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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Läuft der Klinikkollaps schon?



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docdean
20.01.2024, 07:16
Die Sachbearbeiter sind ja auch nicht das, was bei den Krankenkassen unnötiges Geld kostet ...

Sag ich ja. Die Leistungen sind's. Die Verwaltung frisst ungefähr 4% des Budgets.

OhDaeSu
20.01.2024, 08:14
Gut, aber diese 12 Milliarden könnte man zu einem großen Teil einsparen ohne dass irgendwer schlechter behandelt wird. Insofern würde ich erwarten, dass man das zuerst angeht, bevor man Therapiebegrenzung etc diskutiert.

docdean
20.01.2024, 09:06
Gut, aber diese 12 Milliarden könnte man zu einem großen Teil einsparen

Das behauptet sich immer so leicht, ist aber eine populistische Strohmann-Diskussion.

Um das mal abzukürzen:
https://www.aerztezeitung.de/Politik/Weniger-Krankenkassen-wie-viel-liesse-sich-dadurch-wirklich-sparen-441043.html
Rechnerisch könnte man vermutlich eine Milliarde sparen. Den Gegenüber stehen 290 Milliarden Euro Leistungsausgaben. Klar, es spricht immer noch nicht viel dagegen, weiterhin Kassen zusammenzulegen. Das passiert übrigens ganz von alleine in unserer marktwirtschaftlichen Organisation. Aber man kann halt nicht so tun, als wär das die Lösung. Es wäre ein ganz kleiner Tropfen auf den heißen Stein und würde am Ende kaum etwas ändern. Es lohnt sich einfach nicht, politische Energie darauf zu verschwenden. Es lenkt nur von den eigentlichen Problemen ab.

In Österreich hat man auch angekündigt, eine Milliarde zu sparen, und es hat am Ende 200 Millionen mehr gekostet:
https://www.kleinezeitung.at/politik/innenpolitik/6228093/Fusion-der-Krankenkassen_200-Millionen-Euro-Mehrkosten-statt

Endoplasmatisches Reticulum
20.01.2024, 09:16
......

Feuerblick
20.01.2024, 09:27
@docdean: Sehr persönliche Einblicke über viele Jahre. Völlig irre, was und zu welchen Konditionen Führungspersönlichkeiten da so verdienen.

OhDaeSu
20.01.2024, 10:35
Diese Debatte hatte im Juni der Vorsitzende des BKK-Dachverbands, Franz Knieps, als „populistischen Gag“ bezeichnet.

Krankenkassenfunktionäre finden Einsparungen bei Krankenkassen blöd. Mehr News um 18:00.

docdean
20.01.2024, 10:36
@docdean: Sehr persönliche Einblicke über viele Jahre. Völlig irre, was und zu welchen Konditionen Führungspersönlichkeiten da so verdienen.

Mag sein, aber Anekdoten taugen halt nicht für eine Aussage über das ganze System.

Kackbratze
20.01.2024, 10:51
Doppelstrukturen in Kliniken - doof
Doppelstrukturen in Krankenkassen - gut

Ok, ich sehe, wir haben da eine Basis gefunden

Tramaldol
20.01.2024, 11:59
@docdean: Sehr persönliche Einblicke über viele Jahre. Völlig irre, was und zu welchen Konditionen Führungspersönlichkeiten da so verdienen.

Das stimmt. Und es gibt immer noch zuviele Krankenkassen. Immerhin gabs' ja eine Konsolidierung. Hinzukommen die unsäglichen zahlreichen PKVs, die quasi die Infrastruktur umsonst nutzen, aber absolute Rosinenpickerei bei ihren Mitgliedern betreiben. Neben dem Einkommen, oder vor allem Status (PKV=hauptsächlich Beamte) sind Psychiatrische oder sonstige chronische Erkrankungen tabi. Die PKV sagt nein, sollen doch die GKV-Kassen solche Mitglieder nehmen, die auch noch Krankheiten haben.
Klar wollen alle Ärzte in Spitzenpositionen, dass die PKV bleibt, verdient man doch das 4-fache pro Patient für denselben Schmarrn.

Völlig irre können auch der Verdienst von Führungspersonal im ärztlichen Bereich sein, auch im ambulanten Bereich.
Wobei das auch mehr Geschäftsleute sind statt Ärzte.

Was man auf jeden Fall feststellen kann: Es gibt genug bzw. eher zuviel Geld im Gesundheitssystem. Man muss sich nur noch einigen, wo man sparen kann.

Endoplasmatisches Reticulum
20.01.2024, 12:54
.......

docdean
20.01.2024, 14:07
Doppelstrukturen in Kliniken - doof
Doppelstrukturen in Krankenkassen - gut

Ok, ich sehe, wir haben da eine Basis gefunden

Es gibt fast 2000 Kliniken in Deutschland, aber unter 100 Krankenkassen. Muss ich mehr sagen?

Mein Punkt war auch nicht "gut" oder "doof", sondern "lohnt sich einzusparen" oder "würde eh nicht viel bringen". Sinnerfassendes Lesen ist wichtig.


Hinzukommen die unsäglichen zahlreichen PKVs, die quasi die Infrastruktur umsonst nutzen, aber absolute Rosinenpickerei bei ihren Mitgliedern betreiben. Neben dem Einkommen, oder vor allem Status (PKV=hauptsächlich Beamte) sind Psychiatrische oder sonstige chronische Erkrankungen tabi. Die PKV sagt nein, sollen doch die GKV-Kassen solche Mitglieder nehmen, die auch noch Krankheiten haben.
Klar wollen alle Ärzte in Spitzenpositionen, dass die PKV bleibt, verdient man doch das 4-fache pro Patient für denselben Schmarrn.

Gerade durch diese vierfache Vergütung pumpen die PKVs aber pro Fall wieder mehr Geld in die Infrastruktur und das gesamte System. Nur dadurch sind die Ärzte nicht so dringend darauf angewiesen sind, von den GKV-Einnahmen leben zu können. Die PKV subventioniert unterm Strich die zu niedrigen Vergütungen für GKV-Patienten mit. Ohne PKV-Einnahmen müssten die Ärzte von den GKVs mehr Geld verlangen, und das würde die GKV-Beiträge steigen lassen.

Problem ist aber auch hier (oder ganz besonders hier), dass die PKV zu viel Geld für Leistungen ausgibt. Was ich letztens für ein Theater miterlebt hab, das für einen Patienten mit einer simplen akuten Cholezystitis aufgeführt wurde, war nicht mehr feierlich. Den hätte ich in fünf Minuten mit dem Sono diagnostizieren können. Aber weil privatversichert, mussten die Chefärzte natürlich Gastro, Colo, CT, MRT und das besonders teure Kontrastmittel abrechnen.



Was man auf jeden Fall feststellen kann: Es gibt genug bzw. eher zuviel Geld im Gesundheitssystem. Man muss sich nur noch einigen, wo man sparen kann.

Andere Länder geben weniger aus, machen weniger Diagnostik, weniger Eingriffe, haben weniger Betten, aber trotzdem keine kränkere Bevölkerung. Im Gegenteil, bei uns fehlt das Geld für Prävention oder rechtzeitige Behandlung, und das kommt uns langfristig bestimmt teurer.

ehem-user-19-05-2025-1430
20.01.2024, 19:21
Gerade durch diese vierfache Vergütung pumpen die PKVs aber pro Fall wieder mehr Geld in die Infrastruktur und das gesamte System. Nur dadurch sind die Ärzte nicht so dringend darauf angewiesen sind, von den GKV-Einnahmen leben zu können. Die PKV subventioniert unterm Strich die zu niedrigen Vergütungen für GKV-Patienten mit. Ohne PKV-Einnahmen müssten die Ärzte von den GKVs mehr Geld verlangen, und das würde die GKV-Beiträge steigen lassen.

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Du darfst nicht vergessen dass die privaten meist Höchstbeitrag zahlen würden. Außerdem wird durch die 10% privaten geschätzt 20-30% der Leistungen verbraucht (auch bezahlt). Es würde also die gkv massiv finanziell gepusht, gleichzeitig Arbeit aus dem System genommen. Leidtragende wären die wischiwaschi Innenstadt ärzte...die ihr Tumorscreening Modul 3 nicht jährlich an den Mann bringen...

xyl15
20.01.2024, 19:27
Es braucht genau eine Kasse von mir aus die Deutsche Gesamtkasse. Das wäre effizient und fair.

Funktioniert ja auch bei der Rentenversicherung (obwohl eher schlecht als recht)

FirebirdUSA
20.01.2024, 20:02
Leidtragende wären die wischiwaschi Innenstadt ärzte...die ihr Tumorscreening Modul 3 nicht jährlich an den Mann bringen...

Nein. Die dortigen Patienten zahlen das ggf auch privat. Ohne PKV würde kein ambulanter Arzt GKV behandeln. Die Sätze sind häufig ja noch nichtmal kostendeckend..

freak1
20.01.2024, 20:06
Ich glaube, die Anzahl von Patienten (der größte Teil sind Beamte), die die ganzen Sonderleistungen der PKV in Zukunft aus eigener Tasche zahlen würde, wird massiv überschätzt.

Kackbratze
20.01.2024, 21:12
Warum verbieten wir eigentlich nicht die ganzen wischiwaschi Innenstadtärzte? Dann gäbe es auch wieder mehr Personal für die Kliniken und die Niedergelassenen, die dann doch bleiben können sich um echte Patienten kümmern.


Letztendlich ist es nicht verwunderlich, dass die Politiker mit jedem Mist durchkommen, wenn selbst die Kollegen untereinander sich nicht das Schwarze unter dem Fingernagel gönnen.
Was sagen denn die Niedergelassenen hier im Forum zu der These, dass 30% der Arbeit auf die 10% Privatpatienten entfallen?

Endoplasmatisches Reticulum
20.01.2024, 21:17
......

Trenn
20.01.2024, 21:40
Nein. Die dortigen Patienten zahlen das ggf auch privat. Ohne PKV würde kein ambulanter Arzt GKV behandeln. Die Sätze sind häufig ja noch nichtmal kostendeckend..

Betrifft vielleicht hausärztliche Internisten in überversorgten Großstädten, aber auf dem "Land" kann man mit HZV auch kostendeckend wirtschaften. Aber klar, man muss dann schon ranklotzen (deutlich mehr Patienten versorgen) und öfters KV-Dienste schieben (weil die Honorar-Assis aus der Klinik auf dem Land fehlen).

@ Kackbratze: Man redet vielleicht schon eine Minute länger mit einem Privatpatienten, wenn man für die gleiche Leistung das dreifache abrechnet.... Auf der anderen Seite gibt es durch die Masse auch einige GKV-Patienten, wo man deutlich mehr für ein Folgerezept im Quartal kriegt... Und jetzt soll ja noch die Entbudgetierung kommen. Ich arbeite aber in eine strukturschwache Gegend, da sind private auch nicht gleich private... (einige nur in Basistarife, die nur das nötigste wollen).

FirebirdUSA
20.01.2024, 22:34
Das mag für Hausärzte gelten, für Radiologen aber z.B. auch HNO Ärzte sicher nicht. Nicht ohne Grund operieren eigentlich alle HNO Ärzte aktuell keine Kinder mehr - deckt einfach nicht die Kosten bzw ist sogar Minusgeschäft.

Reflex
21.01.2024, 07:51
Warum verbieten wir eigentlich nicht die ganzen wischiwaschi Innenstadtärzte? Dann gäbe es auch wieder mehr Personal für die Kliniken und die Niedergelassenen, die dann doch bleiben können sich um echte Patienten kümmern.


Letztendlich ist es nicht verwunderlich, dass die Politiker mit jedem Mist durchkommen, wenn selbst die Kollegen untereinander sich nicht das Schwarze unter dem Fingernagel gönnen.
Was sagen denn die Niedergelassenen hier im Forum zu der These, dass 30% der Arbeit auf die 10% Privatpatienten entfallen?

Im PT Bereich ist es inzwischen eher anders herum, weil PT Leistungen als Einzelleistungen 1:1 vergütet werden. Ein Großteil der Therapeuten mit KV Sitz nimmt daher lieber gKV Patienten als Privatpatienten, weil die Vergütung inzwischen besser ist und der Bürokratieaufwand der Beantragung der Therapiesitzungen geringer ist. Einzig für die Tage, wo die Behandlungsminuten ausgereizt sind, lohnt es sich noch Privatpatienten zu sehen. (Bei Freiberufler sind das allerdings 12h) Privatpatienten werden auch oft schon mit 2,8 fachen Satz und mehr abgerechnet, was in der Regel eine Zuzahlung für die Patienten gedeutet und es gibt sogar Praxen, die deshalb gar keine Privatpatienten mehr annehmen.