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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Was sollte man als "Anfänger-Assi" fachlich wissen/können?



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alley_cat75
31.03.2008, 17:29
Wie sieht es denn nun aus? Hat sie sich besser eingearbeitet und leistet sie mehr oder gibt es noch immer das selbe Schauspiel?

Ihr werdet es nicht glauben: aber an unserer Situation hat sich nichts geändert. Ich habe sie mehrfach bei Seite genommen und erklärt, dass sich dringend etwas ändern muss; wir waren beim OA und beim Chef mit der Bitte um mehr fachärztliche Unterstützung (z. B. Kurvenvisite oder extra OA Visite, wenn ich nicht da bin). Ihr Wissensstand hat sich seit der 1. Woche nicht geändert. Wobei: sie diktiert Briefe jetzt schneller, welche jedoch inhaltlich nach wie vor eine Katastrophe sind. Es gibt nur Krankheiten (nicht nach Priorität geordnet), keine Stadien. Bei den Tumoren fehlt immer die Seitenangabe und immer das Tumorstadium. :-??? Vor zwei Wochen hatte sie einen Nervenzusammenbruch und musste nach Hause geschickt werden, danach 1 Woche Zwangsurlaub. :-kotz Wenn ich es nicht besser wüsste, würde ich vermuten, sie schläft mit unserem Chef. :-D Anders kann ich mir nicht erklären, dass sie noch immer bei uns ist. Jeder Tag ist ein Kampf - ich höre mich zwar gern reden, aber es ist anstrengend, ständig Dinge zu erklären (tausendfach) und Aufgaben zu verteilen, weil sie die Arbeit nicht sieht. Die Schwestern lieben sie mittlerweile, weil sie bei der Visite keine Reiter zieht. Und ich bin dann die Böse. :-heul Naja, kenn ich ja aus dem Forum hier. :-))

alley_cat75
31.03.2008, 17:34
... Außer mir kennt nur mein Oberarzt die Patienten, der aber kaum Zeit hat, irgendwas zu besprechen oder gar zu erklären. Täglich muss ich mir anhören, wie falsch alles sei und wie "unprofessionell" (Lieblingswort des OA) meine Arbeit wäre. Ich habe als Anfänger immerhin nur 10 Patienten, aber aus allen Teilgebieten mit Schwerpunkt Onkologie (was ich am wenigsten beherrsche).

Das geht doch gar nicht. Vielleicht sagst Du ihm mal, dass das Fach "praktische Stationsarbeit" während Deines Studiums nicht existierte. :-)) Das klingt ganz nach dem Arbeitsalltag meiner Freundin, die ich nach 1 Jahr aus ihrer Klinik zu mir in meine geholt habe. Und bis 19 Uhr arbeiten finde ich auch als Anfänger nicht normal. Gerade am Anfang braucht mehr Zeit, um sich zu regenerieren. Pass nur auf, dass Du Dich auch mal erholst.



Momentan lese ich sehr interessiert Stellenanzeigen im Ärzteblatt und Internet und werde demnächst wieder Bewerbungen schreiben...

Das ist die einzigste, richtige Konsequenz.

John Silver
02.04.2008, 22:20
Ihr werdet es nicht glauben: aber an unserer Situation hat sich nichts geändert. Ich habe sie mehrfach bei Seite genommen und erklärt, dass sich dringend etwas ändern muss; wir waren beim OA und beim Chef mit der Bitte um mehr fachärztliche Unterstützung (z. B. Kurvenvisite oder extra OA Visite, wenn ich nicht da bin). Ihr Wissensstand hat sich seit der 1. Woche nicht geändert. Wobei: sie diktiert Briefe jetzt schneller, welche jedoch inhaltlich nach wie vor eine Katastrophe sind. Es gibt nur Krankheiten (nicht nach Priorität geordnet), keine Stadien. Bei den Tumoren fehlt immer die Seitenangabe und immer das Tumorstadium. :-??? Vor zwei Wochen hatte sie einen Nervenzusammenbruch und musste nach Hause geschickt werden, danach 1 Woche Zwangsurlaub. :-kotz Wenn ich es nicht besser wüsste, würde ich vermuten, sie schläft mit unserem Chef. :-D Anders kann ich mir nicht erklären, dass sie noch immer bei uns ist. Jeder Tag ist ein Kampf - ich höre mich zwar gern reden, aber es ist anstrengend, ständig Dinge zu erklären (tausendfach) und Aufgaben zu verteilen, weil sie die Arbeit nicht sieht. Die Schwestern lieben sie mittlerweile, weil sie bei der Visite keine Reiter zieht. Und ich bin dann die Böse. :-heul Naja, kenn ich ja aus dem Forum hier. :-))

Das klingt ja nach viel Spaß :-D

bobbit
03.04.2008, 01:03
[...] Die Schwestern lieben sie mittlerweile, weil sie bei der Visite keine Reiter zieht. Und ich bin dann die Böse. :-heul Naja, kenn ich ja aus dem Forum hier. :-))
:-))
Danke für den Bericht und ich hoffe, dass sich das was in Kürze, an der Gesamtsituation, ändert :-)

meistereder
03.04.2008, 21:46
Habe bis jetzt noch kein so direktes Gespräch mit meinem OA gesucht; wenn ich ihn auf irgendwas ansprechen will, kommt immer ein furchtbar genervtes "WAS IST?" zurück; habe auch bei nicht allzu lebenswichtigen Fragen schon zu hören bekommen "DAS MUSST DU ALLEINE MACHEN. ICH KANN NICHT DEINE ARBEIT HIER MACHEN. HABE NOCH 60 PATIENTEN IN DER AMBULANZ HEUTE..."
Letzte Woche war eine OÄ krank, da haben wir nicht mal OA-Visite gemacht, diese Woche ist es ähnlich. Zudem teilen sich meine Station 2 Obreärzte, die sich teilweise in ihren Anweisungen widersprechen, der eine sagt hü der andere hott.
Heute sprach mich der Vertreter vom Chef an, am Samstag (übermorgen)muss ein Dienst belegt werden. Ich muss ran. Mein erster Dienst. Wenn es Probleme gibt, kann ich ja den Kollegen auf der ITS fragen, der sei sehr kompetent. Ansonsten bin ich für 150 Patienten zuständig. Freu mich schon drauf. :-kotz

John Silver
03.04.2008, 22:00
Wenn die Kiste so läuft, würde ich an Deiner Stelle sehr ernsthaft über einen Wechsel der Stelle nachdenken. Obwohl es mehr als genug chefhörige Deppen gibt, die einem weißmachen wollen, man lerne viel, wenn man alleingelassen und ins kalte Wasser geschmissen werde. Blödsinn ist das. Wenn der OA überarbeitet ist, dann muß er seine Arbeitsabläufe besser planen.

alley_cat75
04.04.2008, 21:11
DAS MUSST DU ALLEINE MACHEN. ICH KANN NICHT DEINE ARBEIT HIER MACHEN. HABE NOCH 60 PATIENTEN IN DER AMBULANZ HEUTE..."

Arbeitest Du für Dr. House? :-))

Feuerblick
04.04.2008, 21:23
@meistereder: Such dir eine andere Stelle. So gehts ja nun mal gar nicht! Das Argument, man lerne schneller schwimmen, wenn man ins kalte Wasser geworfen werde, zieht überhaupt nicht, wenn man Patienten einem unerfahrenen und nicht eingearbeiteten Assistenzarzt anvertraut, der bei Unklarheiten nicht einmal einen Ansprechparter hat. Muss in diesem Laden wirklich erst was Ernsthaftes passieren, bevor jemand es einsieht? Wahrscheinlich stünde dann nicht mal einer deiner Vorgesetzten auf deiner Seite, denn sie sind ja anscheinend der Meinung, als Neuling brauche man keine Einarbeitung oder gar Hilfe...
Hey, da gibt es wirklich bessere Stellen, bei denen man sich noch genug Stress und Ärger aussetzt!

alley_cat75
04.04.2008, 21:27
Bei uns bleibt der Hintergrund auch bei Assis im Haus, die schon einige Dienste hinter sich haben - man muss nur zugeben, dass man noch unsicher ist. Ein gutes Gefühl. Und jeder Vorgesetzte, der einen neuen Kollegen derart unbedarft ins kalte Wasser wirft, gehört geteert und gefedert...

Feuerblick
04.04.2008, 21:33
Bei uns bleibt der Hintergrund auch bei Assis im Haus, die schon einige Dienste hinter sich haben - man muss nur zugeben, dass man noch unsicher ist. Ein gutes Gefühl. Und jeder Vorgesetzte, der einen neuen Kollegen derart unbedarft ins kalte Wasser wirft, gehört geteert und gefedert...Es passiert selten, aber: Ganz deiner Meinung!

John Silver
04.04.2008, 23:21
Muss in diesem Laden wirklich erst was Ernsthaftes passieren, bevor jemand es einsieht?

Glaubst Du wirklich, daß noch nichts passiert IST? Ich nicht.

Feuerblick
04.04.2008, 23:24
War anscheinend nicht ernsthaft genug...;-)

John Silver
04.04.2008, 23:50
Ich denke, ernsthaft genug wird es gewesen sein. Bloß wurde dann die Schuld einem Assistenten in die Schuhe geschoben, es gab böse Blicke von oben, "wie kann man nur so blöd sein", der OA war fein raus, und die Sache wurde unter den Teppich gekehrt. Habe ich schon einige Male erlebt.

alley_cat75
05.04.2008, 10:13
Ganz ehrlich: passiert etwas, ist der OA niemals fein raus. Schon mal etwas von Übernahmeverschulden gehört? Als Assi kann und darf man nur das leisten, was einem dem Ausbildungsstand entsprechend möglich ist - und das müssen die Vorgesetzten nachweisen. Ich habe ja nun mehrfach an meiner entzückenden Kollegin gesehen, dass uns Assis (fast) nichts passiert, wenn etwas schief läuft. Rechtfertigen muss sich der Hintergrund. Daher bleiben die bei uns auch drin, wenn es Unsicherheiten gibt. Natürlich ist das für uns Ahnungslose kein Freifahrtsschein, schließlich haben wir eine Approbation. Dennoch macht es sich so manch Vorgesetzter ein bisschen zu einfach. :-meinung Alley, Schwester von Jurist mit medizinrechtlicher Spezialisierung :-D

Feuerblick
05.04.2008, 10:19
@Alley: Ich glaube eher, dass einem Assi, der so schon keinerlei Unterstützung erfährt (was bei deiner Kollegin ja ganz anders ist), auch nicht der Rücken gestärkt wird, wenn etwas schief geht. Denen würde ich fast ein "Der hat das gegen unsere Anweisung gemacht. Hat sich ja von Anfang an überschätzt" zutrauen.

habichnicht
05.04.2008, 10:54
Ganz ehrlich: passiert etwas, ist der OA niemals fein raus. Schon mal etwas von Übernahmeverschulden gehört? Als Assi kann und darf man nur das leisten, was einem dem Ausbildungsstand entsprechend möglich ist - und das müssen die Vorgesetzten nachweisen. Soweit ich weiß, bezieht sich der Begriff Übernahmeverschulden auf denjenigen, der eine Arbeit übernimmt, obwohl er sich bewusst ist, dass er ihm die nötigen Fähigkeiten fehlen. Er müsste seinemVorgesetzten sagen, dass er sich die Tätigkeit nicht zutraut.

Andererseits muss sich der Vorgesetzte, der die Arbeit anordnet, vorher vergewissert haben, dass der, den er bauftragt, die nötigen Fähigkeiten besitzt.

Demnach wären imho beide dran, wenn war passieren würde.

Edit.: Aber meistens wird beiden nichts passieren, denn: Wo kein Kläger, da kein Richter.Der betroffene Patient müsste erst mal nachweisen, das da mit ihm etwas schiefgelaufen ist. Und das schaffen die meistens nicht.

John Silver
05.04.2008, 11:53
In welchem Land lebst Du denn? In Deutschland? Dann solltest Du wissen, daß für Ärzte die Unschuldsvermutung nur sehr bedingt gilt. Der Patient muß gar nichts nachweisen. Der Patient muß nur zum Anwalt gehen, und dieser erstattet Anzeige bei der Staatsanwaltschaft. Die Staatsanwaltschaft ermittelt auf Kosten des Staates, der Patient braucht keinen Finger zu rühren und nichts zu bezahlen. Und nicht der Patient muß nachweisen, daß ein Fehler passiert ist, sondern vielmehr müssen die Ärzte nachweisen, daß kein Fehler geschah. Können die Ärzte das nicht, meistens wegen aus juristischer Sicht mangelhafter Dokumentation, so haben sie den Strafprozeß schon so gut wie verloren; anschließend muß der Patient nur noch über den Anwalt einen anhängigen Zivilprozeß anstreben, um einen Schadensersatz zu bekommen.

Miss
05.04.2008, 12:58
Meistereder wäre ja auch wirklich nicht der erste Anfänger, der so behandelt wird. Ich hör das auch immer wieder von Kommilitonen (wie ich Berufsanfänger), daß die nach kurzer Zeit, z.T. einer Woche, Dienste machen müssen.
In größeren Häusern geht das ja noch, weil da immer noch irgendwelche schlauen Leute mit im Haus sind, und als Jungchirurg kann man ja zum Glück auch gar nicht allein operieren, aber in den kleineren Häusern ist man ja dann wirklich ganz auf sich allein gestellt und für alles zuständig :-?

Ich bin froh, daß ich das nicht muß...wir genießen zwar einen fast zu überbehüteten Welpenschutz in unserer Abteilung, aber auf der anderen Seite, wenn man Schwimmen erstmal in lauwarmen, knietiefen Wasser gut beherrscht, dann ist das kalte Wasser (was es wahrscheinlich beim ersten Dienst immer sein wird) auch nicht mehr so furchteinflößend.

Und wenn man sich auf seine OÄ nicht verlassen kann und schon erwartet, daß die einem bei so was in den Rücken fallen, na dann Prost Mahlzeit!

Und wenn man sich nicht sicher ist, immer schön nachfragen und dokumentieren (auch wenn der OA keinen Bock hat zu kommen oder vorgibt, keine Zeit zu haben), dann ist man wenigstens gut abgesichert bzw. es ist schwieriger, daß die einen an den Kahn fahren.

Wünsch Dir alles Gute und daß Du das wuppst, aber dennoch würd ich mir an Deiner Stelle eher was Neues suchen, wo Du nicht 'verarscht' wirst :-meinung

test
05.04.2008, 13:06
In welchem Land lebst Du denn? In Deutschland? Dann solltest Du wissen, daß für Ärzte die Unschuldsvermutung nur sehr bedingt gilt. Der Patient muß gar nichts nachweisen. Der Patient muß nur zum Anwalt gehen, und dieser erstattet Anzeige bei der Staatsanwaltschaft. Die Staatsanwaltschaft ermittelt auf Kosten des Staates, der Patient braucht keinen Finger zu rühren und nichts zu bezahlen. Und nicht der Patient muß nachweisen, daß ein Fehler passiert ist, sondern vielmehr müssen die Ärzte nachweisen, daß kein Fehler geschah. Können die Ärzte das nicht, meistens wegen aus juristischer Sicht mangelhafter Dokumentation, so haben sie den Strafprozeß schon so gut wie verloren; anschließend muß der Patient nur noch über den Anwalt einen anhängigen Zivilprozeß anstreben, um einen Schadensersatz zu bekommen.


Prinzipiell muß der Patient beweisen, dass ein Fehler gemacht wurde, nicht der Arzt das Gegenteil.
Die Beweislastumkehr tritt nur ein, wenn ein Fehlverhalten des Arztes offensichtlich erscheint. Also beispielsweise Instrumente einer OP im Bauchraum vergessen.
Grundsätzlich besteht aber keine Beweislastumkehr.

Die Niere
05.04.2008, 16:22
Prinzipiell muß der Patient beweisen, dass ein Fehler gemacht wurde, nicht der Arzt das Gegenteil.
Die Beweislastumkehr tritt nur ein, wenn ein Fehlverhalten des Arztes offensichtlich erscheint. Also beispielsweise Instrumente einer OP im Bauchraum vergessen.
Grundsätzlich besteht aber keine Beweislastumkehr.Richtig...deswegen laufen fast alle Verfahren gegen Ärzte darauf hinaus, dass darauf verklagt wird, dass die (praeoperative) Aufklärung ungenügend war - etwas, dass sehr einfach nachzuweisen, respektive zu widerlegen, ist.

gruesse, die niere