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Und ich denke, das trifft ziemlich gut, das, was Wacken damit meint, dass andere ihren Job nicht machen wollen würden. Solche nervenden Kinkerlitzchen, die keine richtigen Krankheiten sind und nur das Wartezimmer zumüllen und den Arzt nerven (ich bitte darum, mich richtig zu verstehen!), dazu Omma Hetti, die einfach mal reden muss und zum Dokta geht, weil man da mit 75 halt so hingeht, tja, die gehören halt zum Job. In meinem Praxisalltag gehört es auch dazu, ein nettes Wort für Omma Hetti zu haben, Oppa Gustav zur Goldhochzeit zu gratulieren und alltägliche Nichtigkeiten zu behandeln. Aber mir macht das durchaus Spaß. Ich brauche keine wer weiß wie tollen operativen heldenhaften Tätigkeiten, um genau zu sein, wäre es das Letzte, was ich mir wünschte, weil ich es weder könnte noch wollte. Aber genau so findet jeder irgendwo eine Nische, in die er passt. Nur wie diese Nische aussehen soll, das muss jeder für sich selber entscheiden, was da für Prioritäten gesetzt werden.
WackenDoc
03.01.2012, 21:09
Ja, mein Fachgebiet ist die Allgemeinmedizin und hoffentlich bald mit Notarztschein. Viele unterschätzen das Fach und würden auch nicht für meinen Arbeitgeber arbeiten wollen- der hat nämlich seine ganz eigenen Tücken.
Also wie Muriel schon schrieb, wird das Fach ganz gerne mal unterschätzt und viele sagen sich, dass sie nicht 6 Jahre studiert haben und noch 5 Jahre Facharztweiterbildung gemacht haben um Husten, Durchfall, Fusspilz zu behandeln.
Klar, ist das ein großer Teil der Arbeit, aber die wahre Kunst ist, zum einen ein solches Vertrauensverhältnis zum Patienten aufzubauen, dass sie auch mit ihren wahren Beschwerden raus rücken. Was man nämlich wissen muss,ist dass viele Patienten erstmal mit Kleinkram kommen um zu sehen, wie der Arzt "drauf" ist und erst später die entscheidenden Beschwerden offenbaren. Versuch mal nen Vertrauensverhältnis zu nem Scharfschützen mit PTBS durch Einsatzerfahrungen, die für die meisten Menschen außerhalb jeglicher Lebensrealität liegen, aufzubauen.
Dann ist es eine Kunst, unter vielleicht 100 Patienten die 2 raus zu fischen, die eben nicht nur Kleinkram haben. Und auch das erfordert viel Erfahrung und mit der Zeit entwickelt man nen gewissen Instinkt dafür.
Dann hat der Hausarzt das sogenannte unausgelesene Patientengut- also die Patienten kommen mit allem möglichen zum Hausarzt und dann muss man erstmal sortieren, ob man selber behandeln kann und wenn nicht, in welche Fachrichtung die Patienten überhaupt gehören. Außerdem hat man nur begrenzte diagnostische Möglichkeiten und muss schon mal überlegen, welche Untersuchung notwendig ist und in welcher Zeit.
Und natürlich ist Psychosomatik Medizin- das sollte man nicht unterchätzen. Und ja, viele Beschwerden haben psychosoziale Komponenten. Ich weiss aber auch nicht, was daran so schlimm sein soll. Wenn man seine Patienten gut kennt, spürt man sogar, wenn etwas im Argen liegt, was nicht so ganz zu den vorgebrachten Symptomen passt. Oft hilft es dann einem Patienten schon, wenn man es anspricht.
Was ich an sich ganz schön finde ist die Abwechslung- es ist halt von jedem Fachgebiet was dabei und man muss sich auf jeden Patienten neu einstellen.
So, und das zweite ist mein Arbeitgeber und meine aktuelle Aufgabe- ich bin derzeit Truppenarzt und da gibt es einige Besonderheiten. Das Patientengut ist oft jung und von Hause aus nicht multimorbide (was viele langweilig finden), hat aber auch Belastungen, die man kennen muss. Auf der anderen Seite muss ich mich nicht mit Krankenkassen rumschlagen, bin an kein Budget gebunden und kann meine Patienten zu 90% so behandeln wie ich es für richtig halte.
Ich hab ja geschrieben, dass ich zur Zeit sehr entspannte Arbeitsbedingungen habe-geregelte Arbeitszeiten, eigentlich keine Überstunden, wenig Dienste, entspannte Dienste, ein entspanntes Patientenaufkommen und Möglichkeit sowohl zum Sport als auch zum Lernen während der Arbeitszeit. Trotzdem kommt für viele der Job nicht in Frage- die Kehrseite der Medaille war zum einen die Innerezeit, zum anderen hab ich reichlich Zeit in der "Schlammzone" verbracht (und das im wahrsten Sinne des Wortes) außerdem waren die beiden Einsätze zwar vergleichsweise entspannt aber nicht ungefährlich und mit eigenen Tücken.
Sunflower
06.01.2012, 14:46
Wie habt ihr euch eigentlich auf eure erste Anästhesie-Stelle vorbereitet (v.a. die unter euch, die vorher kein PJ, etc. in der Anästhesie gemacht haben)?
Die Bücherumfrage habe ich mir schon angeschaut, aber vielleicht habt ihr doch noch ein paar Tipps/Ratschläge oder selbsterfahrene "Lebensweisheiten" ;-)
push :-)
Geh mit Interesse in die Abteilung. Es wird keiner erwarten, dass Du am ersten Tag alleine einen Whipple narkotisierst. Wenn Du was machen willst, dann guck Dir die gängigen Narkotika mit den entsprechenden Dosierungsempfehlungen und die Standardbeatmungsparameter. Aber das wird Dir in einer guten Abteilung mit einem guten Weiterbildungsprogramm auch alles beigebracht. Laß es einfach auf Dich zukommen. Du wirst ja eher am Anfang nicht alleine arbeiten. Und guck ganz einfach zu, wie man alles in der Abteilung macht...
Normalerweise erwartet am Anfang niemand besonders viel von Dir in der Anästhesie, kriegt man alles beigebracht :-)
was ich ganz nützlich fand vor Berufsstart (mit nur halbem PJ in der Anästhesie, den Rest im Ausland, und v.a. damals ohne viel Anästhesieinteresse ;-)):
gängige Narkosemedis plus Dosierungen, Basiskreislaufmedis (so für normale Narkose-/Einleitungsprobleme), so ein paar Parameter am Beatmungsgerät/ also Beatmungseinstellungen (ganz grob!). Das hilft. Die Standards sind von Haus zu Haus verschieden, am Anfang sollte man diese, sprich die Pflicht, erlernen, die Kür folgt dann im weiteren Verlauf :-)
hab vor Arbeitsbeginn noch mal den allgemeinen Teil des Striebels gelesen, kann man kurz mal durchblättern. Speziellere Sachen kann man dann nachlesen, wenn man es braucht.
Viel Spaß! :-)
ChillenMitBazillen
06.01.2012, 17:42
Wie habt ihr euch eigentlich auf eure erste Anästhesie-Stelle vorbereitet (v.a. die unter euch, die vorher kein PJ, etc. in der Anästhesie gemacht haben)?
Die Bücherumfrage habe ich mir schon angeschaut, aber vielleicht habt ihr doch noch ein paar Tipps/Ratschläge oder selbsterfahrene "Lebensweisheiten" ;-)
Kann auch nur den kleinen Striebel empfehlen. Allgemeiner Teil + vielleicht Regionalanästhesie, je nachdem, in welchen Bereich du zu Beginn gehst.
Kann auch nur den kleinen Striebel empfehlen. Allgemeiner Teil + vielleicht Regionalanästhesie, je nachdem, in welchen Bereich du zu Beginn gehst.
Ja, auf jeden Fall den kleinen ;-) damit keine Mißverständnisse aufkommen!
Sebastian1
06.01.2012, 18:29
Schliesse mich den Anderen an: Geh in die Abteilung, frage viel, halt dich an die Leute, die dir was beibringen - kein Mensch wird dich am Anfang allein in den Saal stellen. Wenn du gängige Narkosemedis schon mal im ganz groben Überblick hast (Hypnotika, Gase, Relaxantien, Opiate, Vasopressoren), dann ist das schon viel :-)
Sunflower
06.01.2012, 19:32
Vielen Dank euch!!
...dann werde ich mich einfach ein wenig einlesen und mich dann Mitte Januar optimistisch in die Arbeit "stürzen" ;-)
Vielen Dank euch!!
...dann werde ich mich einfach ein wenig einlesen und mich dann Mitte Januar optimistisch in die Arbeit "stürzen" ;-)
Jo, mach das. Geh da mal ganz locker hin. Die dort arbeitenden Ärzte / Pfleger wissen ja auch, dass ihr sofort mit ABCDE antworten könnt. Leider steht eben auf dem Dräger (noch?) nicht A 4ml/kgKG B 6ml/kgKG C 8ml/kgKG D 10ml/kgKW oder E nichts ist richtig... :-))
Dafür sind die OÄ / CÄ ja da, damit ihr in wohlbehüteter Umgebung die Basics lernt. Und wenn man die dann irgendwann im Schlaf beherrscht, dann kommt die Kür mit Notfällen jeder Art, die man dann auch mal selbstständig erledigen darf, und nur jemand aus der Ausleitung zuguckt... :-))
Das ist aber gemein, Brutus, daß D nicht richtig ist :-))
:-)) Naja, bislang war ich ja der Meinung, dass der Medumat Transport von Weinmann extra für Chirurgen die drei Tasten links spendiert bekommen hat... Aber vll. war das ja auch ein Zugeständnis an die "ganz Kleinen" unter uns, die damit nur zwischen A Säugling B Kind und C Erwachsener unterscheiden müssen. :-))
Aber andererseits führt das bestimmt wieder zu Problemen, weil D und E fehlen!
Kackbratze
07.01.2012, 11:38
Brutus, Du bist ein böser Mensch. Tststs, immer dieses Bashing. Du bist ein schlechtes Vorbild. ;-)
Ich weiß, und ich versuche mich ja auch zu ändern... Ehrlich! :-)) :-))
Kackbratze
07.01.2012, 13:10
Irgendwie glaube ich Dir das nicht.
Ich glaube, diese Verachtung kommt bloss, weil Du tief in dir drin auch gerne Chirurg sein willst. :-D
Mist! Jetzt ist es raus! Jaaa. Ich möchte auch so gerne in Gedärm rumwühlen. :-))
Irgendwie glaube ich Dir das nicht.
Ich glaube, diese Verachtung kommt bloss, weil Du tief in dir drin auch gerne Chirurg sein willst. :-D
Wollen wir das nicht alle? Sind wir nicht alle ein bisschen Bluna ääähhh Chirurg?
Kackbratze
07.01.2012, 13:21
Manche stehen auch offen zu ihren Neigungen und schauen nicht bloss die P0rnoliveshow an, die auf der andeen Seite des Tuches, nämlich bei uns, stattfindet...:-D
come to the dark side, we have colon!
Der Vorteil der Pornoliveshow ist, dass man die Macht über die Musik hat und (fast) jederzeit Kaffee trinken gehen kann :-top
come to the bright side... we have coffee!
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