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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Marburger Bund - was blüht uns dieses Jahr ?



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Matzexc1
05.10.2021, 16:27
Naja, es würde ja vielleicht erstmal reichen, wenn man mal die alte Riege des MB abwählen würde...

Wenn wir es altrömisch machen würden haben wir eine Chance.

Kenne einen Vertreter der sich per petition(die er jedem Arzt/Ärztin unter die Nase hält) in alle möglichen Gremien reinwählen lässt.
Hat das Grinsen eines Autoverkäufers und Betreffs Interesse an den niederen Rängen.....will ich mich gar nicht äußern

Ich rechne mit nicht allzuviel bei dieser Tarifrunde

FirebirdUSA
05.10.2021, 18:20
Das ist einfach alles nur peinlich und ein Armutszeugnis für Deutschland.

Wünsche denen von der VKA so richtig schmerzhafte 3-4 Wochen Generalstreik nur mit Notfallbesetzung vor Ort.

Hat man in Berlin doch versucht und der Streik ist vom Arbeitsgericht untersagt worden, wegen Gefahr der Patientenversorgung wenn ich mich richtig erinnere.

Mukopolysaccharid
05.10.2021, 18:24
Wir könnten ja auch einfach mal alle mit der Bahn zur Arbeit (nicht) kommen

Endoplasmatisches Reticulum
05.10.2021, 18:57
Hat man in Berlin doch versucht und der Streik ist vom Arbeitsgericht untersagt worden, wegen Gefahr der Patientenversorgung wenn ich mich richtig erinnere.

Aber wir sind doch lt. Coronabonusgesetzgebung an der Patientenversorgung gar nicht beteiligt?

Mr. Pink online
05.10.2021, 19:38
Der schönste Tarif nützt nichts, wenn er in den Krankenhäusern nicht respektiert und konsequent umgesetzt wird. Anstatt zu streiken, sollte man wahrscheinlich eher kollektiv das Regierungspräsidium involvieren, damit Betriebskontrollen durchgeführt werden. Das einzige Aufbäumen, das ich von Arbeitnehmerseite bislang beobachten konnte, ist die Einschaltung eines Arbeitsrechtsanwalts am Ende eines Arbeitsverhältnisses, wenn es um Auszahlung Überstunden usw. ging. Dass man mal vorher auf die Beine steht, ist doch den meisten völlig fremd.

Ich will den MB nicht in Schutz nehmen, aber ich finde die Verantwortung obliegt halt auch jedem selbst in seinem Betrieb für geltendes Recht einzustehen.

Endoplasmatisches Reticulum
05.10.2021, 20:28
Ich will den MB nicht in Schutz nehmen, aber ich finde die Verantwortung obliegt halt auch jedem selbst in seinem Betrieb für geltendes Recht einzustehen.

Dein Vertrag ist befristet auf 2 Jahre, du bist in der Probezeit oder es gibt in deinem Fach im pendelrelevanten Umkreis nur eine Hand voll alternativer Arbeitgeber. Für geltendes Recht einstehen ist als One-Man-Army eine Farce, wenn das Endergebnis sein wird, dass du es schlichtweg nicht bekommst und zum Dank schnellstmöglich den Arschtritt vor die Kliniktür erlebst.

Been there, done that. Der Zusammenhalt unter Assistenten ist so belastbar wie eine Salzstange. Aus dem Grund würde ich es heute ganz genau so machen, wie du schreibst: Schnauze halten bis ich habe, was ich brauche, dann weggehen und den alten Arbeitgeber zerklagen, bis er nicht mehr weiß ob er ein Krankenhaus oder eine Häkelstube ist. Märtyrertum bringt einem im Krankenhaus genau gar nichts.

Mr. Pink online
05.10.2021, 21:57
Absolut meine Meinung. Habe schon ähnliche Erfahrungen gemacht. Bin jetzt in meinem dritten befristeten Arbeitsverhältnis, trotz fortgeschrittener Weiterbildung Innere Medizin + viel Intensiverfahrung. Es ist ein Trauerspiel. Aber es ist schwierig, das dem MB anzulasten. Meine Kollegen waren meistens nicht motiviert an Auseinandersetzung mit dem Arbeitgeber und vielfach auch einfach desinteressiert. Den Tarifvertrag werden die wenigsten wohl jemals gelesen haben.

][truba][
05.10.2021, 22:07
Meine Kollegen waren meistens nicht motiviert an Auseinandersetzung mit dem Arbeitgeber und vielfach auch einfach desinteressiert. Den Tarifvertrag werden die wenigsten wohl jemals gelesen haben.

Die gleichen Erfahrungen in meinen chirurgischen Fächern bisher. Gruselig war es und sehr nervenaufreibend für mich selbst, wenn man versucht etwas auf die Beine zu stellen und nur hinter vorgehaltener Hand sind manche dafür. Offiziell never. Großteil eher desinteressiert oder vlt. auch schon resigniert.

Miss_H
06.10.2021, 06:17
Ich habe es schon einmal anders erlebt. Alle Assistenten haben geschlossen optout gekündigt. Sogar mit Unterstützung des Chefs. Weiß nicht was daraus geworden ist, weil ich die Klinik verlassen habe.

Endoplasmatisches Reticulum
06.10.2021, 08:06
Ich habe erlebt, dass jemand, der sich wehren und etwas verändern wollte und die anderen fluchenden Assistenzärzte für Gespräche zum Thema Sich-Wehren zusammengetrommelt hat, von eben jenen Assistenzärzten hintenherum beim Chef als Querulant und Unruhestifter angeschwärzt wurde.

WiWi18
06.10.2021, 15:02
Dein Vertrag ist befristet auf 2 Jahre, du bist in der Probezeit oder es gibt in deinem Fach im pendelrelevanten Umkreis nur eine Hand voll alternativer Arbeitgeber. Für geltendes Recht einstehen ist als One-Man-Army eine Farce, wenn das Endergebnis sein wird, dass du es schlichtweg nicht bekommst und zum Dank schnellstmöglich den Arschtritt vor die Kliniktür erlebst.

Been there, done that. Der Zusammenhalt unter Assistenten ist so belastbar wie eine Salzstange. Aus dem Grund würde ich es heute ganz genau so machen, wie du schreibst: Schnauze halten bis ich habe, was ich brauche, dann weggehen und den alten Arbeitgeber zerklagen, bis er nicht mehr weiß ob er ein Krankenhaus oder eine Häkelstube ist. Märtyrertum bringt einem im Krankenhaus genau gar nichts.

Was machst du denn, damit das Klagen später funktioniert? Sammelst du "Beweise"? Wie dokumentierst du?


Ich habe erlebt, dass jemand, der sich wehren und etwas verändern wollte und die anderen fluchenden Assistenzärzte für Gespräche zum Thema Sich-Wehren zusammengetrommelt hat, von eben jenen Assistenzärzten hintenherum beim Chef als Querulant und Unruhestifter angeschwärzt wurde.

Auch schon mitbekommen (aber nur indirekt als Medizinstudent/PJler).

Rhiannon
06.10.2021, 17:43
Wenn ich das so lese, bin ich froh, dass wir Assistenten uns grad alle sehr einig sind und alle gemeinsam Querulanten sind.

Ja panisch
06.10.2021, 17:55
Ich habe viele ausländische Kollegen. Die haben vom Marburger Bund noch nicht mal was gehört. Und denen ist so ziemlich auch alles egal. Die planen sogar selbst irgendwann nach der Ausbildung und dem FA wieder weg zu gehen … aber gut wenn man schlecht deutsch kann und als man angefangen hat net mal ne Viggo in der Hand gehabt hat, dann kann man auch nicht viel einfordern. Ich habe nach einem Monat viel mehr Verantwortung, Arbeit und Stress gehabt bei gleicher Bezahlung als manch ausländischer Kollege, der Monate lang angelernt wurde. Die bekamen alles 10 Fach erklärt und gezeigt, und waren oft und länger doppelt eingeteilt.

Ja panisch
06.10.2021, 18:05
Ich halte es so gesehen eh für einen Trugschluss, Pflege und Ärztemangel durch ausländische Kräfte ausgleichen zu wollen. Wird vlt kurzfristig funktionieren, aber qualifiziertes Personal wird wieder das Land verlassen. Die meisten kommen, um hier ihre Ausbildung machen zu können, arbeiten vlt noch ein paar Jahre und gehen dann, entweder zurück in die Heimat oder in andere Länder. In der Gefäßchirurgie wird da nicht mal ein Geheimnis draus gemacht. Kenne welche die haben für nach dem FA wieder eine Stelle in arabischen Raum.

cartablanca
06.10.2021, 18:06
Schon mal überlegt, dass denen deshalb alles egal ist, weil ihre Aufenthaltsgenehmigung an dem Job hängt?

Nefazodon
06.10.2021, 18:32
Absolut meine Meinung. Habe schon ähnliche Erfahrungen gemacht. Bin jetzt in meinem dritten befristeten Arbeitsverhältnis, trotz fortgeschrittener Weiterbildung Innere Medizin + viel Intensiverfahrung. Es ist ein Trauerspiel. Aber es ist schwierig, das dem MB anzulasten. Meine Kollegen waren meistens nicht motiviert an Auseinandersetzung mit dem Arbeitgeber und vielfach auch einfach desinteressiert. Den Tarifvertrag werden die wenigsten wohl jemals gelesen haben.

Habe ganz Ähnliches, wie es hier geschildert wird, in den Kliniken, in denen ich bisher war erlebt (konservatives Fach).
Ich denke die Ursachen dafür, dass sich die Leute nicht gesammelt wehren sind vielfältig und ein Mischbild aus:
-Abhängigkeit im Weiterbildungsverhältnis
-falsch verstandenem Pflichtgefühl bzw. Helfersyndrom ("wenn ich pünktlich nach hause gehe, bricht die Klinik zusammen"; Gefühl gebraucht zu werden)
-Resignation und Überarbeitung
-fehlendes Wissen über geltendes (Tarif-)Recht.

Letzteres beobachte ich vorallem bei den ausländischen Kollegen, die meiner Meinung nach oft bewusst über ihre Rechte im Unklaren gelassen werden. Und, wie jemand Anderes schon schrieb: Diese Kolleginnen und Kollegen sind erstmal froh hier zu sein und wollen und können keine großen Ansprüche stellen.

Und ich fürchte, bei der Gemengelage werden niemals alle an einem Strang ziehen...
Da kann dann auch der MB nichts ändern...

freak1
06.10.2021, 19:22
Wenn der MB wollte, könnte er z.B. streiken. Oder mal genauere / schärfere Formulierungen in den Verträgen durchsetzen. Und dann an einer großen Klinik, die zB die Zeiterfassung nicht einhält, konsequent für jede Abteilung durch die Instanzen klagen. Sozusagen als Exempel, dass sich das nicht-einhalten für die Kliniken nicht lohnt bzw. sehr riskant ist.

Nefazodon
06.10.2021, 19:58
Wenn der MB wollte, könnte er z.B. streiken. Oder mal genauere / schärfere Formulierungen in den Verträgen durchsetzen. Und dann an einer großen Klinik, die zB die Zeiterfassung nicht einhält, konsequent für jede Abteilung durch die Instanzen klagen. Sozusagen als Exempel, dass sich das nicht-einhalten für die Kliniken nicht lohnt bzw. sehr riskant ist.

Ich finde, z.B. das mit der verbindlichen Zeiterfassung ist genau genug formuliert. Steht in den Tarifverträgen drin und ist damit geltendes Recht. Übrigens auch EU-Recht nach aktueller Rechtssprechung. Und trotzdem wird die Zeiterfassung eigentlich fast überall konsequent ignoriert....
Wo kein Kläger, da kein Richter:-nix

Und streiken? Wiederum: Wenn es keine Beschwerden gibt, was wäre die Grundlage?
Und würden bei einem entsprechenden Aufruf überhaupt genug Kolleginnen/Kollegen mitmachen, oder würden trotzdem genug weiterarbeiten, dass der Streik keine Wirkung zeigt?
In diesem Fall würde der MB mit einem Streikaufruf nur seine eigene Machtlosigkeit beweisen und damit die Verhandlungsposition schwächen....

Ich fürchte, mangelnde Partizipation ist die Krux, an der alles scheitert..

Bonnerin
06.10.2021, 20:28
Habs aber auch schon erlebt, dass tatsächlich das Gewerbeaufsichtsamt da war und die Unregelmäßigkeiten bei der Zeiterfassung dokumentiert hat. Bußgeld war wohl "hoch", aber die Klinik hats gezahlt und einfach so weiter gemacht. Alle paar Jahre Mal Bußgeld sei immer noch deutlich günstiger als bessere Arbeitsbedingungen.

Nefazodon
06.10.2021, 20:34
Habs aber auch schon erlebt, dass tatsächlich das Gewerbeaufsichtsamt da war und die Unregelmäßigkeiten bei der Zeiterfassung dokumentiert hat. Bußgeld war wohl "hoch", aber die Klinik hats gezahlt und einfach so weiter gemacht. Alle paar Jahre Mal Bußgeld sei immer noch deutlich günstiger als bessere Arbeitsbedingungen.

Wobei....wenn das tatsächlich so war, hätten sich die Assistenten dort eigentlich nur nochmal an das Gewerbeaufsichtsamt wenden müssen, mit dem Hinweis, dass die Auflagen immer noch nicht eingehalten wurden, trotz Bußgeld....normalerweise steigen Bußgelder bei Folgeverstößen empfindlich an...