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Mr. Pink online
31.12.2020, 09:38
Das Problem ist, wenn Menschen Schaden nehmen, wenn man "Arbeit liegen" lässt. Oder, wenn Patienten nach Quote einbestellt und entlassen werden, weil im Hintergrund ein wirtschaftlicher Plan abläuft.
Das Problem war eher letzteres.
Schaden genommen haben Patienten nie (auf Normalstation geht es ja nicht ständig um die Wurst). Wurde halt eine Untersuchung mal nicht mehr angemeldet, ein Brief nicht mehr geschrieben, ein Konsil nicht bearbeitet, usw. Hat dazu geführt, dass Patienten nicht zeitnah entlassen werden konnten oder nur mit unzureichender Diagnostik. Aber ich bin halt der Meinung, dass wer Medizin wie am Fließband machen möchte, auch dementsprechend Personal ans Fließband stellen muss, denn ich habe weiterhin nur 2 Hände und 1 Kopf.

Btw.: habe nie verstanden, warum der Dienst dann belastet wird... Aufgaben die liegenbleiben sind meistens nicht Dienstaufgabe. Man kann ja wohl kaum vom Dienst verlangen, die Briefe zu schreiben.

pashtunwali
31.12.2020, 10:36
Ahh, die Ethikfalle mal wieder. Inwiefern nehmen Patienten Schaden, wenn man Briefe, Codierungen oder auch Angehörigengespräche verschiebt? Zumindest bei mir waren das genau die Sachen, die am Ende des Arbeitstages übrig blieben.
Falls tatsächlich Patienten durch Unterbesetzung Schaden nehmen sollten, bist Du nachgerade verpflichtet, eine Überlastungsanzeige zu schreiben- etwas, wovon die Pflege regelmäßig Gebrauch macht.
Wenn dem KH nennenswerte Erlöse verlorengehen durch liegengebliebene Arbeit (und sei es nur, daß der Pat. einen Tag später entlassen wird), wird auf einmal eine zusätzliche Stelle ganz schnell wieder interessant.

ich glaube auch, dass das problem der ärzte ist, dass man sich einfach viel zu viel gefallen lässt.
die pflege stellt direkt ne überlastungsanzeige und wir führen einfach dumm alles aus was man uns sagt und arbeiten teilweise bis zum geht nicht mehr, weil das einem 1. so vorgelebt wird und 2. weil es oft erwartet wird.
mein oberarzt meinte letztens: "überstunden erwarte ich von jedem assistenten! das ist doch klar!"
habe nichts dazu gesagt, aber nein überstunden sollten eigentlich nicht selbstverständlich sein!

in jedem bürojob wird 100stunden am tag kaffee getrunken, 1stunde gearbeitet und die gehen dann pünktlich nach hause und man kann dann wochenlang auf seine anträge warten....

cartablanca
31.12.2020, 13:29
Ahh, die Ethikfalle mal wieder. Inwiefern nehmen Patienten Schaden, wenn man Briefe, Codierungen oder auch Angehörigengespräche verschiebt? Zumindest bei mir waren das genau die Sachen, die am Ende des Arbeitstages übrig blieben.
Falls tatsächlich Patienten durch Unterbesetzung Schaden nehmen sollten, bist Du nachgerade verpflichtet, eine Überlastungsanzeige zu schreiben- etwas, wovon die Pflege regelmäßig Gebrauch macht.
Wenn dem KH nennenswerte Erlöse verlorengehen durch liegengebliebene Arbeit (und sei es nur, daß der Pat. einen Tag später entlassen wird), wird auf einmal eine zusätzliche Stelle ganz schnell wieder interessant.

Naja wenn du bestimmte Massnahmen nicht einleitest (Punktionen etc.) kann es schon sein, dass die Verzögerung letal ausgeht.

][truba][
31.12.2020, 14:09
Naja wenn du bestimmte Massnahmen nicht einleitest (Punktionen etc.) kann es schon sein, dass die Verzögerung letal ausgeht.

Ich hab nicht so den Überblick hier im Forum aber arbeitest du schon? Die Dinge, die man liegen lässt, die Untersuchungen die man nicht mehr anmeldet und die Blutentnahmen die man nicht mehr macht sind logischerweise nicht die kritischen Blutentnahmen, Untersuchungen oder Interventionen. Die erledigt man wohl immer zuerst. Ich hab schon X- Sicherheitsblutentnahmen (z.B. Patient mit postoperativem Hämatoserom aufgenommen mit nem CRP von 250, OP, Patient gehts blendend, Wunde sauber, kein Fieber - ich denke jede mal, man bräuchte eh keine Kontrolle da klinisch sehr guter Verlauf - CRP Kontrolle) nicht mehr gemacht weil a) quatsch ist und b) es meine Überstunden waren und nicht die meines Fach/Oberarztes. Denke so meint es Tarumo und auch Mr. Pink.

Und @pashtunwali: Kenne das genau. In meinem letzten Job hab ich meine anderen Kollegen "angefleht" endlich geschlossen alle Überstunden aufzuschreiben und in den Diensten Überlastungsanzeigen zu stellen. 2 meinten, dass sie das gut fänden aber "wollen keinen Ärger". Der Rest hat sich gar nicht richtig geäußert. Da ist man dann eben auch verloren.

daCapo
01.01.2021, 08:56
Mit entsprechender Erfahrung, weiß man, was man auf morgen verschieben kann und was nicht.


[truba][;2175380']

Und @pashtunwali: Kenne das genau. In meinem letzten Job hab ich meine anderen Kollegen "angefleht" endlich geschlossen alle Überstunden aufzuschreiben und in den Diensten Überlastungsanzeigen zu stellen. 2 meinten, dass sie das gut fänden aber "wollen keinen Ärger". Der Rest hat sich gar nicht richtig geäußert. Da ist man dann eben auch verloren.

Dadurch würden sie unbeliebt, heißt: keine Rotationen, Zahlen, Bescheinigungen. Sie befinden sich in einem Abhängigkeitsverhältnis zum Weiterbilder.

cartablanca
01.01.2021, 09:11
[truba][;2175380']Ich hab nicht so den Überblick hier im Forum aber arbeitest du schon? Die Dinge, die man liegen lässt, die Untersuchungen die man nicht mehr anmeldet und die Blutentnahmen die man nicht mehr macht sind logischerweise nicht die kritischen Blutentnahmen, Untersuchungen oder Interventionen. Die erledigt man wohl immer zuerst.

Ja, aber was wenn du auf einer Station arbeitest wo die Leute derart kritisch krank sind, dass sie alle paar Stunden irgendeine Komplikation entwickeln, an der sie versterben könnten. Man sollte vielleicht nicht urteilen, wenn man noch nicht in solchen Abteilungen gearbeitet hat. Ich bin seit vielen Jahren Arzt.

davo
01.01.2021, 09:11
Dadurch würden sie unbeliebt, heißt: keine Rotationen, Zahlen, Bescheinigungen. Sie befinden sich in einem Abhängigkeitsverhältnis zum Weiterbilder.

Wenn es alle machen, fällt das eben weg. Dann gibts die Rotationen, Zahlen, Bescheinigungen trotzdem. Außer der Weiterbildner will die Abteilung schließen :-))

Mr. Pink online
01.01.2021, 09:55
Ja, aber was wenn du auf einer Station arbeitest wo die Leute derart kritisch krank sind, dass sie alle paar Stunden irgendeine Komplikation entwickeln, an der sie versterben könnten. Man sollte vielleicht nicht urteilen, wenn man noch nicht in solchen Abteilungen gearbeitet hat. Ich bin seit vielen Jahren Arzt.Sowas nennt sich Intensivstation/IMC und da gibt es zum Glück in den meisten Fällen Schichtdienst.

pashtunwali
01.01.2021, 14:23
Arbeite auch auf der IMC und haben genau wegen der wackeligen Patienten einen früh und einen Spätdienst.
Sonst kommt aus dem Laden nie raus.

cartablanca
01.01.2021, 16:21
Sowas nennt sich Intensivstation/IMC und da gibt es zum Glück in den meisten Fällen Schichtdienst.

Ja das stimmt, aber es gibt Arbeitgeber, die legen eigentlich überwachungspflichtige Patienten auf Normalstation, sodass du dann bis 22 oder 23 Uhr da bist. Gelegentlich entlassen die diese eigentlich überwachungspflichtigen Patienten auch, weil es in ihren wirtschaftlichen Plan passt.

daCapo
01.01.2021, 17:46
Wenn es alle machen, fällt das eben weg. Dann gibts die Rotationen, Zahlen, Bescheinigungen trotzdem. Außer der Weiterbildner will die Abteilung schließen :-))

der sucht sich möglicherweise andere. Nicht alle sind so.
Ein Thema wo man lange drüber diskutieren kann.

davo
01.01.2021, 18:04
Reichlich unrealistisch. Es ist schon schwer genug, eine Stelle zu füllen. Alle Stellen gleichzeitig zu füllen, wäre ein Ding der Unmöglichkeit.

daCapo
01.01.2021, 21:30
Reichlich unrealistisch. Es ist schon schwer genug, eine Stelle zu füllen. Alle Stellen gleichzeitig zu füllen, wäre ein Ding der Unmöglichkeit.

ah doch das geht, dann werden die Leute genommen, die auf dem Markt sind inkl. kleinerer Defizite. Trägt natürlich alles nicht zu einer guten Stimmung bei. Ist auch nicht überall so, dass Diskussion/Kritik an Arbeitszeiten/ÜS/Diensten unprofessionell gehandhabt wird, aber es kommt vor. Gerade die älteren Semester möchten es nicht. 90er und Anfang der 00er Jahre man anscheinend bereit alles (!?!) für eine Arbeit im Krankenhaus zu geben. Wie sich die Zeiten ändern und manch einer merkt es nicht.

davo
01.01.2021, 22:20
Wie gesagt, ich halte das für völlig unrealistisch. Die Angst ist groß, aber in Wahrheit würde und könnte nichts passieren.

hebdo
01.01.2021, 23:41
Ja das stimmt, aber es gibt Arbeitgeber, die legen eigentlich überwachungspflichtige Patienten auf Normalstation, sodass du dann bis 22 oder 23 Uhr da bist. Gelegentlich entlassen die diese eigentlich überwachungspflichtigen Patienten auch, weil es in ihren wirtschaftlichen Plan passt.

Was ist das denn für eine Normalstation?

kann ich nicht glauben, dass es sowas auf Normalstation gibt. Eine Non-ITS/IMC Station mit mehreren kritischen Patienten? Dauernd? Never ever. In 6 Jahren Klinik mit Rotatioen in wirklich allen inneren Abteilungen, Uni und Maximalversorger nie erlebt.

Kommt immer mal wieder vor, dass ein Patient an der Schwelle zur ITS steht und du dem Dienstarzt auch eine Übergabe gibst. So ein russisches Roulette würden weder CÄ oder OÄ spielen.

Die meisten Überstunden fallen durch Bürokram wie Entlassbriefe, Anmeldungen, Aufklärungen etc. an.
Einfach nach Hause und die Liegezeit verlängert sich.

Mr. Pink online
02.01.2021, 09:25
Der Dienstarzt muss dann auf Normalstation die Beatmungsparameter neu einstellen, oder an den Katecholaminen drehen. Hört man doch ständig.

Anne1970
02.01.2021, 09:29
Der Dienstarzt muss dann auf Normalstation die Beatmungsparameter neu einstellen, oder an den Katecholaminen drehen. Hört man doch ständig.
:grins:

cartablanca
02.01.2021, 10:09
Was ist das denn für eine Normalstation?

kann ich nicht glauben, dass es sowas auf Normalstation gibt. Eine Non-ITS/IMC Station mit mehreren kritischen Patienten? Dauernd? Never ever. In 6 Jahren Klinik mit Rotatioen in wirklich allen inneren Abteilungen, Uni und Maximalversorger nie erlebt.

Patienten entwickeln bei bestimmten Krankheitsbildern im fortgeschrittenen Stadium alle Nase lang neue Komplikationen weshalb sie auch eine Lebenserwartung von unter einem Jahr haben. Die sind auch nicht so leicht einzustellen und nein die liegen nicht unbedingt auf Intensiv.

Klar was du nicht kennst, kann nicht sein.

Jukka666
02.01.2021, 10:42
Patienten entwickeln bei bestimmten Krankheitsbildern im fortgeschrittenen Stadium alle Nase lang neue Komplikationen weshalb sie auch eine Lebenserwartung von unter einem Jahr haben. Die sind auch nicht so leicht einzustellen und nein die liegen nicht unbedingt auf Intensiv.

Klar was du nicht kennst, kann nicht sein.

Mach doch mal ein Beispiel, bitte.
Eine "Normal"station kann auch eine onkologische Station sein, oder eine Palliativstation, die haben eigentlich auch keine Überwachung, und Patienten sterben da überproportional häufiger als auf einer internistischen oder chirurgischen Normalstation....die letzte Komplikation des Lebens ist immer der Tod..

Irritierend wäre es für uns, wenn in deinem Fall Komplikationen eintreten, mit denen niemand wirklich rechnet, die aber hingenommen werden und überwacht gehören, zB ARDS, Septischer Schock, Bewußtseinstrübungen nach SHT etc.

Meinst du so etwas? Was meinst du konkret?

Mr. Pink online
02.01.2021, 11:18
Ich wollte auch gerade fragen ob es sich um eine Palliativstation handelt...
Ansonsten besteht doch die einzige Aufgabe des Dienstarztes darin zu kommen, wenn die Pflege ruft, die Intensivpflichtigkeit festzustellen und den Patienten zu verlegen. Intensivversorgung auf Normalstation zu machen ist nicht hinnehmbar.