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Cingulum123
24.12.2020, 16:34
Ich kenne ein paar Leute in zwei verschiedenen Bundesländern, die sich irgendwo gemeldet haben (ich glaube einmal Caritas(?), einmal LÄK) und zum Teil ganz heiß drauf waren. Rückmeldung hat bisher keiner von denen. Ich bin echt gespannt wie sich das noch entwickeln wird. Mittlerweile wünscht man fast, dass das Ganze mal ordentlich gegen die Wand gefahren wird. Aber wahrscheinlich wird es bei Startschwierigkeiten dann als mangelnde ärztliche Bereitschaft verkauft.

GelbeKlamotten
24.12.2020, 16:48
Ich verstehe ehrlich gesagt nicht, warum man sich in dem Fall nicht einfach den Zirkus mit ärztlicher Aufklärung größtenteils spart und ein ausführliches offizielles Aufklärungsvideo zur Verfügung stellt. Nur wer darüber hinausgehende Fragen hat, könnte noch mit einem Arzt sprechen, alle anderen werden vom nächst besten Helfer geimpft.

tarumo
24.12.2020, 16:55
Ganz einfach, weil irgendjemand die Verantwortung tragen muß. Die Hersteller haben sich ja schon galant aus der Affäre gezogen, und für irgendwelche Impfkomplikationen (NICHT Impfschäden!) braucht es in einem Juristenstaat auf jeden Fall einen Buhmann. So ähnlich steht es ja auch in den Stellenbeschreibungen. Solltest Du aus der täglichen Arbeit ja kennen.
Spannend wird es, ob in einem Staat, der das Medizinpersonal weniger von der Jurisprudenz und vom Staat gegängelt wird, gelingt, eine Impfkampagne schneller durchzuführen. Schadenfreude?
Außerdem soll ja nicht nur aufgeklärt werden, sondern Anamnese, Kontraindikationen, Geisteszustand (einwilligungsfähig?) erhoben werden.
Davon abgesehen, wird Gen. Ü80 mit einem "Aufklärungsvideo" auch schon Probleme haben...

GelbeKlamotten
24.12.2020, 17:35
Davon abgesehen, wird Gen. Ü80 mit einem "Aufklärungsvideo" auch schon Probleme haben...

Diejenigen, die Probleme oder Fragen haben, könnten sich ja persönlich aufklären lassen. Bei den Ü80 Jährigen magst du recht haben, dass das oft der Fall sein wird. Spätestens wenn sich auch gesunde junge Menschen impfen lassen können, glaube ich nicht, dass man noch an der zwangsläufigen persönlichen Aufklärung für jeden festhalten wird.

John Silver
24.12.2020, 19:20
Juristisch ist eine Aufklärung nur durch ein Video nicht zulässig. Ein Video kann unterstützen, aber nicht ersetzen. Jeder Patient muss die Möglichkeit haben, Fragen zu stellen, und das Angebot muss „niederschwellig“ sein. Im Grunde gibt es keine juristisch akzeptable Alternative zum persönlichen Gespräch mit einem Arzt.

tarumo
24.12.2020, 19:20
Spätestens wenn sich auch gesunde junge Menschen impfen lassen können, glaube ich nicht, dass man noch an der zwangsläufigen persönlichen Aufklärung für jeden festhalten wird.


Ich glaube, bei den "gesunden jungen Menschen" wird das Problem noch viel größer.
"Ist da Squalen drin?" "Ich nehme die Pille, macht das was?" "Im Internet steht, das macht unfruchtbar" "ich fliege nächste Woche nach Malle, könnnen Sie mir nicht beide Impfungen gleich geben?" "ist da auch wirklich kein Aluminium drin?""mein Chef schickt mich, aber ich will nicht...können Sie nicht den Stempel so....????""ich verklag Dich, Du alte F...."

Ach ja, Migranten sind ja noch davor laut STIKO zu impfen - die können sicher während der Aufklärung grundsätzlich bestes Deutsch in Wort und Schrift, sind nicht "empfindlich", kennen ihre Rechte nicht, haben keinerlei Probleme, sich von einem gegengeschlechtlichen Arzt/Ärztin ansehen/anfassen zu lassen und haben auch sonst keine Ansprüche *ironie off*

Solange aber aktuell im Verteilungsschlüssel für einen 150.000 Personen Landkreis gerade mal 100 Dosen zum Impfstart bereitstehen (macht dann fünfzig Personen...) braucht man über die Aufklärungen für Nicht-Risikogruppen nicht wirklich zu diskutieren.


Juristisch ist eine Aufklärung nur durch ein Video nicht zulässig. Ein Video kann unterstützen, aber nicht ersetzen. Jeder Patient muss die Möglichkeit haben, Fragen zu stellen, und das Angebot muss „niederschwellig“ sein. Im Grunde gibt es keine juristisch akzeptable Alternative zum persönlichen Gespräch mit einem Arzt.

Ich habe tatsächlich Konzepte gesehen, wo ein "Aufklärungsvideo" vorgesehen ist. Aber nicht als Ersatz, sondern als eine Art Vorabinfo zum Gespräch.

GelbeKlamotten
24.12.2020, 19:29
Juristisch ist eine Aufklärung nur durch ein Video nicht zulässig. Ein Video kann unterstützen, aber nicht ersetzen. Jeder Patient muss die Möglichkeit haben, Fragen zu stellen, und das Angebot muss „niederschwellig“ sein. Im Grunde gibt es keine juristisch akzeptable Alternative zum persönlichen Gespräch mit einem Arzt.

Das wäre dann also deiner Meinung nach die erste Aktion während der Pandemie, die (nach vorherigen Maßstäben) rechtlich fragwürdig ist?

Und wie gesagt, die Möglichkeit Fragen zu stellen wird es ja trotzdem geben. Aber man muss eben nur mit dem Arzt sprechen, wenn man nach dem Video noch Fragen hat.

Ich gehe gerne Wetten ein, dass spätestens Mitte bis Ende 2021 ein Großteil der Impfkandidaten vor der Impfung nicht mehr mit einem Arzt spricht.

tarumo
24.12.2020, 19:39
Das wäre dann also deiner Meinung nach die erste Aktion während der Pandemie, die (nach vorherigen Maßstäben) rechtlich fragwürdig ist?
.

Bei der Laschet-Affäre fiel sinngemäß die Aussage der Justiz "eine Pandemie heißt nicht, das Gesetze nicht mehr gelten".

Eigentlich könnten wir froh sein, ansonsten könnte man nämlich zum Beispiel den PA oder MFAs eine Art "Notapprobation" zusprechen, was sicherlich nicht gut für die zukünftigen Arbeitsbedingungen ist.

GelbeKlamotten
24.12.2020, 20:27
Wie gesagt, ich bin gerne zu Wetten bereit

tarumo
24.12.2020, 21:17
Wie gesagt, ich bin gerne zu Wetten bereit

Bei verlorener Wette würde ich Dich eine Stunde nackt massieren. Deal?

Dummerweise habe ich nicht auf das Scheitern des schwedischen Sonderwegs, die angeblich niemalsnicht schließbaren Grenzen und auch nicht auf die von manchen als scheinbar als Automatimus gesehene gute Performance von ´schland in der Pandemie gewettet, alles meine persönlichen Einschätzungen vom Frühjahr...

GelbeKlamotten
24.12.2020, 22:39
Bei verlorener Wette würde ich Dich eine Stunde nackt massieren. Deal?

Dummerweise habe ich nicht auf das Scheitern des schwedischen Sonderwegs, die angeblich niemalsnicht schließbaren Grenzen und auch nicht auf die von manchen als scheinbar als Automatimus gesehene gute Performance von ´schland in der Pandemie gewettet, alles meine persönlichen Einschätzungen vom Frühjahr...

Ich denke auf die Massage würde ich eher verzichten. Aber wie wäre es mit 100 Euro, z.B. als Amazon-Gutschein, als Einsatz?

daCapo
25.12.2020, 10:45
Juristisch ist eine Aufklärung nur durch ein Video nicht zulässig. Ein Video kann unterstützen, aber nicht ersetzen. Jeder Patient muss die Möglichkeit haben, Fragen zu stellen, und das Angebot muss „niederschwellig“ sein. Im Grunde gibt es keine juristisch akzeptable Alternative zum persönlichen Gespräch mit einem Arzt.

Persönliches Gespräch mit Perimedaufklärungbogen mit persönlichen Notizen unter Angabe von Behandlungsziel, Ablauf, akute und späte Nebenwirkungen. Auch schwere und extrem seltene Nebenwirkungen sollen genannt werden.
Gesprächsdauer sollte man auch noch notieren.

So ist man bestens gewappnet für jede Streiterei vor Gericht. Das Gericht kann dabei den Umstand einer den Alltag erheblich beeinträchtigenden Pandemie berücksichtigen und fehlende Langzeitdaten sowie Behandlungsdruck aufgrund der Pandemie. Impfschäden- Von Gerichten anerkannte Impfschäden nachzuweisen ist nach meiner Kenntnis schwierig

John Silver
25.12.2020, 13:31
Das wäre dann also deiner Meinung nach die erste Aktion während der Pandemie, die (nach vorherigen Maßstäben) rechtlich fragwürdig ist?

Und wie gesagt, die Möglichkeit Fragen zu stellen wird es ja trotzdem geben. Aber man muss eben nur mit dem Arzt sprechen, wenn man nach dem Video noch Fragen hat.

Ich gehe gerne Wetten ein, dass spätestens Mitte bis Ende 2021 ein Großteil der Impfkandidaten vor der Impfung nicht mehr mit einem Arzt spricht.

Es wäre nicht die erste fragwürdige Aktion, aber wenn Politiker irgendwelche unrechtmäßigen Entscheidungen treffen, hafte ich dafür nicht; wenn aber ich der Arzt im Impfzentrum bin, und ein Patient behauptet Monate bis Jahre später, Fragen zur Impfung gehabt zu haben, die nicht beantwortet worden seien, dann wette ich, dass sowohl die Politik als auch unsere Standesvertretungen mich zum Sündenbock machen werden.

Wie tarumo korrekt festgestellt hat, muss einer zumindest auf dem Papier die Verantwortung für eine bestimmte Aktion übernehmen; wer würde denn haften, wenn eines Tages ein Gericht retrospektiv das Video als nicht ausreichend werten sollte? Der Hersteller des Videos würde sicher behaupten, dass das Video niemals als Ersatz für ein Aufklärungsgespräch gedacht worden sei. Wer setzt, rechtlich betrachtet, ein solches Video als (unzulässigen) Ersatz ein? Der, der für die Aufklärung zuständig ist, somit notwendigerweise der Arzt. Tja. Ich gebe Dir Recht, dass eine solche Lösung pragmatisch und wohl gut praktikabel wäre, aber nicht in einem Land, in dem jeder Schwachkopf seine eigenen Interessen im Zweifel immer über die der Allgemeinheit stellt.

tarumo
25.12.2020, 13:32
Ich denke auf die Massage würde ich eher verzichten. Aber wie wäre es mit 100 Euro, z.B. als Amazon-Gutschein, als Einsatz?

Schätzchen, es ging natürlich um den Fall, daß Du verlierst. :-))
Was insgesamt auch die wahrscheinlichere Variante ist. In den letzten 50 Jahren ist meines Wissens noch nie ein Gesetz oder Regelung zurückgenommen worden, mit der Intention, den ÄrztInnen die Arbeit zu erleichern. Im Gegenteil, Stichwort Beweislastumkehr.
Ich gehe sogar soweit zu behaupten, daß man versuchen wird, irgendwann die Preise für eine Impfstoffdosis auf einen einem Ersten-Welt-Land unwürdiges Level zu drücken (wie man es jetzt mit dem Personal macht), mit dem Resultat, daß es dann auf einmal auf dem deutschen Markt "Lieferschwierigkeiten" gibt. Und sich damit der Zeitdruck erledigt...
Beispiele gab es in den letzten Jahren zahlreich, von Antibiotika über diverse Narkosemittel bis hin zu Grippeimpfstoffen.

GelbeKlamotten
25.12.2020, 17:51
Schätzchen, es ging natürlich um den Fall, daß Du verlierst. :-))
Was insgesamt auch die wahrscheinlichere Variante ist. In den letzten 50 Jahren ist meines Wissens noch nie ein Gesetz oder Regelung zurückgenommen worden, mit der Intention, den ÄrztInnen die Arbeit zu erleichern. Im Gegenteil, Stichwort Beweislastumkehr.
Ich gehe sogar soweit zu behaupten, daß man versuchen wird, irgendwann die Preise für eine Impfstoffdosis auf einen einem Ersten-Welt-Land unwürdiges Level zu drücken (wie man es jetzt mit dem Personal macht), mit dem Resultat, daß es dann auf einmal auf dem deutschen Markt "Lieferschwierigkeiten" gibt. Und sich damit der Zeitdruck erledigt...
Beispiele gab es in den letzten Jahren zahlreich, von Antibiotika über diverse Narkosemittel bis hin zu Grippeimpfstoffen.

Wie um alles in der Welt kommat du auf die Idee mich „Schätzchen“ zu nennen? Da kommt ja fast schon Fremdscham auf.

mbs
25.12.2020, 19:04
Was ich mir vorstellen könnte und wo ich sogar jemanden kenne der das so macht ist eine "Sammelaufklärung". Derjenige stellt sich einfach vor einen Pool an Patienten und hält einen Vortrag. Das ist einerseits persönlich, andererseits effektiv. Bei anderen Dingen ist das vom Datenschutz her vielleicht ein Problem, theoretisch zumindest, aber bei Impfungen weiß man ja dass jeder der sich in einem Impfzentrum befindet nur da ist weil er geimpft werden will und da vermutlich nicht hingegangen ist um z.B. eine ÖGD zu bekommen, insofern sollte das schon gehen.

daCapo
25.12.2020, 19:30
Was ich mir vorstellen könnte und wo ich sogar jemanden kenne der das so macht ist eine "Sammelaufklärung". Derjenige stellt sich einfach vor einen Pool an Patienten und hält einen Vortrag. Das ist einerseits persönlich, andererseits effektiv. Bei anderen Dingen ist das vom Datenschutz her vielleicht ein Problem, theoretisch zumindest, aber bei Impfungen weiß man ja dass jeder der sich in einem Impfzentrum befindet nur da ist weil er geimpft werden will und da vermutlich nicht hingegangen ist um z.B. eine ÖGD zu bekommen, insofern sollte das schon gehen.

Aha...welche rechtliche Grundlage gibt es dafür sowas mit einem Vortrag zu machen? Mir nicht bekannt.
Wenn ich mit 50-200 Leuten mir einen Vortrag anhöre, ist das für mich nicht persönlich. In einer Gruppe möchten manche Personen keine Fragen stellen. Noch dazu ist es nicht schriftlich fixiert, keine persönlichen Anmerkungen. Ist dein eigenes Risiko. Bei ner OP/Gastro/Kolo ging sowas garnicht im Krankenhaus. Ich weiß selbst, dass im ambulanten Bereich teilweise garnicht über ne Gastro aufgeklärt wird, ist dann Risiko des Kollegen. Über die Standardimpfungen MMR/Tetanus/HepB/Influena usw. findet in der Praxis wahrscheinlich auch keine Aufklärung statt obwohl es ja die extrem seltenen Impfnebenwirkungen gibt. Die Impfungen gibt es natürlich auch seit X Jahren

Die Thieme Perimed HIV Test/Blutabnahme (verpflichtend bei HIV Test!) ist ja auch gleichzeitig eine Aufklärung über eine Blutabnahme. Fände es jetzt albern bei 10 Blutabnahmen für Krea/BB/CRP jedes Mal persönlich aufzuklären mit Unterschrift und Kopie für Patient...theoretisch könnte ich ja einen Nerv dauerhaft schädigen mit dem hauchdünnen Butterfly.

WackenDoc
25.12.2020, 20:16
Es geht doch bei den Vorträgen, Filmen etc. um die allgemeine Information. Dann ist das persönliche Gespräch beim Arzt vorgesehen. Nur muss der dann halt nicht jedes Mal den ganzen Urschleim erzählen.

tarumo
25.12.2020, 20:43
Also eine seit Jahrzehnten bekannte und bewährte Grippe/Hepatitisimpfung ist doch eine andere Hausnummer. Und selbst unter Kollegen und beim Betriebsarzt etc. wurden immer drei, vier Fragen vorab gestellt. Kann mich höchstens vorstellen, daß es bei der zweiten Impfung etwas knapper zugehen könnte. Eine "Sammelaufklärung" wird den Vorgaben aber keinesfalls gerecht, und wie eine Impfung rein technisch vor sich geht, das ist- im Gegensatz zu einer Endoskpie etc. Allgemeinwissen, was nicht durch einen Film oder Vortrag vertieft werden müßte.

daCapo
25.12.2020, 23:47
Also damals war die Hep B Impfung noch relativ neu, ebenso wie über alles ausführlich aufklären;-)

Also wer rechtlich gut abgesichert sein will, macht es schriftlich mit persönlichen Notizen.