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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Läuft der Klinikkollaps schon?



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davo
21.01.2024, 07:55
Letztendlich ist es nicht verwunderlich, dass die Politiker mit jedem Mist durchkommen, wenn selbst die Kollegen untereinander sich nicht das Schwarze unter dem Fingernagel gönnen.

Da hast du völlig Recht. Man hat den Eindruck, dass viele Ärzte gar nicht viel verdienen wollen. Sondern dies sogar als gefährlich und moralisch verwerflich einstufen.

Da ist dann klar, dass die Politik leichtes Spiel hat, und die Ärzteschaft weiter schröpfen kann.

rafiki
21.01.2024, 08:34
Privatpatienten werden auch oft schon mit 2,8 fachen Satz und mehr abgerechnet,

3,5 ist mittlerweile üblich bei Kollegen, die sich selbst wertschätzen. Bis zu 7fach ist mir bekannt.

Und immer mehr Kassenpat. nehmen Geld in die Hand für gute Medizin.

Reflex
21.01.2024, 09:05
3,5 ist mittlerweile üblich bei Kollegen, die sich selbst wertschätzen. Bis zu 7fach ist mir bekannt.

Und immer mehr Kassenpat. nehmen Geld in die Hand für gute Medizin.

Wenn etwas nach EBM abgerechnet werden kann, gibt es keine Igel-Leistung. 7facher Satz sind auch eher Ausnahmen. Der Großteil der Faktorsteigerung bewegt sich zwischen 2,8 und 3,5, da man dies inhaltlich begründen muss. Und da reicht es nicht, „weil ich es kann“ oder „weil das für mich die entsprechende monitäre Wertschätzung ist“ aus. Meine Erfahrung ist eher, dass aufgrund der vorherrschenden Mentalität der Patienten, die die PT komplett selber zahlen oder mit exorbitanten Zuzahlungen (jenseits des 3,5 fachen Satzes) konfrontiert werden auch häufiger Therapien nicht beenden oder nach wenigen Sitzungen abbrechen.

freak1
21.01.2024, 11:41
Für Faktor > 3,5 braucht man eigentlich vorher eine gesonderte Vereinbarungen soweit ich weiß?

Ich hab mich mal gegen eine kriminelle Abrechnung eines Zahnarztes gewehrt. Jede Menge Steigerungsfaktoren von 7,x ohne besondere Vereinbarung. Gutachter der KK, Gutachter der Zahnärztekammer, jede Menge Sachen abgerechnet, die nie erbracht worden sind und wenn auch nie indiziert gewesen wären. Rechnungskorrektur von ihm war dann Faktor 3,5 und dafür einfach die Anzahl verdoppelt (also statt 1 x füllung zahn xy faktor 7,0 => 2 x füllung zahn xy faktor 3,5). Also wirklich Abrechnungsbetrug schwarz auf weiß.

Konsequenzen? Null. Nie wieder was von der Zahnärztekammer gehört. Betrugsabteilung der KK kannte ihn sofort namentlich. Hätte Anzeige bei der entsprechende Schwerpunktstaatsanwaltschaft erstatten müssen etc...

Faktor 3,5 musste auch nicht besonders begründet werden. Wenn angegeben, wird davon ausgegangen, dass der Aufwand auch entsprechend gewesen sei, sagten mir Gutachter und damalige PKV.

Endoplasmatisches Reticulum
21.01.2024, 12:06
..........

ehem-user-19-05-2025-1430
21.01.2024, 13:27
Was sagen denn die Niedergelassenen hier im Forum zu der These, dass 30% der Arbeit auf die 10% Privatpatienten entfallen?

Der ganze Mechanismus ist der, dass viele niedergelassene Fachärzte "künstlich" ihren Privatpatientenanteil nach oben pushen durhc unnötige Verlaufskontrollen. Das sehe ich täglich in der Hausarztpraxis. Letzte Woche erst ein Patient mit leichtgradig depressiven Beschwerden, eig fitter Kerl, der nun vom Neurologen (!) (Initialvorstellung Müdigkeit, meiner Meinung nach unnötige Vorstellung) innerhalb 2 Monaten 2 mal wieder einbestlelt wurde zur Verlaufskontrolle der psychischen beschwerden, im Brief stand jeweils: "es wurde ein psychisch entlastendes Gespräch geführt". Das ist ja auch einfach abgreifen des Hausarztjobs. Nächstes beispiel 50-jähriger Privatpatient, EKG bei Vorsorge bei uns (das machen wir auch mehr häufiger bei privaten, geb ich zu), hier ED Vorhofflmimern, keinerlei Beschwerden, wollte unbedingt zum kardiologen (schon nicht unbedingt nötig meiner Meinung nach), im Echo kam nichts raus aus Trikuspidalinsuff Grad 0 bis 1 (musste lachen) und jetzt hat er bereits 5 Termine für 2024 eingetragen bekommen von der Kardiologin.... das ist so verrückt einfach mittlweile. Komme aus dem Staunen nciht raus seit dem ich im ambulanten Bereich arbeite. Ivh will nciht alle über einen Kamm scheren, gibt bestimmt auch gute Kollegen, aber es fallen die negativen halt stärker auf....

Neckar
21.01.2024, 13:39
Ich kenne mich noch nicht so ganz mit dem ambulanten Bereich des deutschen Gesundheitswesens aus.

Für mich es ist absolut bemerkenswert, dass es akzeptiert wird, dass Leistungen (z. B. Am Ende des Quartals) fast umsonst erbracht werden, weil von der Kasse kein Geld dafür kommt, bzw. Wenn man mehr macht, drohen sogar Regresse.

Die oben geschilderten Situationen bzgl. Privatpatienten sind weniger überraschend. Wenn man mit einer patientenorientierten, leitliniengerechten Medizin Miese macht, wird es versucht irgendwo es auszugleichen. Die meisten hier haben auch Familien zu ernähren.

Gefühlt war es nicht immer so, bzw. Damals haben die niedergelassenen Kollegen mehr verdient aber dafür auch eine bessere Betreuung angeboten (siehe Beispiel Unterbauchschmerzen rechts). Gab es irgendwelchen historischen Gründen für die jetzige Situation?

Sorry für den Off topic. Es ist für mich ärgerlich zu sehen, dass die Situation in den Kliniken nicht besser werden, und dazu die Niederlassung unattraktiver wird. „Stuck between a rock and a hard place“.

Endoplasmatisches Reticulum
21.01.2024, 13:44
.......

Tramaldol
21.01.2024, 13:49
Trotzdem halte ich die Aussage für Quatsch, es wäre zu viel Geld im System. Auch wenn man bei manchen Ausgaben und Gehältern sicherlich den Kopf schütteln kann.

Ich denke, die GKV wird massiv zurückgeschraubt werden und Gesundheitsleistungen am Ende so ähnlich ablaufen wie in der Zahnmedizin: Fünfteklasseleistungen für alle auf Umlagenbasis, für alles was irgendwie taugt dann Zusatzversicherung auf Selbstkostenbasis und Arschkarte für Arme und Vorerkrankte mit negativem Risikoscore.

Das sehe ich nicht so. Schau einfach Ausgaben für Gesundheit pro Kopf weltweit. Da sind wir ganz schön weit oben.
Alle meckern über hohe Steuern und Abgaben. Noch mehr geht hier auf keinen Fall.
Natürlich ist es sinnvoll eine Basisversorgung einzuführen und überteuerten Schnick-Schnack den Zusatzversicherten und Selbstzahlern zu überlassen. Es muss auch nicht eine Knie-Tep oder Hüft-Tep in 6 Krankenhäusern in 20km Umgebung angeboten werden wie im Ruhrgebiet. Was da allein an Personalreserven schlummert.
Genauso ist es unnötig soviele Herzkatheter in der Bevölkerung durchzuführen. Jeder weiß: hier gehts um Abrechnung und in anderen vergleichbaren Ländern wird das nicht so oft gemacht. Sind dort nur schlechte Cardiologen? Auch muss man nicht jedem neuen Blutdrucksenker der Industrie auf dem Leim gehen und dort das 10 fache zahlen.
Stattdessen könnte man mal die Steuern auf gesundheitlich schädliche Erzeugnisse wie Zucker in Getränken, Alkohol und Tabak deutlich erhöhen. Aber man geht ja davon aus, dass bei noch höherer Tabaksteuer die Einnahmen daraus sinken würden und mit der FDP ist da eh nix zu machen. Freier Rauch (Herzinfarkt, pAVK usw) für freie Bürger. Und alle dürfen dann die Folgeerkrankungen bezahlen.



Gerade durch diese vierfache Vergütung pumpen die PKVs aber pro Fall wieder mehr Geld in die Infrastruktur und das gesamte System. Nur dadurch sind die Ärzte nicht so dringend darauf angewiesen sind, von den GKV-Einnahmen leben zu können. Die PKV subventioniert unterm Strich die zu niedrigen Vergütungen für GKV-Patienten mit. Ohne PKV-Einnahmen müssten die Ärzte von den GKVs mehr Geld verlangen, und das würde die GKV-Beiträge steigen lassen.


Das ist Propaganda der PKV und ihrem Werbeverband. Es gibt Gegenden in Deutschland, wo kaum PKV Patienten sind und trotzdem gibts dort die normale Versorgung.
Der Vorteil der Abschaffung der PKV wäre, dass die ganzen Innenstadt-Privat-Praxen vllt schließen müssten. Die armen Ärzte und ihr nicht so reiches Praxispersonal dort mehr arbeiten müssten (manche zumindest) und so dem Arbeitsmarkt wieder zur Verfügung stünden. Insbesondere im ländlichen Raum. Die Abschaffung der PKV wäre sehr nützlich für die Gesellschaft. Für manche Ärzte, insbesondere Chefärzte mit Privatliquidation oder Privatpraxen oder Praxen mit hohem P-Anteil, wäre es natürlich Teufelszeug und die werden hier und natürlich in der Politik (CDU, FDP, AFD) meckern und lamentieren bis in alle Ewigkeit, weil sie ihren fetten Kuchenanteil für wenig Arbeit in Gefahr sehen.


Für Faktor > 3,5 braucht man eigentlich vorher eine gesonderte Vereinbarungen soweit ich weiß?
Konsequenzen? Null. Nie wieder was von der Zahnärztekammer gehört. Betrugsabteilung der KK kannte ihn sofort namentlich. Hätte Anzeige bei der entsprechende Schwerpunktstaatsanwaltschaft erstatten müssen etc...
.

So ist es. Da hält sich keiner mit auf. Zahnarztwechseln und Google Bewertung.


Meine Versicherung will eine Begründung ab > 3.5. Zahnärzte bescheißen aber echt gerne, wo sie können.


Ach das sind nicht nur Zahnärzte. Eine Anmeldedame (zufällig auch Frau des Chefs) hat letztens bei telefonischer Nachfrage wegen einer fehlerhaften Rechnung bei Prostata-CA dem Typ von der Abrechnung der Privaten Versicherung selbst Prostatakrebs gewünscht. Letztendlich zahlt die Versicherung dann 1/4 und der Patient bleibt auf dem Rest (einge tausend €) sitzen. Die Praxis ist sicherlich in einem "Graubereich" am "Rande der Kriminalität", niemand hat da Lust sich hinterzuklemmen und das Geld fließt weiter. Egal ob vom Patient oder PKV.


Funktioniert ja auch bei der Rentenversicherung (obwohl eher schlecht als recht)

Die deutsche Rentenversicherung funktioniert gerade NICHT weil es so viele Ausnahmen gibt (Beamte, Ärzte, Selbstständige, Apotheker). Also alle mit Kohle sind da nicht drin. Vorbild wäre z.B. Österreich.
Letztendlich wird das alles über Inflation bezahlt werden.
Naja man soll nicht meckern. In den USA oder Canada gibt es keine staatliche Rentenversicherung. Da sieht man dann wirklich mal Altersarmut. Hinzukommt die wirklich miese und dazu noch überteurerte Gesundheitsversorgung der USA für ärmere Bevölkerungsschichten.


Nein. Die dortigen Patienten zahlen das ggf auch privat. Ohne PKV würde kein ambulanter Arzt GKV behandeln. Die Sätze sind häufig ja noch nichtmal kostendeckend..

Das sehe ich anders. Es gibt Gegenden, wo praktisch nur GKV Patienten sind. Auch die arbeiten kostendeckend. Ohne die GKV gäbe es nicht so viele Angebote für die asoziale PKV. Es gibt viele Praxen, die ohne PKV, aber auch nicht ohne GKV Patienten sich rentieren. Durch die ganzen PKV-ler wird die Arbeitsdichte sehr reduziert. Ein Unding. Es sollte eine Versicherung geben. Keine PKV. Es kann ja nicht mal jeder rein in die PKV. Chronische Erkrankung oder zu wenig Geld. Nein Danke.

Neckar
21.01.2024, 13:59
This (https://de.statista.com/statistik/daten/studie/76458/umfrage/deutschland-entwicklung-der-gesundheitsausgaben-seit-1997/). Und this (https://www.vdek.com/content/dam/vdeksite/vdek/daten/einnahmen-ausgaben/gkv_einnahmen_ausgaben_insgesamt_mrd_eur_saeule.jp g).

Einnahmen und Ausgaben der GKV tanzen umeinander bei immer höherem Anteil der Gesundheitsausgaben am BIP. Das ist langfristig nicht unterhaltbar.

Danke dir!

davo
21.01.2024, 14:05
Wir sind ja schon heute viele Jahre den USA hinterher. Was dort längst medikamentöser Alltag ist, ist bei uns noch nicht einmal zugelassen. Ob es wirklich sinnvoll ist, den Rückstand noch weiter zu vergrößern?

Neckar
21.01.2024, 14:05
Das sehe ich nicht so. Schau einfach Ausgaben für Gesundheit pro Kopf weltweit. Da sind wir ganz schön weit oben.
Alle meckern über hohe Steuern und Abgaben. Noch mehr geht hier auf keinen Fall.
Natürlich ist es sinnvoll eine Basisversorgung einzuführen und überteuerten Schnick-Schnack den Zusatzversicherten und Selbstzahlern zu überlassen. Es muss auch nicht eine Knie-Tep oder Hüft-Tep in 6 Krankenhäusern in 20km Umgebung angeboten werden wie im Ruhrgebiet. Was da allein an Personalreserven schlummert.
Genauso ist es unnötig soviele Herzkatheter in der Bevölkerung durchzuführen. Jeder weiß: hier gehts um Abrechnung und in anderen vergleichbaren Ländern wird das nicht so oft gemacht. Sind dort nur schlechte Cardiologen? Auch muss man nicht jedem neuen Blutdrucksenker der Industrie auf dem Leim gehen und dort das 10 fache zahlen.
Stattdessen könnte man mal die Steuern auf gesundheitlich schädliche Erzeugnisse wie Zucker in Getränken, Alkohol und Tabak deutlich erhöhen. Aber man geht ja davon aus, dass bei noch höherer Tabaksteuer die Einnahmen daraus sinken würden und mit der FDP ist da eh nix zu machen. Freier Rauch (Herzinfarkt, pAVK usw) für freie Bürger. Und alle dürfen dann die Folgeerkrankungen bezahlen.



Das ist Propaganda der PKV und ihrem Werbeverband. Es gibt Gegenden in Deutschland, wo kaum PKV Patienten sind und trotzdem gibts dort die normale Versorgung.
Der Vorteil der Abschaffung der PKV wäre, dass die ganzen Innenstadt-Privat-Praxen vllt schließen müssten. Die armen Ärzte und ihr nicht so reiches Praxispersonal dort mehr arbeiten müssten (manche zumindest) und so dem Arbeitsmarkt wieder zur Verfügung stünden. Insbesondere im ländlichen Raum. Die Abschaffung der PKV wäre sehr nützlich für die Gesellschaft. Für manche Ärzte, insbesondere Chefärzte mit Privatliquidation oder Privatpraxen oder Praxen mit hohem P-Anteil, wäre es natürlich Teufelszeug und die werden hier und natürlich in der Politik (CDU, FDP, AFD) meckern und lamentieren bis in alle Ewigkeit, weil sie ihren fetten Kuchenanteil für wenig Arbeit in Gefahr sehen.



So ist es. Da hält sich keiner mit auf. Zahnarztwechseln und Google Bewertung.



Ach das sind nicht nur Zahnärzte. Eine Anmeldedame (zufällig auch Frau des Chefs) hat letztens bei telefonischer Nachfrage wegen einer fehlerhaften Rechnung bei Prostata-CA dem Typ von der Abrechnung der Privaten Versicherung selbst Prostatakrebs gewünscht. Letztendlich zahlt die Versicherung dann 1/4 und der Patient bleibt auf dem Rest (einge tausend €) sitzen. Die Praxis ist sicherlich in einem "Graubereich" am "Rande der Kriminalität", niemand hat da Lust sich hinterzuklemmen und das Geld fließt weiter. Egal ob vom Patient oder PKV.



Die deutsche Rentenversicherung funktioniert gerade NICHT weil es so viele Ausnahmen gibt (Beamte, Ärzte, Selbstständige, Apotheker). Also alle mit Kohle sind da nicht drin. Vorbild wäre z.B. Österreich.
Letztendlich wird das alles über Inflation bezahlt werden.
Naja man soll nicht meckern. In den USA oder Canada gibt es keine staatliche Rentenversicherung. Da sieht man dann wirklich mal Altersarmut. Hinzukommt die wirklich miese und dazu noch überteurerte Gesundheitsversorgung der USA für ärmere Bevölkerungsschichten.



Das sehe ich anders. Es gibt Gegenden, wo praktisch nur GKV Patienten sind. Auch die arbeiten kostendeckend. Ohne die GKV gäbe es nicht so viele Angebote für die asoziale PKV. Es gibt viele Praxen, die ohne PKV, aber auch nicht ohne GKV Patienten sich rentieren. Durch die ganzen PKV-ler wird die Arbeitsdichte sehr reduziert. Ein Unding. Es sollte eine Versicherung geben. Keine PKV. Es kann ja nicht mal jeder rein in die PKV. Chronische Erkrankung oder zu wenig Geld. Nein Danke.

Sorry, aber um den Teufelsanwalt zu spielen, es gibt gefühlt schon eine geographische Korrelation zwischen ärztliche Versorgung auf dem Land und Vorhandensein von Privatpatienten. Das sieht man sogar in Städten.

Endoplasmatisches Reticulum
21.01.2024, 14:27
.......

FirebirdUSA
21.01.2024, 14:58
Das sehe ich anders. Es gibt Gegenden, wo praktisch nur GKV Patienten sind. Auch die arbeiten kostendeckend. Ohne die GKV gäbe es nicht so viele Angebote für die asoziale PKV. Es gibt viele Praxen, die ohne PKV, aber auch nicht ohne GKV Patienten sich rentieren. Durch die ganzen PKV-ler wird die Arbeitsdichte sehr reduziert. Ein Unding. Es sollte eine Versicherung geben. Keine PKV. Es kann ja nicht mal jeder rein in die PKV. Chronische Erkrankung oder zu wenig Geld. Nein Danke.

Ich finde du siehst das sehr vereinfacht. Natürlich ist es in strukturschwachen Regionen einfacher kostendeckend zu arbeiten, da Miete und Lebenshsltung z.T. dtl günstiger sind. Trotzdem ist z.B. ein MRT Gerät mit 70 Euro/Untersuchung nicht tragbar, wenn du sinnvolle Diagnostik machen willst. Man kann natürlich das low budget Gerät nehmen und 6mm Schichten mit 1mm Abstand in 3 Ebenen in 10 min machen, aber dann kann man bei vielen Fragestellungen die Untersuchung auch sein lassen. Und wie gesagt deutschlandweit führen eigentlich alle HNO Ärzte keine OPs mehr bei Kindern durch, die Sätze decken einfach nicht den Aufwand ab. Erstaunlicherweise kannst du dich zum 3fachen Preis deshalb in der Schweiz behandeln lassen und die KK übernimmt die Kosten...
Abschaffung PKV mag ggf sinnvoll sein, aber nur wenn dann auch die Vergütung angepasst wird.
Wir machen natürlich Überdiagnostik aber die Beweislastumkehr bei fehlender Diagnostik (nicht bei Beurteilungsfehler) macht hierzulande es auch echt schwer. Dann brauchen wir klare Vorgaben wann welche Diagnostik sinnvoll ist. Aber die Leitlinien sind eben auch nicht ohne Bias, wor müssen z.B. jetzt bei allen Lungen Ca Patienten Schädel MRT machen... bei kurativem Ansatz mag das sinnvoll sein, bei palliativem Konzept wäre CCT wie bisher sicher nicht schlechter für die Patienten.

Reflex
21.01.2024, 19:44
Für Faktor > 3,5 braucht man eigentlich vorher eine gesonderte Vereinbarungen soweit ich weiß?

Ich hab mich mal gegen eine kriminelle Abrechnung eines Zahnarztes gewehrt. Jede Menge Steigerungsfaktoren von 7,x ohne besondere Vereinbarung. Gutachter der KK, Gutachter der Zahnärztekammer, jede Menge Sachen abgerechnet, die nie erbracht worden sind und wenn auch nie indiziert gewesen wären. Rechnungskorrektur von ihm war dann Faktor 3,5 und dafür einfach die Anzahl verdoppelt (also statt 1 x füllung zahn xy faktor 7,0 => 2 x füllung zahn xy faktor 3,5). Also wirklich Abrechnungsbetrug schwarz auf weiß.

Konsequenzen? Null. Nie wieder was von der Zahnärztekammer gehört. Betrugsabteilung der KK kannte ihn sofort namentlich. Hätte Anzeige bei der entsprechende Schwerpunktstaatsanwaltschaft erstatten müssen etc...

Faktor 3,5 musste auch nicht besonders begründet werden. Wenn angegeben, wird davon ausgegangen, dass der Aufwand auch entsprechend gewesen sei, sagten mir Gutachter und damalige PKV.

Gesonderte Vereinbarung und Begründung braucht man formal schon ab einem Faktor von 2,5 aufwärts. 2,5 bis 3,5 wird von den meisten PKV ohne Diskussion übernommen (außer man ist bei der PostBKK, Beihilfe oder hat einen Basistarif). Meine Erfahrung ist, aber, dass die meisten Privatpatienten oft erst einmal gar nicht hinterfragen, was sie da unterschreiben, bis sie eine Rechnung bekommen und dann gibt es noch die, mit denen man jede Rechnung ausdiskutieren darf, obwohl von vornherein klar ist, dass die Rechnung von der PKV komplett übernommen werden wird...

Salzi19
21.01.2024, 19:57
Kleine zwischenbemerkung am Rande, minimalinvasive Zahnheilkunde ist tatsächlich deutlich aufwendiger als das Standardverfahren ;-)

Tramaldol
21.01.2024, 20:33
Die oben geschilderten Situationen bzgl. Privatpatienten sind weniger überraschend. Wenn man mit einer patientenorientierten, leitliniengerechten Medizin Miese macht, wird es versucht irgendwo es auszugleichen. Die meisten hier haben auch Familien zu ernähren.

Gefühlt war es nicht immer so, bzw. Damals haben die niedergelassenen Kollegen mehr verdient aber dafür auch eine bessere Betreuung angeboten (siehe Beispiel Unterbauchschmerzen rechts). Gab es irgendwelchen historischen Gründen für die jetzige Situation?

Sorry für den Off topic. Es ist für mich ärgerlich zu sehen, dass die Situation in den Kliniken nicht besser werden, und dazu die Niederlassung unattraktiver wird. „Stuck between a rock and a hard place“.

Das ist nun wirklich Quatsch. Zum einen gibt es Fächer, die garnicht "gedeckelt" sind, zum anderen verdienen die Niedergelassenen schon ganz ordentlich mit der "Leitlinien gerechten Medizin". Noch ordentlicher verdient man hingegen wenn man die Leitlinien gerechte Medizin komplett verlässt und in zahlreiche Grauzonen bis hin zur Grenze Kleinkriminalität (z.B. überhöhte Abrechnungsfaktoren oder abrechnen, was nicht geht) kommt.
Das haben die Herrschaften ganz gewiss nicht nötig, aber machens trotzdem. Glaub mir, die müssen sich wirklich nicht darum sorgen, dass sie morgens beim Bäcker die Brötchen zahlen können. Unglaublich.

Tramaldol
21.01.2024, 20:45
Und was ist die Konsequenz, festzustellen, dass Dritte-Welt-Länder mit einer Lebenserwartung von 35 Jahren weniger Geld für die Gesundheit ihrer Bevölkerung ausgeben?


Wenn für dich Großbritannien, Österreich oder Finnland 3. Welt Länder sind.
Jedes Land in der EU+Großbritannien gibt weniger aus und die Leute LEBEN Länger zum Teil!
https://www.destatis.de/Europa/DE/Thema/Bevoelkerung-Arbeit-Soziales/Gesundheit/Gesundheitsausgaben.html




Das stimmt eben nicht. Keine Ahnung, wie oft ich das noch schreiben muss, aber die aktuelle Studienlage rät eindeutig davon ab, die Durchführung von Diagnostik stumpf zu reduzieren mit dem Anliegen, Kosten zu senken.


Das habe ich garnicht gesagt. Aber es liegen offensichtlich Fehlanreize vor, mal schnell ne Herzkatheteruntersuchung zu machen. Sonst würde das europaweit gesehen pro Einwohner hier nicht so häufig gemacht. Oder glaubst du unsere unsere Bevölkerung hat deutlich mehr Stenosen als die spanische, finnische, britische Bevölkerung?
https://www.aerzteblatt.de/archiv/172757/CT-Koronarangiographie-Paradigmenwechsel-steht-bevor
Mal schauen, ob da mit der eingeführten Vergütung von Koro-CTs etwas Vernunft einkehrt.



Großverdiener in die Rente zu zwingen ist Enteignung bereits investierten Privatvermögens (...) Das Problem ist, dass die Vielen weniger und die Wenigen mehr werden.


Wenn hier die Leute wieder diesen Quatsch erzählen. Natürlich wollen Großverdiener nicht in die Rente. Natürlich will der Chefarzt seine Privatliquidation nicht "freiwillig" abgeben. Niemand möchte etwas abgeben, aber immer schön maulen, dass zu wenig da ist.

Tramaldol
21.01.2024, 20:58
Ich finde du siehst das sehr vereinfacht. Natürlich ist es in strukturschwachen Regionen einfacher kostendeckend zu arbeiten, da Miete und Lebenshsltung z.T. dtl günstiger sind. Trotzdem ist z.B. ein MRT Gerät mit 70 Euro/Untersuchung nicht tragbar, wenn du sinnvolle Diagnostik machen willst.
Abschaffung PKV mag ggf sinnvoll sein, aber nur wenn dann auch die Vergütung angepasst wird.
(...) z.B. jetzt bei allen Lungen Ca Patienten Schädel MRT machen... bei kurativem Ansatz mag das sinnvoll sein, bei palliativem Konzept wäre CCT wie bisher sicher nicht schlechter für die Patienten.

Glaube ich nicht, dass HNO Ärzte es ablehnen Kinder zu operieren, aber gut. Habe keine Lust das auszudiskutieren.
Ein MRT Kopf wird laut EBM mit 125€ vergütet für 20-30 Minuten, je nachdem wie schnell man den Patient rein und rausbekommt. Alles mit Fast-Sequenzen brauchst du da nicht machen, selbst wenn's nur 20 Minuten sind.
Beim Lungen-CA ist das schon sinnvoll im Staging, auch im palliativen Ansatz beeinflussen Hirnmetastasen bzw. der Zeitpunkt der Behandlung die Prognose und Lebensdauer deutlich.
Es gab Patienten mit 30 kleinen Hirnmetastasen, die niemand im cCT entdeckt hat. Und mit den neuen TKIs kann man auch mehrere Jahre mit dem metastasierten Lungen-CA überleben. Wahrscheinlich gibt's da ne interessante Studie zu, sonst würde das nicht gemacht. Schau nochmal nach.

Kandra
21.01.2024, 21:02
Glaube ich nicht, dass HNO Ärzte es ablehnen Kinder zu operieren, aber gut. Habe keine Lust das auszudiskutieren.


Glauben ist nicht wissen ;) Es ist leider aktuell eine Tatsache, sehr zum Schaden der Kinder.