Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Was sollte man als "Anfänger-Assi" fachlich wissen/können?
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alley_cat75
05.04.2008, 16:48
Und wenn man sich nicht sicher ist, immer schön nachfragen und dokumentieren (auch wenn der OA keinen Bock hat zu kommen oder vorgibt, keine Zeit zu haben), dann ist man wenigstens gut abgesichert bzw. es ist schwieriger, daß die einen an den Kahn fahren.
Dokumentation ist alles. Miss hat es begriffen. :-top Ich hatte hier im Haus während meiner ersten Dienste Probleme, Pat. auf die ITS verlegt zu bekommen. Keine Betten, keine Notwendigkeit, bekommst Du das nicht so in den Griff? Nee, bekam ich nicht. Bin dann mit der Kurve auf die ITS und habe mir die Nicht-Übernahme schriftlich dokumentieren lassen. Einmal genau. Seitdem bekomme ich immer ein Bett, wenn ich darum bitte. :-D
Dokumentation ist alles. Miss hat es begriffen. :-top Ich hatte hier im Haus während meiner ersten Dienste Probleme, Pat. auf die ITS verlegt zu bekommen. Keine Betten, keine Notwendigkeit, bekommst Du das nicht so in den Griff? Nee, bekam ich nicht. Bin dann mit der Kurve auf die ITS und habe mir die Nicht-Übernahme schriftlich dokumentieren lassen. Einmal genau. Seitdem bekomme ich immer ein Bett, wenn ich darum bitte. :-D
Guter Tipp. So eine Situation kenne ich auch. Ist mal einer Assistenzärztin passiert, wo ich PJ gemacht hab. OA von der ITS hat sich geweigert, den Pat zu übernehmen, am nächsten Morgen lebte er nicht mehr :-wow (Die ITS hätte zwar sicherlich auch nichts an diesem Verlauf geändert, aber der OA war danach ganz still... er hatte die AÄ nämlich noch angebrüllt, was sie sich einbilde...)
Zoidberg
05.04.2008, 17:07
gut, dass ich in meinem Dienst auch für die ITS zuständig bin, da kann ich hinverlegen wen ich will :-))
Richtig...deswegen laufen fast alle Verfahren gegen Ärzte darauf hinaus, dass darauf verklagt wird, dass die (praeoperative) Aufklärung ungenügend war - etwas, dass sehr einfach nachzuweisen, respektive zu widerlegen, ist.
gruesse, die niere
Ich frag mich da auch immer, wie genau man sein muß, im Falle eines Falles hat man vielleicht doch das Entscheidende nicht erwähnt...allerdings schreibe ich bisher lieber ganze Romane bzw. Stichwortkataloge in die Aufklärung...da dürfen andere auch gern drüber schmunzeln, egal :-nix
Und letztendlich hat man dann ja doch die Hälfte nicht aufgeschrieben, egal, wie genau man war. Unser Chef meinte im Übrigen, dass man eigentlich nicht mehr diese Standardsachen bei einer OP-Aufklärung (Schmerzen, Blutung, Infektion, diesen Schrott eben) wirklich auf diese Diomed-Bögen schreiben müsse, weil das da ja schon alles stehe. Wenn überhaupt, reiche es völlig aus, da mal schön etwas zu unterstreichen oder so und dann bei Besonderheiten, die der Patient aufweist und die zu besonderen Komplikationen führen könnten, diese extra aufzuschreiben. Ich halte es dennoch immer anders, sprich, ich bin auch die Romanschreiberin,weil ich dem Ganzen nicht traue :-nix
Die Niere
06.04.2008, 02:06
Zumindest gilt in der Schweiz, dass das unterstreichen der wichtigen Stellen ausreicht, da dann davon ausgegangen werden kann, dass diese dem Patienten noch einmal ausdrücklich erklärt worden sind. Ausserdem sind mit dem beschreiben einer schweren Komplikation (z.B. Nachblutung mit Transfusion und Revision) kleinere Komplikationen (z.B. Wundheilungsstörung) nicht mehr erwähnenswert, da der Patient diese kleineren Dinge automatisch mit anerkennt.
Dass man soweit geht und nur über den Tod aufklärt, ist aber dann doch nicht wirklich ausreichend. :-D
gruesse, die niere
alley_cat75
06.04.2008, 06:25
Das mit dem Unterstreichen finde ich eine gute Idee zum Nachahmen. *Danke* Ich habe bisher immer einen Satz dazu geschrieben - Aufklärung über... erfolgt... und dann die drei häufigsten Nebenwirkungen.
Dokumentation ist alles. Miss hat es begriffen. :-top Ich hatte hier im Haus während meiner ersten Dienste Probleme, Pat. auf die ITS verlegt zu bekommen. Keine Betten, keine Notwendigkeit, bekommst Du das nicht so in den Griff? Nee, bekam ich nicht. Bin dann mit der Kurve auf die ITS und habe mir die Nicht-Übernahme schriftlich dokumentieren lassen. Einmal genau. Seitdem bekomme ich immer ein Bett, wenn ich darum bitte. :-D
Tja, DER Spaß ist bekannt. Daher gibts bei uns eine einfache Regelung: Sollte die Intensivstation voll sein, muß diejenige Abteilung, die ein Bett benötigt, eines schaffen. So einfach ist das...
Das bescheinige ich auch gern jeder Abteilung schriftlich:-))
Zumindest gilt in der Schweiz, dass das unterstreichen der wichtigen Stellen ausreicht, da dann davon ausgegangen werden kann, dass diese dem Patienten noch einmal ausdrücklich erklärt worden sind. Ausserdem sind mit dem beschreiben einer schweren Komplikation (z.B. Nachblutung mit Transfusion und Revision) kleinere Komplikationen (z.B. Wundheilungsstörung) nicht mehr erwähnenswert, da der Patient diese kleineren Dinge automatisch mit anerkennt.
Dass man soweit geht und nur über den Tod aufklärt, ist aber dann doch nicht wirklich ausreichend. :-D
gruesse, die niere
Das gilt nicht nur in der Schweiz, das wird auf jeder Fortbildung zum Thema "Medizinrecht" so empfohlen - zumindest auf den 10 letzten, auf denen ich war...
Meint,
Hypnos
Die Niere
07.04.2008, 11:55
Tja, DER Spaß ist bekannt. Daher gibts bei uns eine einfache Regelung: Sollte die Intensivstation voll sein, muß diejenige Abteilung, die ein Bett benötigt, eines schaffen. So einfach ist das...
Das bescheinige ich auch gern jeder Abteilung schriftlich:-))Häufig ist es aber so, dass zumindest Verlegungsreserven auf der IB liegen, die man im Falle eines Falles auf die Normalstation verlegen kann, um jemanden aufzunehmen, der IB-pflichtiger ist.
Wenn wirklich eine Situation exisitiert, in der ein IB-pflichtiger Patient nicht auf IB genommen werden kann, muss derjenige halt wirklich in ein anderes Spital verlegt werden - entweder es gibt eine Indikation oder eben nicht. Deswegen finde ich das IMC (Intermediate Care) sehr sinnvoll. Dort kann ich Patient hinverlegen, wenn ich ein wenig mehr Überwachung brauche oder Nipruss oder NA anfangen möchte.
gruesse, die niere
Häufig ist es aber so, dass zumindest Verlegungsreserven auf der IB liegen, die man im Falle eines Falles auf die Normalstation verlegen kann, um jemanden aufzunehmen, der IB-pflichtiger ist.
Wenn wirklich eine Situation exisitiert, in der ein IB-pflichtiger Patient nicht auf IB genommen werden kann, muss derjenige halt wirklich in ein anderes Spital verlegt werden - entweder es gibt eine Indikation oder eben nicht. Deswegen finde ich das IMC (Intermediate Care) sehr sinnvoll. Dort kann ich Patient hinverlegen, wenn ich ein wenig mehr Überwachung brauche oder Nipruss oder NA anfangen möchte.
gruesse, die niere
Das mag auf Eurer IMC möglich sein, UNSERE wäre dazu nicht in der Lage... :-top
Die Niere
07.04.2008, 12:54
Und worin unterscheidet sie sich dann zur Normalstation?
gruesse, die niere
Und worin unterscheidet sie sich dann zur Normalstation?
gruesse, die niere
Es gibt Monitorbetten, aber viel zu wenig Personal:-))
Die Niere
07.04.2008, 13:19
Aber legt ihr dann für die Nacht auf IB nicht fest, wer z.B. Verlegungsreserve ist, wenn es hart auf hart kommt? Oder weist ihr einfach Patienten nachts um 4 Uhr ab, obwohl Herr Meier 4 Stunden später auf Normalstation oder sowieso IMC verlegt wird?
gruesse, die niere
Aber legt ihr dann für die Nacht auf IB nicht fest, wer z.B. Verlegungsreserve ist, wenn es hart auf hart kommt? Oder weist ihr einfach Patienten nachts um 4 Uhr ab, obwohl Herr Meier 4 Stunden später auf Normalstation oder sowieso IMC verlegt wird?
gruesse, die niere
Notfalls muss der Bettenmanager die Patienten triagieren. Da wir aber einen außergewöhnlich hohen Anteil an Beatmungspatienten haben (ARDS-Zentrum), ist das mit dem Verlegen immer mal wieder schwierig, zumal man z.B. neurochirurgische Patienten nicht ohne Weiteres auf eine internistische Intensivstation legen kann...
Wir weisen keine Patienten ab - melden uns auch nicht ab.
Ich möchte mal wieder auf die Eingangsfrage zurückkommen, wie viel man als Anfänger-Assi können und mitbringen sollte.
Ich habe am 1.9. meine erste Stelle angetreten.
PJ habe ich an der Uni-Klinik gemacht, wo es zu wenig und zu überarbeitete, OA-verlassene Assistenten gab, die weder Zeit noch Lust hatten, einem was beizubringen. Ich habe meine Zeit vorwiegend mit Aufnahmeuntersuchungen und -dokumentationen verbracht, die ich dann aber praktisch nie mit jemandem besprechen konnte: "Leg's mir ins Fach, ich les es später, die Anordnungen mach ich dann, nimm schon mal den nächsten auf..." Ich habe also nicht dumm rumgestanden, sondern mich wirklich bemüht, mitzuarbeiten und was zu lernen - leider vergeblich.
In meiner Psychiatrie-Famulatur habe ich immer nur zu hören bekommen: "Nee, zu den Therapie-Gesprächen kannst Du nicht mitkommen, das ist zu heikel, wegen der Arzt-Patient-Beziehung und so. Und außerdem könntest Du ja was falsches sagen und dann wäre die ganze Therapie hin."
Ich kam am 1.9. auf einer KJP-Station an und erfuhr zur Begrüßung, die andere Ärztin sei noch ein paar Wochen im Urlaub, die Oberarztstelle könne seit 2 Jahren nicht besetzt werden und der Chef ginge in einer Woche auch für ein paar Wochen in den Urlaub. YEAH!
Ich sollte dann, ohne je ein KJP-Aufnahmegespräch miterlebt zu haben, gleich mal neue Patienten aufnehmen. Und natürlich den besorgten Eltern vermitteln, dass ich ja eine erfahrene Therapeutin bin und ihr Kind nach unzähligen gescheiterten Therapie-Versuchen bei mir in den richtigen Händen ist. Ja, klar!
Ich muss allein über Suizidalität ja/nein entscheiden, Zwangsmaßnahmen anordnen etc. ohne Rücksprache mit jemandem halten zu können, außer ich rufe den Ärztlichen Direktor an.
Am Freitagabend brach mir ein neu aufgenommenes Kind, das nicht spricht, mit Bauchschmerzen auf der Station zusammen. Da wir ein psychiatrisches KH sind, müssen Patienten in solchen Fällen in das nächste Kreis-KH transportiert werden (20 km). Ich hatte niemanden, den ich um Rat fragen konnte, und habe dann allein entschieden, das Kind zur Untersuchung ins Kreis-KH bringen zu lassen. Dort verweigerte das Kind die Untersuchung und versuchte, wegzulaufen. Ich bekam hinterher dann von der Station Vorwürfe, ich hätte doch merken müssen, dass das nur eine Somatisierungsstörung ist etc. Mein Handeln wäre therapeutisch unklug gewesen. Ah ja? Und was, wenn das Kind echt somatisch was gehabt hätte?
Ab dem 3. Monat spätestens muss ich allein (!) Dienste machen, für das ganze 500 Betten-Haus, inklusive Neurologie, Geronto-Psychiatrie (viel internistische Prtobleme!), Sucht-Forensik.
Ich werde aber in diesen Bereichen nicht eingearbeitet, und was ich in der KJP lerne, ist mehr psychotherapeutisch-pädagogischer Art, und das auch ohne Aufsicht eines Oberarztes.
Ich frage mich inzwischen echt, ob das geht?!?
Für mich ist fast schon grob fahrlässig, was sich die Klinik da leistet.
Selbst wenn ich das PJ in der KJP gemacht hätte, hätte ich kaum das gelernt, was ich jetzt brauche.
Relaxometrie
14.09.2008, 11:13
Kündigen und die Zustände der Presse melden!!!
Klingt einerseits ähnlich wie bei mir (ebenfalls psychiatrisch-neurologisches Haus), aber wenigstens ist die Neurologie bei uns ein komplett eigener Bereich, mit dem die psychiatrischen Assistenten nichts zu tun haben. Wäre ja noch schöner, sich ohne Einarbeitung mit neurologischen Spezialfällen befassen zu müssen! Nicht, daß mich die Neurologie nicht interessiert, aber ohne Einarbeitung kann man meiner Meinung nach in dem Fach (wie in fast allen Fächern) keine Dienste machen.
Unsere Dienste werden auch abteilungsübergreifend besetzt. Egal, in welchem Bereich man als Anfänger im Rahmen seiner ersten Stelle eingesetzt ist (bei mir ist es die Suchtabteilung), ist man nach 3 Monaten am Dienstsystem beteiligt (Haus- und Aufnahmedienst) und dann im Hausdienst für die Allgemeinpsychiatrie, die Suchtabteilung und die Gerontopsychiatrie (ca. 650 Betten) zuständig. Je nach Tag und Uhrzeit dann auch noch für die Kinder- und Jugendpsychiatrie.
Würden die anderen Assistenten endlich mal mitmachen und nicht immer nur meckern, würden wir vielleicht eine Änderung erreichen. Die Hausdienste, in denen man für ca. 20 Stationen zuständig ist, sind fast nicht zu bewältigen, wenn man im 5-Minuten-Takt komplizierte psychiatrische Entgleisungen beurteilen und entaktualisieren soll.
Relaxometrie,
ich bin ziemlich erleichtert, dass Du das ähnlich siehst (und leider auch erlebst?) wie ich.
Kündigen und der Presse melden, wäre genau mein Ding. Darüber habe ich selber schon nachgedacht, weil ich allein die Zustände in der KJP in den letzten 2 Wochen absolut UNERTRÄGLICH fand.
KJP ist das Fach, das ich schon immer machen wollte, d.h. eigentlich bringe ich als Berufsanfängerin schon realtiv viel Wissen mit - aber das ist eben nur Theorie, Erfahrung habe ich absolut null, und eine Therapieausbildung als Anfängerin natürlich ebenfalls nicht.
Trotzdem finde ich es nicht hinnehmbar, als Anfängerin auf Station einfach alleingelassen zu werden und vom ersten Tag an auch Therapien machen zu müssen, und das ohne Anleitung und Supervision. Wie gesagt, einen Oberarzt haben wir schon lange nicht mehr (was mir allerdings im Vorstellungsgespräch nicht gesagt wurde), und der Chef interessiert sich absolut null für mich. Verlangt aber, ich müsse perfekt psychopathologische Befunde erheben, Briefe schreiben, mit den Jugendämtern und Richtern verhandeln, über Suizidalität und Zwangsmaßnahmen entscheiden, Medikamentenaufklärungen für off-label-use-Medis machen können etc. Wenn ich meine Fälle besprechen wolle, solle ich mir externe Supervision suchen (bzw. sie auch selber bezahlen). Als ich fragte, was ich z.B. mit einem therapieresistenten Zwangspatienten machen solle, verwies er mich auf die Bibliothek - da gäbe es bestimmt ein passendes Therapiemanual, was ich mir aneignen könne. Fortbildungen? Fehlanzeige.
Ich bin trotz großer Motivation inzwischen so komplett gefrustet, dass ich lieber heute als morgen gehen möchte. Es wird nicht so einfach für die sein, jemand neues zu finden. Im ganzen Haus sind zahlreiche Stellen, auch Chefarztstellen, unbesetzt.
Ich bin im Prinzip nur da gelandet, weil ich im Moment noch ortsgebunden bin und trotzdem KJP machen wollte. Aber so, wie es in dieser Klinik abgeht, lerne ich in KJP auch nichts!
Falls jemand von einer freien Stelle in einer KJP weiß, in der es noch Oberärzte, gute Einarbeitung, Anleitung und Supervision gibt, bitte dringend bei mir melden. Egal wo. Danke.
Haarsträubend! Da würde ich nicht bleiben wollen.
Das hört sich echt fahrlässig an! Aber wenn irgendwas passieren sollte, bist Du ja auch mit schuld -deswegen ist sofortige Kündigung wahrscheinlich wirklich die beste Lösung! Und das hat dann auch absolut nichts mit Dir und mangelndem Durchhaltevermögen zu tun :-meinung sondern ist alleiniges Verschulden des Hauses und der Verantwortlichen.
Presse? Man sollte das doch v.a. auch der Ärztekammer melden, oder?
Ich drück Dir die Daumen, daß Du eine bessere (kann nicht soooo schwer sein) Stelle findest :-top
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