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ehem-user-02-08-2021-1033
13.07.2021, 13:33
Gerade bei Spiegelonline gelesen...
Denke damit, dass hierzulande keine Impflicht kommen wird

Sie wird kommen.
Denn sie ist Bestandteil der politischen Tagesagenda.
Auf sich wiederholende Nein's folgt immer ein entscheidendes Ja. Das kennen wir schon immer von Steuererhöhungen.

Evil
13.07.2021, 15:27
Politische Tagesagenda? Ist das die mit den Chemtrails oder die mit den Reptiloiden? ;-)

Back to topic: ich sehe aus medizinischer Sicht absolut keine Indikation für eine Impfauffrischung bei Jüngeren nach weniger als 1 Jahr, und selbst bei längeren Zeiträumen bin ich nicht überzeugt. Ich werde meinen Impftiter mal im Auge behalten.

ehem-user-02-08-2021-1033
13.07.2021, 16:39
Politische Tagesagenda? Ist das die mit den Chemtrails oder die mit den Reptiloiden? ;-)
.

Was soll die Beleidigung eines Akademikers? Europäische Nachbarländer und die ganze Welt werden darüber diskutieren und sie teilweise einführen. Und es wird dann seitens der Presse immer wieder Mantra-Artig diese Frage kommen: Impfpflicht ja oder nein in D. Mit einem Nein ist die Debatte nicht beendet. War mit dem Ausstieg aus der Kernenergie ähnlich.

freak1
13.07.2021, 16:45
Wenn man die kostenfreien Tests abschafft und einen tagesaktuellen Test oder einen Impfnachweis als Zugangsvoraussetzung für alle relevanten Events, Bereiche etc festlegt, braucht man keine explizite Impfpflicht.

Evil
13.07.2021, 18:38
Was soll die Beleidigung eines Akademikers? Europäische Nachbarländer und die ganze Welt werden darüber diskutieren und sie teilweise einführen. Und es wird dann seitens der Presse immer wieder Mantra-Artig diese Frage kommen: Impfpflicht ja oder nein in D. Mit einem Nein ist die Debatte nicht beendet. War mit dem Ausstieg aus der Kernenergie ähnlich.
Du formulierst das so völlig von Dir und Deiner Einschätzung überzeugt als allgemeingültiges Faktum, gleichzeitig empfindest Du eine nicht ganz ernst gemeinte Verballhornung als beleidigend... dabei ist das allein Deine persönliche Meinung.

Ich denke nicht, daß es in der Mehrheit der Länder eine allgemeine Impfpflicht geben wird. In einzelnen Bereichen wie Pflege ja, gut möglich, aber angesichts des Wirbels um Datenschutz bei der Corona-App und den doch nicht so ganz leisen Querdenkern und Gelbwesten und vor allem berechtigten Skeptikern... nein, wird es nicht geben.
Auch nicht unter Reptiloiden :-))

ehem-user-02-08-2021-1033
13.07.2021, 19:13
Ich glaube nicht, dass jemand der bei Verstand ist, ernsthaft an Chemtrails oder Reptiloiden glaubt.
Das ist einfach sehr tief unter der Gürtellinie.

Und wegen einer Meinung im "Spass" mit Idioten gleichgesetzt zu werden, offenbart das ganze derzeitige Dilemma.

Es ist eine derzeit einfach eine blöde Situation in unserem Land. :-(

Evil
13.07.2021, 21:00
Ich glaube nicht, dass jemand der bei Verstand ist, ernsthaft an Chemtrails oder Reptiloiden glaubt.
Das glaube ich auch nicht, und ich habe das auch keineswegs zwingend formuliert.

Ich denke, ein allgemeines Problem besteht derzeit darin, daß sich viele Leute einen Schuh anziehen, der ihnen eigentlich nicht passt, anstatt sich selbst mal nicht ganz so ernst und wichtig zu nehmen.

ehem-user-02-08-2021-1033
13.07.2021, 21:14
*gelöscht*

WiWi18
14.07.2021, 11:43
Wenn man die kostenfreien Tests abschafft und einen tagesaktuellen Test oder einen Impfnachweis als Zugangsvoraussetzung für alle relevanten Events, Bereiche etc festlegt, braucht man keine explizite Impfpflicht.

Genau das wird passieren. In Baden-Württemberg diskutiert man darüber, dass Ungeimpfte statt der Schnelltests in Zukunft PCR-Tests brauchen, um am öffentlichen Leben teilzunehmen, die sie selbst bezahlen müssen. Das käme schon einer de-facto-Impfpflicht gleich.

https://www.mannheim24.de/baden-wuerttemberg/baden-wuerttemberg-ungeimpfte-einschraenkungen-verschaerfte-regeln-nicht-geimpfte-corona-verordnung-zr-90860198.html

Ansonsten gibt es, für Beschäftigte im Gesundheitssektor, doch z.B. bereits eine Impfpflicht gegen Masern. Sobald die Impfstoffe von Novavax oder Sanofi auf dem Markt sind, die nicht mehr auf "experimenellen" bzw. neuartigen Ansätzen beruhen, gibt es dagegen bei SARS-CoV-2 auch kein wirkliches Gegenargument mehr. Irgendeinen Tod werden wir als Gesellschaft sterben müssen - und da wähle ich die explizite oder implizite Impfpflicht vor elektronischer Dauerüberwachung oder vor jährlichem mehrmonatigen Lockdown.

Nefazodon
14.07.2021, 12:33
Genau das wird passieren. In Baden-Württemberg diskutiert man darüber, dass Ungeimpfte statt der Schnelltests in Zukunft PCR-Tests brauchen, um am öffentlichen Leben teilzunehmen, die sie selbst bezahlen müssen. Das käme schon einer de-facto-Impfpflicht gleich.

https://www.mannheim24.de/baden-wuerttemberg/baden-wuerttemberg-ungeimpfte-einschraenkungen-verschaerfte-regeln-nicht-geimpfte-corona-verordnung-zr-90860198.html

Ansonsten gibt es, für Beschäftigte im Gesundheitssektor, doch z.B. bereits eine Impfpflicht gegen Masern. Sobald die Impfstoffe von Novavax oder Sanofi auf dem Markt sind, die nicht mehr auf "experimenellen" bzw. neuartigen Ansätzen beruhen, gibt es dagegen bei SARS-CoV-2 auch kein wirkliches Gegenargument mehr. Irgendeinen Tod werden wir als Gesellschaft sterben müssen - und da wähle ich die explizite oder implizite Impfpflicht vor elektronischer Dauerüberwachung oder vor jährlichem mehrmonatigen Lockdown.

Nur sind die Masern eine völlig andere Erkrankung! Die Impfung gegen Masern sorgt für eine sterileImmunität, d.h. eine Übertragung ist nicht mehr möglich. Auch hält die Immunität wahrscheinlich lebenslang. Da Masern ausschließlich humanpathogen sind, könnten wir die Masern ausrotten, wenn alle mitmachen!

Das alles ist bei Sars-Cov-2/Covid nicht der Fall. Trotz Impfung kann man sich noch anstecken und das Virus übertragen und die Immunität hält sehr wahrscheinlich auch längst nicht so lange an wie bei Masern. Ausrotten können wir Sars-Cov-2 sowieso nicht, da auch tierpathogen.
Da eine Ansteckung durch Impfung nicht sicher vermieden werden kann, sehe ich persönlich keinen Grund für eine Impfpflicht.

Was das Thema Lockdown angeht: Im Moment werden ja immer mehr stimmen laut, die fordern, dass es keinen weiteren Lockdown gibt. Die Leute sind Lockdown müde. Sah man auch an der EM, oder insgesamt daran, dass Großbritannien die Beschränkungen aufgibt. Letztlich sollten die Einschränkungen meiner Meinung nach aufgehoben werden, sobald jeder der möchte, die Chance hatte sich zu impfen, um sich selbst zu schützen.

Feuerblick
14.07.2021, 12:46
Letztlich könnte man doch auch einfach abwarten, was der große Feldversuch auf der Insel so hervorbringt. Wenn die das schon machen, könnte man sich das anschauen. Daten aus Israel hat man auch schon. :-))

WiWi18
14.07.2021, 13:07
Nur sind die Masern eine völlig andere Erkrankung! Die Impfung gegen Masern sorgt für eine sterileImmunität, d.h. eine Übertragung ist nicht mehr möglich. Auch hält die Immunität wahrscheinlich lebenslang. Da Masern ausschließlich humanpathogen sind, könnten wir die Masern ausrotten, wenn alle mitmachen!

Das alles ist bei Sars-Cov-2/Covid nicht der Fall. Trotz Impfung kann man sich noch anstecken und das Virus übertragen und die Immunität hält sehr wahrscheinlich auch längst nicht so lange an wie bei Masern. Ausrotten können wir Sars-Cov-2 sowieso nicht, da auch tierpathogen.
Da eine Ansteckung durch Impfung nicht sicher vermieden werden kann, sehe ich persönlich keinen Grund für eine Impfpflicht.

Ich finde, dass sich deine Schlussfolgerung aus den Argumenten, die du angibst, nicht ableiten lässt.



Was das Thema Lockdown angeht: Im Moment werden ja immer mehr stimmen laut, die fordern, dass es keinen weiteren Lockdown gibt. Die Leute sind Lockdown müde. Sah man auch an der EM, oder insgesamt daran, dass Großbritannien die Beschränkungen aufgibt. Letztlich sollten die Einschränkungen meiner Meinung nach aufgehoben werden, sobald jeder der möchte, die Chance hatte sich zu impfen, um sich selbst zu schützen.

Ja, aber auch dann stellt sich die Frage, was wir machen, wenn die Gesundheitssysteme überlaufen. Wird dann 75-jährige Impfverweigerer auch dann weiter beatmet, wenn dadurch kein Bett mehr für das 20-jährige Unfallopfer frei ist? Eine solche Situation sollte unbedingt vermieden werden.

Es gibt keine elegante Lösung. Ich verstehe jeden, der keine Impflicht will, ich sehe halt nur keine echte Alternative, wenn wir irgendwann mal unser altes Leben vollständig zurückhaben wollen (oder es wenigstens so bleibt, wie es momentan ist).


Letztlich könnte man doch auch einfach abwarten, was der große Feldversuch auf der Insel so hervorbringt. Wenn die das schon machen, könnte man sich das anschauen. Daten aus Israel hat man auch schon. :-))

Praktisch läuft es darauf hinaus. Wenn sich im UK zeigt, dass man die Corona-Wellen bei hinreichender Impfquote einfach durchlaufen lassen kann, ohne dass die Gesundheitssysteme überlaufen, ist es auch gut (so viel trennt uns nicht mehr von den UK-Impfquoten). Ich hoffe sehr, dass dem so ist - dann wäre mit Corona einfach "nur" eine vermeidbare Krankheit hinzugekommen, die einzelne trifft, die Gesellschaft als Ganzes aber nicht tangiert.

Kackbratze
14.07.2021, 13:28
Ja, aber auch dann stellt sich die Frage, was wir machen, wenn die Gesundheitssysteme überlaufen. Wird dann 75-jährige Impfverweigerer auch dann weiter beatmet, wenn dadurch kein Bett mehr für das 20-jährige Unfallopfer frei ist? Eine solche Situation sollte unbedingt vermieden werden.

Been there, done that. Flatten the curve. Die Datenlage haben sogar wir schon vorliegen und es gab diese Situation nicht.

Perseveration macht es nicht realer.

Der Superspreader-Event in Utrecht geht zwar gerade steil in jedem Presseerzeugnis, die entscheidenden Daten (Hospitalisation, wieviele tatsächlich geimpft von den positiv getesteten, wieviele Erkrankte) werden aber überall nicht angegeben. So langsam müsste die Presse doch besser berichten können.

Nefazodon
14.07.2021, 14:29
Ich finde, dass sich deine Schlussfolgerung aus den Argumenten, die du angibst, nicht ableiten lässt.


Aber eigentlich wird doch genau anders herum ein Schuh draus: Diejenigen die für einen einscheidenden Eingriff in die Persönlichkeitsrechte, wie es eine Impfpflicht darstellt, sind, müssen dies begründen.

Also frage ich dich, da Du dafür argumentierst: Wie würdest Du eine selektive Impfpflicht bei Mitarbeitern im Gesundheitswesen begründen, wenn die Impfung eben nicht verhindert, dass das Virus auf Ungeimpfte übertragen wird?


Ja, aber auch dann stellt sich die Frage, was wir machen, wenn die Gesundheitssysteme überlaufen. Wird dann 75-jährige Impfverweigerer auch dann weiter beatmet, wenn dadurch kein Bett mehr für das 20-jährige Unfallopfer frei ist? Eine solche Situation sollte unbedingt vermieden werden.

Es gibt keine elegante Lösung. Ich verstehe jeden, der keine Impflicht will, ich sehe halt nur keine echte Alternative, wenn wir irgendwann mal unser altes Leben vollständig zurückhaben wollen (oder es wenigstens so bleibt, wie es momentan ist).


Abwarten ob das überhaupt passiert. Wenn die Impfungen halten, was sie versprechen und schwere Verläufe verhindern (und danach sieht es aus), sollte es nicht passieren.
Wenn es aber trotz fortgeschrittenen Impfungen noch so viele schwere Verläufe gibt, dass das Gesundheitswesen überlastet wird, dann wären die Impfungen ja auch kein adäquates Mittel um genau das zu verhindern.

Aus ethischer Sicht bin ich (in diesem Kontext wie oben beschrieben) gegen eine Priorisierung der Behandlungskapazitäten jeglicher Art. Wenn Du jemandem der nicht geimpft ist und deswegen an Covid19 erkrankt, die Behandlung verweigerst, was ist dann mit denen, die einen Unfall bauen, weil sie zu schnell gefahren sind? Was ist mit denen, die ein gefährliches Hobby haben? Was mit denen die sich ungesund ernähren?
Das war und ist kein Argument das die Behandlung von Patienten einschränkt und das sollte es meiner Meinung nach auch nie werden.

Aber diese Frage ist eigentlich auch unabhängig von der Frage nach einer selektiven Impfpflicht im Gesundheitswesen.

Wie Du schon schreibst wollen viele, auch ich, irgendwann ihr altes Leben zurück. Und so langsam finde ich, wird die Frage, wie lange wir welche Einschränkungen noch aufrecht erhalten wollen, immer drängender.

Covid19 wird es wohl immer geben. Das Virus wird nicht mehr verschwinden. Wie also wollen wir damit umgehen?

@Feuerblick: Ich finde auch, dass wir die Situation in GB genau im Auge behalten und unsere Schlüsse daraus ziehen solllten. Ggf. auch bevor wir selbst weitere Lockerungsschritte unternehmen.:-)

WiWi18
14.07.2021, 15:03
Been there, done that. Flatten the curve. Die Datenlage haben sogar wir schon vorliegen und es gab diese Situation nicht.

Perseveration macht es nicht realer.


Es ist trotzdem notwendig, dass man sich überlegt, wie man verhindern kann, dass diese Situation eintritt. Ohne, dass man noch einmal alles dicht machen muss (und ja, in DE haben wir mit dem "Dichtmachen" deutlich übertrieben, diese Meinung habe ich an anderer Stelle schon geäußert).


Aber eigentlich wird doch genau anders herum ein Schuh draus: Diejenigen die für einen einscheidenden Eingriff in die Persönlichkeitsrechte, wie es eine Impfpflicht darstellt, sind, müssen dies begründen.

Also frage ich dich, da Du dafür argumentierst: Wie würdest Du eine selektive Impfpflicht bei Mitarbeitern im Gesundheitswesen begründen, wenn die Impfung eben nicht verhindert, dass das Virus auf Ungeimpfte übertragen wird?

Das Impfen senkt die Übertragunswahrscheinlichkeit aber ganz erheblich. Und zwischen "vollständig" und "erheblich" liegt meines Ermessens nach nur ein gradueller Unterschied.



Abwarten ob das überhaupt passiert. Wenn die Impfungen halten, was sie versprechen und schwere Verläufe verhindern (und danach sieht es aus), sollte es nicht passieren.
Wenn es aber trotz fortgeschrittenen Impfungen noch so viele schwere Verläufe gibt, dass das Gesundheitswesen überlastet wird, dann wären die Impfungen ja auch kein adäquates Mittel um genau das zu verhindern.

Ist halt nicht schwarz-weiß. Impfungen können eine solche Situation abfedern, auch ohne sie ganz zu verhindern.



Aus ethischer Sicht bin ich (in diesem Kontext wie oben beschrieben) gegen eine Priorisierung der Behandlungskapazitäten jeglicher Art. Wenn Du jemandem der nicht geimpft ist und deswegen an Covid19 erkrankt, die Behandlung verweigerst, was ist dann mit denen, die einen Unfall bauen, weil sie zu schnell gefahren sind? Was ist mit denen, die ein gefährliches Hobby haben? Was mit denen die sich ungesund ernähren?
Das war und ist kein Argument das die Behandlung von Patienten einschränkt und das sollte es meiner Meinung nach auch nie werden.

Bin ich ganz deiner Meinung.



Wie Du schon schreibst wollen viele, auch ich, irgendwann ihr altes Leben zurück. Und so langsam finde ich, wird die Frage, wie lange wir welche Einschränkungen noch aufrecht erhalten wollen, immer drängender.

Absolut.

anignu
14.07.2021, 23:07
Also frage ich dich, da Du dafür argumentierst: Wie würdest Du eine selektive Impfpflicht bei Mitarbeitern im Gesundheitswesen begründen, wenn die Impfung eben nicht verhindert, dass das Virus auf Ungeimpfte übertragen wird?
Ketzerische Gegenfrage: wie begründest du dass ich mir ständig die Hände desinfizieren muss aus hygienischen Gründen obwohl die Desinfektion auch nur die Übertragungswahrscheinlichkeit senkt aber eben nicht verhindert?
Ok, man kann sagen dass die Impfpflicht ein Eingriff in die Persönlichkeitsrechte sind.
Jetzt komm ich wieder daher und behaupte dass ich in einer Religionsgemeinschaft bin die das Desinfizieren der Hände verbietet...

Risiken komplett auf null reduzieren kann man in der Medizin grundsätzlich schonmal sehr selten. Schon im Studium lernt man dass "nie" und "immer" beim Kreuzen meist falsch sind. Aber ich bin schon der Meinung dass sich aus den Daten die es bisher gibt ableiten lässt dass eine Impfung relativ zuverlässig nicht nur von einer Infektion sondern auch eben vor der Übertragung schützt. Ich sagte relativ zuverlässig und nein ich hab jetzt keine Studie zum Nachweis rausgesucht. Und wenn ich mir dann ein paar Stationen in unserem Haus raussuch mit einer Impfquote in der Pflege von deutlich unter 50% dann finde ich das schon bedenklich aus vielerlei Hinsicht.

Kackbratze
14.07.2021, 23:28
Und wenn ich mir dann ein paar Stationen in unserem Haus raussuch mit einer Impfquote in der Pflege von deutlich unter 50% dann finde ich das schon bedenklich aus vielerlei Hinsicht.

Warum haben wir dann nicht auch eine Impfpflicht für Influenza? Da gibt es sogar harte Daten bei einer verträglichen Impfung mit bekannten Langzeitfolgen für das gesamte Personal und das Überleben der Patienten?

Weswegen soll jetzt ein weiterhin nicht langfristig erforschter Impfstoff bei einer Erkrankung die sich immer mehr als epidemiologisches Problem von Risikogruppen darstellt plötzlich als Pflicht verkauft werden?

In der Radiologie gilt ALAR und das Lebenszeitrisiko, zusammen mit einer strengen Abwägung von Nutzen und Risiko. Bei der aktuellen Virologie besteht die STIKO nur aus Stümpern, die Politiker aus den Meinungsmachern und die Firmen aus den wissenschaftlichen Gruppen, die das Impftempo und die Auffrischungen empfehlen. Finde den Fehler.

Bedenklich ist das "über Bord werfen" von Daten und wissenschaftlicher Sorgfalt mit der hier Dinge wie eine Impfpflicht oder auch die letzten Lockdowns, äh Bundesnotbremsen, verkauft werden.

Es gibt diese Erkrankung, sie ist gefährlich für bestimmte Gruppen, deswegen jedwedes Maß und Mitte zu vergessen (klassischer Politikersprech) ist genauso gefährlich wie das Verleugnen der Erkrankung. Wenn dann eine Pandemie mit einer deutlich höheren Morbidität und Mortalität um die Ecke kommt wird keiner mehr zuhören, weil "die Wölfe, die Wölfe" gerade bei SARS-COV-2 ihre Drohkulisse verlieren.

Nefazodon
15.07.2021, 00:35
Ketzerische Gegenfrage: wie begründest du dass ich mir ständig die Hände desinfizieren muss aus hygienischen Gründen obwohl die Desinfektion auch nur die Übertragungswahrscheinlichkeit senkt aber eben nicht verhindert?
Ok, man kann sagen dass die Impfpflicht ein Eingriff in die Persönlichkeitsrechte sind.
Jetzt komm ich wieder daher und behaupte dass ich in einer Religionsgemeinschaft bin die das Desinfizieren der Hände verbietet...

Risiken komplett auf null reduzieren kann man in der Medizin grundsätzlich schonmal sehr selten. Schon im Studium lernt man dass "nie" und "immer" beim Kreuzen meist falsch sind. Aber ich bin schon der Meinung dass sich aus den Daten die es bisher gibt ableiten lässt dass eine Impfung relativ zuverlässig nicht nur von einer Infektion sondern auch eben vor der Übertragung schützt. Ich sagte relativ zuverlässig und nein ich hab jetzt keine Studie zum Nachweis rausgesucht. Und wenn ich mir dann ein paar Stationen in unserem Haus raussuch mit einer Impfquote in der Pflege von deutlich unter 50% dann finde ich das schon bedenklich aus vielerlei Hinsicht.

Erstens: Der Vergleich hinkt. Während eine Impfpflicht ein Eingriff in die körperliche Unversehrtheit und das Recht auf körperliche Selbstbestimmung ist, gilt das für Händedesinfektion nicht. Die Impfung ist neu, Langzeiteffekte sind mithin notwendigerweise (noch) unerforscht und es gibt eine nicht zu vernachlässigende Rate an schweren Nebenwirkungen (die zwar selten sind, aber eben doch vorhanden). Das gilt für die äußerliche Händedesinfektion nicht, zumindest längst nicht in dem Maße.
Und während der Effekt einer gut gemachten Händedesinfektion lange bekannt und erwiesen ist, gibt es über den Impfschutz bezogen auf den Schutz der Anderen (nicht den Eigenschutz vor schweren Verläufen) nur wenig Daten.
Meiner Meinung nach zu wenig, um eine Impfpflicht zu rechtfertigen.

Zweitens: Ketzerische Gegenfrage: Glaubst Du eigentlich, dass die Händedesinfektion, so wie sie im Krankenhaus durchgeführt wird, immer richtig durchgeführt wird und daher einen guten Effekt hat? Die Sinnhaftigkeit der Desinfektion steht außer Frage, doch muss man dabei Vieles beachten: unter anderem dass die Hände komplett einmal vom Desinfektionsmittel bedeckt gewesen sein müssen und auch die richtige Einwirkzeit (mindestens 30 Sekunden).
Ich weiß nicht, was Du bisher beobachtet hast, aber ich habe schon oft gesehen, dass diese Grundregeln nicht eingehalten wurden. Daher könnte es sein, dass der Effekt dieser "Schnell-Desinfektionen" weit geringer ist, als wir im Alltag glauben...
Ich hab mir tatsächlich, wenn ich so eine "Katzenwäsche" gesehen habe oft gewünscht, man könnte Keime einfach sichtbar machen...
Und von den ganzen Desinfektionsmittelspendern, die jetzt in den Eingängen der Geschäfte stehen, fang ich gar nicht erst an....
Hast Du die Leute schonmal beobachtet? Das sind im besten Fall Desinfektions-Placebos und im schlimmsten Fall Keimschleudern.

Wenn es Stationen mit einer Impfquote unter 50% bei der Pflege gibt, finde ich persönlich das auch sehr bedenklich, überhaupt keine Frage.
Allerdings finde ich auch, sollte man sich dann tatsächlich fragen, woran das liegt und auf Ursachensuche gehen. Offensichtlich haben dann gerade diese Leute kein hohes Vertrauen in unser Gesundheitswesen....

Und da muss man ansetzen: Aufklären. Informieren. Vertrauen schaffen. Aber Zwang ist der falsche Weg. Er könnte sogar kontraproduktiv sein. Und ich fände es sehr schlimm, wenn jemand, der zu der Impfung gezwungen wurde eine Sinusvenenthrombose erleidet, Moralisch wäre das sehr schlimm. (Wohingegen das Risiko reel natürlich sehr niedrig ist, sodass die Nutzen-Risikoabwägung insgesamt für die Impfstoffe als individuelle Schutzmaßnahme positiv ist.Meiner Meinung nach aber eben nur, solange jeder dieses Risiko selbst wählen kann und nicht gezwungen wird).
In jedem Fall wäre Zwang Wasser auf die Mühlen der Impfgegner. Zwang erzeugt oft Widerstand.

Schade, dass Du keine Studie zur Übertragungsrate zwischen Geimpften und Ungeimpften parat hast. Das ist ehrlich gemeint. Mich würden diese Zahlen tatsächlich interessieren.
Ich befürchte nämlich, dass es trotz Impfungen immer wieder zu Coronaausbrüchen kommen wird und wir einfach damit leben müssen. An die viel beschworene "Herdenimmunität" glaube ich nicht, bzw. weniger drastisch formuliert, ich habe Zweifel.

Die Impfungen sind aber natürlich trotzdem ein Segen und wichtig, da sie schwere Verläufe verhindern. Dadurch entlasten sie unser Gesundheitssystem. Außerdem haben es dadurch viele Menschen in der Hand, sich selbst zu schützen.
Einen gewissen Schutz für andere möchte ich auch nicht absolut absprechen (wie Du schon gesagt hast, absolute Wahrheit gibt es in der Medizin nicht), aber der scheint durch Delta doch deutlich abzunehmen.
Mich würde übrigens wirklich interessieren, wieviel weniger wahrscheinlich Geimpfte das Virus übertragen. Dann ließe sich besser diskutieren. Leider kenne ich aber keine Zahlen dazu.

Und solange das so bleibt bin ich pro Impfung, aber strikt gegen eine Impfpflicht.


Bedenklich ist das "über Bord werfen" von Daten und wissenschaftlicher Sorgfalt mit der hier Dinge wie eine Impfpflicht oder auch die letzten Lockdowns, äh Bundesnotbremsen, verkauft werden.

Tatsächlich kann ich mich Bratze da anschließen: Ich hätte gerne einfach mehr Daten.
Daten zur Übertragungsrate durch Geimpfte. Daten zur Anzahl der Infektionen, die draußen erfolgt sind (man erinnere sich an die Maskenpflicht in den Fußgängerzonen), Daten zur Anzahl der Infektionen in der Innengastronomie, oder ja, auch im Krankenhaus. Daten zur Wirkdauer der Impfung, bevor jetzt eine Dritte Impfung empfohlen wird...

McBeal
15.07.2021, 04:28
Was das Thema Lockdown angeht: Im Moment werden ja immer mehr stimmen laut, die fordern, dass es keinen weiteren Lockdown gibt. Die Leute sind Lockdown müde. Sah man auch an der EM, oder insgesamt daran, dass Großbritannien die Beschränkungen aufgibt. Letztlich sollten die Einschränkungen meiner Meinung nach aufgehoben werden, sobald jeder der möchte, die Chance hatte sich zu impfen, um sich selbst zu schützen.
So in ein bis zwei Jahren? Oder wann gibt es wohl für jeden in jeder Altersgruppe diese Möglichkeit?

LG
Ally

ehem-user-02-08-2021-1033
15.07.2021, 07:15
@Kackbratze
Ich glaube, dass bei einer Erkrankung mit höherer Mortalität die Leute durchaus noch intensiver emotional darauf reagieren werden. Ich glaube, da sogar, dass dann Handgreiflichkeiten für Hygieneartikel auftreten. Man wird sich um Masken prügeln.
Und ein nicht unerheblicher Anteil der Bevölkerung würde für die Abriegelung der betroffenen Gebiete (also nicht der in der sie wohnen...) den Schusswaffen-Gebrauch gut finden.
Das ist meine Meinung/Prognose.