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Kackbratze
16.07.2021, 07:55
Für die Altersgruppe existiert keine Zulassung, da begibt man sich, wenn man es unbedingt will, in den Bereich off-label-use, der wesentlich mehr Aufklärung und Dokumentation erfordert, aber auch nicht verboten ist.

WiWi18
16.07.2021, 09:00
Wirklich? Dazu hätte ich gerne eine Quelle. :-)
Interessantes Thema!

Was ich auf Anhieb finde:

https://www.aerzteblatt.de/nachrichten/119835/Corona-Warum-die-EU-bei-Biontech-und-Moderna-weniger-Impfstoff-orderte

ehem-user-19-08-2021-1408
16.07.2021, 10:19
Für die Altersgruppe existiert keine Zulassung, da begibt man sich, wenn man es unbedingt will, in den Bereich off-label-use, der wesentlich mehr Aufklärung und Dokumentation erfordert, aber auch nicht verboten ist.

Interessant ist nur dass ich das Hydroxychloroquin auf der Intensivstation in den USA tonnenweise ohne Aufklärung/Dokumentation bei COVID Patienten benutzt habe, auch wenn dies auch Off Label war :)

Kackbratze
16.07.2021, 10:46
Die EU hat zunächst primär auf den "bewährten" Impfstoff von Sanofi gesetzt, was ihr dann (zurecht) vorgehalten wurde...

Ich gehe mal davon aus, dass die Entwicklung von Impfstoffen nach den bewährten Methoden deutlich schwieriger ist als nach den "neuen". Woran das liegen mag, keine Ahnung. Vielleicht brauchen die "altbewährten" Impfstoffe einfach mehr Iterationsschritte.

Aus dem Artikel geht hervor, dass die EU bei allen Herstellern geordert hat, dabei 300Mio von Sanofi. Daraus bei z.B. 405Mio Curevac, 400Mio AZ eine primäre Bevorzugung abzuleiten ist falsch.

Später wurde dann von Frau vdL MRNA als Zukunft gepriesen und als Primärziel angegeben, da kam dann die Bevorzugung auf.

WiWi18
16.07.2021, 10:58
Aus dem Artikel geht hervor, dass die EU bei allen Herstellern geordert hat, dabei 300Mio von Sanofi. Daraus bei z.B. 405Mio Curevac, 400Mio AZ eine primäre Bevorzugung abzuleiten ist falsch.

Später wurde dann von Frau vdL MRNA als Zukunft gepriesen und als Primärziel angegeben, da kam dann die Bevorzugung auf.

So wie ich das verstanden habe hat die EU schon deutlich mehr z.B. auf Sanofi gesetzt als andere Besteller. Wobei der EU-Kommission daraus dann insofern ein Strick gedreht wurde, als behauptet wurde, man habe das getan, weil Frankreich Druck gemacht habe.

mRNA ist halt das wirksamste, was momentan zur Verfügung steht. Aktuell gibt es halt nur die Alternativen Vektor oder mRNA...
Wobei es in meinen Augen schon Sinn ergeben hätte, am Anfang Juni (als die ersten Daten dazu vorlagen) flächendeckend mit AZ/mRNA-Kreuzimpfungen zu arbeiten, das hätte die Impfkampagne durchaus beschleunigen können.

Der kleine Verschwörungstheoretiker in mir hat ja das Gefühl, dass AZ flächendeckend einer schlechten Publicity ausgesetzt war, und ich wette, dass gerade Pfizer sehr gute Berater hatte, die ihnen gesagt haben, wie sie das richtig aufziehen. Hat ja funktioniert.

ehem-user-02-08-2021-1033
16.07.2021, 11:00
Interessant ist nur dass ich das Hydroxychloroquin auf der Intensivstation in den USA tonnenweise ohne Aufklärung/Dokumentation bei COVID Patienten benutzt habe, auch wenn dies auch Off Label war :)

Von rechtlichen Folgen in den USA auf rechtliche Folgen in Deutschland zu schließen funktioniert leider nicht so einfach...

Vermutlich hast du das auch anders gemeint, aber es macht es juristisch nicht valider.

Kackbratze
16.07.2021, 11:23
So wie ich das verstanden habe hat die EU schon deutlich mehr z.B. auf Sanofi gesetzt als andere Besteller. Wobei der EU-Kommission daraus dann insofern ein Strick gedreht wurde, als behauptet wurde, man habe das getan, weil Frankreich Druck gemacht habe.

mRNA ist halt das wirksamste, was momentan zur Verfügung steht. Aktuell gibt es halt nur die Alternativen Vektor oder mRNA...
Wobei es in meinen Augen schon Sinn ergeben hätte, am Anfang Juni (als die ersten Daten dazu vorlagen) flächendeckend mit AZ/mRNA-Kreuzimpfungen zu arbeiten, das hätte die Impfkampagne durchaus beschleunigen können.

Der kleine Verschwörungstheoretiker in mir hat ja das Gefühl, dass AZ flächendeckend einer schlechten Publicity ausgesetzt war, und ich wette, dass gerade Pfizer sehr gute Berater hatte, die ihnen gesagt haben, wie sie das richtig aufziehen. Hat ja funktioniert.

Das Sanofi auf Druck von Frankreich Gelder bekommen hat, ist als Flurfunk bekannt und keine Überraschung, aber wie gesagt, es sieht nicht nach Bevorzugung aus.

"Zur Verfügung" stehen weit mehr Impfstoffe als die aktuellen MRNA-Impfstoffe die wir in der EU verwenden. Teilweise sind die nicht zugelassen, teilweise wollen die betreffenden Länder/Firmen garnicht eine Zulassung in der EU.

Die Impfstoffe, die man verwenden könnte sind z.B. CoronaVac oder BBIBP-CorV aus China, aber da hält die EU den Daumen drauf.

Nefazodon
16.07.2021, 13:33
Es gibt in jedem Alter Risikogruppen oder Angehörige von Risikopatienten. Warum sollte nicht aus Fairnessgründen zumindest für alle die theoretische Möglichkeit bestehen, also zumindest ein Impfstoff zugelassen sein.
Und auch bei Kindern gibts Long covid, es gibt PIMS… Derzeit würde ich meine Kinder wahrscheinlich auch nicht impfen lassen, fände aber vor Fallenlassen aller Maßnahmen die Möglichkeit gut. Und ich finde, man muss auch ehrlich sein: wir wissen nicht, ob die Impfstoffe Folgen haben können. Wissen wir denn, ob das Virus noch Folgerkrankungen auslöst? Nein, oder? Die SSPE kommt auch erst zehn Jahre nach den Masern.

LG
Ally

Ja, aber es wird immer einzelne Risikogruppen geben, die man nicht vernünftig schützen kann. Wenn es sich dabei jedoch um Einzelfälle handelt, kann das kein Argument sein, die Coronamaßnahmen bis Ultimo aufrecht zu erhalten.

Was PIMS bei Kindern angeht:


Aktuelle Ergebnisse der Datensammlung von Pediatric Inflammatory Multisystem Syndrome (PIMS) Fällen bei Kindern und Jugendlichen in Deutschland

Seit Beginn unserer PIMS Erfassung am 27.5.2020 wurden bis zum 11.07.2021 383 Kinder und Jugendliche gemeldet, die die von uns gewählte Falldefinition der WHO erfüllen. Eine retrospektive Erfassung war dabei möglich.

Quelle: Homepage der DGPI

Ich halte das für keine große Zahl und daher aus epidemiologischer Sicht und bezogen auf breite Maßnahmen für die Bevölkerung für vernachlässigbar, so schlimm es für die 383 Betroffenen auch ist. Eine Impfindikation würde ich daraus, wie auch das RKI nicht ableiten.

Zu Post-Covid/Long-Covid habe ich leider keine Daten gefunden. Die DGPI sammelt noch:

Helfen Sie uns Post-COVID-19 Symptome bei Kindern und Jugendlichen besser zu verstehen

SARS-CoV-2 Infektionen im Kindes- und Jugendalter verlaufen in aller Regel milde und bedürfen keiner spezifischen Therapie. Daher rücken mittel- bis langfristige Folgeerkrankungen einer akuten Infektion – häufig als Post-COVID-19 oder Long-COVID-19 bezeichnet – in den Mittelpunkt der Diskussion.

Bisher fehlen jedoch aussagekräftige Daten zu Häufigkeit und spezifischen klinischen Symptomen dieses Krankheitsbildes.

Wir möchten daher im Auftrag der Deutschen Gesellschaft für Pädiatrische Infektiologie Symptome, die in einem zeitlichen Zusammenhang mit einer nachgewiesenen SARS-CoV-2 Infektion auftreten, erfassen. Ziel ist es, rasch belastbare Daten für dieses neue Krankheitsbild zu erheben und kurzfristig allen Behandlern in Deutschland zur Verfügung zu stellen. Hierfür bitten wir um Ihre Unterstützung!


Generell hatte ich schon in einem Beitrag geschrieben, dass ich bezogen auf Long-Covid skeptisch bin. Länger anhaltende Funktionseinschränkungen nach bestimmten Infektionen sind jetzt nichts neues. Von "chronisch" würde ich aber erst nach einer Zeitspanne von 6 Monaten sprechen, und die ist bei Vielen noch nicht rum.

Sehe es so, dass erstmal nicht genug Daten vorliegen um eine Impfempfehlung für Kinder auszusprechen. Zumal auch gar nicht klar ist, ob die Impfung denn vor Long-Covid schützt.

Ich lasse mich übrigens gerne überzeugen und lerne gerne dazu. Wenn jemand genauere Daten zu Long-Covid hat und sie hier posten würde, wäre ich dankbar.

Heerestorte
16.07.2021, 13:40
Als Mitglied der Bundeswehr wird man immer gegen Influenza geimpft. Aber das weiß man wohl vorher.

Das stimmt nicht ;-)

Nefazodon
16.07.2021, 13:55
Kleiner Nachtrag zum Thema Long-Covid:

Finde die Seite von Quarks dazu ganz interessant: https://www.quarks.de/gesundheit/medizin/langzeitschaeden-von-covid-19-was-wir-wissen-und-was-nicht/

Dort gibt es einen längeren Artikel, der lesenswert ist. Ich möchte diesen Abschnitt herausstellen:

In England haben Forschende der staatlichen Gesundheitsbehörden über eine App die zahlreichen Symptome von Infizierten über Wochen und Monate untersucht. Darunter fallen Kopfschmerzen, Müdigkeit, Gliederschmerzen, Atemprobleme, Gedächtnisverlust oder Konzentrationsstörungen. Demnach berichteten zehn Prozent der Teilnehmerinnen und Teilnehmer nach drei Wochen noch über verschiedenste Symptome, fünf Prozent nach fünf Wochen und zwei Prozent nach mehr als neun Wochen. In vielen anderen Untersuchungen sind die Prozentzahlen deutlich höher.

Es gibt auch Fälle, die sich schon im Frühjahr 2020 mit SARS-CoV-2 infiziert hatten und den Ärzten noch heute von langanhaltenden Kopfschmerzen berichten oder davon, dass sich der Geruchs- oder Geschmackssinn bisher nicht normalisiert hat. Viele Menschen berichten auch davon, dass die Symptome auch zwischenzeitlich verschwinden und dann wiederkehren, also eine Art wellenartiger Verlauf. Der Grund dafür ist unbekannt.


Demnach berichteten zehn Prozent der Teilnehmerinnen und Teilnehmer nach drei Wochen noch über verschiedenste Symptome, fünf Prozent nach fünf Wochen und zwei Prozent nach mehr als neun Wochen.

Ich sehe mich durch die Abnahme der Prävalenzzahlen über die Wochen in meiner Ansicht bestärkt, dass es sich möglicherweise nur um ein passageres Problem handelt. Wäre für uns alle ja wünschenswert.

Insgesamt fehlen jedoch einfach Daten zu Long-Covid und müssen erst noch erhoben werden.
Ein großes Problem in dieser neuen Pandemie.:-keks

Übrigens ist der Artikel auf quarks meiner Meinung nach in seiner Gänze lesenswert, nicht nur der Teil den ich zitiert habe.;-)

Miss_H
16.07.2021, 19:29
Das stimmt nicht ;-)
Dann ist es wohl eine Fehlinformation. Wurde mir von einem "Angestellten" der Bundeswehr so gesagt. Dabei ist diese Person nicht mal medizinisch tätig.

GelbeKlamotten
16.07.2021, 20:22
Kleiner Nachtrag zum Thema Long-Covid:

Finde die Seite von Quarks dazu ganz interessant: https://www.quarks.de/gesundheit/medizin/langzeitschaeden-von-covid-19-was-wir-wissen-und-was-nicht/

Dort gibt es einen längeren Artikel, der lesenswert ist. Ich möchte diesen Abschnitt herausstellen:


„Demnach berichteten zehn Prozent der Teilnehmerinnen und Teilnehmer nach drei Wochen noch über verschiedenste Symptome, fünf Prozent nach fünf Wochen und zwei Prozent nach mehr als neun Wochen.“


Ich sehe mich durch die Abnahme der Prävalenzzahlen über die Wochen in meiner Ansicht bestärkt, dass es sich möglicherweise nur um ein passageres Problem handelt. Wäre für uns alle ja wünschenswert.

Insgesamt fehlen jedoch einfach Daten zu Long-Covid und müssen erst noch erhoben werden.
Ein großes Problem in dieser neuen Pandemie.:-keks

Übrigens ist der Artikel auf quarks meiner Meinung nach in seiner Gänze lesenswert, nicht nur der Teil den ich zitiert habe.;-)

Ich sehe mich durch diese Zahlen sogar darin bestätigt, dass „Long Covid“ ein Phänomen ist, dass generell offensichtlich sehr selten ist.

10% BERICHTEN nach 3 Wochen über Symptome. Da sollte einem als Ärztin klar sein, dass das selbstverständlich nicht bedeutet, dass 10% nach 3 wochen noch organisch bedingte Symptome haben.

Würde man einer eigentlich gesunden Kontrollgruppe glaubhaft versichern, sie wären ebenfalls an Covid erkrankt, dann würden sicherlich auch um die 10% nach 3 wochen über Symptome wie Kopfschmerzen berichten.

In einer randomisierten kontrollierten Studie, die ja in diesem Fall leider methodisch nicht möglich ist, würde man sich wenn sie möglich wäre vermutlich sehr schwer damit tun, überhaupt ein signifikantes Auftreten von Long Covid nachzuweisen.

Traurig, dass diese extrem schwache Datenbasis in Kombination mit öffentlicher Dauerpanikmache ausreicht um einen großen Teil der Mediziner davon zu überzeugen, Long Covid wäre eine riesige schreckliche Gefahr.

Wobei es mich andererseits auch nicht wirklicj wundert, wenn ich an das Studium und die analytischen/statistischen Kenntnisse meiner Kommilitonen zurückdenke.

ehem-user-02-08-2021-1033
16.07.2021, 21:18
Jetzt Mal Butter bei die Fische... War Long COVID nicht immer das Argument zur Impfung von 20 Jährigen .

DrSkywalker
16.07.2021, 21:42
Ich habe alleine in meiner Praxis mindestens 20 Patienten, die nach 3 bis 6 Monaten noch deutlich eingeschränkt sind. Luftnot, persistierender geschmacksverlust, chronische Kopfschmerzen, starke dauerhafte Müdigkeit, etc.

Glücklicherweise sind einige so circa nach 6 Monaten doch besser geworden und waren dann auch meistens wieder Arbeitsfähig. Hauptsächlich junge Menschen unter 45 übrigens...

ehem-user-02-08-2021-1033
16.07.2021, 22:03
Immer diese Gegensätze der Darstellung... Sehr schwierig...

Nefazodon
16.07.2021, 22:13
Ich habe alleine in meiner Praxis mindestens 20 Patienten, die nach 3 bis 6 Monaten noch deutlich eingeschränkt sind. Luftnot, persistierender geschmacksverlust, chronische Kopfschmerzen, starke dauerhafte Müdigkeit, etc.

Glücklicherweise sind einige so circa nach 6 Monaten doch besser geworden und waren dann auch meistens wieder Arbeitsfähig. Hauptsächlich junge Menschen unter 45 übrigens...

Das widerspricht zumindest meiner Aussage, dass es solche Phänomene auch nach anderen Krankheiten gibt, UND dass das Ganze evtl. nur passager sehr sein könnte, in keinster Weise. Im Gegenteil.

Ich finde übrigens, dass der o.g. Ansatz von GelbeKlamotten nicht so einfach von der Hand zu weisen ist.

Dass es einen signifikante Placebo-/Noceboeffekte gibt, ist in der Medizin sehr gut belegt. Es gibt gute Studien dazu zu vermeintlicher Statinunverträglichkeit und Noceboeffekt.
Es ist also anzunehmen, dass es auch hier Nocebo-Effekte gibt.

Abgesehen davon möchte ich anmerken, dass nun schon seit geraumer Zeit eine nicht zu unterschätzende psychische Belastung in der Bevölkerung durch die (gefühlte) Dauerbedrohung in der Pandemie sowie den langen Lockdown besteht.
Das dürfte meiner Einschätzung nach zu einer Zunahme von psychischen und psychosomatischen Beschwerden und Erkrankungen führen.
Das Problem mit psychosomatischen Beschwerden ist aber, meiner Erfahrung nach, dass sich viele Erkrankte (zumindest initial) damit schwer tun, eine psychische Genese ihrer Beschwerden in Betracht zu ziehen. Stattdessen wird nach einer somatischen Ursache gesucht.

Es ist ein zugegebenermaßen ketzerischer Gedanke, aber könnte es nicht sein, dass ein bestimmter Anteil der Beschwerden, die geschildert werden, psychosomatisch bedingt sind?
Wenn z.B. ein Restaurantbesitzer, der durch die anhaltende Pandemie um seinen Betrieb fürchten muss, an Covid erkrankt und anschließend über anhaltende Kopfschmerzen klagt, liegt das dann immer an Covid?
Für diese Theorie spricht auch, dass die Bandbreite der berichteten Symptome bisher sehr groß ist, ohne dass bisher eine Erklärung dafür gefunden wurde.

CAVE: Ich möchte damit auf keinen Fall die mögliche Existenz eines Long-Covid-Syndroms komplett negieren; keinesfalls möchte ich all diesen Leuten unterstellen, dass ihre Beschwerden nur psychosomatisch wären. Ich habe ja bereits geschrieben, dass es längeranhaltende Beschwerden auch nach anderen Viruserkrankungen gab und gibt. Jedoch finde ich, müssen wir gerade auch in dieser Ausnahmesituation, die die Pandemie darstellt, zumindest in Betracht ziehen, dass ein gewisser Anteil an den Beschwerden auch psychisch sein könnte.

Ich hoffe, dafür werde ich jetzt nicht gesteinigt...

GelbeKlamotten
16.07.2021, 22:53
Wenn man sich die Häufigkeiten von Noceboeffekten z.B. in üblichen Plazebokontrollierten Medikamentenstudien anschaut, dann wäre es äußerst verwunderlich, wenn die derzeitige extreme Dauerbeschallung mit Horrormeldungen über (Long) Covid auf allen Kanälen nicht zu sehr ausgeprägten Nozeboeffekten führen würde, die auch zu längerfristiger AU führen können.

Da man das auch bei Ärzten mitunter dazusagen muss: das bedeutet nicht, dass die Patienten, die mit „Long Covid“ in die Praxis kommen, diese Symptome nicht tatsächlich haben. Es bedeutet nur, dass die Ursache nicht in erster Linie eine organische Veränderung durch die Covid-Infektion sein muss.

anignu
16.07.2021, 23:12
CAVE: Ich möchte damit auf keinen Fall die mögliche Existenz eines Long-Covid-Syndroms komplett negieren; keinesfalls möchte ich all diesen Leuten unterstellen, dass ihre Beschwerden nur psychosomatisch wären. Ich habe ja bereits geschrieben, dass es längeranhaltende Beschwerden auch nach anderen Viruserkrankungen gab und gibt. Jedoch finde ich, müssen wir gerade auch in dieser Ausnahmesituation, die die Pandemie darstellt, zumindest in Betracht ziehen, dass ein gewisser Anteil an den Beschwerden auch psychisch sein könnte.

Ich hoffe, dafür werde ich jetzt nicht gesteinigt...
Gesteinigt nicht. Mich stört schön langsam nur dass hier ständig an long covid Zweifel gesäht werden und ich mir dabei immer denk: offensichtlich lebt ihr woanders als ich. Ich lebe in einer ehemaligen Covid-Hot-Spot-Region, es gab viele / sehr viele Covid-Fälle und daher hab ich auch im wirklich engen Freudeskreis Fälle von long covid und das stört mich persönlich massiv. Wenn man zu seinem wirklich engen Freundeskreis die man tatsächlich sehr regelmäßig trifft sagen wir mal 20 Leute zählt, die alle in meinem Alter sind, und dabei hat eine Person seit 15 Monaten Parosmie und eine seit 8 Monaten Lungenstrukturveränderungen die im CT grausam aussehen und ihr ständig Atembeschwerden bis zur Atemnot machen, dann stört mich das. Dann hab ich darauf keinen Bock.
Blabla, sind wieder Anekdoten, Einzelfälle, etc. Mag sein. Ist mir egal. Ich hab eine top fitte Frau gesehen und das CT ein halbes Jahr nach Covid. Sieht beschi... aus. Will ich nicht. Und was mich stört: ich kenn sie persönlich und nicht nur aus der Zeitung oder als Story aus irgendwelchen social media zeugs...

Irgendwelche Belastungssyndrome sind mir dabei egal, Fatigue Syndrom kenn ich aus der Familie, ließ sich bessern/beheben durch eine psychosomatische Reha. Aber Lungenstrukturveränderungen lassen sich einfach mal nicht wegdiskutieren und auch nicht psychosomatisch erklären. Belastet, maximal genervt von der Situation, etc. bin ich selber. Das schlägt bei vielen auch psychosomatisch durch, bei mir sicher auch. Ich würd schon sagen dass ich reizbarer geworden bin.

Die Kriterien mit >6 Monaten sind damit erfüllt, und damit läuft es in meinem engsten Freundeskreis auf 10% long covid raus bei aber nur 20% der Leuten mit bekannter Infektion. Anders ausgedrückt: die Hälfte meiner Freunde die bekannt Covid hatten haben immer noch Beschwerden und das teils massiv. Medizinische Vorgeschichte? Alle kerngesund oder nicht ausreichend untersucht. Alter? In meinem Alter. Statistisch zufällige Häufung? Möglich, aber da will ich nicht das Versuchskaninchen sein das das ausprobiert. Konsequenz? Impfen, impfen, impfen. Und wenn ich meine Kinder impfen lassen könnte (sind noch weit <12J) dann würd ich das machen.

Über die Toten die ich tatsächlich kannte hab ich noch gar nichts geschrieben, da gab es auch einige. Auch im Alter <60J.


Thema sterile Immunität, das wurde ja auch mal angesprochen:
Covid gibt es ja noch nicht lange, daher sind die Erfahrungen wenig. Die Frage ist ob es nicht doch eine sterile Immunität geben kann die zum Beispiel abhängig von der Menge der Antikörper ist. Also wie bei Hep B oder so. Also dass manche Leute zwei Impfungen, andere drei oder auch vier Impfungen brauchen und dann aber schon die sterile Immunität erreicht ist. Dann wäre ein Argument gegen eine Impfpflicht ausgeräumt.

GelbeKlamotten
16.07.2021, 23:56
Gesteinigt nicht. Mich stört schön langsam nur dass hier ständig an long covid Zweifel gesäht werden und ich mir dabei immer denk: offensichtlich lebt ihr woanders als ich. Ich lebe in einer ehemaligen Covid-Hot-Spot-Region, es gab viele / sehr viele Covid-Fälle und daher hab ich auch im wirklich engen Freudeskreis Fälle von long covid und das stört mich persönlich massiv. Wenn man zu seinem wirklich engen Freundeskreis die man tatsächlich sehr regelmäßig trifft sagen wir mal 20 Leute zählt, die alle in meinem Alter sind, und dabei hat eine Person seit 15 Monaten Parosmie und eine seit 8 Monaten Lungenstrukturveränderungen die im CT grausam aussehen und ihr ständig Atembeschwerden bis zur Atemnot machen, dann stört mich das. Dann hab ich darauf keinen Bock.
Blabla, sind wieder Anekdoten, Einzelfälle, etc. Mag sein. Ist mir egal. Ich hab eine top fitte Frau gesehen und das CT ein halbes Jahr nach Covid. Sieht beschi... aus. Will ich nicht. Und was mich stört: ich kenn sie persönlich und nicht nur aus der Zeitung oder als Story aus irgendwelchen social media zeugs...

Irgendwelche Belastungssyndrome sind mir dabei egal, Fatigue Syndrom kenn ich aus der Familie, ließ sich bessern/beheben durch eine psychosomatische Reha. Aber Lungenstrukturveränderungen lassen sich einfach mal nicht wegdiskutieren und auch nicht psychosomatisch erklären. Belastet, maximal genervt von der Situation, etc. bin ich selber. Das schlägt bei vielen auch psychosomatisch durch, bei mir sicher auch. Ich würd schon sagen dass ich reizbarer geworden bin.

Die Kriterien mit >6 Monaten sind damit erfüllt, und damit läuft es in meinem engsten Freundeskreis auf 10% long covid raus bei aber nur 20% der Leuten mit bekannter Infektion. Anders ausgedrückt: die Hälfte meiner Freunde die bekannt Covid hatten haben immer noch Beschwerden und das teils massiv. Medizinische Vorgeschichte? Alle kerngesund oder nicht ausreichend untersucht. Alter? In meinem Alter. Statistisch zufällige Häufung? Möglich, aber da will ich nicht das Versuchskaninchen sein das das ausprobiert. Konsequenz? Impfen, impfen, impfen. Und wenn ich meine Kinder impfen lassen könnte (sind noch weit <12J) dann würd ich das machen.

Über die Toten die ich tatsächlich kannte hab ich noch gar nichts geschrieben, da gab es auch einige. Auch im Alter <60J.


Thema sterile Immunität, das wurde ja auch mal angesprochen:
Covid gibt es ja noch nicht lange, daher sind die Erfahrungen wenig. Die Frage ist ob es nicht doch eine sterile Immunität geben kann die zum Beispiel abhängig von der Menge der Antikörper ist. Also wie bei Hep B oder so. Also dass manche Leute zwei Impfungen, andere drei oder auch vier Impfungen brauchen und dann aber schon die sterile Immunität erreicht ist. Dann wäre ein Argument gegen eine Impfpflicht ausgeräumt.

Lungenstrukturveränderungen nach schweren Covid-Verläufen bestreitet oder verharmlost hier auch keiner. Das ist aber nicht das, was normalerweise unter Long Covid läuft bzw. was hier kritisiert wird. Das Problem ist, dass Long Covid als Universalargument verwendet wird, um vor allem auch die leichten Verläufe als furchtbar gefährlich darzustellen.

Bei einem leichten Verlauf sind meistens gar keine Infiltrate festzustellen, manchmal in der CT diskrete periphere Milchglasinfiltrate, wenn man denn überhaupt eigentlich unnötigerweise eine macht. Davon bekommt keiner eine Lungenfibrose.

Bestimmt hat die andere Person, die du beschreibst eine langanhaltende Parosmie. Soetwas wiederum ist sehr leicht psychosomatischen Mechanismen zugänglich. Ob sie die auch hätte, wenn ihr nicht ständig überall mit unendlichem Nachdruck eingeredet würde, dass man sowas von einer Covid-Infektion bekommt, weiß keiner.

Nefazodon
17.07.2021, 00:02
@anignu: Ich glaube, die Situation belastet uns alle und geht uns allen auf die Nerven.
Deine persönlichen Erfahrungen im Freundeskreis tun mir sehr leid.
Auch ich persönlich bin sehr froh geimpft zu sein und fühle mich dadurch sicherer.
Jedoch gehen mir die teils überzogenen Meldungen in den Medien auf die Nerven...eine Horrormeldung nach der anderen...und immer werden damit neue Maßnahmen oder anhaltende Maßnahmen begründet, die teils über keine Evidenz verfügen.
Ich finde, Zweifel am Ausmaß der Zahlen müssen erlaubt sein.

Weißt Du, ich hätte gern mein altes Leben zurück. Und ich bin der Meinung, dass es das wert ist, dafür gewisse Risiken in Kauf zunehmen. Wir werden die Zahl der Covidinfektionen nunmal nie auf null drücken, und es wird immer Leute geben, die schwer erkranken und ja, auch solche die sterben.

Wie Kackbratze hier oder in einem anderen Thread geschrieben hat: Es gibt keinen Grund, an der Existenz von Corona zu zweifeln. Man soll es auch auf keinen Fall verharmlosen. Gleichzeitig sollten die Risiken aber auch nicht übertrieben werden.
Und gerade bei Long-Covid frage ich mich schon, ob die Zahlen nicht durch verschiedene Effekte überhöht sind.

Unabhängig davon steht es ja jedem frei, sich impfen zu lassen, um sich möglichst gut zu schützen. Das würde ich auch jedem empfehlen. Nur, was machen wir eigentlich, wenn die Impfung nicht gegen Long-Covid schützt? Willst Du ewig im Lockdown leben?
Oder gehen wir dann irgendwann ein Risiko ein um wieder Feste zu feiern, vom Abiball bis zum Oktoberfest?

Des weiteren würde ich mir für die Debatte, ob hier im Forum oder in den Medien, einfach nur etwas mehr Evidenz wünschen.

Dafür,dass eine dritte Nachimpfung notwendig ist, gibt es z.B. meiner Meinung nach noch keine Evidenz. Impfung bei Kindern? Keine ausreichende Evidenz. Impfung als Prävention vor Long-Covid? Keine Evidenz. Ja, es ist möglich dass die Impfung die Kinder schützen würde. Aber was wäre, wenn das Gegenteil eintritt und sie schaden würde? Zum einen gibt es nachweißlich Nebenwirkungen wie Myokarditiden , zum anderen wäre auch eine übermäßige Stimulation des Immunsystems denkbar, also zuviele Antikörper, gerade bei Kindern, deren Immunsystem ja stärker reagiert. Natürlich, ist das reine Spekulation. Genau weiß es eben keiner. Fehlende Evidenz. Nach dem Prinzip primum nihil nocere wäre ich dafür, mit Impfungen von Kindern zu warten, solange noch keine Langzeitdaten vorliegen UND diese Gruppe scheinbar überwiegend nur leicht betroffen ist (ich bin aber gerne bereit, meine Meinung zu ändern, wenn sich die Daten diesbezüglich ändern)



Thema sterile Immunität, das wurde ja auch mal angesprochen:
Covid gibt es ja noch nicht lange, daher sind die Erfahrungen wenig. Die Frage ist ob es nicht doch eine sterile Immunität geben kann die zum Beispiel abhängig von der Menge der Antikörper ist. Also wie bei Hep B oder so. Also dass manche Leute zwei Impfungen, andere drei oder auch vier Impfungen brauchen und dann aber schon die sterile Immunität erreicht ist. Dann wäre ein Argument gegen eine Impfpflicht ausgeräumt.

Auch für diese Annahme gibt es keine Evidenz. Und sie erscheint mir pathophysiologisch auch keinen Sinn zu geben.

Das Problem ist das der mukosalen Immunität:


Wie schützt man die Schleimhäute?

Auch Sars-CoV-2 ist ein hochansteckendes Atemwegsvirus, und bisherige Erfahrungen mit Impfstoffen gegen andere Coronaviren hatten ebenfalls darauf hingedeutet, dass eine sterilisierende Immunität schwer zu erreichen sein würde. Die sehr guten Zahlen der mRNA-Impfstoffe waren eine willkommene Überraschung. Was sie über den Schutz vor einer Infektion aussagen, ist allerdings unklar. Ein weiteres potenzielles Problem: Der Impfstoff kommt streng genommen am falschen Ort zum Einsatz und erzeugt möglicherweise deswegen keine sterile Immunität.

»Durch die intramuskuläre Impfung wird eine systemische Immunantwort stimuliert, die vor allem im Blutkreislauf stattfindet«, erklärt Riese. Doch das Virus vermehrt sich nicht im Körperinneren, sondern vor allem in den Schleimhäuten. Die Körperabwehr an den Grenzen zur Außenwelt, die mukosale Immunreaktion, ist eine andere als im Blut und in den Organen. Es sind besondere Bedingungen durch Infektion oder Impfung erforderlich, damit das Immunsystem spezifisch diese Barriere verstärkt. Eine wichtige Rolle spielt der Ort, an dem der erste Kontakt stattfindet.

»So wie die Impfungen jetzt sind, also intramuskulär in den Arm, ist es relativ schwer, eine wirklich gute mukosale Immunantwort zu erzielen«, erklärt Riese. Auch die bisherigen Erfahrungen mit Tierimpfungen gegen Coronaviren legen diesen Schluss nahe. Ein Grund dafür ist, dass in den Schleimhäuten ein anderer Antikörpertyp dominiert, das Immunglobulin A (IgA). Wer eine Corona-Infektion hinter sich hat, trägt in den Schleimhäuten viele für das Coronavirus spezifische IgA-Antikörper.

Zwar zeigen Studien, dass auch die Impfungen eine sehr gute Antikörperantwort erzeugen – doch das ist bisher nur für das im Blut zirkulierende Immunglobulin G nachgewiesen. Dass eine sterile Immunität zu Stande kommt, sei deswegen keineswegs klar, erklärt Riese. »Wenn wir eine richtig gute mukosale Immunität haben wollen, müssen wir auch über die Schleimhäute immunisieren.«

Warum Nasenspray-Impfstoffe schwierig sind

Ein Ansatz, direkt an der Eintrittspforte der Atemwegserreger zu impfen, sind Nasensprays. Bei Influenza zum Beispiel gibt es einige Erfahrungen mit solchen Vakzinen. Allerdings bringen Nasensprays ihre eigenen Probleme mit sich. All jene Verteidigungsmechanismen, die die Schleimhäute vor Viren, Bakterien und Schadstoffen schützen, stehen auch dem Impfstoff dabei im Weg, eine wirkungsvolle Immunisierung zu erzeugen. Enzyme im Schleim zum Beispiel bauen Bestandteile der Impfstoffe ab und machen es so schwer, eine einheitliche Dosierung zu erreichen.

Außerdem stellt eine Impfung über die Nase besondere Sicherheitsanforderungen – die Nasenschleimhaut ist über die Riechkolben direkt mit dem Gehirn verbunden. Deswegen müssen solche Nasensprays noch einmal deutlich gründlicher geprüft werden. Die mukosale Impfung sei sehr interessant, wenn es darum geht, nicht nur die Krankheit, sondern auch die Infektion zu verhindern, sagt Riese. »Aber es wird noch dauern, bis solche Impfstoffe zur Verfügung stehen.«

Quelle: https://www.spektrum.de/news/impfstoffe-warum-auch-geimpfte-das-virus-verbreiten-koennten/1824145