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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Marburger Bund - was blüht uns dieses Jahr ?



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Endoplasmatisches Reticulum
03.01.2022, 11:13
Eine Gewerkschaft ist nur so stark wie die Streikbereitschaft ihrer Mitglieder.
Stimmt. Aber in der Praxis kann das Individuum somit immer am Kollektiv scheitern. Die individuelle Streikbereitschaft wird zudem durch Probezeit, Dauerbefristung etc. system- und arbeitgeberseitig bewusst unterwandert. Ganz so einfach ist es also nicht.

Wobei man hier natürlich die älteste Verhandlungstaktik der Welt beobachtet. Die VKA geht mit absurden Forderungen in die Verhandlung und wird sich dann runterhandeln lassen auf eine weniger absurde Schweinerei, die immer noch eine Schweinerei ist, aber dann als dickes Zugeständnis betitelt werden wird. Vor dem Hintergrund ist der Marburger Bund von vornherein mit deutlich zu niedrigen Forderungen in die Verhandlung eingestiegen. Das kann man ihm durchaus vorwerfen.

anignu
03.01.2022, 19:14
@ER: Du meinst der MB hätte Schwachsinn fordern sollen?

@kartoffelbrei: stimmt. Die Moral und Streikbereitschaft war 2005/2006 ziemlich gut. Das hat wirklich was gebracht. Langsam fallen wir wieder in alte Muster...

Endoplasmatisches Reticulum
03.01.2022, 19:26
@ER: Du meinst der MB hätte Schwachsinn fordern sollen?
Du meinst, die Forderungen des MB lagen gerade eben unterhalb der Schwachsinnsschwelle?

sparta144
03.01.2022, 19:58
Absurde Situation, so absurd, dass es fast irreal wirkt. Man würde ja meinen durch die Belastung der Pandemie, dass man eigentlich gute Voraussetzungen hätte, um für bessere Arbeitsbedingen zu erreichen.
Ich erfinde das VKA-Angebot als reinste Beleidigung für die tägliche Arbeit, die wir leisten. Da könnte ich wirklich im Strahl kotzen und in diesen Momenten muss ich mich echt motivieren morgen zur Arbeit zu gehen. :-D Daher bin ich 100% bereit zu streiken und ich appelliere an die sonst so immer angepassten Ärzte sich Gedanken zu machen und ein echtes Zeichen zu setzen.:-dafür

Ein Punkt zur Ergänzung, ein kleiner Funfact. In meiner Abteilung haben 9/10 Leute den Tarifvertrag gelesen. Mehr muss ich nicht dazu sagen :D

Endoplasmatisches Reticulum
03.01.2022, 20:28
Absurde Situation, so absurd, dass es fast irreal wirkt.
Genau das ist der Punkt. Die Forderungen des MB sind ja nicht per se schlecht. Vor dem Hintergrund der Pandemie, der ausgebluteten Ärzteschaft und der jüngsten Zugeständnisse an die Pflege hat man es aber zumindest versäumt, den Verhandlungsstau der letzten Tarifrunden ein wenig nachzuarbeiten. Wann wenn nicht jetzt hätte man dafür einen guten Hebel gehabt?

Um mal konstruktiv zu argumentieren: Skeptisch macht mich bei Kernforderungen des MB vor allem die Durchsetzbarkeit. Der MB will bestehende Regelungen präzisieren, damit die Arbeitnehmer nicht mehr regelmäßig in die Situation kommen, sie gegenüber Arbeitgebern anmahnen oder gerichtlich durchsetzen zu müssen. Der Lösungsansatz dazu erscheint mir aber das eigentliche Problem zu verkennen: Ob im Tarifvertrag von „Patientengefährung“ oder „Notfall“ die Rede ist, ändert doch für den Arbeitgeber eher wenig. Das war ihm vorher schnurz und dabei wird es auch bleiben. Dass das Einfordern von Rechten gegenüber einem unkooperativem Arbeitgeber mit divergierenden Ansichten je nach persönlicher Situation nicht trivial ist und konsequenzenreich verlaufen kann, haben wir hier ja schon öfter diskutiert. Selbst eine tariflich vereinbarte Beweislastumkehr hilft da m.E. wenig, denn ob der Arbeitgeber jetzt vereinbarte Limits oder vereinbarte Beweislasten ignoriert – der Schwarze Peter bleibt im Zweifel beim Angestellten.

Das Problem ist schwierig und hat sicher keine Paradelösung. Ein besserer Ansatz wäre aber m.E. zum Beispiel die deutliche Erhöhung der Strafzuschläge für ein Überschreiten der maximalen Dienstzahl oder der Arbeitswochenenden gewesen, idealerweise mit nichtlinearem Anstieg. Die Aufschläge im aktuellen Tarif einschl. jüngster MB-Forderung sind immer noch ein Witz gegenüber der Beschaffung ärztlicher Zeitarbeit. Damit wird der Arbeitgeber weiterhin regelhaft die Belegschaft quälen, anstatt sich bei Schwangerschafts-, Urlaubs- oder Krankheitsspitzen um Ersatz zu kümmern. Befristete Verträge, Probezeiten etc. tun ihr übriges dazu, den Ärzten einen Maulkorb zu verpassen. Strafzuschläge böten da weniger Spielraum für Diskussionen und wären einfacher einforderbar als obskure juristische Notfall-Definitionen oder eben der Streit mit dem Chef, ob einem jetzt die Leidenschaft für den Job fehlt, weil man nicht freiwillig einspringt. Denn das ist im Zweifel Chefs letzte Trumpfkarte – das „Nötigen zur Freiwilligkeit“.

Brechen der Tarifvorschriften müsste dem Arbeitgeber richtig wehtun, und zwar in eindeutigem und indiskutablem Wortlaut, sodass der Angestellte nicht aktiv die Durchsetzbarkeit erstreiten muss, sondern Chef und Personalbüro intrinsisch motiviert sind, auf eine Einhaltung zu achten.

Pflaume
03.01.2022, 22:19
Du hast da was falsch verstanden, Endoplasmatisches Retikulum. Die Forderungen des MB sind *gewollt* so wischiwaschi, denn eigentlich will man ja gerade weiter so machen wie bisher und nur so tun als ob. Eindeutige Regelungen und zusätzliche Zahlungen sind nicht im Interesse des MB, aus vielerlei Gründen. Zum einen liegt der MB mit den Arbeitgebern im Bett, nicht mit den Arbeitnehmern. Schau dir mal an, wer in deinem Bundesland im MB-Vorstand oder in der Tarifkommission sitzt. Und wenn du Lust hast, verfolge die nächsten Jahre mal, wohin diese Herrschaften sich von dort aus entwickeln.

Ich habe auch ein paar Jahre gebraucht, bis ich die Zusammenhänge kapiert habe. War jahrelang Werber für eine Mitgliedschaft im Marburger Bund. Inzwischen bin ich ausgetreten.

Der Marburger Bund hat neben all den anderen Gründen auch deshalb keinen Grund, die Tarifverträge klarer zu machen, weil die Notwendigkeit, Rechtsberatung und Unterstützung (zu meistens tariflichen Auseinandersetzngen mit dem AG) zu leisten oder den Mitgliedern diese zumindest offiziell in Aussicht zu stellen, auch zusätzliche Rechtsanwalts-Pöstchen in den jeweiligen Landesverbänden sichert.

sparta144
04.01.2022, 19:27
Du hast da was falsch verstanden, Endoplasmatisches Retikulum. Die Forderungen des MB sind *gewollt* so wischiwaschi, denn eigentlich will man ja gerade weiter so machen wie bisher und nur so tun als ob. Eindeutige Regelungen und zusätzliche Zahlungen sind nicht im Interesse des MB, aus vielerlei Gründen. Zum einen liegt der MB mit den Arbeitgebern im Bett, nicht mit den Arbeitnehmern. Schau dir mal an, wer in deinem Bundesland im MB-Vorstand oder in der Tarifkommission sitzt. Und wenn du Lust hast, verfolge die nächsten Jahre mal, wohin diese Herrschaften sich von dort aus entwickeln.

Ich habe auch ein paar Jahre gebraucht, bis ich die Zusammenhänge kapiert habe. War jahrelang Werber für eine Mitgliedschaft im Marburger Bund. Inzwischen bin ich ausgetreten.

Der Marburger Bund hat neben all den anderen Gründen auch deshalb keinen Grund, die Tarifverträge klarer zu machen, weil die Notwendigkeit, Rechtsberatung und Unterstützung (zu meistens tariflichen Auseinandersetzngen mit dem AG) zu leisten oder den Mitgliedern diese zumindest offiziell in Aussicht zu stellen, auch zusätzliche Rechtsanwalts-Pöstchen in den jeweiligen Landesverbänden sichert.

Finde ich persönlich schade Pflaume, möge man behaupten was man wolle, die MB bleibt unsere "Einzige" Gewerkschaft. Wenn man austritt oder kein Mitglied ist, schwächt das die Gewerkschaft der Ärzte, helfen tut es aufjedenfall nicht, andere Bessere Optionen gibt es leider nicht. Außer man engagiert sich selbständig, um was zu bewegen, wozu die Wenigsten Zeit und Lust haben. Die handeln den TV aus und setzen sich für bessere Bedingungen ein, die 180 Euro (zumal steuerlich absetzbar) sind für mich gut investiertes Geld.
Mag sicherlich Einzelfälle geben, dass da Konfliktsituation ergeben, wie du schilderst, aber das pauschal so zu behaupten und so eine These in den Raum zu stellen, finde ich fragwürdig. Meine Meinung

milz
04.01.2022, 22:36
Die handeln den TV aus und setzen sich für bessere Bedingungen ein, die 180 Euro (zumal steuerlich absetzbar) sind für mich gut investiertes Geld.
Sehe ich auch so. Hatte den MB zudem auch schon in Anspruch genommen, um Arbeitsverträge und Arbeitszeugnisse (kostenlos) prüfen zu lassen und war damit sehr zufrieden.