Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Was sollte man als "Anfänger-Assi" fachlich wissen/können?
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airmaria
25.01.2008, 18:31
Die Patienten auf Station zu kennen ist etwas, dass nach 3 Wochen nicht unebdingt von jedem behrrscht werden muss ...
Puh, das beruhigt mich. Das war nämlich ein Kritikpunkt, den meine Oberärztin in meinem Wahlfach schon nach wenigen Wochen mir gegenüber ganz offen angesprochen hat. Dass ich oft nicht wusste, was genau der Pat hat, wie bestimmte Laborwerte waren usw. Am Ende wurde es zwar deutlich besser, aber trotzdem fällt mir die Zuordnung nach wie vor schwer, welcher Pat was. Bandscheibenvorfall klar, aber welche Höhe? Links oder rechts? Wann operiert? Usw. :-kotz
ähm... was, wenn nicht wenigstens die patienten, sollte man denn sonst nach DREI wochen kennen/können???
als anfänger braucht man zeit, für die administration, computersystem, formulare, anmeldungen, telefonnummern, alles klar.
man ist anfänger, es kann also nicht irgendwelches fachspezifisches spezialwissen gefordert werden, ist auch klar.
aber nach wenigen tagen sollte man doch wenigstens SEINE patienten kennen!!!
je nach fachbereich, chef oder sonstigen eigenarten kann dazu durchaus auch mehr zu gehören, als z.B. "da ist das knie von gestern".
ob es nun laborparametr oder die konsistens oder farbe des letzten stuhlgangs ist, hängt schwerpunktmässig von art, fachrichtung und ausrichtung des chefs ab, aber auch das sollte man dann entsprechend gesagt bekommen oder gemerkt haben.
airmaria
alley_cat75
25.01.2008, 18:36
was, wenn nicht wenigstens die patienten, sollte man denn sonst nach DREI wochen kennen/können?
Ich danke Dir.
als anfänger braucht man zeit, für die administration, computersystem, formulare, anmeldungen, telefonnummern, ...
Meine Kollegin bleibt von all dem momentan völlig verschont. DRGs und Anträge etc. mache ich. Telefonnummern muss man bei uns nicht können, da wir eine Vermittlung haben. Sie muss sich wirklich nur auf das in den letzten 6 Jahren angehäufte Wissen und auf ihre 6 Patienten konzentrieren. :-???
ähm... was, wenn nicht wenigstens die patienten, sollte man denn sonst nach DREI wochen kennen/können???...
...aber nach wenigen tagen sollte man doch wenigstens SEINE patienten kennen!!!
Bin ich beruhigt, die Patienten konnte ich mir bisher gut merken :-)) Finde das aber auch nicht sonderlich schwer :-nix
Bei allem anderen ist es doch hilfreich, sich die aktuelle Patientenliste auszudrucken und da seine Notizen wie Diagnosen und wichtige Werte etc. zu machen.
Ansonsten hängt vieles davon ab, wie es einem im Studium gelehrt wurde. Ich hatte gute Radiokurse, aber nicht jeder in meinem Semester hatte das. Es steht und fällt eben mit den Dozenten.
Wirklich fit bin ich in Radiologie aber nur dank einem Monat Famulatur geworden. Das hat mir für andere Abteilungen viel gebracht.
In Puncto EKG muss ich sagen, dass ich mich da sehr schwer tue. Wirklich beigebracht wurde uns das nicht, es gab zwar einen guten Kurs, aber ich glaube, so richtig lernt man das nur, wenn man sich mehrmals die Woche EKGs anschaut. Ich denke mal, für mich reicht es, Kammerflimmern/-flattern, Vorhofflimmern, AV-Blöcke und ST-Hebungen/-Senkungen, verbreiterte QRS-Komplexe und eine Asystolie erkennen zu können.
Für Laborwerte gibts doch tolle Pockets und Taschenkarten. Damit kann man schön spicken und irgendwann sitzt es sicher, wobei ich es schon voraussetzen würde, dass ein paar Normwerte abrufbereit sind :-meinung
Anamnesen und körperliche Untersuchungen sollte man auch halbwegs können. Allerdings kenne ich Leute, die in ihren Famulaturen keinen Patienten anfassen durften. Natürlich kann man es einfordern, dass einem jemand was beibringt, aber das fruchtet nicht immer.
Ich bin froh, dass ich da immer schalten und walten durfte, wie ich wollte und konnte. Aber mich wundert es nicht, wenn jemand wenig kann, dennoch ist es nicht immer die Schuld des Studenten/frischen Assis. Wer an der Uni nur in Gesundheitsöko gute Dozenten erwischt hatte, in den Famulaturen nix durfte und im PJ nur maximal Blut abnehmen durfte, der kann doch auch nix lernen, mal abgesehen von dem, was man zuhause liest. Aber ich finde praxisbezug ist einfach unerlässlich, wenn man etwas über Krankheitsbilder lernen will :-meinung
Heute wurde ein Patient mit Krea 180 (normal bei uns unter 90) zur KM-CT geschickt. Das geht echt gar nicht.
Oh doch das geht schon. Richtig vor- und nachwässern und ein bisschen Acetylcystein spritzen.
Wenn es eine Indikation fürs CT gibt und man es nicht durch andere Verfahren ersetzen kann, dann wird's gemacht.
Neue Anekdote von Dr. Miss know nix nothing: Pat. mit pO2 von 58 mmHg in der BGA, gestern von ihr abgeknickt, aber keine Konsequenz. Und ich bekam den Ärger, warum der Pat. heute noch keinen O2 hat bei augenscheinlicher Hypoxämie. :-kotz Warum ich?! Ich erkläre gern und helfe den neuen Kollegen, aber für zwei arbeiten kann ich leider nicht. :-heul Und wenn man fachlich erst ein Jahr Vorsprung hat, ist mir das auch zu doof, alles zu kontrollieren.
Ich habe eine Frage.
Wie läuft's bei euch ab?
Macht ihr zusammen Visite?
Habt ihr die Station aufgeteilt?
Macht sie Aufnahmen, Anordnungen, etc allein?
habe ihr meinen Palm geliehen (um Medikamente + Symptome schneller nachlesen zu können)
Ally, entschuldige die OT-Frage aber du hast Email & PN ausgeknippst:
Welche Programme nutzt du?
Danke!
trina1081
26.01.2008, 09:37
Bin ich beruhigt, die Patienten konnte ich mir bisher gut merken :-)) Finde das aber auch nicht sonderlich schwer :-nix
Bei allem anderen ist es doch hilfreich, sich die aktuelle Patientenliste auszudrucken und da seine Notizen wie Diagnosen und wichtige Werte etc. zu machen.
Ansonsten hängt vieles davon ab, wie es einem im Studium gelehrt wurde. Ich hatte gute Radiokurse, aber nicht jeder in meinem Semester hatte das. Es steht und fällt eben mit den Dozenten.
Wirklich fit bin ich in Radiologie aber nur dank einem Monat Famulatur geworden. Das hat mir für andere Abteilungen viel gebracht.
In Puncto EKG muss ich sagen, dass ich mich da sehr schwer tue. Wirklich beigebracht wurde uns das nicht, es gab zwar einen guten Kurs, aber ich glaube, so richtig lernt man das nur, wenn man sich mehrmals die Woche EKGs anschaut. Ich denke mal, für mich reicht es, Kammerflimmern/-flattern, Vorhofflimmern, AV-Blöcke und ST-Hebungen/-Senkungen, verbreiterte QRS-Komplexe und eine Asystolie erkennen zu können.
Für Laborwerte gibts doch tolle Pockets und Taschenkarten. Damit kann man schön spicken und irgendwann sitzt es sicher, wobei ich es schon voraussetzen würde, dass ein paar Normwerte abrufbereit sind :-meinung
Anamnesen und körperliche Untersuchungen sollte man auch halbwegs können. Allerdings kenne ich Leute, die in ihren Famulaturen keinen Patienten anfassen durften. Natürlich kann man es einfordern, dass einem jemand was beibringt, aber das fruchtet nicht immer.
Ich bin froh, dass ich da immer schalten und walten durfte, wie ich wollte und konnte. Aber mich wundert es nicht, wenn jemand wenig kann, dennoch ist es nicht immer die Schuld des Studenten/frischen Assis. Wer an der Uni nur in Gesundheitsöko gute Dozenten erwischt hatte, in den Famulaturen nix durfte und im PJ nur maximal Blut abnehmen durfte, der kann doch auch nix lernen, mal abgesehen von dem, was man zuhause liest. Aber ich finde praxisbezug ist einfach unerlässlich, wenn man etwas über Krankheitsbilder lernen will :-meinung
Genau das ist ein ziemlich großes Problem hier: In Radio lernt man nur, wie die Geräte funktionieren, aber nicht, wie man Bilder befundet. EKG-Kurs gabs bei uns nicht, von Sono- oder Nahtkursen mal ganz zu schweigen. Praktisch gelernt hat man in der Uni nicht viel, aber dafür ganz viel über Biometrie, Gesundheitsökonomie, Sozialmedizin und alter Mensch
:-kotz :-kotz :-kotz
alley_cat75
27.01.2008, 06:03
Richtig vor- und nachwässern und ein bisschen Acetylcystein spritzen.
Danke, das weiß ich auch. Nur meine Kollegin nicht.
alley_cat75
27.01.2008, 06:08
Ich habe eine Frage. Wie läuft's bei euch ab? Macht ihr zusammen Visite? Habt ihr die Station aufgeteilt? Macht sie Aufnahmen, Anordnungen, etc allein?
Das sind mehr als nur 1 Frage. :-)) Nein, ja, ja. :-dance
Nein, also natürlich machen wir Visite zusammen. Für wie gemein hälst Du mich? :-blush Außerdem habe ich die Verantwortung und kann schon deshalb die Station nicht teilen. Um ihr den Überblick zu erleichtern, hat sie ihr eigenes 4-Bett-Zimmer, in dem ich während der Visite meine Klappe halte und nur unterstützend eingreife. Mache ich mit den PJlern auch so. Bei Aufnahmen war ich anfangs mit dabei, kann aber nicht immer mit aus Zeitmangel. Anordnungen soll sie mir vorlegen, vergisst sie aber meistens. :-? Ich will nun nicht noch die Oberschlaue spielen und ständig hinter ihr her sein. Schwierig, so zu helfen und sie gleichzeitig selbstständig werden zu lassen. :-heul
Persephone
27.01.2008, 10:16
Nein, also natürlich machen wir Visite zusammen. Für wie gemein hälst Du mich? :-blush Außerdem habe ich die Verantwortung und kann schon deshalb die Station nicht teilen. Um ihr den Überblick zu erleichtern, hat sie ihr eigenes 4-Bett-Zimmer, in dem ich während der Visite meine Klappe halte und nur unterstützend eingreife. Mache ich mit den PJlern auch so. Bei Aufnahmen war ich anfangs mit dabei, kann aber nicht immer mit aus Zeitmangel. Anordnungen soll sie mir vorlegen, vergisst sie aber meistens. :-? Ich will nun nicht noch die Oberschlaue spielen und ständig hinter ihr her sein. Schwierig, so zu helfen und sie gleichzeitig selbstständig werden zu lassen. :-heul
Da bist du aber eine echt nette Kollegin. Ich hatte 3 Tage zum gucken, hab dann am 4. Tag 4 Patienten bekommen und am nächsten Tag hatten sich meine Kollegen dann gedacht, daß ich das schon gut könne (egal wie unsicher ich da noch war) und so hatte ich am 5. Tag gleich 8 Patienten. Achja, und nach 3 Wochen hatte ich meinen ersten Dienst und im Durchschnitt 15 Patienten. Da hatte ich nur Glück, daß ich ne tolle OÄ hinter mir hatte, die ich manchmal im 10min-Takt angerufen hab :-oopss
Und die Schwestern haben mir anfangs auch deutlich mehr als meine ärztlichen Kollegen geholfen. Gerade bezüglich der Trinkmengen, DK ex, Aufstehen ja/nein etc.
Dann kam ne andere Kollegin auf die Station und mit der hat das viel besser geklappt. Die konnt ich immer fragen und so macht das doch viel mehr Spaß :-top
Hängt also viel vom guten Willen deiner Kollegen ab! ich halt dir die Daumen.
Doktor_No
27.01.2008, 10:42
bei meiner ersten stelle war es so (chirurgie): morgens angekommen, im stationszimmer ein kollege mit rucksack, der mich begrüsste "du bist also der neue, hier ist deine station!" und mir einen zettel mit 32 pat in die hand drückte und meinte "ich muss weg"... tja, und so ging es los, 2 wochen waren stressig, hatte super unterstützung von pflegeseite und kollegen, ein oberarzt meinte nur "in kaltem wasser lernt man schwimmen oder ertrinkt, und wer ertrinkt hat hier eh nix verloren", das fand ich dämlich...
psycho1899
27.01.2008, 11:33
Das sind mehr als nur 1 Frage. :-)) Nein, ja, ja. :-dance
Nein, also natürlich machen wir Visite zusammen. Für wie gemein hälst Du mich? :-blush Außerdem habe ich die Verantwortung und kann schon deshalb die Station nicht teilen. Um ihr den Überblick zu erleichtern, hat sie ihr eigenes 4-Bett-Zimmer, in dem ich während der Visite meine Klappe halte und nur unterstützend eingreife. Mache ich mit den PJlern auch so. Bei Aufnahmen war ich anfangs mit dabei, kann aber nicht immer mit aus Zeitmangel. Anordnungen soll sie mir vorlegen, vergisst sie aber meistens. :-? Ich will nun nicht noch die Oberschlaue spielen und ständig hinter ihr her sein. Schwierig, so zu helfen und sie gleichzeitig selbstständig werden zu lassen. :-heul
Die Einarbeitungsphase für Deine Kollegin hört sich hier ja richtig kuschelig an. Ich dachte schon, mein Einstieg sei auf Grund eines Sommerloches sanft gewesen (ersten 3 d mitlaufen, Kh kennenlernen), danach 8, wenige T später 10 Patienten.
4 W lang nur 4 Pat. zu haben, auf Visitie nie alleine zu sein, Anordnungen auch noch 4 W später vom Kollegen abgesegnet zu bekommen... sind ja fast PJ-Verhältnisse.
Also in meinem Innere-PJ war der Assistenzarzt (mit mir zusammen) alleine für 35 Pat. Da war auch als PJ nicht viel Zeit zum einarbeiten, obwohl alle sehr nett waren und wenn ich mal nen Tag "frei" wollte, musste ich nen PJler von einer anderen Station überreden, "meine" Blutabnahme "mitzumachen", weil es sonst nicht gegangen wäre.
Am 5. Tag (als PJ) war Chefvisite, irgendwo zwischen Zimmer 3 und 4 ist mein Assi dann "schnell mal noch ein Rö-Bild holen" gegangen, und ich stand mit dem Chef alleine da. Der hat dann nur gemeint..."Ach, dann machen wir einfach weiter..." und so stand ich zum erstenmal alleine mit mir, einer Kurve und dem Chefarzt auf Station und war überrascht, was man plötzlich so alles Sinnvolles aus sich raussaugen kann...Ging ganz gut, aber sollte vielleicht nicht immer so sein. :-notify
Oder man kommt als PJler morgens auf "seine" Station und die Schwestern bestürmen einen, dass der Assi nicht da ist, weil er im Stau steckt, und Du Dir als "Quasi-im Moment-Stationsleitender-Pseudoarzt" doch mal ganz schnell was einfallen lassen sollst, weil Herr X auf Zimmer Y wegen Nierenversagen seine Antidiabetika kumuliert und mit nem BZ von 25 somnolent auf dem Zimmer liegt... Klar, eigentlich kein Problem, Hypoglykämie, lernen wir alle - Aber allein die Tatsache, dass jetzt plötzlich DU derjenige bist, der DIE ENTSCHEIDUNG treffen soll, ganz ohne doppelten Boden und so (klar kann man den OA anrufen, aber krieg das mal in der Schnelle und Hektik in 2 Minuten hin)...Da muss jeder erst reinwachsen!
John Silver
27.01.2008, 14:13
Kann ich beipflichten. Chirurgie und Innere habe ich im PJ in einer zu dem Zeitpunkt extrem unterbesetzten Klinik gemacht. Zeitweise war ich der einzige "Arzt" auf der Station, weil einfach keiner da war. Nicht mal "Bilder holen", sondern gar nicht da. Das war lustig, sage ich euch.
Generell bin ich der Meinung, daß diese "ab ins kalte Wasser und schwimm"-Methode unsinnig ist. Meiner Meinung nach wird sie nur angewandt, weil die Leute, die einem helfen sollen, selbst so behandelt wurden; und nun meinen sie, da sie selbst nichts anderes erfahren hätten, sei dies auch die beste Methode. Diese Einstellung ("haben wir doch auch hinter uns") ist einfach nur *******, verzeiht mit mein Französisch. Man muß die Leute nicht unbedingt mit Samthandschuhen anfassen; wenn man jemandem komplett die Eigenstädigkeit nimmt, dann ist es auch kontraproduktiv. Aber ein gutes Maß an Selbständigkeit setzt nicht zwangsläufig Überforderung voraus.
Das stimmt.
Diese "Selbständigkeit" hat einfach zwei Gesichter...
Wenn ich als Student in JEDEM Praktikum immer nur dumm daneben gestanden bin, jeder fragt Dich, ob Du nicht doch lieber Heim gehen willst, weil das Wetter ja so schön ist, und Du Dir einfach nur überflüssig vorkommst (Zitat beim Gyn-Praktikum: Die Untersuchung mach ich aber jetzt alleine, das geht nicht, dass sie da als nicht-Arzt mit rein gehen..." -- Die Patientin wurde nicht mal gefragt !!! :-kotz ), dann kannst Du nix lernen. Wenn Du dann plötzlich im PJ GEBRAUCHT wirst, weil Du als "2. Assi" auf Station missbraucht wirst (oder als erster :-stud ) - dann ist es eigentlich ein tolles Gefühl, mal wirklich was wert zu sein, nicht umsonst studiert zu haben, endlich mal "seinen JOB" zu tun - aber vorbereitet bist Du nicht darauf! Und im Megastress ohne doppeltem Boden und "Kuscheleinführung" oder wenigstens vernünftige Praktika ist da Selbständigkeit und Überforderung leider sehr nahe beieinander...
Da hilft der Spruch "Ein guter hälts aus - um den Schlechten ist´s nicht schad" leider auch nix, wenn der schlechte grad Dein neue Assi ist...
Fersenbein
27.01.2008, 15:35
3 Tage Einarbeitung (Anfang Januar, da war nicht so viel los...) mehr waren es auch bei mir nicht. Danach volles Programm.
Im PJ hatte ich zum Glück manchmal auch die Station "für mich", weil eine Ärztin im Dienstfrei war und die andere im Urlaub oder krank. Irgendein Arzt war im Haus ja immer erreichbar, falls es ein größeres Problem gegeben hätte. Und das waren, wenn auch selten, die Tage, an denen ich das meiste gelernt habe. Der OA kam irgendwann einfach und meinte, um 17 Uhr macht er dann Visite mit mir. Das heißt, ich bin mit ihm durchgelaufen und habe ihm die Patienten vorgestellt. Natürlich hatte ich nicht alles drauf und zum Glück ging er freundlich mit mir um, aber das hat mir wirklich was gebracht. Einmal war ich alleine auf Station, als eine Patientin einen AP Anfall DD Infarkt im Bett bekommen hat. Das war sehr aufregend, Sauerstoff/Viggo/Labor/EKG/OA anrufen alles gleichzeitg - aber nur so lernt man es auch. Leider waren diese Tage zu selten, und die meiste Zeit war ich zum Blut abnehmen/Viggos legen verdammt.
John Silver
27.01.2008, 16:07
Selbst wenn ein "guter" Dein Kollege ist - die Methode ist unsinnig. Wir bauen keine Kugelschreiber zusammen. Man kann es sich nicht erlauben, bei der Medi-Anordnung und -Dosierung oder einer Untersuchungsauswertung "mal danebenzutippen". Im Gegensatz zu einem Uni-Seminar geht es um echte Patienten, und nicht um hypothetische. Wenn ich schon all das Wissen hätte, welches notwendig ist, um selbständig zu praktizieren - wofür zum Geier bräuchte ich dann die Weiterbildung? Die autodidaktische Methode kann nur eine Notlösung sein, denn sie ist der Methode einer guten, also zielgerichteten und strukturierten, Ausbildung durch erfahrene Kollegen deutlich unterlegen. Bekanntermaßen ist aber nichts dauerhafter, als temporäre Lösungen.
Mir persönlich sind während meiner bisherigen (zugegebenermaßen noch sehr jüngen) Karriere viele Ärzte begegnet, zu denen ich persönlich im Krankheitsfall nicht gehen würde. Sie sind deutlich in der Überzahl. Klar ist die nicht vorhandene Ausbildung alleine nicht an diesem Mißstand schuld; ein wichtiger Grund ist sie dennoch. Die meisten könnten m.E. wesentlich bessere Ärzte werden, wenn man ihnen das Schwimmen gut strukturiert beigebracht hätte, anstatt sie ins kalte Wasser zu schmeißen und, wenn sie nach Luft schnappend und wild mit den Armen rudernd auftauchen, väterlich-herablassend "friß oder stirb" zuzurufen und den Kopf wieder unter Wasser zu drücken.
Aus diesem Grund vertraue ich auch nicht wirklich darauf, daß mir etwas beigebracht wird. Ich sorge lieber selbst dafür, daß ich das Notwendige lerne. Und da ist es (um mal nicht mehr so off-topic zu sein) m.E. nicht mehr so wichtig, wie gut oder schlecht vorbereitet man am Anfang ist. Es ist bloß wichtig, daß man die eigenen Defizite erkennt, sortiert, und anschließend nach und nach beseitigt, indem man Fragen stellt und aus den Antworten lernt. Hat man Kollegen, die einem dabei behilflich sind - prima; lassen die Kollegen einen im Stich - dann werden sie mit Fragen "genervt". Wer nicht fragt, bleibt dumm. Wer nicht ausbilden will - den zwingen wir schon :)
John Silver
27.01.2008, 16:14
3 Tage Einarbeitung (Anfang Januar, da war nicht so viel los...) mehr waren es auch bei mir nicht. Danach volles Programm.
Im PJ hatte ich zum Glück manchmal auch die Station "für mich", weil eine Ärztin im Dienstfrei war und die andere im Urlaub oder krank. Irgendein Arzt war im Haus ja immer erreichbar, falls es ein größeres Problem gegeben hätte. Und das waren, wenn auch selten, die Tage, an denen ich das meiste gelernt habe. Der OA kam irgendwann einfach und meinte, um 17 Uhr macht er dann Visite mit mir. Das heißt, ich bin mit ihm durchgelaufen und habe ihm die Patienten vorgestellt. Natürlich hatte ich nicht alles drauf und zum Glück ging er freundlich mit mir um, aber das hat mir wirklich was gebracht. Einmal war ich alleine auf Station, als eine Patientin einen AP Anfall DD Infarkt im Bett bekommen hat. Das war sehr aufregend, Sauerstoff/Viggo/Labor/EKG/OA anrufen alles gleichzeitg - aber nur so lernt man es auch. Leider waren diese Tage zu selten, und die meiste Zeit war ich zum Blut abnehmen/Viggos legen verdammt.
Heißsporn :) Während ich alleine auf Station war, ist mir bei meiner "Visite" im EKG eines multimorbiden Patienten eine Sinus-Tach aufgefallen. Ich habe das EKG mit dem vom Vortag verglichen - da war der Puls bei 80. Ich möchte hier nicht den Obermacker markieren, aber ich wette, daß die überwiegende Mehrheit der aktuellen PJler, und auch nicht wenige Anfänger-Assistenten sich nicht viel dabei gedacht und nichts weiter getan hätten. Bei mir hat es zumindest dazu gereicht, eine erfahrene Ärztin von einer anderen Station zu konsultieren. Es ist nämlich nicht immer so eindeutig, wie in Deinem Fall, und das weißt Du auch. Wenn man aus der Uni rauskommt, dann sollte man schon die wichtigsten Differentialdiagnosen akuter retrosternaler Schmerzen kennen; es sind die schwierigeren und subtilen Probleme, bei denen man die Unterstützung erfahrener Kollegen braucht.
Fersenbein
27.01.2008, 16:48
Heißsporn :) Während ich alleine auf Station war, ist mir bei meiner "Visite" im EKG eines multimorbiden Patienten eine Sinus-Tach aufgefallen. Ich habe das EKG mit dem vom Vortag verglichen - da war der Puls bei 80. Ich möchte hier nicht den Obermacker markieren, aber ich wette, daß die überwiegende Mehrheit der aktuellen PJler, und auch nicht wenige Anfänger-Assistenten sich nicht viel dabei gedacht und nichts weiter getan hätten. Bei mir hat es zumindest dazu gereicht, eine erfahrene Ärztin von einer anderen Station zu konsultieren. Es ist nämlich nicht immer so eindeutig, wie in Deinem Fall, und das weißt Du auch. Wenn man aus der Uni rauskommt, dann sollte man schon die wichtigsten Differentialdiagnosen akuter retrosternaler Schmerzen kennen; es sind die schwierigeren und subtilen Probleme, bei denen man die Unterstützung erfahrener Kollegen braucht.
Die meisten Sachen sind nicht eindeutig. ;-) Ich bin noch nicht lange dabei, aber DAS habe ich schon gelernt. Und wenn ich dann mal auftrumpfen will und es passt fast alles (z.B. Situation: Pat. hat Wadendruckschmerz, Trikuspidalinsuff., erhöhten PA-Druck und Belastungsdyspnoe = "der hat ne Lungenembolie!!") dann kommt der Oberarzt und freut sich zwar, dass man dran gedacht hat, kommt aber nach Zusammenschau aller Befunde zum Schluss, dass das keine LE ist.
Deshalb auch meine Meinung: Wenn alles so einfach und eindeutig wäre, wie im POL-Fall oder im Lehrbuchbeispiel, dann bräuchte man auch keine so lange Weiterbildung.
John Silver
27.01.2008, 17:08
Ai ebbe. Und gerade deswegen bin ich strikt gegen die kaltes-Wasser-Methode. Da wird man alleingelassen, und dann mit Rechtfertigungen á lá "so lernste halt am meisten" für blöd verkauft. Man lernt am meisten, wenn einem am meisten beigebracht wird. Sicher ist es wichtig und notwendig, alleine Entscheidungen zu treffen und eigenverantwortlich zu arbeiten; aber die Dosierung muß behutsam vorgenommen werden.
Eigentlich wäre es mal ganz lustig, die ganzen idiotischen Sprüche, mit denen allerlei Schwachsinniges in der Medizin gerechtfertigt wird, zu sammeln, auszudrucken, und den ganzen dicken Wälzer den ignoranten Idioten, die diese Sprüche für "wahr wie das Leben" halten, um die Ohren zu hauen.
"Der Gute schwimmt, um den Schlechten isses nicht schad" + "So lernste halt am meisten".
"Der Operateur steht unter Streß, er darf das (andere anmotzen, beleidigen, erniedrigen, mit Instrumenten um sich schmeißen etc.)".
etc...
Ach ja, meinen absoluten Favoriten aller Zeiten und Völker nicht zu vergessen:
"DAS HAMMA SCHON IMMER SO GEMACHT!"
Jawoll!
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