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Bei uns läuft von chirurgischer Seite her "normales Programm", die Anästhesisten sind aber offiziell im "Ferienmodus". Und genau das sorgt regelmäßig für gute Stimmung weil der Tages-OP-Plan regelmäßig von Seiten der Chirurgie als auch von den Unfallern in jeweils zwei Säälen bis 20 Uhr geplant wird, bei offiziell geschlossenen Säälen, und dann unerwarteterweise doch plötzlich wieder die geschlossenen Sääle aufgemacht werden weil geht ja nicht anders sonst bekommt man das Programm nicht durch. Ich weiß ja nicht wie die Anästhesisten darüber denken, ich finds völlig lächerlich.
Ansonsten haben wir schon bissl weniger Patienten als zu üblichen Zeiten weil die Sprechstunden reduziert sind. Nicht absichtlich, es kommen einfach weniger.
][truba][
20.02.2021, 13:05
Wir haben aktuell für jede Fachrichtung 2!!!h OP Zeit auf Grund fehlender Anästhesiepfege.
Ist natürlich lächerlich, weil kaum ein GCH Eingriff in 2h zu machen ist.
Uro kann man 2-3 kleine Dinge und vlt. ne offene RPX/Nieren machen. Zystektomie/Nephroureterektomie/lap. Nieren kann man knicken. Regelmäßig läuft der Saal dann bis Nachts. Unsere Sprechstunde quillt über und jeden Tag sagt man Patienten "Ja, wir wollen sie gern operieren aber wann..... keine Ahnung. Wir melden uns".
Ist wirklich ätzend diese Sprechstunde zu machen und den Unmut der Patienten jedes mal zu spüren zu bekommen. Davon mal abgesehen, dass natürlich bei so wenigen OPs auch wenig(er) Eingriffe für die Assistenten abfallen.
zwei Säälen
OT: der Saal - die Säle
John Silver
20.02.2021, 19:01
Wir machen zwar weiter, da kein Akuthaus und keine Covid-Patienten, aber in die Sprechstunde kommen nur halb so viele Patienten wie vor Corona, entsprechend ist der OP-Plan halt löchrig. Viele Patienten sind verunsichert und gehen einfach nicht zum Arzt, bis es richtig schlimm wird.
Thomas24
20.02.2021, 19:10
Diese "Corona Delle" gibt´s im niedergelassenen Bereich auch. Sehe mir gerade ein paar Bilanzen (von potentiellen Verkäufern ihrer Praxis) an, und da sieht man bei einigen Kollegen in 2020 einen deutlichen Einbruch sowohl in den konservativen, als auch den operativen Umsätzen. Interessanterweise fangen sich die Zahlen in 2021 wieder. Meine Hypothese: es scheint mittlerweile wohl ein gewisser "Gewöhnungseffekt- das Leben muss weitergehen" bei den Patienten eingesetzt zu haben, oder der Faktor "Angst vor Corona", fällt 2021 wieder weniger ins Gewicht.
Man merkt allerdings schon, dass Patienten bei geplanter Einweisung in ein Krankenhaus (z.B. für elektive Diagnostik oder Op) derzeit immer noch öfter als Prä- Corona fragen, ob man die Einweisung nicht auf den Sommer verschieben kann.
OT: der Saal - die Säle
Gut zu wissen. Man dankt der Rechtschreibpolizei ;-)
[truba][;2183728']Ist natürlich lächerlich, weil kaum ein GCH Eingriff in 2h zu machen ist.
Doch doch. Geplant schon ;-) Du redest ja von der Realität ;-)
Der Vorteil an der GCH ist aber dass es sehr viele Gründe gibt warum OPs nicht aufschiebbar sind.
Thomas24
20.02.2021, 23:40
Kann ein Vorteil sein, kann auch ein Nachteil sein. Je nachdem, auf welcher Seite der Blut - Hirn Schranke man sich befindet ;-) Könnte mir gut vorstellen, dass der ein oder andere Anästhesie WB innerlich nur mit den Augen rollt, wenn die GCH sich bei ihm meldet... ;-)
Nicht nur die WB. Wobei: die Gyn sticht quasi trotzdem immer. Wenn man dann so Aussagen mitbekommt wie "ich will jetzt meine Sectio innerhalb der nächsten Stunde machen und wenn ihr mich das nicht lasst dann ruf ich jetzt sofort eine Notsectio aus" dann bekommt selbst der Gefäßchirurg ganz ganz große Augen. Bei Notsectio kann man nicht mal mit einer rupturierten Aorta ankommen.
Apropos rupturierte Aorta: da gibt es ja auch immer große Missverständnisse. Ein Patient mit massiven Bauchschmerzen und im CT rupturierter Aorta wird in den OP gebracht und die Gefäßchirurgen fangen an die Leisten freizulegen, Katheter reinzuschieben und dann (aus Anästhesistensicht) in aller Ruhe eine Prothese an die richtige Position zu schieben und ihr endovaskuläres Zeug durchzuziehen. Obwohl sie ja am Anfang behauptet hätten es wäre ein Notfall und der Patient müsse sofort operiert werden... Sowas IST ein Notfall und solche Patienten stehen zu jedem Zeitpunkt ungefähr ganz ganz knapp vor dem Tod wenn das auch nur annähernd noch weiter einreißt. Und nur weil es dann gut gegangen ist heißt das noch nix für das nächste Mal...
Frage mich nur wie der Andrang dann nach Corona wird - denken sich die Leute, dass man es doch lassen kann wenn es so lange auch ohne Eingriff ging, oder stürmen dann auf einmal alle die Bude ein? Was denkt ihr?
Pampelmuse
03.03.2021, 10:22
Corona ist wirklich doof, das hat das OP-Programm wahrscheinlich an vielen Orten extrem runtergedrückt. Laufen denn bei euch gerade Elektiveingriffe?
Für die Weiterbildung ist das eine extrem schlechte Zeit...wenn überhaupt gibt es vielleicht was im Dienst, ansonsten sind teilweise OÄ sogar den ganzen Tag frei. Aber auch im Dienst kommt es darauf an, dass man dann forsch genug auftritt um wirklich was machen zu dürfen - bzw. muss man vermutlich einfach nur anfangen und proaktiv sein - in der Hoffnung dass das nicht krumm genommen bzw. negativ aufgenommen wird; wobei man das vermutlich überschätzt. Wer sicher auftritt darf die Dinge meist auch machen, egal ob er sie gut macht oder schlecht - ist zumindest mein Eindruck; Auftreten und Ausstrahlung scheinen sehr viel, bei manchen sogar alles, auszumachen.
Das wird aber auch schwerer wenn man wegen der Pandemie auch allgemein stimmungstechnisch etwas runtergedrückt ist.
Gut geschrieben. Könntest von meinem Haus reden: Stimmung mies in der Abteilung, OP-Pogramm seit November im Notfallmodus, wenige OPs für die Assistenten (ich schrieb es ja bereits)... Aber an anderen Häusern scheint es ja normal zu laufen, was ich von Freundinnen höre. :(
Bin gerade am Schauen nach Fortbildungen. Ein ATLS-Kurs fehlt mir noch, aber da sind vorerst mal alle Kurse abgesagt. Könntet Ihr mit "etwas Ähnliches" empfehlen, was Ihr gut fandet?
Wegen Corona gibts noch dazu auch weniger Stellen wie es scheint. Hab von mehreren Seiten gehört dass wohl Verträge nicht verlängert wurden obwohl die Leute gut und in der Abteilung geschätzt waren - aber Geschäftsführung sticht Chefarzt; das ist vermutlich nicht nur bei den privaten so.
Pampelmuse
28.03.2021, 17:58
Wegen Corona gibts noch dazu auch weniger Stellen wie es scheint. Hab von mehreren Seiten gehört dass wohl Verträge nicht verlängert wurden obwohl die Leute gut und in der Abteilung geschätzt waren - aber Geschäftsführung sticht Chefarzt; das ist vermutlich nicht nur bei den privaten so.
Ich wurde diese Woche auch von meiner Mutter gefragt, ob meine Stelle denn sicher sei oder ob bei uns auch Leute entlassen werden.
Wie geht's Euch allen so? Wir haben viel Arbeit zur Zeit. Symptome, die "wegen Corona" ignoriert wurden über Monate; die Patientin kommen nun noch öfter im Ileus oder mit Perforation als bei dieser sehr indolenten Bevölkerung eh schon...
juke5489
28.03.2021, 18:18
bei uns ist auch üppig zu tun. die notfallzahlen sind eh gefühlt ständig hoch. aktuell gehen mal wieder die zahlen bei den handverletzungen hoch, während in den letzten monaten eher die phlegmonen dominiert haben, wo wir bestimmt fast jeden tag zwei stück pro dienst hatten.
ansonsten haben wir unsere kapazitäten wieder auf knapp 90% hochgefahren und fangen jetzt an unseren riesigen corona-patientenberg abzuarbeiten. dadurch gibts wieder schön viel zu operieren, was mir natürlich gut gefällt.
Pampelmuse
28.03.2021, 18:29
Was machst Du? Handchirurgie? UCH?
juke5489
28.03.2021, 18:53
plastische und hand.
Wie geht's Euch allen so? Wir haben viel Arbeit zur Zeit. Symptome, die "wegen Corona" ignoriert wurden über Monate; die Patientin kommen nun noch öfter im Ileus oder mit Perforation als bei dieser sehr indolenten Bevölkerung eh schon...
Total verrückte Zeiten. Das mit Ileus oder perforierte Appendizitis ist bei uns gefühlt auch häufiger.
Das vorherrschende Problem ist die Bettensituation. Wegen Covid sind paar Stationen komplett gesperrt bzw. für Covid reserviert. Die Abteilungen die dann eigentlich da waren bekommen Betten woanders, die Abteilungen die woanders waren bekommen Betten wieder woanders etc. Damit liegen auf manchen Stationen statt ein bis zwei nun zwei bis vier Fachrichtungen. Chaos vorprogrammiert. Ärger vorprogrammiert. Und es gibt ja dafür auch nicht mehr Pflegekräfte. Aber mehr verschiedene Ärzte die alle irgendwelche Sonderwünsche haben...
Bzgl. "sicherer Stelle": wir haben im ärztlichen Bereich nun mehr Mitarbeiter als vor einem Jahr. Entlassen wurde niemand, gekündigt haben ein paar Leute von sich aus und sind von der Chirurgie in andere Bereiche gegangen.
Den Personalbedarf wird es definitiv immer geben. Es muss nur auch das Geld für Personal geben.
Wobei ich sagen muss dass ich noch nie so wirklich den Durchblick hatte welcher Fall wie viel Geld bringt. Scheinbar sind in der Hinsicht Elektivfälle in der Regel lukrativer, und hier vor allem große größere Resektionen mit glattem postoperativem Verlauf. Das scheint vor allem mit der Verweildauer und dem sonstigen daneben noch anfallenden Aufwand zusammenzuhängen, wobei Zusatzdiagnosen auch mehr Geld bringen können, insofern lässt sich das sicher auch nicht pauschalisieren.
Frage mich sowieso wie kleinere Kliniken die Einnahmeausfälle durch die Pandemie und die verschobenen Elektivfälle schultern werden - ob und wenn ja wie viele Kliniken pleite gehen werden. Und wie die großen Konzerne wie Asklepios, Helios etc. letztlich damit umgehen werden.
Kenne schon Fälle wo Verträge nicht verlängert wurden und das mit Einnahmeausfällen durch die Pandemie begründet wurde.
Thomas24
29.03.2021, 22:14
Wobei ich sagen muss dass ich noch nie so wirklich den Durchblick hatte welcher Fall wie viel Geld bringt.
You don´t say :-D
Scheinbar sind in der Hinsicht Elektivfälle in der Regel lukrativer, und hier vor allem große größere Resektionen mit glattem postoperativem Verlauf. Das scheint vor allem mit der Verweildauer und dem sonstigen daneben noch anfallenden Aufwand zusammenzuhängen, wobei Zusatzdiagnosen auch mehr Geld bringen können, insofern lässt sich das sicher auch nicht pauschalisieren.
Wenn dir das alles so mysteriös und Geheimnisvoll vorkommt, warum beschäftigst du Dich nicht ein ganz klein wenig mit dem DRG System? Kannst auch mal mit dem Controlling reden. Und falls du dich mal mit dem Gedanken an einer Niederlassung beschäftigen solltest, kannst du dich auch ein bischen mit GOÄ und EBM auseinandersetzen.
John Silver
30.03.2021, 10:09
@mbs: Du schreibst immer do lange Postings. Tue uns und Dir selbst den Gefallen und kürze sie bis zur Quintessenz ab: Du hast von nichts eine Ahnung, willst aber ganz viele kluge Worte sagen und gefallen.
Pampelmuse
07.04.2021, 12:37
Total verrückte Zeiten. Das mit Ileus oder perforierte Appendizitis ist bei uns gefühlt auch häufiger.
Das vorherrschende Problem ist die Bettensituation. Wegen Covid sind paar Stationen komplett gesperrt bzw. für Covid reserviert. Die Abteilungen die dann eigentlich da waren bekommen Betten woanders, die Abteilungen die woanders waren bekommen Betten wieder woanders etc. Damit liegen auf manchen Stationen statt ein bis zwei nun zwei bis vier Fachrichtungen. Chaos vorprogrammiert. Ärger vorprogrammiert. Und es gibt ja dafür auch nicht mehr Pflegekräfte. Aber mehr verschiedene Ärzte die alle irgendwelche Sonderwünsche haben...
Hier dasselbe. Am abenteurlichsten finde ich persönlich es ja, wenn wir Außenlieger auf einer neurologischen Station haben...
Ansonsten bestehen die Dienste aktuell gefühlt nur am Rumtelefonieren und nach Betten suchen, z.T. die Patienten in andere Häuser zu verlegen und am Schauen, wen man auf Station hat, den man noch früher entlassen kann. :-kotz
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