraussetzen, dass a) der durchschnittliche Einwanderer *mindestens* so viel Steuern und Sozialabgaben bezahlt, wie die bereits vorhandene Durchschnittsbevölkerung, was bedeutet: dass Immigraten im Durchschnitt ein genauso hohes Einkommensniveau erreichen müssen, wie die vorhandene Bevölkerung (ist das realistisch?) und b) auch die Immigranten werden später mal Leistungen aus dem System beziehen, in das Sie eingezahlt haben. Sollten sich die Geburtsraten der Neubürger der bisherigen Bevölkerung angeglichen haben (also auch abgefallen sein), dann muss man die Lücke -wieder- irgendwie ausgleichen.

Was bliebe noch? Evtl. könnte auch eine schrumpfende Einzahlerbasis das Leistungsniveau aufrecht erhalten- aber dazu müssten wir durch die Bank nennenswerte Produktivitätszuwächse in allen Bereichen der Volkswirtschaft haben. Haben wir aber nicht.
Ein rein umlagefinanziertes System ist nicht nachhaltig, wenn die Beitragszahler nie geboren wurden.

Das war Adenauer z.B. damals bei der Umstellung des Rentenversicherungssystems auch bekannt - seine Antwort? Kinder bekommen die Leute immer...

tarumo
08.08.2020, 15:47
Das war Adenauer z.B. damals bei der Umstellung des Rentenversicherungssystems auch bekannt - seine Antwort? Kinder bekommen die Leute immer...

Es ging sogar soweit, daß das Umlageverfahren gegen die Stimmen des damaligen Koalitionspartners FDP und mithilfe der SPD (eigentlich Opposition) beschlossen wurde.
https://www.welt.de/geschichte/article118214346/Der-grosse-Irrtum-unserer-Rentenversicherung.html

Wie der Artikel gut herausarbeitet, wird das Umlageverfahren (was auch wieder ein weltweit einzigartigen Sonderweg darstellt) auch in Regierungskreisen als gescheitert angesehen. Nur mit dem öffentlichen Zugeben hakt es dann wieder. Ja, der Artikel geht über die Rentenversicheurng, aber die GKV folgt den selben Prämissen (außer, daß es zusätzlich in der GKV derzeit ca. 150 parallel zuständige Körperschaften gibt).

Fun fact:
Betrachten wir die AOK: neben 20 Millionen Einzahlern schleppt man fast 6 Millionen Nichtzahler "beitragsfrei Mitversicherte" mit. Die durchschnittlichen Ausgaben pro Versichertem (also Arzt plus Heil/Hilfsmittel) betrugen 2019 schlappe 550 EUR (davon konnte man auch noch im Schnitt 18x zum Arzt, aber das ist ein anderes Thema).Also ungefähr 2 Monatsbeiträge. Dann hat man noch ca 2 durchschnittliche Monatsbeiträge Rücklagen, und der Rest (8 Monatsbeiträge) verschwindet in einem riesigen schwarzen Loch.
Wie lange geht sowas gut?
https://www.aok-bv.de/imperia/md/aokbv/aok/zahlen/zuf_2019_web.pdf
Es sind laut AOK auch nur 17% der Beiträge, die überhaupt für ärztliche Behandlung aufgewendet werden...

(was "die Ärzte" "verdient" haben, will die AOK aber ganz genau wissen, fragt sich bloß woher...die wenigsten Ärzte dürften jemals von der AOK Geld bekommen haben...aber Neid schüren geht in ´schland ja immer...). So eine Info hat auch nichts dort verloren...die Gehälter , die bei den AOKen gezahlt werden, unterschlägt man dagegen lieber...
Zu den trotz steigenden Mitgliederzahlen sinkenden Einnahmen (man hat u.a. 3 Mio Migranten in die GKV geschoben) und der immer weiter klaffenden Spreizung zwischen Einzahlern und Nichtzahlern hatte ich früher schon mal eine Tabelle verlinkt.
Eigentlich erstaunlich, daß in einem Medizinerforum selbst so simple Tatsachen entweder unbekannt sind, ignoriert oder gar geleugnet werden.

daCapo
08.08.2020, 18:09
Die Gerechtigkeitsdebatte hinkt an mehrern Stellen.

Natürlich, die GKV Mitglieder würden einen geringeren Beitrag zahlen. Die PKV funktioniert doch so gut, weil da viele Leute sind, die jung , männlich, keine Krankheiten haben, und gut darein zahlen. Die finanzieren das System. Alle Leute, die ich kenne, zahlen weniger in der PKV und sind vor allem deshalb dort Mitglied geworden. Ab 3 Kindern geht es dann zurück, weil teurer.


Aber klar, solche Anwürfe passen ja gut, wenn man das Vermögen anderer anzapfen möchte.
Das habe ich ja schon bereits am Anfang geschrieben. Die Leute wollen ihren fetten Pfründe behalten. Die Strukturen sind verkrustet. Veränderungen nicht gewünscht. Die PKV Mitglieder wollen doch ihre Vorteile behalten. Die Privatliquidation ist ne tolle Sache, sehr rentabel für CA und Praxisinhaber. In Schweden oder NL gibbet sowas tolles net. Leute mit teuren chronischen Krankheiten....das ist für die AOK...Nein Danke.

FirebirdUSA
08.08.2020, 19:24
Es geht aus der PKV nicht so einfach zurück...

daCapo
08.08.2020, 19:44
Es geht aus der PKV nicht so einfach zurück...

Eine Kollegin von mir, jetzt halbtags wegen Kinder, verdient weniger...musste in die GKV wechseln, sehr zum Ärger ihres Bankkontos.
Was ich komisch finde, eine andere Kollegin von mir ist ohne Dienst ganz knapp unter der Grenze (da sie Dienste macht), darf nicht in die PKV (Barmenia).

https://www.finanztip.de/pkv/pkv-rueckkehr-gkv/

Evil
08.08.2020, 19:52
Natürlich, die GKV Mitglieder würden einen geringeren Beitrag zahlen. Die PKV funktioniert doch so gut, weil da viele Leute sind, die jung , männlich, keine Krankheiten haben, und gut darein zahlen. Die finanzieren das System. Alle Leute, die ich kenne, zahlen weniger in der PKV und sind vor allem deshalb dort Mitglied geworden. Ab 3 Kindern geht es dann zurück, weil teurer.
Und genau hier schreibst Du Dinge, die einfach nicht stimmen, das sind nämlich nur sehr wenige. Der durchschnittliche Privatpatient in meine Praxis ist entweder pensionierter Beamter beiderlei Geschlechts oder männlicher, berenteter Selbstständiger.so besonders viel junge Leute gehen schon länger nicht mehr in die PKV, eben weil es nicht wirklich günstiger ist. Tatsächlich rate ich vielen auch davon ab.
Das GKV-System ist einfach nicht nachhaltig gesichert, aber das scheinst Du nicht verstanden zu haben... oder nicht verstehen zu wollen.
Und nein, ich kenne eine Menge junger Familien mit 1 oder 2 Kindern, die freiwillig GKV-versichert sind.


habe ich ja schon bereits am Anfang geschrieben. Die Leute wollen ihren fetten Pfründe behalten. Die Strukturen sind verkrustet. Veränderungen nicht gewünscht. Die PKV Mitglieder wollen doch ihre Vorteile behalten. Die Privatliquidation ist ne tolle Sache, sehr rentabel. In Schweden oder NL gibbet sowas tolles net. Leute mit teuren chronischen Krankheiten....das ist für die AOK...Nein Danke.
Stupides Wiederholen macht es nicht zutreffender. Wie Goethe schon sagte:

Getretener Quark wird breit, nicht stark

GelbeKlamotten
08.08.2020, 19:58
Eine Kollegin von mir, jetzt halbtags wegen Kinder, verdient weniger...musste in die GKV wechseln, sehr zum Ärger ihres Bankkontos.
Was ich komisch finde, eine andere Kollegin von mir ist ohne Dienst ganz knapp unter der Grenze (da sie Dienste macht), darf nicht in die PKV (Barmenia).

https://www.finanztip.de/pkv/pkv-rueckkehr-gkv/

Ob sie in die PKV darf entscheidet nicht die PKV. es liegt allein daran, ob der Arbeitgeber ihr bescheinigt, dass sie über der Jahresarbeitsentgeltgrenze verdient. Wenn sie mit Diensten über diese grenze kommt und absehbar ist, dass die Dienste regelmäßig in ähnlichem Umfang geleistet werden müssen, dann muss der Arbeitgeber ihr das bescheinigen. Habe das ausführlich selbst durchexerziert, nähere Infos gerne per PN.

freak1
08.08.2020, 20:06
Ob sie in die PKV darf entscheidet nicht die PKV. es liegt allein daran, ob der Arbeitgeber ihr bescheinigt, dass sie über der Jahresarbeitsentgeltgrenze verdient. Wenn sie mit Diensten über diese grenze kommt und absehbar ist, dass die Dienste regelmäßig in ähnlichem Umfang geleistet werden müssen, dann muss der Arbeitgeber ihr das bescheinigen. Habe das ausführlich selbst durchexerziert, nähere Infos gerne per PN.

Ich klage aktuell gegen das zuständige Landesbesoldungsamt weil man dort anderer Auffassung ist was Dienste angeht. Beim Grundgehalt fehlen ca. 20€/Monat. ;-)

tarumo
08.08.2020, 20:18
Natürlich, die GKV Mitglieder würden einen geringeren Beitrag zahlen. Die PKV funktioniert doch so gut, weil da viele Leute sind, die jung , männlich, keine Krankheiten haben, und gut darein zahlen. Die finanzieren das System. Alle Leute, die ich kenne, zahlen weniger in der PKV und sind vor allem deshalb dort Mitglied geworden. Ab 3 Kindern geht es dann zurück, weil teurer.


Warum sind die PKV-Vollversicherten (gemeint ist NICHT Beihilfe!) in Deutschland eher männlich, gesund und gutverdienend? Genau, weil der Staat eingreift zugunsten der GKV. Zum einen versucht man möglichst viele Leute via Versicherungspflichtgrenze in die GKV zu zwingen und zusätzlich erlaubt man der Konkurrenz das Rosinenpicken via Verzicht auf Kontrahierungszwang. Resultat ist also zwangsläufig ein gesunder Gutverdiener, der überhaupt einen Vertrag abschließen darf. Das wird immer wieder "vergessen".

Was spricht denn gegen ein Modell wie in der Schweiz, wo JEDEM ein privater Krankenversicherungsvertrag durch die allgemeine Versicherungsbranche angeboten werden MUSS? Meinetwegen auch ab Geburt, dann spielen nämlich Vorerkrankungen und zukünftiges Einkommen keine Rolle. Nachteil: Es würden schlagartig ca. 400.000 Verwaltungsfunktionäre der GKV, KV und Co freigesetzt. MdB Elke Ferner (SPD) hatte sich mal in einer Bundestagsrede solcherart geäußert, daß man dies nicht zulassen könne.

Kinder ist auch ein gutes Stichwort: ist es gerecht, wenn die einen beliebig viele Kinder (oder Großeltern auf dem Balkan oder in Anatolien) "mitversichern" können und die anderen für jedes Kind Prämie zahlen müssen? Wie gerecht ist eine Autoversicherung, wo ich beliebig viele Autos auf eine Police schreiben kann und obendrein keinerlei Selbstbehalt habe? Und wie lange würde so eine Versicherung wohl existieren können?
Das lobenswerte Ziel, mehr Kinder zu bekommen, sollte doch erreicht werden, indem ALLEN Kindern die Versicherungsprämie subventioniert wird.
Bitte auch bei allen Diskussionen nicht vergessen, daß die GKV von Bismarck für die 10% der Bevölkerung geschaffen wurden, die extrem arm waren, schlimmstenfalls Analphabeten und keinesfalls mit Geld umgehen konnten (daher das Rechtskonstrukt als Sachleistung mit dem Patienten als Mündel und Transferleistungsempfänger), Frau daheim und ganzganzviele Kinder. Daß man es geschafft hat, dieses Prinzip 90% der Bevölkerung überzustülpen (aus reinem Macht- und Lobbyinteresse) sorgt erst für die Probleme. Solange sich der Durchschnittsdeutsche 1,1 Autos hält und diese nicht nur anschaffen, sondern auch pflichtversichern und unterhalten kann, spricht überhaupt nichts dagegen, das Versicherungssystem wie in der Schweiz zu organisieren, nämlich kapitalbasiert mit Kontrahierungszwang und einer gewissen Mitverantwortung bezüglich Vertragsumfang und Leistungen.

Was die Diskussion um die GKV-Mitgliedschaft von Beamten in Hamburg angeht: bitte berücksichtigen, daß die zuständige Sozialsenatorin Frau P-S. vorher hochrangige AOK-Funktionärin war und letztendlich als deren U-Boot in der Stadtregierung agiert. Desweiteren ist das Modell in HH nicht sehr populär und wird im wesentlichen nur von "Problemfällen" genutzt. Auch ist eine flächendeckende Mitgliedschaft von Beamten in der GKV wesentlich teurer für den Staat (bitte einfach recherchieren), sonst würde es das schon lange geben. Was in Hamburg und in paar weiteren Ländern eingeführt wird, ist letztendlich die Veruntreuung von Steuergeldern zugunsten einer Klientelpolitik.

GelbeKlamotten
08.08.2020, 20:32
Ich klage aktuell gegen das zuständige Landesbesoldungsamt weil man dort anderer Auffassung ist was Dienste angeht. Beim Grundgehalt fehlen ca. 20€/Monat. ;-)

Ok, hätte ich jetzt nicht gedacht. Es gibt ja bereits einschlägige Gerichtsurteile dazu. Unter anderem hatte mal eine MTA geklagt und recht bekommen.
Mein Arbeitgeber hatte sich auch erst geweigert, habe dann dieses Urteil und weitere Quellen angeführt, dann hat die Klinik nach Rücksprache mit ihren Anwälten kleinbeigegeben, wenn auch ohne Entschuldigung und auf extrem unhöfliche Art und Weise.

Die nächsten bürokratischen Schwierigkeiten werden auf dich zukommen, wenn du deine Anwartschaft (die du wohl haben wirst) nicht zum Jahresbeginn, sondern unterjährig aktivieren möchtest. Sowohl die PKVen als auch die GKVen sind es nämlich gewohnt, dass die Jahresarbeitsentgeltübergrenzung zum 1. Januar festgestellt wird. Geschieht das nicht so, wirst du rückwirkend wechseln müssen. alle bis dahin in der GKV angefallenen Kosten müssen dann rückwirkend auf die PKV umgeschrieben werden, die gkv erstattet beiträge zurück, die pkv bucht fürs ganze bisherige jahr auf einmal ab, etc.

Mich hat das etwa 2 monate arbeit gekostet. Und unzählige Telefonate, bei denen einem jedes mal was anderes erzählt wird, weil keiner weiß wie man mit dieser situation umgeht.

Viel Spaß :)

daCapo
09.08.2020, 08:15
Und genau hier schreibst Du Dinge, die einfach nicht stimmen, das sind nämlich nur sehr wenige. Der durchschnittliche Privatpatient in meine Praxis ist entweder pensionierter Beamter beiderlei Geschlechts oder männlicher, berenteter Selbstständiger.so besonders viel junge Leute gehen schon länger nicht mehr in die PKV, eben weil es nicht wirklich günstiger ist. Tatsächlich rate ich vielen auch davon ab.


Tut mir leid, da verstehst du vieles einfach falsch.

Ja junge Leute werden eher seltener beim HA sein, weil sie arbeiten und nicht krank sind aufgrund ihres Alters. Und junge chronisch Kranke nimmt die PKV ja eh nicht....das ist für die AOK. 2017 war ich beispielsweise 0x beim HA. Ansonsten 1-2x im Jahr und zwar nur für AUs.

" Vor allem junge und gesunde Menschen versichern sich privat

Die privaten Krankenversicherer verbuchten dagegen im Jahr 2010 netto ein Plus von 74.500 Personen. Abschließende Zahlen für das Jahr 2011 lägen uns zwar noch nicht vor, doch schon die Zwischenberichte zeigen, dass der Vorsprung der PKV in der Wanderungsbilanz gegenüber dem Vorjahr sogar noch gewachsen sei. „Von einem Abwanderungstrend kann also überhaupt nicht die Rede sein – das Gegenteil ist richtig.“

https://www.handelsblatt.com/finanzen/vorsorge/versicherung/pkv-gegen-gkv-vor-allem-junge-und-gesunde-menschen-versichern-sich-privat/6080440-3.html?ticket=ST-4118662-t7g2dEWuzuLPtukIK2Hz-ap2

"
4. Jung, männlich und Besserverdiener als Kundschaft der Privaten

Natürlich wechseln vor allem jüngere Erwachsene in eine Privatversicherung. Sei es, weil sie sich selbstständig machen und die Versicherungsart wählen können, oder weil sie als Besserverdiener unter den Angestellten nun ebenfalls wählen dürfen. Vor allem für Menschen unter 40 spart die PKV Geld, weil die Tarife zunächst niedrig ausfallen – oft deutlich geringer als in der Gesetzlichen, die sich am Einkommen des Versicherten orientiert. "

https://www.wiwo.de/finanzen/vorsorge/gaengige-vorurteile-fuenf-mythen-ueber-die-pkv/25296624.html

Das trifft gerade für junge Gutverdiener nicht zu. 735€ (gesamter Betrag) im Monat bzw. 8820€ im Jahr bei der GKV und bei den Privaten je nach Tarif ab 380€ (gesamter Betrag) im Monat / 4560 im Jahr, ohne CA und 1 Bett (ist Blödsinn)....ziemlicher Unterschied oder? Mal eben ca. 4000€ brutto. Ein Großteil meiner Kollegen ohne Kinder ist in der PKV. Bei Leuten mit 1-2 Kindern, können es auch gern noch mehr werden. Warum dann in die PKV gehen und den schweren Weg zurück.
Im Übrigen sind die Rücklagen der PKV unattraktiv. So bindet man sich an eine Versicherung, denn die Rücklagen verfallen, wenn man wechselt....Tolles System. Hoffentlich wird das doch irgendwann mal reformiert.

daCapo
09.08.2020, 08:40
Warum sind die PKV-Vollversicherten (gemeint ist NICHT Beihilfe!) in Deutschland eher männlich, gesund und gutverdienend? Genau, weil der Staat eingreift zugunsten der GKV. Zum einen versucht man möglichst viele Leute via Versicherungspflichtgrenze in die GKV zu zwingen und zusätzlich erlaubt man der Konkurrenz das Rosinenpicken via Verzicht auf Kontrahierungszwang. Resultat ist also zwangsläufig ein gesunder Gutverdiener, der überhaupt einen Vertrag abschließen darf. Das wird immer wieder "vergessen".

Was spricht denn gegen ein Modell wie in der Schweiz, wo JEDEM ein privater Krankenversicherungsvertrag durch die allgemeine Versicherungsbranche angeboten werden MUSS? Meinetwegen auch ab Geburt, dann spielen nämlich Vorerkrankungen und zukünftiges Einkommen keine Rolle. Nachteil: Es würden schlagartig ca. 400.000 Verwaltungsfunktionäre der GKV, KV und Co freigesetzt. MdB Elke Ferner (SPD) hatte sich mal in einer Bundestagsrede solcherart geäußert, daß man dies nicht zulassen könne.

Kinder ist auch ein gutes Stichwort: ist es gerecht, wenn die einen beliebig viele Kinder (oder Großeltern auf dem Balkan oder in Anatolien) "mitversichern" können und die anderen für jedes Kind Prämie zahlen müssen? Wie gerecht ist eine Autoversicherung, wo ich beliebig viele Autos auf eine Police schreiben kann und obendrein keinerlei Selbstbehalt habe? Und wie lange würde so eine Versicherung wohl existieren können?
Das lobenswerte Ziel, mehr Kinder zu bekommen, sollte doch erreicht werden, indem ALLEN Kindern die Versicherungsprämie subventioniert wird.
Bitte auch bei allen Diskussionen nicht vergessen, daß die GKV von Bismarck für die 10% der Bevölkerung geschaffen wurden, die extrem arm waren, schlimmstenfalls Analphabeten und keinesfalls mit Geld umgehen konnten (daher das Rechtskonstrukt als Sachleistung mit dem Patienten als Mündel und Transferleistungsempfänger), Frau daheim und ganzganzviele Kinder. Daß man es geschafft hat, dieses Prinzip 90% der Bevölkerung überzustülpen (aus reinem Macht- und Lobbyinteresse) sorgt erst für die Probleme. Solange sich der Durchschnittsdeutsche 1,1 Autos hält und diese nicht nur anschaffen, sondern auch pflichtversichern und unterhalten kann, spricht überhaupt nichts dagegen, das Versicherungssystem wie in der Schweiz zu organisieren, nämlich kapitalbasiert mit Kontrahierungszwang und einer gewissen Mitverantwortung bezüglich Vertragsumfang und Leistungen.



a) Achso, die arme PKV darf nur die jungen reichen nehmen und die Beamten? Ich kenne jmd. der wegen Asthma in der Kindheit (jetzt nicht mehr) als Besserverdienender dort abgelehnt wurde.

b) Die GKV von Bismarck war für die elenden Massen in den Industrieregionen da. Die dem ganzen Land erheblichen Wohlstand gebracht haben. Sicherlich nicht nur Frauen mit vielen Kindern. Die Schweizer wenden nochmehr Kapital auf für ihre Gesundheit mit meiner Ansicht nach besseren Resultaten. Die meisten Leute wollen jedoch eher weniger zahlen, sozusagen eine Basisversicherung, die alles medizinisch notwendige abdeckt: Wer Sonderwünsche hat, kann ja gerne eine private Zusatzversicherung abschließen.

c) Nee es ist nicht teurer für den Staat, wenn alle Leute in einer Versicherung sind (auch Beamte). Aber diese Diskussion hatten wir schonmal.


Ich klage aktuell gegen das zuständige Landesbesoldungsamt weil man dort anderer Auffassung ist was Dienste angeht. Beim Grundgehalt fehlen ca. 20€/Monat. ;-)

Ahja, das gleiche Problem hat auch meine Kollegin, aber irgendwann wird man auch mit dem Grundgehalt die Grenze überschreiten mit den Jahren. 4000€ sparen im Jahr...und wer weiß, was in 10 Jahren ist.

tarumo
09.08.2020, 08:50
Ich hatte heute mit einem Arzt ein Gespräch über die Stellung der einzelnen Facharztgruppen.
Ich würde gerne wissen, was ihr von folgender Aussage haltet:

„Honorare sind hauptsächlich Ausdruck der Macht der jeweiligen Facharztgruppe in der Kassenärztlichen Vereinigung“, sagt Jörg Weidenhammer, Geschäftsführer des Instituts für Gesundheits-System-Forschung (igsf). „Mit Behandlungsqualität hat das jedenfalls nichts zu tun.“

Die höchsten Honorare bekommen die "geräteintensiven" Fachrichtungen wie z.B. Radiologen. Sind diese Fachrichtungen wirklich "mächtiger" als andere? Die Anzahl der niedergelassenen Radiologen oder Fachinternisten ist doch deutlich geringer als die von Haus- oder Kinderärzten bzw. Gynäkologen.
Operativ tätige Augenärzte haben statistisch einen höheren Gewinn als operativ tätige Urologen. Ob die Kosten bei auch so viel höher sind?

Ich lenke den Thread mal wieder zur Ausgangsfrage. Die grundsätzliche Annahme geht schon mal in die richtige Richtung. Im KV-System erfolgt ja die Vergütung, indem die Kassen einen vorab definierten Betrag an die KV überweisen und diese verteilt das Geld mehr oder weniger undurchsichtig an die Kassenärzte.

Grob vereinfacht: Es gibt zunächst "vornewegsabzugsberechtigte" Fachgruppen, d.h. die dürfen zuerst und auch ohne Budget sich aus dem Topf bedienen. Wenn die sich bedient haben, wird der Rest unter allen anderen verteilt, wobei die einen besser gestellt werden als die anderen , denn "die KV kann nicht alle gleich lieb haben", Zitat ehem. KBV-Chef Andreas Köhler.

Warum das so ist, ist relativ einfach zu erklären. Ein einfaches Motiv, sowas zuzulassen, ist der alte römische Satz "divide et impera", also wenn man dafür sorgt, daß es einigen immer besser geht als anderen, verhindert man einen Aufstand. Zum anderen stehen da wie angedeutet knallharte Lobbyinteressen dahinter. Es ist KEIN Zufall, daß es sich bei den "Vornewegärzten" um die am weitesten industrialisiertesten Fächer handelt, die ganz oft massiv Rückendeckung durch das Großkapital haben (Labormedizin wurde schon genannt). Auch die Verquickung eines Medizinbedarfsherstellers mit Krankenhausketten , die z.T. wiederum in Teilbesitz von regierungsnahen Privatleuten sind (und deren Medienapparatz und Thinktanks das ganze wohlwollend flankieren) trägt dazu bei. Daß sich die operativ tätigen Instanzen so viel mehr zugeteilt bekommen als konservativ tätige KollegInnen (Augenheilkunde ist ein gutes Beispiel) , kann man wohl ebenfalls mit Lobbyeinsatz durch Kapitalinteressen begründen.
Dadurch, daß mit Jens Spahn erstmals ein Lobbyist unmittelbar zum Gesundheitsminister ernannt wurde, wird das ganze sicherlich nicht besser.

https://lobbypedia.de/wiki/Jens_spahn

Gerecht ist auf jeden Fall was anderes, aber wer ein GKV-System nach deutscher Machart begrüßt, muß eben auch solche drastischen Nebenwirkungen in Kauf nehmen. ich persönlich bevorzugte auf jeden Fall ehrliche Arbeit mit "Leistung gegen Geld" und nicht eine staatlich und durch Lobbyisten gesteuerte Zuteilung von zwangsweise eingezogenen Sozialgeldern.

Und zum Thema Radiologie: natürlich stehen die an erster Stelle bezüglich der Honorare. Dummerweise auch bei den Ausgaben. Ich glaube, mit dem gesamten Jahresumsatz einer Psychosomatikpraxis kann ich gerade mal eine Stromrechnung von ein paar Wochen begleichen. Die Radiologen müssen seit April durch die GKV Abschläge von ca. 15% auf Schnittbildgebung hinzunehmen. Das ist natürlich logisch, denn Strom, Personal und Technik sind selbstverständlich auch billiger geworden:-keule
Also Marktmacht und Lobbyisteneinfluß sieht so NICHT aus. Da aber immer mehr ins Schlingern geratene Radiologiepraxen von Finanzinvestoren übernommen werden, die dann hinter den Kulissen die Politik im BGM und KVen beeinflussen können, sieht es in 15 Jahren vielleicht wieder anders aus.

tarumo
09.08.2020, 09:18
a) Achso, die arme PKV darf nur die jungen reichen nehmen und die Beamten? Ich kenne jmd. der wegen Asthma in der Kindheit (jetzt nicht mehr) als Besserverdienender dort abgelehnt wurde.

Ganz genau. Die machen das, weil es ihnen der Gesetzgeber erlaubt hat. Erst mal fallen die Leute unter der willkürlichen Versicherungspflichtgrenze weg und die Rosinenpickerei bezüglich Gesundheit gibt es nur, weil sie ausdrücklich erlaubt wurde. In anderen Ländern gibt es nämlich einen Kontrahierungszwang, aber den will die Politik ja nicht, weil die Leute ja eben in die GKV gezwungen werden sollen.
Auch daß Selbstständige in der GKV ungern gesehen sind, hat historisch-politische Gründe. Wo es kein Geld vom AG einzuziehen gibt, hat die GKV zu viel Mühe. Daher überläßt man diese Leute auch der PKV, auch wenn sie weit unter der Versicherungspflichtgrenze liegen würden.



b) Die GKV von Bismarck war für die elenden Massen in den Industrieregionen da. Die dem ganzen Land erheblichen Wohlstand gebracht haben. Sicherlich nicht nur Frauen mit vielen Kindern.


Nichts anderes habe ich behauptet. Und die Frauen des Industrieproletariats blieben daheim und mußten sich um die Kinder kümmern. Ansonsten war Deutschland vor 200 Jahren überwiegend ländlich geprägt und da mußten alle ran...
Bitte vielleicht nochmal darauf eingehen, warum eine Sozialkasse für die "elenden Massen" auf einmal für 90% der Gesamtbevölkerung zuständig sein sollte?


Die meisten Leute wollen jedoch eher weniger zahlen, sozusagen eine Basisversicherung, die alles medizinisch notwendige abdeckt: Wer Sonderwünsche hat, kann ja gerne eine private Zusatzversicherung abschließen.


Es ist doch beabsichtigt, daß neben der Einheits-Bürgerversicherung AUSDRÜCKLICH private Zusatzversicherungen angeboten werden sollen. Daß heißt, es wird nochmal teurer, weil zum GKV-Satz dann noch die private Zusatzversicherung drauf kommt, Arme schauen wieder in die Röhre, und die GKV wird noch vielvielviel teurer werden, weil die PKV als Korrektiv und Konkurrenz wegfällt.

In der Zahnmedizin ist dieses Modell mit Zusatzversicherungen schon etabliert. Gerecht?
Übrigens auch mit ein Grund, warum sich die PKVen nur halbherzig wehren- die werden ihr Geld dann eben so verdienen.



c) Nee es ist nicht teurer für den Staat, wenn alle Leute in einer Versicherung sind (auch Beamte). Aber diese Diskussion hatten wir schonmal.


Da der Beitrag für den einzelnen Beamten in der GKV wesentlich höher ausfällt (kann man leicht recherchieren) und der Staat sich jeweils anteilig beteiligt, wird es in der Gesamtheit teurer. Aus diesem Grund hat man bis in die 2010er Jahre alle diesbezüglichen Versuche gleich wieder verworfen. Hätten sich Schäuble oder Eichel das sonst entgehen lassen? Dadurch, daß jetzt Kassenfunktionäre direkt in die Regierung gelangt sind (wie im Hamburg) oder Bundesländer wie Berlin und Thüringen tiefrot regiert werden, weicht die Vernunft zunehmend der Ideologie. Dazu haben kassennahe Kreise und Lobbyisten wie Bertelsmann dermaßen viele Pressemeldungen mit anderslautenden Zahlen publiziert, daß man mittlerweile ziemlich lange suchen muß, um an neutrale Infos zu gelangen.
Übrigens war auch nicht die Rede von EINER Versicherung, denn die Kassen sollen ja fortbestehen. Wir haben dann als nicht EINE Bürgerversicherung, sondern 150 davon, was den Wahnsinn komplett macht.

GelbeKlamotten
09.08.2020, 11:32
Ahja, das gleiche Problem hat auch meine Kollegin, aber irgendwann wird man auch mit dem Grundgehalt die Grenze überschreiten mit den Jahren. 4000€ sparen im Jahr...und wer weiß, was in 10 Jahren ist.

Als Assistenzarzt nicht zwangsläufig. Stand jetzt liegt ein Uni Assistenzarzt im dritten Jahr rein mit dem Grundgehalt knapp unter der Grenze. Im vierten Jahr liegt man dementsprechend drüber.

Nur wenn du jetzt im dritten Jahr bist, hilft dir das nicht unbedingt, denn nächstes Jahr wird auch Versicherungspflichtgrenze angehoben werden. Wenn du Pech hast, liegst du dann wieder knapp drunter. Und ein Jahr später dann wieder das selbe Spiel. Relativ sicher drüber kommst du mit dem Grundgehalt dann erst als Facharzt.

Wenn du jetzt auch noch eine große Anwartschaft hast, die gut und gerne mal 125 Euro im Monat kostet, wirds besonders ärgerlich. Dann kommen zu den 100 Euro die du in der PKV in jungen Jahren monatlich sparen würdest, noch mal 125 Euro monatliche zusätzliche Kosten dazu. Macht jährlich einen Nettoverlust von knapp 3000 Euro.

Wenn dich der sture Mensch von der Gehaltsabrechnung dann erst als FÄ in die PKV lässt statt im 2. Weiterbildungsjahr, dann klaut er dir ungefähr 15.000 Euro netto. Oder anders gesagt: weil dir die Gehaltsabrechnung nicht einen dreizeiligen Wisch ausdruckt, arbeitest du quasi ein halbes Jahr umsonst.

Das ist schon verdammt ärgerlich.

Ich bin übrigens nicht der Meinung, dass man insgesamt mit der PKV über das ganze Leben gerechnet Geld spart. Gerade als Ärztin nicht, wo man im Alter keinen GRV Zuschuss bekommt. Grund für einen Wechsel sollte immer die individuelle und in mancherlei Hinsicht bessere oder zumindest flexiblere medizinische Versorgung sein, NICHT die vermeintliche Ersparnis.

Diejenigen, die denken sie könnten mit der PKV dauerhaft sparen, sind dann meistens die, die im Alter rummaulen, weil ihr Vertrag angeblich unbezahlbar geworden ist.

tarumo
09.08.2020, 11:48
Diejenigen, die denken sie könnten mit der PKV dauerhaft sparen, sind dann meistens die, die im Alter rummaulen, weil ihr Vertrag angeblich unbezahlbar geworden ist.

Das ist auch sinnvoll so. Das gesparte Geld sollte man schon so anlegen, daß man im Alter eine Beitragserhöhung gut abfedern kann. Also nicht verjubeln.

Mir persönlich ist es z.b. wichtig, daß ich nicht als "Mündel" und Zuteilungsempfänger auftreten muß bzw. meine Ärzte zu solchen degradieren muß, ich für meine Gesundheit selbst verantwortlich bin (in der GKV ist das genau nicht der Fall) und daß nicht ein anonymer GBA ("Großer-Bruder-Ausschuss") orwellschen Zuschnitts darüber entscheidet, was ich an Therapie bekommen darf und was nicht.
Und wenn ich z.B. keine Homöopathie will, dann schließe ich das per Vertrag ganz einfach aus.

Funktioniert bei zig Millionen Fahrzeugversicherungen einwandfrei.
Und ich will auch nicht mit meinen Einnahmen einen Verwaltungswasserkopf (alleine die AOK hat mehr Angestellte, als es überhaupt niedergelassene Ärzte gibt) mit seiner überbordenden Bürokratie, den aufgrund der Situation der Kassen immer weiter zunehmenden wirtschaftlichen Druck und den daraus resultierenden Zumutungen für Personal und Patienten mit einem erheblichen Anteil meines Gehaltes finanzieren müssen. Zumindest nicht freiwillig.

Wer statt ein paar hunderttausend GKV-Bürokraten auch nicht die Hochfinanz a la Allianz unterstützen will, kann auch seine Police bei einem Versicherungsverein auf Gegenseitigkeit "aG" abschließen... da gibt es einige.

GelbeKlamotten
09.08.2020, 13:29
Das ist auch sinnvoll so. Das gesparte Geld sollte man schon so anlegen, daß man im Alter eine Beitragserhöhung gut abfedern kann. Also nicht verjubeln.

Mir persönlich ist es z.b. wichtig, daß ich nicht als "Mündel" und Zuteilungsempfänger auftreten muß bzw. meine Ärzte zu solchen degradieren muß, ich für meine Gesundheit selbst verantwortlich bin (in der GKV ist das genau nicht der Fall) und daß nicht ein anonymer GBA ("Großer-Bruder-Ausschuss") orwellschen Zuschnitts darüber entscheidet, was ich an Therapie bekommen darf und was nicht.
Und wenn ich z.B. keine Homöopathie will, dann schließe ich das per Vertrag ganz einfach aus.

Funktioniert bei zig Millionen Fahrzeugversicherungen einwandfrei.
Und ich will auch nicht mit meinen Einnahmen einen Verwaltungswasserkopf (alleine die AOK hat mehr Angestellte, als es überhaupt niedergelassene Ärzte gibt) mit seiner überbordenden Bürokratie, den aufgrund der Situation der Kassen immer weiter zunehmenden wirtschaftlichen Druck und den daraus resultierenden Zumutungen für Personal und Patienten mit einem erheblichen Anteil meines Gehaltes finanzieren müssen. Zumindest nicht freiwillig.

Wer statt ein paar hunderttausend GKV-Bürokraten auch nicht die Hochfinanz a la Allianz unterstützen will, kann auch seine Police bei einem Versicherungsverein auf Gegenseitigkeit "aG" abschließen... da gibt es einige.

Da stimme ich dir ausnahmsweise mal vollkommen zu.