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Christoph_A
09.06.2008, 22:49
Eigentlich wollt ich zu dem Thread nix mehr sagen, aber die Aussage, daß man als Jude nicht in nem christlichen Haus arbeiten darf ist a) falsch und b) dumm. Kann mich da ziemlich weit aus dem Fenster lehnen, da zwei meiner Arbeitskollegen Juden sind-und ich lehne nicht nur dieses Antisemitismus-Nazi-Linke Mottenkiste Totschlagargument ab, es widert mich langsam an, sorry für die harte Ausdrucksweise aber ich kann dieses ewige lamentieren nicht mehr hören-wenn in ner Diskussion nix mehr läuft, dann wird die Nazikeule ausgepackt und der Gegenüber mit Unwahrheiten diffamiert. Irgendiwe sind an manchen Menschen die letzten 65 Jahre wohl spurlos vorübergegangen.
Achja, bevor ichs vergesse, wir sind auch "im Besitz" von Moslems und Hindus in unserer intoleranten, antisemistischen,faschistoiden Klitsche.

Gichin_Funakoshi
09.06.2008, 23:42
Ist es nicht absurd? Es wird eine imaginäre Grenze durch Glauben zwischen Menschen geschaffen und künstlich auf den Beruf übertragen. Es reicht ja noch nicht, wenn in den Kirchen die einzige Wahrheit verbreitet wird. Nein, es muss auch noch penetrant auf alle Lebensbereiche wie ein maligner Prozess ausgebreitet werden. Und am Ende freuen sich alle, dass sie mit Kollegen der gleichen Konfession um den Patienten tanzen und seine Leiden wegbeten.

Worauf kommt es im Arztberuf an? Sicherlich nicht darauf, ob der Kollege Jude, Atheist oder Christ ist.
Deshalb finde ich solche Dinge pervers. Die Kirche kann gerne Krankenhäuser stellen aber sollte trotzdem so einen Mist unterlassen. Genau dann kann man ihr humanitäres Interesse zu gute halten. Andernfalls ist es durchaus als Heuchlerei interpretierbar.


Das Geschriebene gilt selbstverständlich nur für Häuser, die darauf besonders wert legen.

Kackbratze
10.06.2008, 11:01
...Und am Ende freuen sich alle, dass sie mit Kollegen der gleichen Konfession um den Patienten tanzen und seine Leiden wegbeten.

[...]
Das Geschriebene gilt selbstverständlich nur für Häuser, die darauf besonders wert legen.

Oookay, nochmal gaanz langsam für alle die gerne die wichtigen Teile überlesen. An konfessionellen Häusern können alle arbeiten, die einer Glaubensgruppe angehören.
Wir tanzen nicht um die Betten, wir beten auchnicht die Leiden weg (auch wenn Du erst 2. Semester bist, sollte Dir das Prinzip "Medizin" im Groben schon geläufig sein... ;-) ) und vorallem, wir haben nicht alle die gleiche Konfession.
Schönes Beispiel, auf meiner alten Station waren 3 Stationsärzte mit 3 verschiedenen Konfessionen...und das in einem kirchlichen Haus *schluck*

Und wenn nunmal eine Konfession Einstellungsvorraussetzung ist, dann ist sie es nunmal.
Andere wollen nur ausgebildete Fachärzte einstellen...soll man die dann auch als "Intolerant und faschistoid" einstufen? Es gibt ja auch Leute die das Ganze Leben lang keinen FA machen und Assistent bleiben (wollen).
Die müssten dann ja auch erstmal Klage gegen solche Leute einreichen.

Und der letzte Satz führt ja wieder das, was Du weiter oben geschrieben hast, ad absurdum.
Entweder alle konfessionellen KHs sind blöd, weil bei allen KHs dieser Art ein Glaube als Grundidee gefordert ist, oder nicht...

jemand
10.06.2008, 11:55
...in unserer intoleranten, antisemistischen,faschistoiden Klitsche.

Solche Klitschen würde ich persönlich eher in Sachsen oder Brandenburg (v.a. an nicht-kirchlichen Institutionen ;-)) erwarten und weniger in einer der Hochburgen des deutschen Katholizismus. :-))

Gichin_Funakoshi
10.06.2008, 12:53
@ Bratze


Oookay, nochmal gaanz langsam für alle die gerne die wichtigen Teile überlesen. An konfessionellen Häusern können alle arbeiten, die einer Glaubensgruppe angehören.
Das heißt ich muss an ein höheres Wesen Glauben, damit ich eingestellt werde. Ist meiner Meinung nach vergleichbar, wie wenn man nur Christen einstellt, allerdings mit dem Unterschied, dass wir hier eine größere Bandbreite haben.
Gut, ist weniger eingrenzend aber das Prinzip bleibt. Wir definieren einen x beliebiges Kriterium, welches NIX mit dem eigentlichen Job zu tun hat und wollen dadurch eine möglichst homogenes Feld erschaffen.
Das ist genauso, wenn man nur Ärzte einstellt, die rote Unterhosen tragen. Nagut, wir wollen nicht so sein. Sie dürfen auch blau sein. :-))




Wir tanzen nicht um die Betten, wir beten auchnicht die Leiden weg (auch wenn Du erst 2. Semester bist, sollte Dir das Prinzip "Medizin" im Groben schon geläufig sein... )
Die Sache ist die. Ich sehe solches Glaubensgedöns in Krankenhäusern für sinnlos. Schafft es keine Barriere zwischen Konfessionen, dann schafft es eine Barriere zwischen Gläubigen und nicht Gläubigen.
Ich hab mit dem Glauben anderer Menschen absolut kein Problem aber man würde es doch auch nicht wirklich gerne sehen, wenn es Krankenhäuser gibt, die nur Atheisten einstellen.
Es ist schlicht und ergreifend kein objektives Einstellungskriterium und, ob jemand in der Freizeit betet oder nicht kann allen beteiligten doch herzlich egal sein.


Andere wollen nur ausgebildete Fachärzte einstellen...soll man die dann auch als "Intolerant und faschistoid" einstufen? Es gibt ja auch Leute die das Ganze Leben lang keinen FA machen und Assistent bleiben (wollen).
Also, das ist jetzt mal kein Vergleich.
Es ist genauso wenig diskriminierend, wie wenn auf der Gynäkologie keine Chefärzte eingestellt werden, die Fachärzte für Kardiologie sind. ;-)
Wenn das Krankenhaus nunmal kein Bedarf an Assistenten hat kann man nix ändern.


Entweder alle konfessionellen KHs sind blöd, weil bei allen KHs dieser Art ein Glaube als Grundidee gefordert ist, oder nicht...
Was ist daran absurd. Konfessionelle Krankenhäuser, die von der katholischen Kirche unterstützt werden und den Glauben des Personals nicht als Einstellungskriterium missbrauchen sind aufgeklärt. Wenn doch, kritisiere ich das. Und ich bin mir sicher, dass das so ist.

Ich war auf einer katholischen schule. Die Ausbildung war gut kann man nix sagen. Aber mir ging das mit der Zeit sowas von auf die Nerven. 60% Schüler katholischer Konfession und 40% evangelische Konfession.
Trotz religiöser Ausbildung hat mich unter anderem diese lächerliche Haarspalterei zum Atheisten gemacht und wenn ich dieses Prinzip in der Gesellschaft immer wieder entdecke kriege ich nen riesen Hals :-))

Kackbratze
10.06.2008, 15:06
Wir definieren einen x beliebiges Kriterium, welches NIX mit dem eigentlichen Job zu tun hat und wollen dadurch eine möglichst homogenes Feld erschaffen.

Frauen und Behinderte werden bei gleicher Qualifikation bevorzugt eingestellt....
und dann soll der Glauben das Hauptkriterium bei Diskriminierung und Intoleranz sein?
Wie Intolerant ist dann der obige Satz, der in fast jeder Stellenanzeige in abgewandelter Form zu finden ist?

Stalagmit
10.06.2008, 15:33
Hey MissDoc,

löbliche Einstellung. Bin ebenfalls schon seit einigen Jährchen ausgetreten. War für mich einfach eine Frage der Überzeugung. Wenn er GARnicht gehen sollte, muss man halt wieder - auch wenns weh tut - eintreten (kenne Ärzte, die das mussten - älteren Jahrgangs). Ich glaube aber ehrlichgesagt, dass es mittlerweile soviele freie Stellen gibt, dass die da nicht mehr so wählerisch sind. Außerdem gibts auch eine ganze Menge nicht-konfessionelle Häuser...

MfG

Lifendhil
10.06.2008, 16:18
Frauen und Behinderte werden bei gleicher Qualifikation bevorzugt eingestellt....
und dann soll der Glauben das Hauptkriterium bei Diskriminierung und Intoleranz sein?
Wie Intolerant ist dann der obige Satz, der in fast jeder Stellenanzeige in abgewandelter Form zu finden ist?
Wenn du nicht begreifst, dass dieser Satz auf bestehender Diskriminierung gründet und gerade das Gegenteil von Diskriminierung erreichen soll, dann kannst du einem nur extrem leid tun.
Diskriminierung und Intoleranz ist es, dass dieser Satz überhaupt in der Form in den Stellenanzeigen stehen muss.

Einige erkennen Intoleranz und Diskriminierung nicht einmal, wenn sie genau vor ihren Augen geschieht. Traurig.

Es ist doch das alte Spiel... sobald Glauben nicht mehr "nur" Privatsache ist, wird er diskriminierend. Begreifen werden das viele Menschen wohl nie. War früher so und ist heute auch noch so.

Kackbratze
10.06.2008, 16:21
Wenn du nicht begreifst, dass dieser Satz auf bestehender Diskriminierung gründet und gerade das Gegenteil von Diskriminierung erreichen soll, dann kannst du einem nur extrem leid tun. Diskriminierung und Intoleranz ist es, dass dieser Satz überhaupt in der Form in den Stellenanzeigen stehen muss.

Also ist die Antwort auf Diskriminierung Diskriminierung nur "andersrum".
Gleichberechtigung müsste doch so aussehen, dass der Beste Bewerber die Stelle bekommt...

jemand
10.06.2008, 16:37
Ich lache hier ja nur noch tränen um die armen diskriminierten Atheisten und Konfessionslosen.

Wer Diskriminierung live erleben möchte, der heirate eine(n) fremdländisch aussehende(n) Frau/Mann und ziehe dann mit der Kind und Kegel in den braunen Osten.

Keiner muß wegen seiner Konfessionslosigkeit den Wohnort wechseln. Ein kirchliches Amt, und nichts anderes ist eine Anstellung als Arzt "im Kirchendienst", darf man allerdings nicht erwarten.

Das gilt im übrigen auch für das Priesteramt, Lehrer an kirchlichen Schulen etc. pp.

Lifendhil
10.06.2008, 16:39
Wenn das so wäre, dann wäre alles toll.
Bei annähernd gleichen Qualifikationen kommen Sachen ins Spiel, die mit den eigentlichen Qualifikationen nichts zu tun haben. In diesem Falle ist es das Geschlecht, das den Ausschlag gibt. Da das Geschlecht aber nun einmal nichts darüber aussagt, wie gut man in diesem Job ist (genauso wenig wie die Glaubensrichtung), erfolgt hier eine Diskriminierung.
Wenn die Menschen selbst nicht in der Lage sind, diese Diskriminierung abzubauen, dann greift der Staat halt doch manchmal ein. Das dies nicht unbedingt der richtige/sinnvollste Weg war, da stimme ich zu. Aber es war sicher der leichteste.

Grombühlerin
10.06.2008, 16:41
Hallo Missy Doc, mal wieder was zur Frage:

ich bin auch aus Überzeugung ausgetreten und habe auch nicht kirchlich geheiratet (was gegangen wäre da Partner in der Kirche) weil ich diese Papier-Mitgliedschaften "wer weiß, wozu es mal gut ist" sehr seltsam finde, ebenso kirchliche Hochzeiten "wegen der Stimmung".

An den Reaktionen auf meine "nur-Standesamt"-Hochzeit haber ich aber gemerkt, was ich da für eine Mindermeinung vertrete. Nach wie vor halte ich aber einen Austritt für Konsequent wenn man weder in den Gottesdienst geht noch die Prinzipien der jeweiligen Religion für sich verbindlich betrachtet und in vielen Dingen völlig anderer Meinung ist.

Einmal hatte ich eine Anstellung an einem kirchlichen Haus, das war überhaupt kein Problem (allerdings war ich da noch Krankenschwester, kann ja sein, dass das einen Unterschied macht).

Ein anderes Mal hatte ich eine Zusage in einem katholischen Haus, wo ich (im Vorstellungssgespräch) belehrt wurde, dass Religionszugehörigkeit egal wäre aber so was wie unverheiratet mit dem Freund zusammen wohnen ginge halt gar nicht. Bzw. man sollte diese Situation bei der Arbeit nicht erwähnen....

Ich hab die Stelle wieder abgesagt als ich die Zusage von einem städtischen Haus hatte, da wollte ich echt nicht arbeiten!!

Nichts gegen christliche Grundprinzipien wie Nächstenliebe und so, aber im Vorstellungssgespräch zur Verlogenheit aufgefordert zu werden fand ich dann doch extrem unsympathisch! (diese Geschichte fand übrigens nicht in Bayern statt, nur falls jemand fragt :-))

Kackbratze
10.06.2008, 16:59
Wenn die Menschen selbst nicht in der Lage sind, diese Diskriminierung abzubauen, dann greift der Staat halt doch manchmal ein. Das dies nicht unbedingt der richtige/sinnvollste Weg war, da stimme ich zu. Aber es war sicher der leichteste.

Und sorgt für eine Diskriminierung derer, die nicht weiblich, behindert oder Beides sind.
Auch gut.

Also halten wir uns an den Staat, der entscheidet, wer bevorzugt werden darf und wer eingestellt werden darf und wer nicht.
Interessant.
Was tun wir dann bloss, wenn die GrauenPanther die Regierung übernehmen und wieder andere Berufseinstellungskriterien definieren?
Rollen wir dann auch einfach auf den Rücken und sagen "der Staat hats befohlen, so soll es sein"?

(the thread went Nazi and died again)

Lifendhil
10.06.2008, 17:08
Dir kann man einfach nicht mehr helfen.
Ich bereue es bereits wieder, hier etwas geschrieben zu haben, weil einige hier einfach nicht mit Argumenten diskutieren können.
Dreh ruhig anderen die Worte im Mund um.
Bei Leuten wie dir, brauchen wir leider weiterhin solche staatlichen Regelungen (auch wenn das sehr sehr schade ist), da sich ansonsten überhaupt nichts bewegt. Wäre sonst ja auch zu einfach.

jemand
10.06.2008, 17:15
Nicht jede Ungleichbehandlung ist eine Diskriminierung, aber jede Diskriminierung ist eine Ungleichbehandlung.

Gichin_Funakoshi
10.06.2008, 17:31
Das Problem ist folgendes:

Sicherlich ist es für gesunde Bewerber diskriminierend, wenn sie den Job nicht bekommen, weil ein Mensch mit Behinderung hervorgezogen wird.
Die Frage ist inwiefern man das Anfechten kann. Sicherlich diskutabel und man kann sehr gut vertreten, dass das Prinzip gut oder schlecht ist. Es ist weltlich. Schließlich haben Menschen mit Behinderung in anderen Bereichen Nachteile, die man durch das Prinzip kompensieren will. Ich will dazu jetzt keine Stellung beziehen, weil es darum nicht wirklich geht.

So, und jetzt der Glaube. Gibt es auch nur einen Grund diesen als Kriterium miteinzubeziehen? Wie unterscheidet sich der Glaube von dem Kriterium, dass man rote Unterhosen tragen muss? Meiner Meinung nach gar nicht.

jemand
10.06.2008, 17:37
So, und jetzt der Glaube. Gibt es auch nur einen Grund diesen als Kriterium miteinzubeziehen? Wie unterscheidet sich der Glaube von dem Kriterium, dass man rote Unterhosen tragen muss? Meiner Meinung nach gar nicht.

Den Grund habe ich weiter oben schon zitiert: Die rechtliche Praxis ist u.a. Folge einer zu Ende gedachten Religionsfreiheit.

Freiheit ist immer die Freiheit des anders denkenden
;-)

Gichin_Funakoshi
10.06.2008, 17:47
Die Freiheit des anders Denkenden wird nicht durch das Entfernen Glaubens als Einstellungskriterium angegriffen. Eher anders herum!
Wenn ich nicht Glaube hab ich nen Nachteil in einer eigentlich weltlichen Institution, wie Krankenhäuser, wo Glaube wirklich die geringste Rolle spielt.

jemand
10.06.2008, 17:52
Die Freiheit des anders Denkenden wird nicht durch das Entfernen Glaubens als Einstellungskriterium angegriffen. Eher anders herum!
Wenn ich nicht Glaube hab ich nen Nachteil in einer eigentlich weltlichen Institution, wie Krankenhäuser, wo Glaube wirklich die geringste Rolle spielt.

Ein kirchliches Krankenhaus ist eben aus kirchlicher und aus rechtlicher (staatlicher) Sicht keine "weltliche" Institution.

Gichin_Funakoshi
10.06.2008, 18:11
Ein kirchliches Haus, das weltliche Aufgaben übernimmt ist aus meiner Sicht weltlich, auch wenn es sich auf einen Gott beruft.