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daCapo
20.01.2021, 16:41
Als Trostpflaster gibt es aber wieder eine Umfrage (wie im Ärzteblatt letzte Woche) daß die WBA weitgehend unzufrieden mit ihrer Situation sind. Wenig überraschend. Und seit Jahren unverändert.
Und damit zurück zum Thema

Ich weiß, aber es möchte auch niemand so wirklich etwas verändern. Man nimmt es so hin.
Eigentlich wollte ich auch keine Diskussion. Es gibt ja auch manche gute Weiterbilder oder man bildet sich selbst weiter.



Wahlen gibt und gab es auch in der DDR, UdSSR, Nordkorea usw. Und in der DDR-Volkskammer waren sogar mehr Parteien als in der alten Bundesrepublik vertreten.

Jetzt wende das Kriterium mal auf die ÄK, den MB, die KVen an und schau, wieviele derer Präsidenten tatsächlich von der Basis ABGEWÄHLT wurden. In den letzten 10, 20 oder meinetwegen auch 30 Jahren. Bei Korruption erwischt oder "von oben her gegangen" mal außen vorgelassen.


Gut in China funktioniert das aber sehr gut, das hast du jetzt nicht erwähnt. Veränderung ist hier nicht gewünscht
und eine Diskussion auch nicht. Hatten wir alles schon.

ehem-user-12-02-2021-1343
20.01.2021, 19:55
Ich weiß, aber es möchte auch niemand so wirklich etwas verändern. Man nimmt es so hin.
Eigentlich wollte ich auch keine Diskussion. Es gibt ja auch manche gute Weiterbilder oder man bildet sich selbst weiter.





Es würde sich vielleicht etwas verändern, wenn die Chefs ihre Weiterbildungsermächtigung verlieren würden. Selbst weiterbilden geht auch nur bis zu einem gewissen Grade.
Aber wenn ich an unserer UK Assistenzärzte sehe, die fast 10 Jahre Assistenzarzt sind und andere, die nach 1 1/2 Jahren in Scharen wieder abhauen, weiss ich, wo ich niemals hin möchte

tarumo
20.01.2021, 20:13
Gut in China funktioniert das aber sehr gut, das hast du jetzt nicht erwähnt. Veränderung ist hier nicht gewünscht
und eine Diskussion auch nicht. Hatten wir alles schon.

WAS funktioniert in China sehr gut? Scheinparlamente? Pandemiebekämpfung mit Vertuschung? Gelenkte Wirtschaft mit fehlender Rechtssicherheit, Stichwort Jack Ma?
Auch wenn China sich von der verlängerten Werkbank zum hightech-Land entwickelt hat (was nicht alleine deren Verdienst ist, sondern auch der Geiz-ist-geil-Mentalität im Westen geschuldet..)... es gibt da durchaus Defizite.
Nenne doch einfach mal exemplarisch:
- ein paar chinesische Softwarepioniere
- chinesische Autokonzerne mit nennenswertem Absatz in Erste-Welt-Ländern. Umgekehrt ist VR China der größte Absatzmarkt für hiesige Konzerne....
- und chinesische Hersteller von Hightechprodukten wie Verkehrsflugzeugen (doch, die gibt es wirklich) und deren Absatzzahlen außerhalb der gelenkten lokalen politischen Wirtschaft, insbesondere im Ausland. Wenn überhaupt, knapp zweistellig.

Die ganze Welt mit Elektronik beliefern, sich aber aufgrund mangelnder Kontrolle, fehlendem Vertrauen in lokale Lebensmittel und Defiziten in der Lebenmittelüberwachung sich per privaten Postsendungen mit banalen Produkten wie westlichem Milchpulver und ähnlichem eindecken zu müssen, ist genau mein Humor.

Ob das chinesische System sich LANGFRISTIG als überlegen erweist, wird sich noch zeigen. Die Karawane der Elektronikproduzenten ist u.a. aufgrund des gestiegenen Lohnniveaus nach Vietnam und andere Nachbarländer weitergezogen, Bangladesh offeriert fürs produzierende Gewerbe zumindest ein Mindestmaß an Rechtssicherheit.

daCapo
20.01.2021, 20:43
Es würde sich vielleicht etwas verändern, wenn die Chefs ihre Weiterbildungsermächtigung verlieren würden. Selbst weiterbilden geht auch nur bis zu einem gewissen Grade.
Aber wenn ich an unserer UK Assistenzärzte sehe, die fast 10 Jahre Assistenzarzt sind und andere, die nach 1 1/2 Jahren in Scharen wieder abhauen, weiss ich, wo ich niemals hin möchte

WB-Ermächtigung verliert im Großen und Ganzen niemand. Über Kontakte, Beziehung, eigene Weiterbildung, Durchhaltevermögen, Phlegmatismus und mit einem einen stoischen Charakter wird das schon.


WAS funktioniert in China sehr gut? Scheinparlamente? Pandemiebekämpfung mit Vertuschung? Gelenkte Wirtschaft mit fehlender Rechtssicherheit, Stichwort Jack Ma?
Auch wenn China sich von der verlängerten Werkbank zum hightech-Land entwickelt hat (was nicht alleine deren Verdienst ist, sondern auch der Geiz-ist-geil-Mentalität im Westen geschuldet..)... es gibt da durchaus Defizite.

Ob das chinesische System sich LANGFRISTIG als überlegen erweist, wird sich noch zeigen. Die Karawane der Elektronikproduzenten ist u.a. aufgrund des gestiegenen Lohnniveaus nach Vietnam und andere Nachbarländer weitergezogen, Bangladesh offeriert fürs produzierende Gewerbe zumindest ein Mindestmaß an Rechtssicherheit.

Naja, China und DDR sind zwei Welten, stimmts?
Chinesen haben durchaus ihre eigenen Produkte in vielen Segmenten, die wirtschaftliche Macht und Bedeutung Chinas wächst. Und die von Europa und den USA?

tarumo
20.01.2021, 20:51
WB-Ermächtigung verliert im Großen und Ganzen niemand. Über Kontakte, Beziehung, eigene Weiterbildung, Durchhaltevermögen, Phlegmatismus und mit einem einen stoischen Charakter wird das schon.



Naja, China und DDR sind zwei Welten, stimmts?
Chinesen haben durchaus ihre eigenen Produkte in vielen Segmenten, die wirtschaftliche Macht und Bedeutung Chinas wächst. Und die von Europa und den USA?

Klar, Macht und Bedeutung wächst... das konnte aber auch die UdSSR in den 60er und 70er Jahren von sich behaupten, ohne daß man das als Indiz für ein überlegenes System hernehmen muß.
Der zunehmende Einfluss Chinas ist m.E. neben geschicktem Taktieren der KP auch der Tatsache geschuldet, daß die Sowjetunion quasi ersatzlos verschwunden ist, die Europäer sich gerade selbst genug sind und der andere wesentliche Machtfaktor, die USA, sich gerade selbst zerlegen. Insofern nicht komplett Eigenleistung, sondern das Ausfüllen von Lücken, die andere hinterlassen haben. Alles weitere sollten wir aber im Proseminar "Internationale Politik" diskutieren und nicht im Medizinerforum.

daCapo
20.01.2021, 21:34
Klar, Macht und Bedeutung wächst... das konnte aber auch die UdSSR in den 60er und 70er Jahren von sich behaupten, ohne daß man das als Indiz für ein überlegenes System hernehmen muß.


Na, so genau wusste man da noch nicht. Aus heutiger Perspektive klar.



Der zunehmende Einfluss Chinas ist m.E. neben geschicktem Taktieren der KP auch der Tatsache geschuldet, daß die Sowjetunion quasi ersatzlos verschwunden ist, die Europäer sich gerade selbst genug sind und der andere wesentliche Machtfaktor, die USA, sich gerade selbst zerlegen. Insofern nicht komplett Eigenleistung, sondern das Ausfüllen von Lücken, die andere hinterlassen haben. Alles weitere sollten wir aber im Proseminar "Internationale Politik" diskutieren und nicht im Medizinerforum.

Ok

QuovadisMedizin
20.01.2021, 22:33
Ganz so einfach ist es nicht. Erst mal scheitert es bisweilen schon am reinen linguistischen Besprechen, dann ist ja nicht unbedingt zu jeder Zeit jemand da zum Besprechen, dann kommt noch der z.T. fehlende Willen, sich weiterzubilden (klar, wenn ich schon mit dem 1-WBJ-Gehalt wie im Schlaraffenland bin) oder die kritiklose Übernahme von irgendwelchen FA-Titeln aus dubiosen Ländern dazu.
Schon vor fünf Jahren gab es im Düsseldorfer Landtag eine aktuelle Stunde wegen Todesfolgen durch mangelhafte Sprachkenntnisse bei Ärzt*innen.
Meine Prognose: irgendwann werden die Haftpflichtversicherungen den Hahn zudrehen. So, wie sie es mit den Parallelnarkosen gemacht haben. Bis dahin wird es aber noch ein wenig dauern.
Anekdote aus dem Bekanntenkreis:
Ein großes deutsches Chemieunternehmen macht seinen Transporteuren zur Auflage, daß die geschickten Fahrer fließend Deutsch in Wort und Schrift können müssen. Begründet wird das u.a. mit dem notwendigen Verstehen von geschriebenen und gesprochenen (Sicherheits)instruktionen. Würde es eine Spedition wagen, einen radebrechenden Osteuropäer dort auf den Hof zu schicken, würde der Vertrag sofort gekündigt, was auch schon vorgekommen sein soll.

Hihi, Deutschland gehört ja auch irgendwie zu „ irgendwelche Facharztitel“, wenn man bedenkt wieviele Untersuchungen als gemacht im Logbuch bescheinigt werden die einige niemals gemacht hat...ist doch allgemein bekannt ....leider. Von daher würde ich mir auf die Weiterbildung hier auch nicht soo viel einbilden...

Das mit den mangelnden Deutschkenntnissen ist ein zunehmendes und gravierendes Problem. Manchmal verstehe ich gar nicht was man von mir will, statt Stethoskop wurde gerne auch mal Zystoskop gesagt, Patienten finde ich nicht in der Stationsgrafik weil sie vollkommen anders ausgesprochen wurden als geschrieben ... und die Anamnesen sind auch...puh...ich sag mal: explizit ist was anderes. Nun gut, Problem erkannt aber am System ändert sich trotzdem nix 🤷🏻*♀️

ehem-user-12-02-2021-1343
20.01.2021, 22:37
WB-Ermächtigung verliert im Großen und Ganzen niemand. Über Kontakte, Beziehung, eigene Weiterbildung, Durchhaltevermögen, Phlegmatismus und mit einem einen stoischen Charakter wird das schon.


Ich frage mich nur, ob die Ober- und Chefärzte auch für die Fehler der Assistenzärzte haftgar gemacht werden können? Es passieren ja viele Fehler im Krankenhaus. Die Zahl der Patienten die durch "Ärztepfusch" verstirbt ist ja nicht gerade gering, obwohl vom Prozentsatz schon. Aber Ärzte mit großen Lücken bei Sprache, Fachwissen und/oder Erfahrung machen doch irgendwann auch mal einen schwerwiegenden Fehler. Fällt das nie auf die oberen zurück?

tarumo
21.01.2021, 08:33
Hihi, Deutschland gehört ja auch irgendwie zu „ irgendwelche Facharztitel“, wenn man bedenkt wieviele Untersuchungen als gemacht im Logbuch bescheinigt werden die einige niemals gemacht hat...ist doch allgemein bekannt ....leider. Von daher würde ich mir auf die Weiterbildung hier auch nicht soo viel einbilden...


Das sind dann aber einzelne Chefs, die tricksen. Finde ich auch nicht gut, weil es unfair ist gegenüber denjenigen, die den Katalog korrekt erfüllen. Wenn die Voraussetzungen für den FA falsch sind, dann muß man entweder den Katalog ändern, oder es muß die Weiterbildungsermächtigung zurückgegeben werden. Ist natürlich beides utopisch. Kontrolle durch die ÄK ist ja leider weitgehend Fehlanzeige, lieber krittelt man an Zeugnisformulierungen rum. Das ist einfacher und beschert keinen Ärger mit "hohen Tieren".
Übrigens fällt sowas später durchaus auf, besonders wenn man den "geschützten Raum" Krankenhaus verlassen hat.


Aber Ärzte mit großen Lücken bei Sprache, Fachwissen und/oder Erfahrung machen doch irgendwann auch mal einen schwerwiegenden Fehler. Fällt das nie auf die oberen zurück?

Weiter oben habe ich doch Fälle verlinkt, bei denen tödliche (!) Kunstfehler auf fehlende Sprachkenntnisse und Fachwissen zurückzuführen waren, UND dafür die Vorgesetzten belangt wurden.
Beim Einstellen bzw. Dulden eines erwiesenermaßen völlig unzureichend der Sprache und des Fachs mächtigen Arztes wird man sich auch nicht auf Augenblicksversagen berufen können, sondern es wird einem Vorsatz unterstellt werden. Mit allen negativen Konsequenzen für Strafbemessung und Versicherungsregulierung.
Jeder kennt doch OA/OÄ, die für bestimmte "Spezialisten" keinen Hintergrunddienst übernehmen wollen. Und irgendwann ist dann auch das Maß erreicht, wo man keine Führungskräfte mehr gewinnt, wenn die für unqualifiziertes Personal die Verantwortung übernehmen müssen.
Auch auf die Gefahr hin, mich zu wiederholen: es werden die Versicherungen sein, die dann den Stecker ziehen.

QuovadisMedizin
21.01.2021, 08:43
Das sind dann aber einzelne Chefs, die tricksen. Finde ich auch nicht gut, weil es unfair ist gegenüber denjenigen, die den Katalog korrekt erfüllen. Wenn die Voraussetzungen für den FA falsch sind, dann muß man entweder den Katalog ändern, oder es muß die Weiterbildungsermächtigung zurückgegeben werden. Ist natürlich beides utopisch.
Übrigens fällt es später durchaus auf, besonders wenn man den "geschützten Raum" Krankenhaus verlassen hat.

Bin ich absolut bei Dir! Nur in einer Sache nicht: es sind nicht nur einzelne sondern alle.

tarumo
21.01.2021, 09:09
Bin ich absolut bei Dir! Nur in einer Sache nicht: es sind nicht nur einzelne sondern alle.

Die verschiedenen Weiterbilder, die ich kenne, bzw. bei denen ich tätig war (und das sind einige), haben alle den Katalog wortwörtlich ausgelegt. Auch um den Preis, daß es kaum jemand in Mindestzeit geschafft hat. Es wurden auch obligate Rotationen zum Beispiel ins Bruszentrum vorgesehen, weil man die Mammographiezahlen sonst kaum schafft. Zugegeben ist es in der Radiologie auch einfacher, wenn man durch ein paar Mausklicks das gesamte Arbeitspensum der letzten Jahre Punkt für Punkt ausdrucken kann. Und die Fächer, in denen das Logbuch überwiegend aus "Kenntnissen in xyz " besteht, haben es auch einfacher. Wenn es wie in der Inneren oder Visceralchirurgie Probleme gibt, müßten entweder die Anforderungen geändert werden, oder die Weiterbilder müßten statt zu tricksen, einen Teil ihrer Ermächtigung zurückgeben. Wird aber mangels Kontrolle nicht passieren.

QuovadisMedizin
21.01.2021, 09:14
Die verschiedenen Weiterbilder, die ich kenne, bzw. bei denen ich tätig war (und das sind einige), haben alle den Katalog wortwörtlich ausgelegt. Auch um den Preis, daß es kaum jemand in Mindestzeit geschafft hat. Es wurden auch obligate Rotationen zum Beispiel ins Bruszentrum vorgesehen, weil man die Mammographiezahlen sonst kaum schafft. Zugegeben ist es in der Radiologie auch einfacher, wenn man durch ein paar Mausklicks das gesamte Arbeitspensum der letzten Jahre Punkt für Punkt ausdrucken kann. Und die Fächer, in denen das Logbuch überwiegend aus "Kenntnissen in xyz " besteht, haben es auch einfacher. Wenn es wie in der Inneren oder Visceralchirurgie Probleme gibt, müßten entweder die Anforderungen geändert werden, oder die Weiterbilder müßten statt zu tricksen, einen Teil ihrer Ermächtigung zurückgeben. Wird aber mangels Kontrolle nicht passieren.

Ja, das hast Du absolut recht. Man trickst sich so nur in die eigene Tasche...keine Ahnung warum die Ärztekammern das tolerieren, wenn es doch für so viele Fächer bekannt ist und bei richtigen Kontrollen auch durchaus durchschaut werden würde. Hauptsache die Zahl steht im Logbuch. Ob es tatsächlich gemacht wurde prüft kein Mensch. Ansonsten sind die Ärztekammern ja groß im schikanieren wenn es um die Anmeldung zur Prüfung geht. Nur das Wesentliche fällt unter den Tisch.

Christoph_A
21.01.2021, 09:59
Das mit den Zahlen in der Weiterbildung ist halt so eine Sache. Kenne auch keinen, der alle Zahlen für meinen internistischen Schwerpunkt FA 1:1 erfüllt hat, dennoch sehe ich das per se auch nicht als problematisch an, zumal es sich ja meist, in der Inneren mit Schwerpunkt, jetzt nicht um die Kernkompetenz handelt. Keiner ist ein schlechterer Kardiologe, weil er nicht alle dussligen Oberbauch- oder Schilddrüsensonos erfüllt hat. Viel mehr stört mich, daß die WBO teilweise in den 80ern stehengeblieben zu sein scheint, musste für meine FA Anmeldung 10 (!!!) dokumentierte ICD Kontrollen nachweisen, das haben wir in der Schrittmacherambulanz an einem Vormittag abgearbeitet. hier sollte mal dringend an den relevanten Zahlen nachgebessert werden. Auch, daß z.B. weiter keine verpflichtende Assistenz bei rhythmologischen Eingriffen verlangt wird, ist nicht nachvollziehbar. Andererseits sind die Katheterzahlen unrealistisch hoch angesetzt.

hebdo
21.01.2021, 10:20
Ich denke diese Willkür (ich nenne es mal so) und fehlende Objektivierbarkeit ist der Grund, warum die deutsche Aus- und Weiterbildung in angelsächsischen Ländern nicht anerkannt wird - und das zu Recht. Ich habe die Anforderungen des MRCP bei einem Kollegen mitbekommen.

Im Vergleich ist es in Deutschland ein Schlaraffenland, man kann die Weiterbildung frei wählen, die Zeit absitzen und bekommt vieles bescheinigt ohne es zu beherrschen. In der Praxis oder dann in Oberarztposition kommt dann das meiste ans Tageslicht.

Okay, Zeit absitzen ist bei der allgemeinen Arbeitsbelastung euphemistis.

Christoph_A
21.01.2021, 10:36
Ich denke diese Willkür (ich nenne es mal so) und fehlende Objektivierbarkeit ist der Grund, warum die deutsche Aus- und Weiterbildung in angelsächsischen Ländern nicht anerkannt wird - und das zu Recht. Ich habe die Anforderungen des MRCP bei einem Kollegen mitbekommen.

Im Vergleich ist es in Deutschland ein Schlaraffenland, man kann die Weiterbildung frei wählen, die Zeit absitzen und bekommt vieles bescheinigt ohne es zu beherrschen. In der Praxis oder dann in Oberarztposition kommt dann das meiste ans Tageslicht.

Okay, Zeit absitzen ist bei der allgemeinen Arbeitsbelastung euphemistis.

Muhaha, genau mein Humor, weil die Ruine von NHS ja so exzellente Ärzte hervorbringt.
Zumal das mit der Anerkennung der Weiterbildung per se so nicht stimmt, man kann sehr wohl in England als deutscher FA arbeiten, gab ja bisher genug, die das, zumindest temporär gemacht haben. Wie das jetzt in Brexitzeiten aussieht, läßt sich natürlich (noch) nicht sagen, aber denke, es gibt definitiv attraktivere Adressen als post Brexit little England, um zu arbeiten.
Und die USA sind medizinisch so ziemlich das inhomgenste, das man sich vorstellen kann, da ist von Weltklasse bis Waldklasse alles im Portfolio.
Über andere angelsächsische Länder will ich mich nicht äußern, kann mich jedoch entsinnen, daß 2 ehemalige Kollegen von mir in Kanada arbeiten und deren FA Zeugnisse auch komplikationslos anerkannt wurden, waren allerdings auch von den jeweiligen Universitätskliniken dezidiert angeworben worden.

hebdo
21.01.2021, 10:56
Beim zweiten Lesen fällt mir auf, dass ich mit meiner Aussage implizit fachlich bessere Ärzte angedeutet habe. Ich wollte damit aber nur sagen, dass die Ausbildung strukturierter ist. Es gibt in beiden Ländern gute und schlechte Ärzte.

Die Anerkennung von EU-Abschlüssen ist meines Wissens ja nur in UK möglich und damit ein Sonderfall. Überall sonst wird der deutsche Abschluss oder FA nicht anerkannt.

LasseReinböng
21.01.2021, 11:14
Über andere angelsächsische Länder will ich mich nicht äußern, kann mich jedoch entsinnen, daß 2 ehemalige Kollegen von mir in Kanada arbeiten und deren FA Zeugnisse auch komplikationslos anerkannt wurden, waren allerdings auch von den jeweiligen Universitätskliniken dezidiert angeworben worden.

Daran wird es gelegen haben, evtl. Kombi Forschung und klinische Tätigkeit ? Sonst ist dieses Unterfangen i.d.R. aussichtslos und man findet sich schnell als Uber-Fahrer wieder.

Christoph_A
21.01.2021, 11:16
So wird schon eher ein Schuh draus. Es ist jedoch durchaus möglich, z.B. auch in den USA als deutscher Facharzt zu arbeiten, dem auch dort nicht so ganz unausgeprägten Ärztemangel sei Dank, allerdings sind die Rahmenbedingungen, ohne USMLE eine Abschlußanerkennung zu erhalten, komplizierter, da gebe ich Dir Recht. Wie die genauen Regularien sind, weiß ich nicht, da mich das nicht sonderlich interessiert hat, allerdings kenne ich aus München mehrere Kollegen, die nach der FA Anerkennung einige Jahre in Amiland verbracht haben.
Voraussetzung war aber jedes Mal ein Facharzttitel, als WBA ist eine Arbeitsgenehmigung ohne USMLE nicht gegeben, wenn ich mich nicht schwer täusche.

daCapo
21.01.2021, 11:35
Diagnostische Radiologie ist etwas anderes: Da kann man wirklich an jedem Arbeitsplatz mal eingesetzt werden, Zahlen muss man nicht selbst sammeln, sondern das macht der PC. In anderen Fächern ist das schwieriger.


Ich denke diese Willkür (ich nenne es mal so) und fehlende Objektivierbarkeit ist der Grund, warum die deutsche Aus- und Weiterbildung in angelsächsischen Ländern nicht anerkannt wird - und das zu Recht. Ich habe die Anforderungen des MRCP bei einem Kollegen mitbekommen.

Im Vergleich ist es in Deutschland ein Schlaraffenland, man kann die Weiterbildung frei wählen, die Zeit absitzen und bekommt vieles bescheinigt ohne es zu beherrschen. In der Praxis oder dann in Oberarztposition kommt dann das meiste ans Tageslicht.



Das meiste wird in UK anerkannt. Allgemeinmedizin aber z.B. nicht.
Die Zeit sitzt man auch nicht ab, sondern wird eingesetzt am Ort der Not und wenn mal Zeit ist oder mehr Personal da ist, kriegt man (je nach Beliebheit) die notwendigen Rotationen.
In GB ist es anders organisiert: Rotationen sind fest, man muss sich für eine Weiterbildung bewerben, die Stellen für die Weiterbildung sind rar. Für die Bewerbung sind Non-Training Stellen natürlich vorteilhaft. Pflegepersonal macht mehr medizinische Dinge, für Blutabnahmen gibt es Personal. F1/F2 Stellen sind auch kein Zuckerschlecken. Da hat man es in DE als Berufsanfänger besser, zumindest was das Gehalt angeht.

Man kriegt auch nicht alles in Deutschland bescheinigt, so einfach ist es nicht. Die Weiterbildung ist jedoch von weniger Struktur geprägt und es besteht ein Abhängigkeitsverhältnis zum Weiterbilder. Hierdurch erhält der Weiterbilder eine sehr hohe Machtposition.



Das mit den Zahlen in der Weiterbildung ist halt so eine Sache. Kenne auch keinen, der alle Zahlen für meinen internistischen Schwerpunkt FA 1:1 erfüllt hat (...)WBO teilweise in den 80ern stehengeblieben zu sein scheint (...) Andererseits sind die Katheterzahlen unrealistisch hoch angesetzt.

Genau das sage ich auch, in meinem Fach werden manche Therapien einfach kaum mehr durchgeführt, weil es heutzutage bessere Alternativen gibt, die es 1999 noch nicht gab. Leider hat das neue eLogbuch das auch nicht berücksichtigt. Das ganze macht doch nur Probleme. Irgendwas bescheinigen, was nie gemacht wurde, ist a) nicht korrekt und b) ergibt sich eine unnötige Abhängigkeit vom Weiterbilder. Niemand sollte da irgendwas falsches eintragen.



Zumal das mit der Anerkennung der Weiterbildung per se so nicht stimmt, man kann sehr wohl in England als deutscher FA arbeiten, gab ja bisher genug, die das, zumindest temporär gemacht haben.

Über andere angelsächsische Länder will ich mich nicht äußern, kann mich jedoch entsinnen, daß 2 ehemalige Kollegen von mir in Kanada arbeiten und deren FA Zeugnisse auch komplikationslos anerkannt wurden, waren allerdings auch von den jeweiligen Universitätskliniken dezidiert angeworben worden.

a) Sind englische Cardiologen so schlecht?
b) Ja als deutscher FA kann man meistens nach UK gehen, alles wird anerkannt, einige Tests (inkl. Sprachtest) sind verpflichtend bevor man einsteigt. Allgemeinmedizin aus DE wird übrigens nicht anerkannt in UK.
Big Money wird man eher in DE oder der Schweiz finden, nicht in GB.
c) Ein Bekannter wurde von einer australischen Uni explizit für Forschung&Klinik angeworben, aber er sollte vorher das australische Examen machen, daher abgesagt.

tarumo
21.01.2021, 11:59
Die Golfstaaten erkennen einen deutschen FA-Titel wohl auch nicht mehr so ohne weiteres an. Grund ist aber weniger Trickserei bei den Logbüchern, sondern daß dort wiederholt Ärzte aufgeflogen sind, bei denen schon die initialen Dokumente zur Berufsaufnahme in Alemania fake ware. Der deutsche FA-Titel kam dann on top. Info aus 2. Hand, ob es so stimmt, weiß ich nicht, zur Internetrecherche langen meine Arabischkenntnisse leider nicht aus.
Letztendlich paßt das ganze doch gut ins Gesamtkonzept, denn Jens Spahn will die Ärzte ja "im Land behalten" (Januar 2019) und wenn ein deutscher FA-Titel zunehmend Mißtrauen erregt, dann kommt das doch wie gerufen, erschwert es doch die Emigration. Innerhalb des Landes pfeift man ja so ziemlich auf die Facharztkompetenz, wie sich bisweilen an der Dienstbesetzung oder dem gekippten Gesetz über eine Facharztquote unschwer erkennen läßt...