Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Der falsche Arzt
Seiten :
1
2
3
[
4]
5
6
7
8
9
10
11
12
13
agouti_lilac
06.12.2007, 17:23
"Sie rettete Leben, therapierte aidskranke Kinder, erhielt gar einen Medizinerpreis: Viereinhalb Jahre praktizierte Cornelia E. dank gefälschter Zeugnisse an der Hamburger Uni-Klinik. Jetzt droht ihr Knast. Der Fall hat eine Diskussion über die ärztliche Vorprüfung ausgelöst."
http://www.spiegel.de/spiegel/0,1518,521129,00.html
EDIT: hab mal mein Thema hier dran gehangen; der Ordnung halber :-D
Das Problem sehe ich nicht in der Prüfung, sondern in der Prüfungsstruktur und der "three strikes and you're out"-Regelung. Ob Unsinn oder notwendiges Übel, darüber sollen diejenigen entscheiden, die die Macht dazu haben.
mezzomixi
06.12.2007, 18:53
Sorry aber 'ich hab Physik und Chemie abgewählt' ist die dümmste Begündung 3mal durch's Physikum zu fallen, die ich je gehört habe.
Tolle Ärztin hin oder her - so etwas gehört sehr streng bestraft!
Ekelhaft wie sie im SPON-Artikel als "guter Samariter von verqueren IMPP-Fragen verfolgt" dargestellt wird, da verschwimmen die Grenzen zwischen Recht & Unrecht sehr schnell...
Alle Kliniker und fertigen Ärzte (hier im Forum) haben das Physikum auch geschafft - ohne Physik/Chemie-Helden zu sein. Abgedrehte Fragen hin oder her...
Bevor jemand das Physikum verändert, sollten die Urkunden mal vernünftig fälschungssicher gemacht werden! Jeder Personalausweis ist schwerer zu fälschen - und damit darf ich nicht mal in der Apotheke beliebig einkaufen gehen...
Ich habe mich auch ueber den Artikel im "Spiegel" dieser Woche geaergert.
Da wird es regelrecht als Kavaliersdelikt dargestellt, mal locker flockig eine Approbationsurkunde zu faelschen. Ob der Schreiberling auch so entspannt waere, wenn sein / ihr Kind von einem falschen Arzt behandelt worden waere?
Ausserdem fallen die Chemie- und Physikfragen im Physikum nun wirklich nicht allzu stark ins Gewicht.
So, und bevor man mir hier unterstellt, ich haette kein Verstaendnis fuer Chemie- und Physik-Nicht-Koenner:
ich war / bin selbst alles andere als eine Heldin auf diesen Gebieten.
Im Artikel wurden auch ein, zwei Beispiele gebracht, die belegen sollen, wie kompetent die falsche Aerztin sei. Wenn man nun bedenkt, dass sie immerhin schon im 4. WBJ war und staendig unter Aufsicht von Oberaerzten und dem CA stand, sind diese Beispiel alles andere als ueberzeugend (da wurde erwaehnt, dass sie bei einer CPR dem Kind Sauerstoff zugefuehrt habe - ja Jesus Maria, das wuerde ich selbst von einem PJler erwarten!)
Interessant finde ich, dass es so lange gedauert hat, bis die Aerztekammer das Original der Approbationsurkunde verlangte und Konsequenzen zog, als sie nicht vorgelegt wurde. Hier bekommt z.B. NIEMAND seine "Registration" vom General Medical Council, ohne vorher alle Unterlagen im ORIGINAL vorgelegt zu haben - nur mal so als Denkanstoss.
:-dafür
Zum einen Teil kann ich die Verzweiflung Cornelia E. nachvollziehen, aber ich finde die kriminelle Energie echt bedenklich! Wenn ich mich in ihre Lage versetze, denke ich, ich hätte den Weg übers Ausland gewählt. Es ist ja nicht so, dass sie vor einer alternativlosen Situation gestanden hat.
Es steht ihr ja sogar jetzt noch frei (aber wohl erst NACH der Haft...) in Ungarn zu studieren um dann in D Ärztin zu werden- jedenfalls laut diesem sehr subjektiven Spiegelartikel. Aber irr ich mich, oder kann man in D mit einer Vorbestrafung ärztlich tätig werden...?
Zu der Aussage, sie hätte keine Fehler gemacht... Naja, wer will oder kann das jetzt noch nachprüfen? Ihren ehemaligen Chefs wird es doch bestimmt nicht daran gelegen sein, dass da was rauskommt und womöglich dann auf sie zurückfällt...
Thomas24
07.12.2007, 00:39
(da wurde erwaehnt, dass sie bei einer CPR dem Kind Sauerstoff zugefuehrt habe - ja Jesus Maria, das wuerde ich selbst von einem PJler erwarten!)
Obwohl es ja keine Evidenz dafür gibt, das das gut sein soll ;-)
Aber ich schließe mich dem Tenor hier an, der SPON Artikel, so gerne ich den Spiegel sonst auch lese, war wirklich unausgegoren. Betrug bleibt nunmal Betrug, Urkundenfälschung bleibt Urkundenfälschung und Körperverletzung bleibt Körperverletzung, und Probleme bei den vorklinischen Fächern gehabt zu haben sind nun wirklich keine Entschuldigungsgründe:-(
Schädelspalter
07.12.2007, 06:13
Naja, abgesehen von der möglichen Glorifizierung ihrer Handlungen (die ich persönlich auch nicht gutheißen und akzeptieren kann) wird doch in dem Text ganz klar die Schwächen des bisherigen Systems aufgezeigt udn als Alternative der jetzige Modellstudiengang dargestellt. Wenn der Artikel hilft, das Studium zu reformieren, gerne :-winky
freestyler
07.12.2007, 08:09
Eine sehr theatralische Darstellung der ganzen Situation. "Oh Gott die arme Frau"...etwas übertrieben.
Andere müssen ihre Prüfungen auch schaffen. Und die interpretieren es so, als wenn es da draußen nur abgestumpfte Ärzte gibt außer Frau E.
Weltbester_Karlsson
07.12.2007, 08:43
Auf Spiegel-Artikel gebe ich schon lange nichts mehr, sei es die Online- oder die Printausgabe. Irgendwann bin ich zu der Erkenntnis gelangt, dass die Arbeit eines Spiegel-Schreiberlings darin besteht, Menschen zu polarisieren. Vom Prinzip her also genau das was die BLÖD-Zeitung auch macht, nur eben auf einem etwas "gebildeteren" Niveau. Wobei "gebildet" sich eher auf geisteswissenschaftlicher denn auf einer breiten Wissensbasis abspielen dürfte. Die meisten Redakteure, die für große Printmagazine und Zeitungen schreiben, können sich zwar sehr gut ausdrücken und spannend schreiben, doch von der eigentlichen Materie, dem Inhalt ihrer Artikel, haben sie erschreckend wenig Ahnung.
Davon abgesehen finde ich das 1. Staatsexamen, die Art und Weise wie es durchgeführt wird und die Inhalte, die abgeprüft werden, wirklich verbesserungswürdig. Ich könnte mir sehr gut vorstellen, dass wirklich fähige Leute durch dieses Sieb fallen, weil die eigentlichen Qualitäten, die man später als Arzt benötigt, nicht abgeprüft werden. Stattdessen wird stumpfes, zusammenhangloses Auswendiglernen von unnötigem Detailwissen gefördert, das man bereits eine Woche nach der Prüfung i.d.R. vergessen hat. Dies gilt insbesondere für den schriftlichen Teil.
Der Artikel ist natürlich überzogen. Und ich finde das auch keinesfalls in Ordnung, was Frau E. da gemacht hat, das ist und bleibt Betrug -und wenn sie auch noch so viel Gutes getan hat. M. E. kann man das nicht ganz mit anderen 'falschen Ärzten' vergleichen, da sie ja schon Fachwissen besaß, sollte man auch zu ihren Gunsten verwenden. Aber wenn man das immer auf das ach so nervige Prüfungssystem schiebt, macht man es sich wirklich ein bißchen zu einfach, viele andere mußten sich da auch durchbeissen (und für echt wenige ist das wirklich nur ein Klacks).
Manche Leute haben vielleicht auch Prüfungsangst, das macht das ganze nicht einfacher, aber ich kenne auch welche, die das trotzdessen geschafft haben, da muß man sich u. U. halt auch Hilfe suchen, wenn man das alleine nicht schafft.
Mir tut es wirklich leid, auch für Frau E., aber v.a. auch für dutzende andere, die dann nach dem 3. erfolglosen Versuch ihr Studium an den Nagel hängen, ihren Traum begraben mußten.
Aber irgendwie muß man doch die Fähigkeiten prüfen -wie sonst? Natürlich ist das Physikum sehr theoretisch und trocken, aber diverse Dinge kann man wirklich später noch mal gebrauchen...so als grobe Grundlagen, diverses Kleingedrucktes aus zehnbändigen Wälzern abzufragen -wie es leider praktiziert wird- ist natürlich unsinnig, ist aber eigentlich eher ein kleiner Teil dieser Prüfung.
Tja, ambivalent, aber wie schon gesagt, Frau E. nur als Samariterin darzustellen, die ja nur Gutes tun wollte, ist auch ein bißchen daneben :-meinung
Flauscheding
07.12.2007, 10:33
Hier habt ihr euch versteckt :-winky , dabei dachte ich schon, der Artikel sei euch durch die Lappen gegangen :-D .
Kackbratze
07.12.2007, 12:55
Komisch daran ist nur, dass die Leute, die ich persönlich (!) aus dem Modellstudiengang kennegelernt habe exakt 0 menschliche Görße hatten und sich im medizinischen Fachwissen nur gering von "meinesgleichen" unterschieden haben.
Als ob ein neuer Studiengang bessere Menschen produzieren würde, die sich auf einen Schlag mehr oder weniger für die Belange ihrer Patienten interessieren würden...
Empathie hat man, oder nicht, aber ich denke nicht, dass da ein Studiengang groß weiterhilft...
Feuerblick
07.12.2007, 13:10
*kopfschüttel* Wenn ich das so lese, müsste ich auch dreimal durchs Physikum gefallen sein. Ich hatte keinen Plan von Physik und Chemie (jedenfalls nicht von dem, was da gefragt wurde) und wenn ich mich recht erinnere in meiner Physikumsprüfung in jedem der beiden Fächer maximal zwei Fragen richtig beantwortet. Und trotzdem hab ich die Prüfung im ersten Rutsch geschafft. Also ganz schlechte Ausrede das...
Dieser Artikel verursacht mir echt Übelkeit. Anscheinend ist Betrug, Körperverletzung und Co. nicht so schlimm, wenn man dabei (angeblich) Gutes tut. Kann ja wohl nicht wahr sein.
Ich verstehe ihre Verzweiflung nach dem dritten Versuch, aber ich verstehe wirklich nicht die nachfolgenden Betrügereien. Die Frau gehört ordentlich bestraft!
@Fino: *grins* Ich täte sogar sagen, das erwarte ich primär von jeder Intensivschwester... Hilfe, welch Heldentat! Hat auf Intensiv doch allen Ernstes bei Herz-Kreislaufstillstand eine Reanimation durchgeführt. Bekommt man sowas wohlwollend ins Zeugnis geschrieben????:-))
KingLoui
07.12.2007, 14:00
:-meinung
Von ca. 15 Chemiefragen hatte ich genau 3 richtig...um das Physikum zu Bestehen kann man meines Erachtens riesige Lücken haben, wenn man aber im verständnismäßigen Bereich (beispielsweise Physio) gut bestückt ist, besteht man trotzdem locker!
Also ganz ehrlich da haperts bei Frau E. an anderen Dingen ausserdem kann man übrigens nicht nur als Arzt anderen Menschen helfen. Das Physikum ist völlig in Ordnung und die Frau eine Betrügerin, so sehe ich das!
Christoph_A
07.12.2007, 15:41
Kann mich nur meinen Vorschreibern anschließen-ich habe null Verständnis, weder für die Frau, noch für die Verfasser des Artikels. Von einer Zeitschrift wie dem Spiegel hätte ich etwas mehr emotionale Distanz und Sachkenntnis erwartet. Hier wird in ekelhafter Weise auf die Emodrüse gedückt, nach dem Motto, "eine arme Frau, an den Unbillen der insuffizienten ärztlichen Ausbildung gescheitert". Frau E. ist natürlich uns allen, die wir mit dem Job einfach Geld verdienen wollen seelisch und moralisch himmelhoch überlegen und eine großartige Person und alles überragende ( natürlich auf einer der besten Unikliniken der Welt = Hamburg (D)eppendorf arbeitende) Koryphäe der Humanmedizin. Einfach zum :-kotz sowas.
Das ist eine Watschn für alle, die hart UND erfolgreich gearbeitet und sich ihre Approbation erkämpft haben! Das Physikum ist keine Hexerei, sein Bestehen nichts Unmögliches, sondern nur das Produkt harter Arbeit, man kann eine absolute naturwissenschaftliche Vollnull sein und es locker packen!
Und, es tut mir Leid, aber wahre Größe hätte sie gezeigt, wenn sie sich ihr Scheitern eingestanden hätte, aber dafür war die gute Dame ja zu feige und hat lieber ein krummes Ding gedreht. Daß hier ein beispielloses Versagen der Ärztkammer und des LPA vorliegt, sei mal außen vorgelassen.
Diese Frau gehört in den Knast und mit einem lebenslangen Berufsverbot für alle medizinischen Berufe belegt, da so ein Verhalten ethisch und medizinisch absolut untragbar ist!
Entschuldigt bitte die vielleicht harte Wortwahl, aber so ein Mist macht mich tierisch sauer!
( natürlich auf einer der besten Unikliniken der Welt = Hamburg (D)eppendorf arbeitende)
Als ehemalige Luebeckerin habe ich mich nicht getraut, das so zu formulieren
:-))
Weltbester_Karlsson
08.12.2007, 07:21
Das ist eine Watschn für alle, die hart UND erfolgreich gearbeitet und sich ihre Approbation erkämpft haben!
Richtig, denn die Tatsache, dass jemand ohne bestandene Examina unerkannt als Arzt arbeiten kann, offenbart uns, dass diese harte Arbeit keine notwendige Bedingung ist, um diesen Beruf mühelos auszuüben. Dies entspricht dann auch dem gängigen Klischee das theorielastige Medizinstudium habe mit der späteren klinischen Tätigkeit nicht viel gemein.
Das Physikum ist keine Hexerei, sein Bestehen nichts Unmögliches, sondern nur das Produkt harter Arbeit, man kann eine absolute naturwissenschaftliche Vollnull sein und es locker packen!
Schon traurig, dass man das Physikum bestehen kann ohne jegliches Verständnis für das was da eigentlich abgeprüft wird. Das wirft kein gutes Licht auf unseren Berufsstand.
Diese Frau gehört in den Knast und mit einem lebenslangen Berufsverbot für alle medizinischen Berufe belegt, da so ein Verhalten ethisch und medizinisch absolut untragbar ist!
Viel zu milde. Steinigt sie!! ;-) Und wer ohne Schuld ist ...
KingLoui
08.12.2007, 10:14
Schon traurig, dass man das Physikum bestehen kann ohne jegliches Verständnis für das was da eigentlich abgeprüft wird. Das wirft kein gutes Licht auf unseren Berufsstand.
Das wiederum ist Blödsinn! Es geht nur um das Verständnis von reiner Physik und Chemie. Diese Fächer machen ja nur einen kleinen Teil der Prüfungsfragen aus. Für den Rest braucht man auf jeden Fall Verständnis um es zu bestehen! Hast du schon selber Physikum gemacht...oder bist du eventuell getarnter Lehrer :-)) ?
Weltbester_Karlsson
08.12.2007, 12:16
Das wiederum ist Blödsinn! Es geht nur um das Verständnis von reiner Physik und Chemie. Diese Fächer machen ja nur einen kleinen Teil der Prüfungsfragen aus. Für den Rest braucht man auf jeden Fall Verständnis um es zu bestehen! Hast du schon selber Physikum gemacht...oder bist du eventuell getarnter Lehrer :-)) ?
Und was ist mit Biochemie? Ich behaupte mal man kann in BC entweder voll durchblicken und muss nur wenig dafür auswendig lernen oder man checkt wenig bis gar nichts, muss sich alles mühevoll reinprügeln und mogelt sich irgendwie durch. Ähnliches gilt für Physiologie, da gibt es etliche reine Verständnisthemen, die durchaus anspruchsvoll und nicht jedermann's Sache sind. Die einzigen 100%-Auswendiglernfächer sind Anatomie (zugegeben ein sehr großer Brocken) und Psychologie.
Powered by vBulletin® Version 4.2.3 Copyright ©2026 Adduco Digital e.K. und vBulletin Solutions, Inc. Alle Rechte vorbehalten.