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juke5489
11.07.2021, 22:39
Kenne keinen einzigen Assistenten ohne FA dem es gelungen ist einen AT Vertrag mit besserer Bezahlung auszuhandeln nur vllt mit iwelchen Zusatzforderungen bzgl Dienstanzahl etc.


ich habe nicht über AT-verträge gesprochen, sondern über die TARIFLICHEN möglichkeiten leistungsbezogener gehaltserhöhungen (z.B. siehe §20 tv-a, §16 tv-l).

man muss dafür halt die möglichkeiten kennen und auch aktiv danach fragen (und die anforderungen erfüllen).

Endoplasmatisches Reticulum
11.07.2021, 23:06
Nur mal aus Interesse. Du bist nicht ernsthaft der Meinung, ein für die überwältigende Mehrheit der Assistenzärzte auch nur annähernd erfolgsversprechendes Szenario zu beschreiben?

Nefazodon
11.07.2021, 23:48
Kenne keinen einzigen Assistenten ohne FA dem es gelungen ist einen AT Vertrag mit besserer Bezahlung auszuhandeln nur vllt mit iwelchen Zusatzforderungen bzgl Dienstanzahl etc.


Da muss ich dir zustimmen, medicinentia.
Für die allermeisten Assistenten ist das unrealistisch.

Und gerade deswegen ist eine gemeinsame Interessenvertretung so wichtig. Alleine sind die Chancen, sich gegen Klinikbetreiber durchzusetzen verschwindend gering.


(...) und dem Mb ist es eigentlich auch keine Herzensangelegenheit Assistenten besser zu bezahlen sondern eher diese so zu stimmen dass nicht alle direkt ins Ausland abwandern.

das wiederum sehe ich nicht so. Ja, der MB verhandelt vielleicht nicht optimal. Aber ich habe schon das Gefühl, dass man sich bemüht, etwas zu verbessern.

Das Problem ist, dass es unheimlich schwer ist, Sachen zu verändern, wie Andere schon geschrieben haben.
Und letztlich kommt es eben auch darauf an, dass die einzelnen Ärzte mitmachen und an einem Strang ziehen und ggf. auch kündigen, wenn es ihnen bei einem Arbeitgeber nicht passt.

Und spätestens da wird es diffizil. Selbst der grottigste Arbeitgeber findet in der Regel noch genügend Arbeitskräfte.
Erst recht, wenn wir von beliebten Großstädten sprechen.

Und solange das so ist, und Ärzte nicht streiken oder mit den Füßen abstimmen, hat der MB, wenn es hart auf hart kommt, eben auch kein Druckmittel.

DrArzt
11.07.2021, 23:52
Wenn die Krankenhäuser wie Unternehmen schwarze Zahlen schreiben sollen, wäre es doch fair, dass sie sich auch in anderen Punkten wie Unternehmen verhalten.

Man könnte mir statt 12 gerne 13,5 Monatsgehälter zahlen, wie es auch sonst bei Unternehmen aber auch in anderen Teilen des öffentlichen Dienstes möglich ist. Ich wäre damit durchaus zufriedener.

Außerdem bedingt die Altersstruktur des Vorstandes des MB schon, dass die Interessen der jüngeren Ärzteschaft, die ja nun mal den großen Teil der hier aktiven Mitglieder im Forum ausmachen, nicht vertreten werden..
In Deutschland machen noch immer Rentner Politik für die nächste Generation..

Nefazodon
11.07.2021, 23:58
Man könnte mir statt 12 gerne 13,5 Monatsgehälter zahlen, wie es auch sonst bei Unternehmen aber auch in anderen Teilen des öffentlichen Dienstes möglich ist. Ich wäre damit durchaus zufriedener.

DrArzt: Ja, aber warum sollten sie das tun, wenn es genug Leute gibt, die es billiger machen?!


Außerdem bedingt die Altersstruktur des Vorstandes des MB schon, dass die Interessen der jüngeren Ärzteschaft, die ja nun mal den großen Teil der hier aktiven Mitglieder im Forum ausmachen, nicht vertreten werden..
In Deutschland machen noch immer Rentner Politik für die nächste Generation..

...Liegt aber auch daran, dass die Jüngeren sich oft nicht engagieren.

Das ist wiederum auch ne Zeitfrage, das weiß ich selbst, nur ist es eben keine "Verschwörung" der Älteren, und auch kein Naturgesetz.
Es ist halt schwierig neben Weiterbildung, 24h-Stunden-Diensten und Familiengründung noch Berufspolitik zu betreiben.

GelbeKlamotten
12.07.2021, 00:59
Problem ist auch, dass der MB zu viel an den falschen Fronten kämpft. Anstatt sich mal für eine angemessene Tariferhöhung einzusetzen, die ausnahmsweise mal nicht unter der Inflationsrate liegt, wird stattdessen lieber irgendein Unsinn ausgehandelt, der nachher eh nicht umgesetzt wird.

Wem hat denn wirklich diese zuletzt erstrittene "Anwesenheitszeit ist Arbeitszeit"-Regel geholfen? Alle Häuser die ich kenne inklusive meinem machen einfach weiter wie zuvor und bezahlen überstunden nicht. ganz einfach. keine aufwendigen tricks. überstunden werden wie schon vor 20 Jahren nur nach persönlicher "prüfung" und freigabe vom Chefarzt gewährt, sprich im Endeffekt gar nicht.

Eine Tariferhöhung kann man hingegen nicht einfach so übergehen.

Ich würde mir daher für die nächsten Verhandlungen weniger Firlefanz wünschen, sondern einfach nur eine anständige Tariferhöhung. Man könnte mal mit eine Forderung von 10% starten und sich dann bei 6-7% einigen. Wenn nicht wird gestreikt. Nicht wieder 3% fordern und dann nachher 1% als Erfolg feiern.

anignu
12.07.2021, 01:10
Es wird immer Motzer geben, es wird immer Leute geben die sagen "das reicht nicht" usw. und es gibt auch hier wieder Leute die sagen "die Regelung wäre ja gut aber unsere Klinik weigert sich das umzusetzen"... (edit: das hatte ich schon vor GKs Beitrag geschrieben, passt aber auch gut)

Und jetzt? Was erwartet ihr? Realistische Forderungen oder Utopien?

Ich finde gut was der MB bisher erreicht hat (Aufwertung Bereitschaftsdienst, Begrenzung Bereitschaftsdienste, Arbeitszeiterfassung etc.) und für mich sind die diesjährigen Ziele auch interessant, die Rufbereitschaft. Die Rufbereitschaft scheint eines der zentralen Themen der diesjährigen Verhandlungen zu sein und das interessiert mich schon sehr. Wie kann es sein dass man in der Rufbereitschaft geplant reinkommt um Visite zu machen? Wie kann es sein dass man in der Rufbereitschaft das elektive Tagesprogramm fertigoperiert um dann die ganze Nacht Rufbereitschaft zu haben usw... und vielleicht wirds auch finanziell besser gestellt.

Das mit den 13 oder 13,5 Monatsgehältern finde ich Schmarrn. Es geht doch immer um das Jahresbrutto. Und das hab ich lieber in zwölf gleichen Teilen ausgezahlt als mal mehr und mal weniger.
Gehalt: mei, könnte immer mehr sein. Find ich eigentlich aber auch nicht sooo schlecht.

anignu
12.07.2021, 01:15
Wem hat denn wirklich diese zuletzt erstrittene "Anwesenheitszeit ist Arbeitszeit"-Regel geholfen? Alle Häuser die ich kenne inklusive meinem machen einfach weiter wie zuvor und bezahlen überstunden nicht.
Mir hat sie geholfen.
Nach Einführung dieser Regel musste ich keine Sekunde Überstunden mehr begründen. Die wurden elektronisch erfasst und das Thema war ein für alle mal erledigt. Daher hat mich diese Einführung tatsächlich gefreut.

tragezwerg
12.07.2021, 04:56
Unser Berufsstand ist halt auch nicht konsequent beim Durchsetzen von Vorgaben. Kaum jemand traut sich zu streiken (beim letzten Streik 2020 war das wieder deutlich zu sehen), Verstöße gegen Arbeitszeitgesetz und Tarifvertrag werden täglich ohne Gegenwehr akzeptiert etc. pp..
Wenn wir streiken würden wie es Piloten und Lokführer machen, würde sich was bewegen. Aber da machen dann wieder 80% nicht mit.

juke5489
12.07.2021, 08:03
Nur mal aus Interesse. Du bist nicht ernsthaft der Meinung, ein für die überwältigende Mehrheit der Assistenzärzte auch nur annähernd erfolgsversprechendes Szenario zu beschreiben?

nein, natürlich nicht. es geht um eine leistungsbasierte gehaltserhöhung für eine überdurchschnittliche arbeitsleistung. die wird nicht von der überwältigenden mehrheit der assistenzärzte geleistet.
aber wer in seinen mitarbeitergesprächen eine entsprechende arbeitsleistung dokumentiert bekommt, der hat natürlich auch einen entsprechenden anspruch.

am ende wollte ich darlegen, dass es multiple wege gibt sein gehalt anzupassen, auch innerhalb des tarifvertrages.

WiWi18
12.07.2021, 08:23
Problem ist auch, dass der MB zu viel an den falschen Fronten kämpft. Anstatt sich mal für eine angemessene Tariferhöhung einzusetzen, die ausnahmsweise mal nicht unter der Inflationsrate liegt, wird stattdessen lieber irgendein Unsinn ausgehandelt, der nachher eh nicht umgesetzt wird.

Wem hat denn wirklich diese zuletzt erstrittene "Anwesenheitszeit ist Arbeitszeit"-Regel geholfen? Alle Häuser die ich kenne inklusive meinem machen einfach weiter wie zuvor und bezahlen überstunden nicht. ganz einfach. keine aufwendigen tricks. überstunden werden wie schon vor 20 Jahren nur nach persönlicher "prüfung" und freigabe vom Chefarzt gewährt, sprich im Endeffekt gar nicht.

Eine Tariferhöhung kann man hingegen nicht einfach so übergehen.

Ich würde mir daher für die nächsten Verhandlungen weniger Firlefanz wünschen, sondern einfach nur eine anständige Tariferhöhung. Man könnte mal mit eine Forderung von 10% starten und sich dann bei 6-7% einigen. Wenn nicht wird gestreikt. Nicht wieder 3% fordern und dann nachher 1% als Erfolg feiern.

Theoretisch hast du Recht - bei den meisten Freunden und Bekannten sowie in meinem eigenen Haus hat das mit den Überstunden rein gar nichts gebracht. Warum sollte es auch? Die gängige Praxis war ja davor schon illegal und das wurde in der Breite ignoriert
Dann kann man einfach so weitermachen.

Was deine Gehaltsforderungen angeht: Es ist leider viel zu wenig Geld im Gesundheitssystem. Die Leistungsausgaben der GKV steigen und steigen, die Einnahmenseite entwickelt sich nicht entsprechend (auch wegen Corona, aber nicht nur); ich würde für die nächsten Jahre eher mit sinkenden Reallöhnen rechnen.

Endoplasmatisches Reticulum
12.07.2021, 08:54
Und trotzdem hat die Pflege sich im laufenden Coronajahr 2020 ein übertarifliches Gehaltsplus und so einige additive Zuschläge ausgehandelt. Du hast Recht, die Reallöhne werden fallen und das wird mit Covid begründet werden - aber mal wieder weitgehend exklusiv bei uns Ärzten.

WiWi18
12.07.2021, 09:21
Ich gönne den Kollegen von der Pflege jeden Cent. Die meisten Angestellten in deutschen Krankenhäusern verdienen zu wenig, da hilft Neid zwischen den Berufsgruppen nicht weiter.

Aber die Pfleger haben einfach die weitaus bessere Öffentlichkeitsarbeit und Lobby. Wurde aber alles schon unzählige Male durchgekaut hier.

DrArzt
12.07.2021, 10:26
.....

GelbeKlamotten
12.07.2021, 10:33
Ich gönne den Kollegen von der Pflege jeden Cent. Die meisten Angestellten in deutschen Krankenhäusern verdienen zu wenig, da hilft Neid zwischen den Berufsgruppen nicht weiter.

Aber die Pfleger haben einfach die weitaus bessere Öffentlichkeitsarbeit und Lobby. Wurde aber alles schon unzählige Male durchgekaut hier.

Es ging ER sicherlich auch nicht darum, der Pflege ihr gehalt zu missgönnen, sondern darum zu zeigen, dass Tariferhöhungen im Gesundheitswesen durchaus möglich sind, wenn man denn dafür kämpft.

Wenn Billionen an Euros für irgendwelche Lockdowns mobilisiert werden können, dann ist es auch möglich, das Krankenhauspersonal inklusive Ärzten fairer zu bezahlen. Es fehlt am Willen, nicht an den Mitteln.

Dein Vorschlag, erst gar keine Tariferhöhungen zu fordern, weil ja eh kein Geld da ist, ist da eben nicht besonders zielführend.

WiWi18
12.07.2021, 10:37
Es ging ER sicherlich auch nicht darum, der Pflege ihr gehalt zu missgönnen, sondern darum zu zeigen, dass Tariferhöhungen im Gesundheitswesen durchaus möglich sind, wenn man denn dafür kämpft.

Wenn Billionen an Euros für irgendwelche Lockdowns mobilisiert werden können, dann ist es auch möglich, das Krankenhauspersonal inklusive Ärzten fairer zu bezahlen. Es fehlt am Willen, nicht an den Mitteln.

Dein Vorschlag, erst gar keine Tariferhöhungen zu fordern, weil ja eh kein Geld da ist, ist da eben nicht besonders zielführend.

Ist nicht mein Vorschlag, sondern eher Erwartungsmanagement ;)

Endoplasmatisches Reticulum
12.07.2021, 10:39
Ich gönne oder missgönne den Kollegen aus der Pflege nichts. Ich beobachte. Streichen wir mal Ärzte und Pflege aus unserem Modell. Wenn Berufsgruppe A in einem Krisenjahr mit Erlöseinbuße in dreistelliger Millionenhöhe saftige Gehaltserhöhungen aushandelt und im nächsten Jahr Berufsgruppe B gesagt bekommt, es könne diesmal nichts geben, weil Covid so schlimm war. Dann gibt es ja nur zwei Möglichkeiten: Entweder wurde Berufsgruppe A vorschüssig auf Kosten von Berufsgruppe B bessergestellt. Das heißt Berufsgruppe B erleidet unter Inflation im Wesentlichen eine Reallohnsenkung zur Finanzierung einer Reallohnsteigerung der Berufsgruppe A. In dem Fall stünde es durchaus zur Diskussion, ob etwaiger "Neid" seitens Gruppe B wirklich so unmoralisch/unangebracht wäre. Oder aber Geld wäre allokierbar und Berufsgruppe B wird schlichtweg verarscht. Was eher zutrifft, darf ja jeder für sich selbst entscheiden.

hebdo
12.07.2021, 11:29
Das Krankenhausmanagement tickt nach einer simplen Formel: Gewinn=Erlös(Preis x Menge)-Aufwand. Der Preis ist festgeschrieben, die Mengen ausgereizt bzw. gedeckelt. Also kann man nur an den Kosten schrauben um den Gewinn zu steigern. Und das sind eben im Gesundheitswesen hauptsächlich Personalkosten.

So lange 4 Assitenten die gleiche Menge an Fälle durchschleusen wie 8, keine Betten oder Stationen bei Unterbesetzung geschlossen werden, so lange wird sich auch an den Arbeitsbedingungen nichts ändern.

Das schlimme ist, dass die Behandlungsqualität zweitrangig ist. Man braucht die Leistungserbinger (Oberärzte) und diejenigen, die die Stationen und Dienste schrubben. Letztere möglichst günstig - also unerfahrene WBA.

Übertriebene Tariferhöhungen werden die aktuelle Situation nur verschärfen, weil als Gegenregulation einfach die Arbeit weiter verdichtet wird. Den einzigen Hebel sehe ich in der Einhaltung der Arbeitszeitgesetze und in einer deutlichen Verteuerung von Nacht-, Bereitschaftsdienstzeit und der Überstunden.

WiWi18
12.07.2021, 12:07
Ich gönne oder missgönne den Kollegen aus der Pflege nichts [...] In dem Fall stünde es durchaus zur Diskussion, ob etwaiger "Neid" seitens Gruppe B wirklich so unmoralisch/unangebracht wäre. Oder aber Geld wäre allokierbar und Berufsgruppe B wird schlichtweg verarscht. Was eher zutrifft, darf ja jeder für sich selbst entscheiden.

Naja, klingt schon ein bisschen so, als würdest du es ihnen missgönnen ;) Wie gesagt: Der Durchschnittsdeutsche denkt, die Pfleger würden sich 80h/Woche ohne Schlaf zum Hungerlohn für ihre Patienten abrackern. Dass viele Pfleger beim Stundenlohn teilweise besser wegkommen als die WBA wird vergessen. Ärzte sind die Götter in weiß, die mit 35 mit dem Porsche zur geerbten Praxis fahren.

Die Pfleger machen bessere Lobbyarbeit und sind untereinander solidarisch. Bei uns Ärzten hocken vor allem Leute, die McKinsey gerne als "insecure overachiever" betitelt - unsichere Leistungsmenschen, die für ein gutes Wort vom Oberarzt (oder aus Angst vor Tadel) auch gerne mal ein paar Überstunden mehr kloppen und den Frust in sich hineinfressen.


Das Krankenhausmanagement tickt nach einer simplen Formel: Gewinn=Erlös(Preis x Menge)-Aufwand. Der Preis ist festgeschrieben, die Mengen ausgereizt bzw. gedeckelt. Also kann man nur an den Kosten schrauben um den Gewinn zu steigern. Und das sind eben im Gesundheitswesen hauptsächlich Personalkosten.

Die Menge kann meiner Erfahrung nach schon oft noch weiter optimiert werden. Aber die Frage ist, ob das wünschenswert ist.



So lange 4 Assitenten die gleiche Menge an Fälle durchschleusen wie 8, keine Betten oder Stationen bei Unterbesetzung geschlossen werden, so lange wird sich auch an den Arbeitsbedingungen nichts ändern.

Das schlimme ist, dass die Behandlungsqualität zweitrangig ist. Man braucht die Leistungserbinger (Oberärzte) und diejenigen, die die Stationen und Dienste schrubben. Letztere möglichst günstig - also unerfahrene WBA.

Übertriebene Tariferhöhungen werden die aktuelle Situation nur verschärfen, weil als Gegenregulation einfach die Arbeit weiter verdichtet wird. Den einzigen Hebel sehe ich in der Einhaltung der Arbeitszeitgesetze und in einer deutlichen Verteuerung von Nacht-, Bereitschaftsdienstzeit und der Überstunden.

Das Problem ist halt nur politisch zu lösen. Ständig unterbesetzte Stationen müssten geschlossen, Verstöße gegen das Arbeitszeitgesetz schwer sanktioniert werden usw. Aber es besteht eben ein politisches Interesse daran, dass das nicht passiert - man braucht die billigen Arbeitskräfte. Mittlerweile ist die Zeit als WBA ja geradezu dahingehend degeneriert, dass man im Krankenhaus Verwaltungskräfte und auch Pfleger ersetzt, wenn man bedenkt, dass etliche der hierzulande "ärztlichen" Aufgaben in jedem anderen entwickelten Land von der Pflege übernommen werden. Man ist halt eine Arbeitskraft, die sich erstens nicht wehrt und zweitens, durch die befristeten Verträge, schlecht wehren kann. Diejenigen, die mit den Füßen abstimmen und ins Ausland gehen oder sich eine nichtärztliche Tätigkeit suchen, werden sofort durch nichteuropäische Ärzte ersetzt - dass die oftmals nicht einmal wirklich Deutsch sprechen ist egal, denn, wie du ja geschrieben hast, spielt die Qualität der Versorgung keine Rolle.

Es bräuchte vermutlich einen wochenlangen geschlossenen Ärztestreik, bei dem nur die Notversorgung aufrechterhalten wird, um da auch nur kleinere Verbesserungen zu bewirken.

Nefazodon
12.07.2021, 12:37
Die Pfleger machen bessere Lobbyarbeit und sind untereinander solidarisch. Bei uns Ärzten hocken vor allem Leute, die McKinsey gerne als "insecure overachiever" betitelt - unsichere Leistungsmenschen, die für ein gutes Wort vom Oberarzt (oder aus Angst vor Tadel) auch gerne mal ein paar Überstunden mehr kloppen und den Frust in sich hineinfressen.


Dass die Pflege im Moment die weit bessere Lobby hat, stimmt sicherlich. Die Frage ist doch, wie könnte man die Lobbyarbeit auf ärztlicher Seite verbessern?