Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Fieber unklarer Genese, was für Hobby Dr. Houseis
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Frank-Walter
24.07.2011, 16:46
Hi,
im Sommer 2010 waren es ca. 65kg. Herbst etwas mehr (bis 68), Jahreswechsel wieder um die 66, ende Februar dann um die 70, dann kam Mitte März der Infekt, die Bettlägerigkeit und mitte Mai waren es 78,5kg.
Gruß
Frank-Walter
MissGarfield83
24.07.2011, 16:51
Frank Walter - darf ich dich trotzdem mal nach deiner Qualifikation fragen ?
Frank-Walter
24.07.2011, 17:15
Hi,
klaro. Fragen darf man alles ;-)
Ich habe keine abgeschlossene medizinische Ausbildung und in die Medikamentenentwicklung (teilweise Galenik, teilweise Wirkstoffentwicklung) bin ich als Quereinsteiger hineingeschlittert.
Medizinische Betreuung und Koordination mache ich, weil ich mich besser mit Medizin auskenne, als die Patienten, und mich meist besser mit den Patienten auskenne, als die Ärzte (zumindest nach den Erfahrungen, die ich bis jetzt gemacht habe). Außerdem schaue ich mir im Gegensatz zu den meisten Ärzten auch die verschiedenen Befunde und Untersuchungsergebnisse genauer an und setzt die Erkenntnisse der einzelnen Disziplinen auch zueinander in Relation.
Gruß
Frank-Walter
WackenDoc
24.07.2011, 17:25
Du weisst schon ,dass man ne Hashimotothyreoiditis nicht mit Schilddrüsenhormonen behandelt, sondern sie ausbrennen lässt und dann die fehlende Eigenproduktion ausgleicht?
Ein Teil der Symptome kann übrigens auch durch die Thyreoiditis verursacht sein.
Für eine medikamentöse Einstellung einer Hypothyreose muss man im übrigen auch nicht zu einem Endokrinologen- das bekommt jeder Hausarzt und Internist hin.
Und was spricht nochmal dagegen, sie in einer psychosomatischen Klinik vorzustellen? Der Leidensdruck scheint ja da zu sein.
Gerade weil du ja angeblich einen größeren Blick über den Tellerand als die meisten Ärzte haben willst, frag ich mich, warum du so wehemment eine psychosomatische Aufrechterhaltung der aktuellen Beschwerden negierst und dich an irgendwelche abstruse Nährstoffmängel klammerst. Letztere hat sie zwar sicher bei der von dir geschilderten Ernährung aber eher nicht in dem Bereich, auf den du dich zur Zeit stürzt.
im Sommer 2010 waren es ca. 65kg. Herbst etwas mehr (bis 68), Jahreswechsel wieder um die 66, ende Februar dann um die 70, dann kam Mitte März der Infekt, die Bettlägerigkeit und mitte Mai waren es 78,5kg.Also diese Gewichtsentwicklung find ich irgendwie komisch.
Während eines Infekts, noch dazu bei einem besonders schweren, der einen wochenlang ans Bett fesselt, nehmen die Leute normalerweise eher ab. Kennen wir ja alle selber, wenn man richtig krank ist, dann ist man platt und hat keinen rechten Appetit, kommt auch mal einen Tag oder so ganz ohne Essen aus ohne dass einem was fehlt.
Dazu kommt, dass die Infektabwehr viel Energie benötigt, wenn man - mal als Extrembeispiel - für einen Sepsispatienten den Energiebedarf berechnet, dann schlägt man nochmal bis zum ca. 1,5-fachen auf den errechneten Bedarf (ohne Sepsis) oben drauf.
Also sind Phasen in denen man mit einem Infekt darniederliegt eher gekenntzeichnet durch einen höheren Verbauch bei gleichzeitig eine geringerer Aufnahme - also eine Phase in der der Körper klassischerweise auf seine Reserven zurückgreift und man nimmt ab.
Nicht aber unsere Patientin, der geht es zwar (verständlicherweise) mit dem hochfieberhaften Infekt so dreckig, dass sie wochenlang im Bett liegt, aber in der Zeit nimmt sie gut 8,5kg zu. Das ist bemerkenswert, denn wenn man bedenkt, dass jedes Kilo Übergewicht (i.e. Fett) gut 5.000kcal entspricht, die man mehr gegessen hat als man verbraucht hat, dann hat sie während der Zeit auf ihrem Krankenlager immerhin sage und schreibe 42.500kcal mehr gefuttert als sie verbraucht hat - bei zwei Monaten Zeit hierfür wären das immerhin etwas mehr als 700kcal/d über ihren Bedarf. Und da sie sich ja ausschliesslich vegetarisch, bzw. mit Ausnahme von Magermilchprodukten sogar fast schon vegan ernährt, da frag ich mich doch wie ich mir das vorstellen soll:
Eine sicherlich sehr kranke, weil ja bettlägrige, fiebernde Patientin, die kiloweise Rohkost in sich reinschaufelt? Allein die 700kcal Überschuss entsprechen ja beispielsweise über 4,5kg Gurken oder 3,5kg Tomaten oder 1kg Magerquark - nur damit wir uns mal vorstellen können über was für Mengen wir hier im täglichen Schnitt reden. Wohlgemerkt ist das auch nur der Überschuss, der Grundbedarf ist da ja gar nicht mit drin.
Da kann doch auch was nicht stimmen.... :-meinung
Hi,
klaro. Fragen darf man alles ;-)
Ich habe keine abgeschlossene medizinische Ausbildung und in die Medikamentenentwicklung (teilweise Galenik, teilweise Wirkstoffentwicklung) bin ich als Quereinsteiger hineingeschlittert.
Medizinische Betreuung und Koordination mache ich, weil ich mich besser mit Medizin auskenne, als die Patienten, und mich meist besser mit den Patienten auskenne, als die Ärzte (zumindest nach den Erfahrungen, die ich bis jetzt gemacht habe). Außerdem schaue ich mir im Gegensatz zu den meisten Ärzten auch die verschiedenen Befunde und Untersuchungsergebnisse genauer an und setzt die Erkenntnisse der einzelnen Disziplinen auch zueinander in Relation.
Gruß
Frank-Walter
Lieber F. W.,
ich glaube Du überschätzt Deine Kompetenzen maßlos.Vielleicht siehst Du Dich gerne selber als selbsternannter "Dr. House", nur ist das "Spielen" mit Menschen und Gesundheit nicht wirklich ungefährlich. Medizin lernt man nicht aus dem Fernsehen, dem Internet oder aus Fachbüchern, obwohl man sich eine beeindruckende (Pseudo)Kompetenz aneignen kann, kein Zweifel. Wenn Du das so weiter treibst und Deine Geschichte stimmt, dann nochmal: das ist an Gruseligkeit schwer zu überbieten. Du wirst das Problem dieser Frau massiv verschlimmern. Was Du Dir da so hobbymässig zusammenreimst ist einfach nur grausam daneben (klingt aber toll und ich denke Du kommst Dir selber auch total schlau vor, halt ein verhinderter Dr. House, nicht wahr?). Mir wurde jedenfalls echt schlecht als ich Deine 800 kcal Geschichte gelesen habe und die beeindruckende Liste an unnützem Zeugs gesehen habe, welche da täglich konsumiert wird. Erst recht wird mir schlecht wenn ich lese welche Rolle Du Dir selber in der "Koordination" von kranken Menschen anmasst. Sorry ich habe da sofort das gruselige Bild eines selbsternannten Gurus/Coaches vor Augen, der andere Menschen manipuliert. Vielleicht übertreibe ich ja, aber mir wird echt schlecht von dem Bild und bei der Geschichte die Du hier lieferst.
Frank-Walter
24.07.2011, 18:50
Da kann doch auch was nicht stimmen....
Jepp, genau. da kann was nicht stimmen. :-meinung
Also die ersten 2 Tage mit über 40 Fieber hatte sie auch ganz klassisch keinen Appetit, aber danach schon (auch die 2 weiteren Tage mit über 40).
Überhaupt hat sie viel und praktisch immer Appetit, und zwar in etwa seit dem Unfall damals.
Ich weiß nicht, ob ich das irgendwann mal am Anfang geschrieben habe, aber ich vermute da immer noch ein Problem mit den Melanozyten Stimulierenden Hormonen, die ja mit dem ACTH zusammenhängen, das bei ihr nachweislich nicht ausreichend produziert wird.
Nur leider kennt sich damit überhaupt keiner aus (jedenfalls von denen, die bis jetzt konsultiert wurden).
Das war ja schon ein Wunder, dass ich damals irgendwann jemanden dazu gebracht habe, mir zu glauben, dass sie eine Hypophyseninsuffizienz hat, und ihre corticotrope Achse nicht in Ordnung ist. Biss sich dann endlich mal einer erbarmt hat, einen Insulin-Hypoglykämietest zu machen und der - oh Wunder - genau das bestätigt hat, was ich die ganze Zeit versucht habe, den Ärzten zu erklären.
Und wenn sie nicht genügend ACTH produzieren kann, weil sie nicht genügend POMC synthetisiert bekomt, dann isses eben auch nix mit genügend MSH, was den Hunger, die Libidoprobleme und die nachlassende Pigmentierung von Haut und Augen erklären würde, und auch nix mit genügend ß-Endorphin, was die seitdem bestehende Schmerzempfindlichkeit erklären würde.
Naja, andere Baustelle...
Jedenfalls hat sie viel Appetit seitdem (jepp, sowas kann auch von Hyperthyreose kommen, war aber davor ähnlich eingestellt ohne entsprechende Symptomatik, und wie schon gesagt wurde, wenn Hufschlag zu hören ist, sind Pferde wahrscheinlich, und zwar eher die Pferde, die grad in dem Moment vorbeireiten, als diejenigen, die schon die ganze Zeit angekoppelt da stehen, wo sie schon seit ner Weile stehen und gemütlich grasen).
Und Vegetarier knabbern auch nicht nur an rohem Kohlrabi rum, sondern essen auch Müsli mit Haferflocken, Rosinen, Äpfeln usw., mögen Pizza, schmieren sich Honig auf Croissants...
Trotzdem waren es während der Zeit auch nicht mehr als 2500kcal pro Tag, also war der Grundumsatz da auch schon darniedergelegen. Das kann z.B. auch am Androgenmangel gelegen haben (auf den auch wieder ich kommen musste, genau wie auf den Vitamin-D Mangel), aber genau weiß man es eben nicht.
Ich würde sie ja echt gerne in eine GUTE Klinik stecken, aber die zu finden ist leider eines der schwierigsten Unterfangen. Sag mir mal eine Klinik, die einerseits die Möglichkeiten haben, alles nötige zu untersuchen, und in der andererseits die Ärzte nicht so arrogant sind, dass sie einem nicht zuhören, sondern sich nach 2 Sätzen des Patienten und einem ganz kurzen Blick auf die mitgebrachte Akte schon eine Diagnose zurechtgelegt haben, und außerhalb dieser vorgefertigten Meinung keine andere Möglichkeit in Betracht ziehen, auch wenn es noch so plausible Gründe dafür geben möchte.
Ich weiß, ich ziehe die Ernährungssituation auch nicht wirklich als primäre Ursache für die Symptomatik in Betracht, aber erstens sprechen die nicht korrelierenden Zeitpunkte der Veränderungen dagegen, und zweitens versuche ich im Rahmen des Möglichen die negativen Auswirkungen der Diät so niedrig wie möglich zu halten, so dass am Ende möglichst nur das Kaloriendefizit übrig bleibt, das ich der Patientin zugestehen muss, um die Compilance aufrecht zu erhalten, zumindest so lange ich nicht den Eindruck habe, dass gerade das Kaloriendefizit der Auslöser der Misere ist.
Was vielleicht noch interessant ist:
Sie hatte seit etwa Herbst letzten Jahres verstärkt Kopfschmerzen. Sie hatte schon immer Kopfschmerzen (stechend hinter dem Auge und dann auch hinter der Stirn), aber seit Herbst traten sie immer öfter auf (im Winter dann täglich).
Seit etwa eine Woche vor der Hochfieberphase (also etwa zusammenfallend mit dem Beginn des leichten Atemwegsinfektes) sind die Kopfschmerzen so gut wie weg.
Gruß
Frank-Walter
Relaxometrie
24.07.2011, 18:59
Würde es sich um eine drogen-/alkoholabhängige Patientin handeln, würde man Frank-Walter als Co-Abhängigen wie aus dem Lehrbuch bezeichnen.
Ist ja gruselig, was hier abgeht :-((
Lieber F.W.,
dass bei einer Esstörung bedingt durch die Mangelernährung selbstverständlich alles mögliche durcheinanderkommt (regelhaft: die Steroidhormone, aber natürlich auch alles mögliche andere), ich denke das sollte so einem Dr. House geläufig sein. Natürlich kann man auch wunderbar Koryphäenkiller spielen, man kann ganze Heerscharen an Ärzten unterschiedlichster fachrichtungen (sehr gerne: Endokrinologen) beschäftigen, weil die je nach Schilderung der Situation natürlich nicht den Wald sehen, sondern nur die Bäume. Aus meiner praktischen Erfahrung wäre es beileibe nicht die erste Patientin welche wegen einer Depression und einer Essstörung Hormonpräparate, Eisen und sonstige Nahrungsergänzung bekommt, weil alle nur aufs Labor starren, bzw. sogar aktiv von den Patienten hinters Licht geführt werden. Wie gesagt, da kann man Jahrzehnte lang alle möglichen Ärzte mit beschäftigen, nur wem hilfts?
Frank-Walter
24.07.2011, 19:14
@Peter
welche Kompetenzen überschätze ich denn genau?
Inwieweit ich Patienten und Ärzte koordinieren kann, können wohl am besten die Ärzte und Patienten beurteilen, mit denen ich zu tun haben. Und bis auf die paar arroganten Ärzte, die nachweislich hauptsächlich unsinnige Untersuchungen durchgeführt, und sinnvolle, von anderen Ärzten beispielsweise bei der Überweisung empfohlene Untersuchungen total ignoriert haben, habe ich bis jetzt immer ein ausdrückliches Lob erhalten, für die Zusammenstellung der bisherigen Untersuchungsergebnisse, die Erklärung des bisherigen Krankheits- Diagnose- und Untersuchungsverlaufes, Untersuchungs- und Medikationsvorschläge etc.
Und ich sage beileibe nicht "Das ist die Krankheit X und verschreiben Sie Medikament Y", sondern äußere meinen Verdacht und frage, ob diese oder jene Therapie angebracht wäre. Wenn der Arzt das dann für richtig hält, freue ich mich, wohl nicht soo falsch gelegen zu haben (sagen wir mal 70-80% der Fälle), und wenn er anderer Meinung ist, freue ich mich, wieder etwas dazugelernt zu haben (sagen wir mal 15% der Fälle), oder finde, nachdem der Patient sich zuerst an die Empfehlung/Therapie des Arztes gehalten hat, heraus, dass er wohl doch nicht recht hatte (restliche 10% der Fälle), was jedem mal passieren kann, erst recht in der Medizin, die ja nicht so deterministisch ist wie die Mathematik, und dann wird der Patient eben nochmal dort vorstellig und bekommt eine andere Therapie, die ihm dann hoffentlich weiterhilft (egal ob es dann doch die zuerst von mir vorgeschlagene oder eine andere ist).
Ich sage auch nicht zu einem Patienten "der Arzt hat unrecht, Du machst das so wie ich es sage". Wenn ich etwas für total falsch halte, spreche ich den Arzt direkt darauf an, oder veranslasse die Einholung einer zweiten Meinung. Ich bin mir bewusst, dass ich kein Arzt bin, und ich habe auch keine entsprechende Versicherung, falls ich falsch liegen sollte. Und ich gehe keineswegs davon aus, unfehlbar zu sein.
Und selbst wenn ich etwas nicht verschreibungspflichtiges empfehle, das medizinische Auswirkungen haben kann (und wenn es Erdbeeren und Spargel zum Entwässern sind), dann spreche ich das mit dem behandelnden Arzt ab, weil der das Zusammenspiel mit den bisher verordneten Medikamenten beurteilen muss, und falls er etwas neues verordnet auch wissen muss, was der Patient sonst noch so zu sich nimmt.
Also welche Kompetenzen überschreite ich nun?
Gruß
Frank-Walter
Frank-Walter
24.07.2011, 19:17
Nochmal @Peter
Die Steroide waren schon vor der Diät im Keller.
Und man kann die Dinge auch mit aller Gewalt negativ sehen wollen. Nur mal so als Tipp für Dein weiteres Leben.
Gruß
Frank-Walter
P.S.:
Ich bin in einigen Foren unterwegs (nicht nur medizinische), aber Du bist jetzt der Erste, den ich auf "ignorieren" gesetzt habe. Auch ein Prädikat...
Coxy-Baby
24.07.2011, 19:21
Stimmt da du keine Kompetenzen hast, kannst du auch keine überschreiten.
Also mal im Ernst, wieviele Patienten "betreust" du denn so?
Und mit einem Tri tra TROLLala sag ich tschüss.....
Frank-Walter
24.07.2011, 19:31
Und mit einem Tri tra TROLLala sag ich tschüss.....
Oha, hat FEik doch recht gehabt mit dem nicht ernstnehmen von Nichtmedizinern?
Im Moment betreue ich einen aktiv und 2 in der "Nachbeobachtung" bzw. sporadisch, wenn gerade mal irgendwelche Fragen auftauchen.
Ich bekomme dafür ein Dankeschön, und das reicht mir. Und bis jetzt habe ich jedem helfen können, zu dem ich nicht sagen musste "Sorry, da kenn ich mich nicht aus, wenn Dir Dein jetziger Arzt nicht weiterhelfen kann, musst Du Dir wohl einen anderen Arzt suchen", was ich durchaus tue, im Gegensatz zu manchen Ärzten, die meinen, sie alleine hätten die Weisheit implantiert bekommen, als ihnen die Approbation erteilt wurde.
Gruß
Frank-Walter
P.S.:
Und ein Dankeschön von mir an diejenigen, die sich von meiner fehlenden Approbation nicht abschrecken lassen, und weiter versuchen, sich konstruktiv einzubringen.
WackenDoc
24.07.2011, 19:32
Mein Tip: Münchhausen oder Münchhausen by Proxy.
Keenacat
24.07.2011, 21:00
Ich fass jetzt gern nochmal zusammen, und das zum letzten Mal ganz unvoreingenommen unter der Annahme, dass du das bist, was du zu sein vorgibst und tatsächlich nur aus Halbwissen und fehlgeleiteter Fürsorglichkeit tust, was du eben so tust.
Ich denke ich kann mich mal aus dem Fenster lehnen und für die Medizinerfront hier sprechen:
Konsens ist hier soweit, dass besagte Patientin ganz primär wahrscheinlich eine Essstörung hat, die dringendst in die Hände eines Spezialisten für eben selbige gehört, und nicht in deine. Überdies ist Konsens, dass die völlig exzessive Diagnostik und erst recht das Rumschrauben an völlig willkürlichen angeblichen Mangelerscheinungen das Problem zementiert und nicht löst.
Abgesehen davon, dass es beileibe nicht klar ist, was ein Mensch wirklich so an Spurenelementen etc. braucht und welchen Sinn Messungen von selbigen überhaupt haben, passen Verschiebungen in dem Bereich, ebenso wie im Bereich der Steroidhormone, ganz hervorragend zu einer Essstörung. :-lesen
Durch dein Verhalten bestärkst und unterstützt du die Fixation auf ein somatisches Problem. Zudem unterschätzt du möglicherweise, in welchem Umfang auch du selbst manipuliert werden könntest. Psychosomatisch Erkrankte ziehen häufig einen ganz erheblichen sekundären Krankheitsgewinn aus dem Buhei um sie und ihre vermutete somatische Erkrankung, und in eurem Fall scheint mächtigst Buhei abzugehen. Viele agieren in einer Art und Weise, die diese Aufregung und Fürsorge aufrecht erhält und nehmen dabei auch auf die eigene körperliche und seelische Unversehrtheit keinerlei Rücksicht!
Vergiss nicht, dass du letztendlich kaum Durchblick hast, was sie so im stillen Kämmerlein tut und möglicherweise auch schon vor der Geschichte getan hat.
Dein Wunsch ihr zu helfen in allen Ehren, aber aktuell schadest du ihr wahrscheinlich erheblich, auch wenn du das garnicht so wahrnimmst.
Wenn du wirklich sinnvoll helfen willst, schaff die Frau in psychosomatische Obhut und bitte, bitte unterlass sofort alle gutgemeinten Therapiemaßnahmen!
Frank-Walter
24.07.2011, 21:44
Hi,
also den Konsens mit der Essstörung gehe ich auch als Nichtmediziner mit.
Dass die Essstörung und die Diagnostik die Symptomatik zementieren, kann ich allerdings nicht mittragen.
Bis Ende Mai hat sie sich total normal ernährt, und selbst wenn die Wahrscheinlichkeit, dass ihr unnormales Essverhalten eine "Heilung" der den Symptomen zugrundeliegenden Erkrankung verhindert, nicht null ist, so ist trotzdem auch die Wahrscheinlichkeit, dass die Essstörung, die eben durch die Gewichtszunahme nach dem Infekt ausgelöst wurde, einfach nur parallel vorliegt, und auch ohne sie keine Heilung erfolgt wäre, auch nicht null.
Ihr Mediziner schießt Euch darauf ein, dass die Essstörung die Wurzel allen Übels ist, und dass man zuallererst diese beseitigen muss, um dann hinterher den Rest anzugehen.
Damit könnt Ihr Euch zu den Ärzten in die Reihe stellen, die bei meinem Bruder das gleiche von der Angina dachten, bis der Appendix schließlich nur noch Brei war (ich weiß nicht, ob sich noch jemand an das Posting von vor ein paar zig Seiten erinnert).
Ich sehe auch die Essstörung, aber ich sehe auch deren Auslöser und ich weiß, dass ich sie beenden kann, wenn ich es für nötig erachte. Und sorry, dass ich es im Moment zwar für hilfreich erachten würde, aber nicht für "nötig" (nötig hat was mit Not zu tun). Und wenn ich es ohne Not tue und sie das mitbekommt, dann ist nix mehr mit beenden können meinerseits.
Und ja, ich kenne wahrscheinlich nicht so viele Essgestörte Leute wie jeder Einzelne von Euch, aber ich kenne diese Patientin besser als Ihr alle zusammen.
Ich schaue darauf, dass die Essstörung so wenig wie möglich Schaden anrichtet (ohne mich würde sie z.B. weder auch nur annähernd genügend essentielle Fettsäuren, noch genügend Eiweiß zu sich nehmen), und kümmere mich weiterhin um die Hauptbaustelle, nämlich die Symptomatik, DIE SCHON VOR DER ESSSTÖRUNG ZWEI MONATE LANG BESTANDEN HAT, UND DIE SICH WEDER BEI DER REDUZIERUNG AUF 500KCAL NOCH BEI DER ERHÖHUNG AUF 800KCAL IRGENDWIE VERÄNDERT HAT (sorry fürs Schreien, aber irgendwie scheinen das die meisten immer zu überlesen).
Gruß
Frank-Walter
P.S.:
Wenn ich hier von arroganten und ignoranten Ärzten schreibe, dann bezieht sich das beileibe nicht auf alle Ärzte (wer den Schuh natürlich anziehen mag, kann das gerne tun). Ich kenne einige sehr gute Ärzte, die fachlich kompetent, aber keine Fachidioten sind, und die sich nicht scheuen, es auch zuzugeben, wenn sie am Ende ihres Lateins sind, und dann an einen entsprechend kompetenten Kollegen zu überweisen.
Überhaupt hat sie viel und praktisch immer Appetit, und zwar in etwa seit dem Unfall damals.Wo Du immer so auf zeitlichen Zusammenhängen rumreistest wundert es schon etwas, dass Du die aktuelle Symptomatik mit zentralen Hormonregulationsstörungen nach dem Unfall vor über 4 Jahren erklären willst.
Ich weiß nicht, ob ich das irgendwann mal am Anfang geschrieben habe, aber ich vermute da immer noch ein Problem mit den Melanozyten Stimulierenden Hormonen, die ja mit dem ACTH zusammenhängen, das bei ihr nachweislich nicht ausreichend produziert wird.
Nur leider kennt sich damit überhaupt keiner aus (jedenfalls von denen, die bis jetzt konsultiert wurden).
Das war ja schon ein Wunder, dass ich damals irgendwann jemanden dazu gebracht habe, mir zu glauben, dass sie eine Hypophyseninsuffizienz hat, und ihre corticotrope Achse nicht in Ordnung ist. Biss sich dann endlich mal einer erbarmt hat, einen Insulin-Hypoglykämietest zu machen und der - oh Wunder - genau das bestätigt hat, was ich die ganze Zeit versucht habe, den Ärzten zu erklären.
Und wenn sie nicht genügend ACTH produzieren kann, weil sie nicht genügend POMC synthetisiert bekomt, dann isses eben auch nix mit genügend MSH, was den Hunger, die Libidoprobleme und die nachlassende Pigmentierung von Haut und Augen erklären würde, und auch nix mit genügend ß-Endorphin, was die seitdem bestehende Schmerzempfindlichkeit erklären würde.Wobei weder der Insulinhypoglykämietest noch der Metopirontest eine Aussage zu POMC und MSH machen, sondern nur zu STH und ACTH und wenn ACTH nicht ansteigt, dann hast Du eine Aussage über die kortikotropen Zellen im Hypophysenvorderlappen, aber keine über die melanotropen Zellen im Intermediärlappen - das schließt natürlich nicht aus, dass diese nicht auch ein Problem haben, aber um diese Frage zu beantworten hilft uns der Test halt schlicht nicht..
Und wenn sie nur so eine Minidosis Cortison substituiert bekommt, dann wird es ja wohl noch einige intakte kortikotrope Zellen geben, weswegen zumindest der postulierte MSH-Mangel aus dieser Quelle wohl nicht so dramatisch sein wird.... außerdem fehlt halt der zeitliche Zusammenhang zur Schädigung bei dem Unfall, oder?
...habe ich bis jetzt immer ein ausdrückliches Lob erhalten, für die Zusammenstellung der bisherigen Untersuchungsergebnisse, die Erklärung des bisherigen Krankheits- Diagnose- und Untersuchungsverlaufes, Untersuchungs- und Medikationsvorschläge Also ganz ehrlich, nachdem was wir hier erlebt haben mag ich mich diesem Lob nicht so wirklich anschließen, der Informationsfluss war eher spärlich und die Diagnosen mussten wir quasi alle einzeln anamnestiszieren, die anfänglichen Informationen waren sehr selektiert und es haben wichtige Informationen gefehlt. Es kam hier mal ne Diagnose und da ein Medikament dazu, mal kam auch erst das Medikament und dann auf Nachfrage die Diagnose...
Von jemandem, der damit wirbt, dass er sowas andauernd macht hätte ich da irgendwie anderes erwartet, mehr Systematik, alle Karten auf den Tisch. Und ich bin ja immer noch nicht sicher, dass wir jetzt wirklich alle bisher bekannten Diagnosen gehört haben. :-nix
Und selbst wenn ich etwas nicht verschreibungspflichtiges empfehle, das medizinische Auswirkungen haben kann (und wenn es Erdbeeren und Spargel zum Entwässern sind), dann spreche ich das mit dem behandelnden Arzt ab, weil der das Zusammenspiel mit den bisher verordneten Medikamenten beurteilen muss, und falls er etwas neues verordnet auch wissen muss, was der Patient sonst noch so zu sich nimmt.Dann nochmal die Frage: Wußte der Kardiologe, der zum Ergometertraining geraten hat um die 800kcal Diät und hat der das tatsächlich gut gefunden und genau so empfohlen?
sodbrennen
24.07.2011, 22:28
@Frank-Walter: Darf ich nun auch nochmal nachfragen, welche Ausbildung du hast? Bisher hast du zwar geschrieben, was du nicht hast, aber nicht, was du hast. Was heißt denn "keine abgeschlossene med. Ausbildung"? In deine Branche schlittert man ja auch nicht einfach so ohne irgendeine Ausbildung. Irgendwoher muss man sich ja das wissen erwerben, sofern du dort auch fachlich arbeitest (was auch immer du dort machst...) :-nix
Ich sehe auch die Essstörung, aber ich sehe auch deren Auslöser und ich weiß, dass ich sie beenden kann, wenn ich es für nötig erachte. Und sorry, dass ich es im Moment zwar für hilfreich erachten würde, aber nicht für "nötig" (nötig hat was mit Not zu tun). Und wenn ich es ohne Not tue und sie das mitbekommt, dann ist nix mehr mit beenden können meinerseits.Sie hat Dich also quasi in Geiselhaft: Entweder Du "hilfst" ihr bei ihrer Essstörung oder Du fliegst raus...
Ich schaue darauf, dass die Essstörung so wenig wie möglich Schaden anrichtet (ohne mich würde sie z.B. weder auch nur annähernd genügend essentielle Fettsäuren, noch genügend Eiweiß zu sich nehmen), und kümmere mich weiterhin um die Hauptbaustelle, nämlich die Symptomatik, DIE SCHON VOR DER ESSSTÖRUNG ZWEI MONATE LANG BESTANDEN HAT, UND DIE SICH WEDER BEI DER REDUZIERUNG AUF 500KCAL NOCH BEI DER ERHÖHUNG AUF 800KCAL IRGENDWIE VERÄNDERT HAT (sorry fürs Schreien, aber irgendwie scheinen das die meisten immer zu überlesen).Das muss richtig heißen: zwei Monate bevor die Esstörung FÜR DICH EVIDENT wurde! Das erste für Aussenstehende sichtbare Symptom einer Essstörung fällt ja in den allerseltensten Fällen auf die Manifestation der Essstörung, die sehr lange geheim gehalten werden kann. Essstörung ist ja auch nicht gleichzusetzen mit einer Anorexie, es gibt ja auch andere Formen, bei denen (zumindest zeitweise) auch viel gegessen wird und es zu Gewichtszunahmen kommt, wie Bulimie oder Binge-Eating und die können auch ineinander übergehen - vielleicht war ja auch die Gewichtszunahme schon Ausdruck der Essstörung, wer weiß?
Dass Du also nichts bemerkt hast, heisst also lange nicht, dass es da schon nicht viel früher Probleme gegeben hat, weswegen der stete Verweis auf diese zwei Monate die Essstörung in keiner Weise exkulpiert.
Frank-Walter
24.07.2011, 23:57
Hi,
jepp, kein Test bestätigt meine POMC-Theorie, weil das bis jetzt noch keiner testen wollte. Da es aber keiner testet, ist es auch nicht ausgeschlossen.
Und der Zeitraum passt, weil die entsprechenden Symptome nach dem Unfall aufgetreten sind.
Da war übrigens noch mehr im Argen mit der Hypophyse. Diabetes insipidus hatte sie auch, aber das hat sich nach ca. 3 Monaten wieder gegeben.
Und da die corticotrope Achse immer noch insuffizient ist, passen auch die restlichen Hormonprobleme dazu. Dass das keiner ernst genommen hat und es erst jetzt gemessen wurde ist nicht meine Schuld (außer man beschuldigt mich mangelder Überzeugungskraft, da bekenne ich mich dann auch schuldig).
Der Kardiologe konnte gar nichts von den 800kcal wissen, weil es die zu der Zeit noch gar nicht gab.
Alle Ärzte, bei denen sie seit Beginn der Diät war, wissen ihren Gewichtsverlauf, und keiner sah darin ein besonderes Problem. Für die ist es nämlich genau das, was es eben auch ist: Eine Reduktionsdiät einer Frau, die wegen der Bettlägerigkeit zugenommen hatte, und das jetzt wieder loswerden will.
Und nein, sie hat mich nicht in der Hand. Wenn ich sehe, dass eine Beendigung der Diät nötig ist, oder mir das ein Arzt sagt, der ihre Befunde UND SIE gesehen hat, dann beendige ich sie. Punkt.
Meine eigentliche fachliche Qualifikation, bevor ich in die Medikamntenentwicklung eingestiegen bin (fachlich arbeitend)? Sagen wir mal Maschinenbauingenieur. Ist es zwar nicht, liegt aber ähnlich weit weg von der Medizin wie das, was es ist.
Und bis auf das, dass sie versucht, irgendwie vernünftig mit dem Dauerhunger umzugehen, war sie nicht essgestört, und auch das, was sie jetzt macht, ist eine wenn auch extreme Kompensation der gegebenen Umstände.
Wie wäre es eigentlich, wenn wir mal zweigleisig fahren würden?
Wir machen immer einen Teil vom Beitrag in der Annahme, dass die Essstörung das primäre Übel ist, so wie Ihr das gerne seht, und einen Teil, bei dem wir die Diät als ganz normale Reduktionsdiät sehen, wie sie tausende von Menschen machen und sogar von ihren Ärzten empfohlen bekommen, und kümmern uns in dem Teil um die eigentlichen Symptome, losgelöst von der Diät.
Und ich mach hier gleich mal den Anfang. Ich fahr morgen mal wieder zu ihr und schaue nach den ganzen Medikamenten und Ergänzungsmitteln, die sie so nimmt, checke Gewicht und Kühlschrank usw.
Ist eh mal wieder Zeit nach ihr zu sehen.
Gruß
Frank-Walter
P.S.:
Sorry, dass ich nicht gleich die komplette Krankenakte hochgeladen habe, ich wollte Euch nicht gleich total verwirren. Und bevor ich Euch mit der Diät verwirt habe, war der Thread ja auch noch recht informativ und lesenswert.
Jetzt ist er von Eurer Sicht aus nur noch ein Lehrstück für Essstörung und Co-Abhängigkeit und aus meiner Sicht ein Lhrstück für Ärzteignoranz.
Rico ist hier echt eine löbliche Ausnahme. Er hat die Essstörung im Blick, verliert aber trotzdem nicht den Rest aus den Augen. Dankeschön!
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