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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Freiberuflich im Covid-Impfzentrum



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John Silver
30.12.2020, 07:55
Ich habe eine Mail der KV Hessen bekommen; darin wird praktisch zugesichert, als Honorararzt sozialversicherungsseitig befreit zu werden, der Entwurf sei so gut wie durch. Von einer BG-Selbstzahlung steht da nichts. Ich frage jetzt beim Betreiber nach.

Steuern muss man selbstverständlich zahlen, wie blöd kann man sein??

tarumo
30.12.2020, 08:03
Ich habe eine Mail der KV Hessen bekommen; darin wird praktisch zugesichert, als Honorararzt sozialversicherungsseitig befreit zu werden, der Entwurf sei so gut wie durch. Von einer BG-Selbstzahlung steht da nichts. Ich frage jetzt beim Betreiber nach.


In dem von mir verlinkten Paper der hessischen Ärztekammer wird ausdrücklich auf die fehlende BG-Absicherung aufmerksam gemacht. Wenn man natürlich als Niedergelassener schon BG-Einzahler ist, kann man sich das sparen. Vielleicht ein Grund, warum die KVen das nicht auf dem Radar haben.
Der Trias von Nichtzuständigkeit der Privaten Unfallversicherung, der Gesetzlichen Krankenversicherung und der BGW bei Nichtmeldung kann man im Falle eines Arbeits- oder Wegeunfalls im/am Impfzentrum sonst nicht entrinnen.

Ich wüßte auch nicht, wie man der Ärzteversorgung "entrinnen" kann. Ich habe schon in der WBA regelmäßig "Erfassungsbögen" bekommen, wo man sein Einkommen angeben mußte. Ab dem FA dann jährlich. Gibt es hier Unklarheiten, wird der Steuerbescheid angefordert und dann heißt es nachzahlen. Wie bei der Ärztekammer auch.
Also bei "Institutionen" wie ÄK und ÄV Beiträge hinterziehen geht nur über den getürkten Steuerbescheid, und das mag vielleicht in einer Privatsprechstunde mit Handkasse funktionieren, nicht aber mit öffentlich-rechtlichen Auftraggebern.
Zumal die Ärztekammern ja fleißig rekrutiert haben und sicherlich die eine oder andere Namensliste dann auf die andere Seite des Hauses wechseln wird.

verocai
30.12.2020, 08:29
weiß jmd wie die Situation in Bayern ist ? Hier organisiert ja die KV aber Informationen zur Vergütung finde ich nicht. Wird man als Impfarzt auch geimpft ?

tarumo
30.12.2020, 09:40
Die Ausschreibung der bayerischen KV ist im passwortgeschützten Bereich, nur für Mitglieder.
Ein Vöglein aus dem Freistaat hat mir aber gezwitschert, daß das Honorar als "Selbstständiger" um die 120 EUR/h liegen soll. Also viel niedriger als bei der KVWL oder KVT...Von einer Impfung selbst steht nichts da, ich gehe davon aus, daß man mit Tätigkeit im Impfzentrum aber schon als exponierte Risikogruppe auf den 1. Platz vorrückt. Nachdem ja immer fünf Spritzen aus der Ampulle aufgezogen werden müssen, kommt sicherlich auch der Tag, wo das mal nicht plusminus Null aufgeht...

Lizard
30.12.2020, 10:00
Wird man als Impfarzt auch geimpft ?
Ja man ist in der 1.Gruppe dabei (macht ja auch Sinn).

Lizard
30.12.2020, 10:07
Ich habe eine Mail der KV Hessen bekommen; darin wird praktisch zugesichert, als Honorararzt sozialversicherungsseitig befreit zu werden, der Entwurf sei so gut wie durch. Von einer BG-Selbstzahlung steht da nichts. Ich frage jetzt beim Betreiber nach.

Aus einem Impfzentrum in BaWü kann ich berichten, dass die Abrechnung über die KV geregelt wird.
Die Aussage war ,dass es keinen Vertrag geben wird, sondern dies als freiberuflich laufen wird.
Und "alle Beteiligten , inkl. Ministerium" haben zugesichert den Ärzten keine bürokratischen Hürden aufzuerlegen und Scheinselbständigkeit sei absolut kein Thema.

Kann man glauben , tu ich aber nicht ;) Schriftlich gibts das nämlich (bisher zumindest) nicht.

tarumo
30.12.2020, 10:19
Und "alle Beteiligten , inkl. Ministerium" haben zugesichert den Ärzten keine bürokratischen Hürden aufzuerlegen und Scheinselbständigkeit sei absolut kein Thema.



"nieeemand hat die Absicht, Scheinselbstständige zu belangen"
"Ich gebe Ihnen mein Ehrenwort, ich wiederhole mein Ehrenwort, daß Ihnen keine Nachteile entstehen"

für die Älteren unter uns...nur mal so... die DRV in Berlin hat sicherlich nicht zugesichert, in BaWÜ für immer und ewig keine Clearingverfahren einzuleiten...



Die Aussage war ,dass es keinen Vertrag geben wird, sondern dies als freiberuflich laufen wird.


Ich finde es bedenklich, daß die legal-illegal-Scheissegal-Haltung in der Politik wie in einer Bananenrepublik um sich greift, und daß es Scheinselbstständigkeit IST, daran hat ja weder die aktuelle Rechtsprechung noch eine andere Instanz wie z.B. die Ärztekammer, irgendwelche Zweifel.
Arbeiten "ohne Vertrag" ist natürlich auch geil....

Thomas24
30.12.2020, 10:31
"nieeemand hat die Absicht, Scheinselbstständige zu belangen"
"Ich gebe Ihnen mein Ehrenwort, ich wiederhole mein Ehrenwort, daß Ihnen keine Nachteile entstehen"

für die Älteren unter uns...nur mal so...



Ich finde es bedenklich, daß die legal-illegal-Scheissegal-Haltung in der Politik wie in einer Bananenrepublik um sich greift, und daß es Scheinselbstständigkeit IST, daran hat ja weder die aktuelle Rechtsprechung noch eine andere Instanz wie z.B. die Ärztekammer, irgendwelche Zweifel.
Arbeiten "ohne Vertrag" ist natürlich auch geil....

Das ist ja alles schön und gut, sowie inhaltlich natürlich richtig. Aber nochmal: du musst ja nicht im Impfzentrum arbeiten. (Noch) zwingt dich niemand zu irgendwas. Wenn das ganze Konstrukt sozialrechtlich "dunkelgrau" ist, vermutlich mit politischer Rückendeckung und vollem Willen zwecks Kostendrückerei, lässt du es eben bleiben.

"Macht eiern Drägg doch alleen", hat angeblich der letzte König von Sachsen anlässlich seiner Absetzung 1918 gesagt. Dem ist im Jahr 2020 nichts hinzuzufügen, zeig den Verantwortlichen den Stinkefinger und lass Sie den Mist selbst ausbaden, den Sie (bewusst?) verzapft haben.

tarumo
30.12.2020, 11:02
Richtig, es wird niemand gezwungen im Impfzentrum zu arbeiten. Noch nicht.
Jens Spahn hat ja auch vor Corona sinngemäß geäußert, niemand würde gezwungen (was ja auch nicht stimmt).
Ich habe schon vor, mir mal eine oder zwei Schichten geben zu lassen um mal zu sehen, ob die "Freiberuflichkeit" durch irgendwelche "Zielvorgaben" bezüglich Pausen, Aufklärungsdauer, Impfzahlen eingeschränkt wird.
Mittendrin statt nur dabei...
Außerdem fehlt mir schon eine geraume Weile diese KV-Post "persönlich-vertraulich" mit dem herrischen-vorwurfsvollen Unterton...

tarumo
04.01.2021, 17:01
Was macht man als völlig unbeteiligter Zeitungsleser, wenn eine MFA mal irgendwo den Impfstoff falsch dosiert? Genau, man zeigt den Impfarzt an...


Ein Zeitungsleser habe Anzeige erstattet, so der zuständige Staatsanwalt in Stralsund, darüber hinaus werde von Amts wegen ermittelt.

https://www.ndr.de/nachrichten/mecklenburg-vorpommern/Impfpanne-in-Stralsund-Staatsanwaltschaft-ermittelt,coronavirus3974.html

Genau, die Zubereitung des Impfstoffs ist ja schließlich nicht delegierbare ärztliche Tätigkeit und die falsche Verdünnung hätte ja beim Blick ins Gegenlicht auffallen müssen? Oder so...

Auch wenn diesmal wohl keine juristischen Folgen warten- jede Mange Papierkram, Sorgen und vielleicht eine Prämienerhöhung der RSV ist dem Unglücklichen sicher- und weil scheinselbstständig, kann er das alles schön alleine klären.

Die mir zugetragenen Zustände in den Impfzentren (Personal kennt sich nicht, keinerlei Einarbeitung etc.) und die Vertragsgestaltung und Kurzfristigkeit, die das ganze überhaupt nur für ÄrztInnen attraktiv macht, die in der normalen Patientenversorgung keinen Fuß auf den Boden kriegen, kommt noch dazu.

Aber einstweilen haben ja Flintenuschi und der "dessen Villenkaufpreis nicht genannt werden darf" mit Arroganz, "Germany-last"-Haltung, Inkompetenz und Geiz (Israel hat den doppelten Preis pro Dosis bezahlt und schon mehr als 10% der Bevölkerung geimpft..) auch die Beschaffung des Impfstoffs vergeigt.

Feuerblick
04.01.2021, 17:09
Naja, wenn der Arzt das Zeug gespritzt hat, dann wäre es seine Pflicht gewesen, sich vorher davon zu überzeugen, dass der Inhalt der Spritze in Art und Dosis richtig ist. Es hätte dem Arzt auffallen müssen, dass in der Spritze zu viel drin ist. Ist es ihm nicht aufgefallen, fehlte Sorgfalt. Immerhin ist Impfen keine zeitkritische Verabreichung eines Medikaments. Da ist Zeit für Kontrolle.
Und wenn er sich nicht sicher ist, ob die MFA das mit dem Aufziehen kann, dann muss er ihr beim Aufziehen halt zuschauen. Hätte ich an seiner Stelle bei diesem neuen Impfstoff mit „neuer“ Art des Aufziehens auch gemacht. Egal, wie gut ich die MFA kenne. :-meinung

tarumo
04.01.2021, 17:32
Naja, wenn der Arzt das Zeug gespritzt hat, dann wäre es seine Pflicht gewesen, sich vorher davon zu überzeugen, dass der Inhalt der Spritze in Art und Dosis richtig ist. Es hätte dem Arzt auffallen müssen, dass in der Spritze zu viel drin ist. Ist es ihm nicht aufgefallen, fehlte Sorgfalt. Immerhin ist Impfen keine zeitkritische Verabreichung eines Medikaments. Da ist Zeit für Kontrolle.
Und wenn er sich nicht sicher ist, ob die MFA das mit dem Aufziehen kann, dann muss er ihr beim Aufziehen halt zuschauen. Hätte ich an seiner Stelle bei diesem neuen Impfstoff mit „neuer“ Art des Aufziehens auch gemacht. Egal, wie gut ich die MFA kenne. :-meinung

Alles richtig. Zusammen mit dem ausführlichen Aufklärungsgespräch werden dann aber aus den 5 Minuten eher 15-25 Minuten pro Patient- und damit alle Pläne der Politik sowieso Makulatur. Aber zum Glück gibt es ja auch nicht ausreichend Impfstoff...

Feuerblick
04.01.2021, 17:50
Meines Wissens waren EIGENTLICH 15 Minuten pro Patient vorgesehen. :-nix

Lizard
04.01.2021, 17:53
Also im hiesigen Impfzentrum gibt es verschiedene Kabinen: Registrierung, Aufklärung, Impfen

Die Registrierung macht ne Verwaltungsfachkraft, die Aufklärung nebst Eintragung in den Impfpass macht ein Arzt und die Impfung eine MFA. Da hat man als Arzt null Kontrolle was nach der Aufklärung passiert, aber man unterschreibt dafür ^^
Schon bisschen verrückt ....

tarumo
05.01.2021, 13:28
Meines Wissens waren EIGENTLICH 15 Minuten pro Patient vorgesehen. :-nix

Wenn Du mal ein wenig zurückblätterst, wirst Du feststellen, daß im Dezember die von der Politik ausgegebene Zielmarke je nach Bundesland zwischen 80 und 100 Impfungen pro Tag/Arzt lag und wir schon damals ausgerechnet hatten, wieviel das- minus Pausen, Toilettengang etc- pro Patient macht. Deinen Ausführungen stimme ich ansonsten zu (das ist das, was einem auch der Richter erzählen würde), die auch mir bekannte Praxis sieht aber so aus, daß an den Impfzentren Aufklärung und Impfung räumlich und zeitlich getrennt sind, was natürlich alle Sorgfaltsbemühungen komplett zu Makulatur macht. Erst recht, wenn man die anderen MA und deren Sorgfalt, Intellekt und Qualifikation überhaupt nicht kennt.

Feuerblick
05.01.2021, 14:33
Naja, hier handelte es sich um eine Impfung im Altenheim... Da wird das räumlich nicht getrennt gewesen sein.

Ansonsten kenne ich naturgemäß die Arbeit im Impfzentrum nicht, weil im hiesigen Bundesland noch kein solches geöffnet hat. Muss man sich gut überlegen, ob man das mit der Impfung unterschreibt, wenn man selbst nicht geimpft hat. Rein vom Ablauf her dürfte dieser Pieks den Kohl (was die nötige Zeit angeht) kaum fett machen.

habichnicht
05.01.2021, 18:02
Laut „Nordkurier“ (https://www.nordkurier.de/mecklenburg-vorpommern/dass-das-passieren-konnte-macht-mich-tieftraurig-2941885612.html) hat der betroffene Arzt gesagt, er sei zum Impfen unter der Annahme gefahren, es werde eine Einweisung geben. Stattdessen habe es nur einen Zettel mit Informationen gegeben:


Die Impfaktion bezeichnet er als „gut organisiert”. Allerdings habe er die Annahme gehabt, dass es eine Einweisung gibt. Stattdessen habe es nur einen Zettel mit Informationen gegeben. „Kern der Problematik war, dass der Impfstoff für mich wie auch für die Schwester ein Novum ist“, so der Arzt. Zudem seien sich die Teammitglieder untereinander fremd gewesen, so habe man nicht einmal die Namen untereinander gewusst.


Die Aussage zum "Zettel mit Informationen" deckt sich ja mit eine Aussage des Landrats, es habe eine Anleitung des Impfstoffherstellers als Schreibtischunterlage gegeben.

Mal angenommen, diese Anleitung von Pfizer/Biontec sah so aus wie in dieser pdf-Datei

https://www.kvbb.de/fileadmin/kvbb/dam/praxis/qualitaet/coronavirus/impfen/201221_vorbereitung_impfung_bnt_poster_final_previ ew.pdf

kann ich mir kaum noch genauere Anweisungen vorstellen.

Feuerblick
05.01.2021, 18:08
Wer lesen kann, ist klar im Vorteil. Genauer kann eine Anleitung kaum sein. Aber man sieht ja hier im Forum auch, dass man manchen Menschen offenbar alles Wort für Wort persönlich vorkauen muss, weil verstehendes Lesen out ist.

Choranaptyxis
05.01.2021, 18:10
https://www.kvbb.de/fileadmin/kvbb/dam/praxis/qualitaet/coronavirus/impfen/201221_vorbereitung_impfung_bnt_poster_final_previ ew.pdf

kann ich mir kaum noch genauere Anweisungen vorstellen.

Och, da finden manche Leute auch Probleme, und wenn es nur Punkt 6 der Druckausgleich ist, und deswegen die halbe Ampulle iwo anders landet.

Viel schlimmer finde ich die Aussage:
Nun ist mein persönliches Ego zerstört

crossie
05.01.2021, 20:51
Interessant die Angaben zur Haltbarkeit, aufgetaut und unverdünnt 5 Tage im Kühlschrank und verdünnt bei Raumtemperatur 6 Stunden. Hätte ich so nicht erwartet.