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Merlins Erbe
10.03.2012, 19:02
Wie hier schon festgestellt wurde: die, die zu Fuß (respektive mit dem Auto) kommen ...
dreamchaser
10.03.2012, 19:21
Wenn die Beschwerden wenigstens relativ akut eingesetzt haben oder akut exacerbiert sind, dann sag ich ja schon nix. Es sind eben die, die wegen seit Tagen (Wochen) bestehender Symptomatik vorstellig werden, bisher keinen Hausarzt aufgesucht haben (da musst ich arbeiten) und dann die Ambulanz gegen ärztlichen Rat verlassen, die mich aufregen. Oder die ewig ungeduldigen....man macht eine Anamnese und untersucht und wird dann gefragt, warum man denn nix mache.
Wenn die Leute nachts wegen akut eingetretener Beschwerden kommen, die nicht 100% einzuordnen sind, tendiere ich eher zur stationären Aufnahme, damit ein OA (FA) den Pat. am nächsten Tag nochmal sieht und man einen kurzzeitigen Verlauf hat. Habe leider auch schonmal eine Pat. mit den typischen Symptomen für einen Magen-Darm-Infekt gehabt, die sehr auf einen Aufnahme gedrängt hat - habe ich dann widerwillig gemacht...4 h später war der Bauch dann bretthart und sie ist mit Ileus in die Chirurgie übernommen worden. Und da gab es keine Anzeichen für mich (hat gallig erbrochen, wässrige Diarrhoen, diffuser abd. Druckschmerz ohne weitere Auffälligkeiten). Leider sieht man im verlauf der Zeit immer mal wieder Fälle, die wirklich etwas haben und man tendiert dann eher dazu, die Pat. dazubehalten, die man früher weggeschickt hätte (geht mir und einigen Kollegen zumindest so). Und je leiser ein Patient ist, umso kränker ist er meistens.
Merlins Erbe
10.03.2012, 19:31
Letztens um 0:30 Uhr. Junger Pat. kommt zur Kollegin in die Aufnahme. Also, er hätte seit 2 Std so Schmerzen und Druck hinterm Brustbein, wollte auch nicht kommen, aber seine Frau hätte nicht lockergelassen. Im EKG dann turmhohe ST-Hebungen Vorderwand und noch bevor die Elektroden ab waren, flimmert er. Bin mit dem Rea-Team dazugekommen und wir hatten ihn dann nach 3 Minuten wieder. Leider mit SIRS und Pneumonie dann doch ne Langzeitbeatmung geworden.
FUMANCHU
10.03.2012, 20:44
Ich kenne das zum Teil auch, aber ähnlich wie Feuerblick tendiere ich dazu mich nicht aufzuregen, möglichst wenig innere Abwehr und Ablehnung aufkommen zu lassen. Es geht dann besser von der Hand, und mit " Erziehungsmaßnahmen" kommt es nur zu mehr Widerstand von Seiten der Pat. und es dauert noch länger. Geht natürlich nicht immer, aber ist oft hilfreich.
Hoppla-Daisy
10.03.2012, 20:49
Eigentlich will man ja doch nur so schnell wie möglich und mit nen niedrigen Blutdruck ins Bett, um wieder schön einschlafen zu können ;-).
Bandwurm
10.03.2012, 22:46
Um so länger ich Nachtdienste schiebe, um so weniger rege ich mich über die Patienten auf. Wenn jemand zum zweiten oder dritten mal Nachts kommt, wasche ich ihm/sie schon mal den Kopf, aber das ist dann ganz gezielt und berücksichtigt IQ und psychische Erkrankungen. Aufregen tue ich mich nur über Kollegen, die nachts nicht aufstehen und ausrichten lassen, es gibt ein psychiatrisches Problem, z.B. unruhige demente Patienten auf der Innere oder anderes. Oder Patienten kommen als Psychiatrische Patienten und haben als Blickdiagnose eines Psychiater schon was anderes, z.B. intensivpflichtige Intoxikation.
Leelaacoo
11.03.2012, 08:56
Viel mehr als die nächtlichen Vorstellungen in ihrem Wohlbefinden beeinträchtigten Menschen, die auch noch 3 h bis zum Morgen hätte warten können regt mich das Troponin im Routinelabor der Neuro und der Psych auf....regelmäßige nächtliche Anrufe wegen 0,08 ng/ml (Referenz < 0,05) bei Pat. mit Schlaganfall etc. gehen mir MAXIMAL auf die Nerven...denn dann darf ich MIR Gedanken machen ob und warum und weshalb und die ganze Pat. geschichte aufrollen und noch ein TTE machen und die Kontrolle anschauen...gnaaa....DAS sollte verboten werden. Aber es doch (selten) mal ein NSTEMI dabei...also jede Nacht die gleiche Laier...(im Übrigen wissen die Kollegen dann nicht mal, ob der Pat. Beschwerden hat oder hatte..erst wird mal die ITS angerufen...und nur auf mein Bitten der Pat. mal befragt...und ein EKG geschrieben....gnaaa)
LG Lee
Medimatze
11.03.2012, 09:37
Wenn dir die nächtlichen Patienten die Arbeit unerträglich machen, solltest du vielleicht darüber nachdenken, dir einen Job ohne nächtliche Ambulanz zu suchen... Denn die Menschen wirst du nicht ändern - egal welche "Erziehungsmaßnahmen" du dir einfallen lässt. :-nix
Sehr witzig. Ich suche doch nicht eine andere Fachrichtung machen wegen ein paar Pennern in der Nacht. Ausgang war ja die Frage wie man das Problem in den Griff bekommt. Und da wäre eine Ambulanzgebühr sicher sinvoll. Notfälle die stationär aufgenommen werden ausgeschlossen. Ich sehe es nur nicht ein, dass ich wie eine Prostituierte jederzeit für Alles verfügbar sein muss. Ruf mal in der Nacht einen Klepner an. Der lässt sich das geradezu vergolden.
Hier kommen Leute mit Schmerzen seit Tagen oder Wochen im Fuß -ohne Trauma, in der Hand (es fing erst am Finger an, wanderte dann in den Ellenbogen, dann zurück, jetzt in den Oberarm), angeborene Fehlstellungen der Finger (die man doch mal abklären könnte) usw. Ruf doch mal wegen sowas deinen Hausarzt in der Nacht an, oder den ärztlichen Notdienst. (Vermutlich machen die Leute sowas sogar und bekommen die Antowrt sie sollen ins Krankenhaus gehen).
Hinter jedem Rückenschmerz kann ein Infark, eine Aortendissektion, ein Tumor, eine Thrombose oder sonstwas stecken -is klar, aber bekommt tagsüber dann jeder gleich auch Abdomen-Sono?! Nein. Da muss man auch mal die Kirche im Dorf lassen.
Ich denke eine Abkulanzgebühr (z.B. 50Euro) schreckt sicher diejenigen ab, die in der Nacht ihre chronischen Schmerzen abklären lassen wollen.
Ich finde es nur furchtbar, dass genau 2 Patienten in der Nacht dafür sorgen können, dass der nächste Tag gelaufen ist. Ich habe eine Familie und 2 kleine Kinder. Es ist super, wenn man tagsüber nicht schlafen kann, weil 2 Idioten in der Nacht die Ambulanz aufgesucht haben. Und da kann ich mich nicht entspannen.
Die Frage war nicht ein Jobwechsel, sondern eine Möglichkeit dies abzustellen.
Medimatze
11.03.2012, 09:39
Grad vorhin Patient in die Ambulanz reingelaufen...die Schmerzen inner Brust seien jetzt doch schlimmer geworden...und irgendwie schlecht Luft bekommen, aber wollte eigentlich bis Montag warten, hat sich erst mal entschuldigt...und wir haben ihn mit Vorderwand-STEMI in die Coro verfrachtet:-oopss
Typisch...ist noch selbst hergefahren...man mag gar nicht dran denken, wenn er schockig geworden wäre während der Fahrt:-((
LG Lee
Dieser Fall ist nicht der Patient der in der chirurgischen Notaufnahme landet...
Leelaacoo
11.03.2012, 09:43
Dieser Fall ist nicht der Patient der in der chirurgischen Notaufnahme landet...
Oh, wusste nicht, dass nur Chirurgen antworten dürfen...
LG Lee
Medimatze
11.03.2012, 09:45
Letztens um 0:30 Uhr. Junger Pat. kommt zur Kollegin in die Aufnahme. Also, er hätte seit 2 Std so Schmerzen und Druck hinterm Brustbein, wollte auch nicht kommen, aber seine Frau hätte nicht lockergelassen. Im EKG dann turmhohe ST-Hebungen Vorderwand und noch bevor die Elektroden ab waren, flimmert er. Bin mit dem Rea-Team dazugekommen und wir hatten ihn dann nach 3 Minuten wieder. Leider mit SIRS und Pneumonie dann doch ne Langzeitbeatmung geworden.
Ja klar, sowas gibts immer wieder. Ich könnte auch Geschichten erzählen... Es geht ja auch um Rücken, Hand, Fuß oder sonstwelche Lapalien. Uralte Schnittwunden, altebekannte Knuppel an sämtlichen Körperstellen, Zecken, Pickel, eingewachsene Dinge, rausgerissenen Piercings, Schulterschmerzen (mein Liebling), usw.
Für "Schmerzen hinterm Brustbein" bin ich sogar gewillt aufzusthen, selbst ohne Trauma ;-)
Medimatze
11.03.2012, 09:46
Oh, wusste nicht, dass nur Chirurgen antworten dürfen...
LG Lee
Hatte ich das nicht erwähnt?! Sorry!
Feuerblick
11.03.2012, 09:47
Nochmal: Mit einer Ambulanzgebühr schreckst du nur die ab, die sowieso erst dann kommen würden, wenn sie nicht mehr krabbeln können. Wenn du glaubst, dass du die anderen abschrecken würdest, dann hast du den Blick für die Realität verloren. :-nix Die kommen, diskutieren mit der Aufnahme wegen der 50 Euro, lassen sich nen Überweisungsträger geben, lassen sich untersuchen und den Rest darf dann die Verwaltung übernehmen und Rechnungen, Mahnungen und Co schicken. So und nicht anders läuft es leider. Die wirklich kranken Menschen denken sich erst "Ich wart noch bis morgen früh" und wenn sie dann vor der Anmeldung stehen "Ach nee, lieber bis morgen warten, dann kostets nix". Und bis zum Morgen ist das Kind vermutlich schon in den Brunnen gefallen. Nicht gerade das, was ich mir so unter natürlicher Auslese vorstelle.
Die anderen werden vor dir stehen und ob du nun mit ihnen diskutierst, warum du sie nicht anschaust oder ob du eine kurze Untersuchung machst, ist Jacke wie Hose, denn aufstehen musstest du in beiden Fällen. Das ist in der Klinik nunmal Teil des Jobs. Natürlich kotzt es einen an, aber wenn man das nicht mag, dann ist man in der Klinik schlicht falsch!
Und mit Jobwechsel meinte ich: Geh in eine Praxis, in ein MVZ oder was auch immer. Denn anscheinend lässt sich dein Job nicht mit deinem Privatleben und deiner Familie in Einklang bringen. Da wirst du überlegen müssen, wo für dich die Prioritäten liegen. Du wirst die Menschen nicht ändern und du wirst das "akute Nichts" nicht abschaffen, egal was du tust und egal, wie teuer du eine Untersuchung in der Ambulanz machst. Wenn du in der Klinik bleiben willst, wirst du dich damit abfinden müssen.
Dieser Fall ist nicht der Patient der in der chirurgischen Notaufnahme landet...
Ich kann Dir nur wünschen, dass Dir mit der Einstellung mal keiner wegstirbt. Denn sooo selten sind die Infarkte, die sich primär als Bauchschmerzen äußern ja nicht! Und wenn mal wieder jemand mit seit über 12 Stunden alten Bauchschmerzen und Luftnot chirurgisch vorgestellt wird / sich selbst vorstellt, und dann auf den nächsten Morgen vertröstet wird... -> Geht gar nicht!
Und selbst wenn der nix hat: ER weiß es nicht besser! Wenn ich bedenke, was ich im letzten Notarztdienst nachts so alles betreut habe... Klar wäre ich auch lieber im Bett geblieben. Aber auf der anderen Seite bist Du doch dafür da! Wenn Du es nicht mehr ertragen kannst, Dienste zu schieben, aus was für Gründen auch immer, dann besprich das mit dem Dienstplanverantwortlichen oder werd Chefarzt...
Thomas24
11.03.2012, 09:55
Wenn´s denn eine Kliniktätigkeit sein muss- es reicht doch schon, in der Hackordnung aufzusteigen.
Dann grunzt du nachts nur noch unmotiviert "Waaaas´n?" ins Telefon- und wegen schmerzender
Fingerkuppen oder "ich hatte gerade mal Zeit und bei euch brannte eh noch Licht" wird dein Vordergrund dich schon nicht anrufen:-wow
Medimatze
11.03.2012, 10:02
Bin im Hintergrund, allerdings sind durch Ärztemangel seit 3 Wochen die Honorarärzte im Haus und die gehen um 3 Uhr. Das bedeutet dass ich zwischen 3 und 7 zuständig bin...
Medimatze
11.03.2012, 10:03
Ich kann Dir nur wünschen, dass Dir mit der Einstellung mal keiner wegstirbt. Denn sooo selten sind die Infarkte, die sich primär als Bauchschmerzen äußern ja nicht! Und wenn mal wieder jemand mit seit über 12 Stunden alten Bauchschmerzen und Luftnot chirurgisch vorgestellt wird / sich selbst vorstellt, und dann auf den nächsten Morgen vertröstet wird... -> Geht gar nicht!
Tschuldigung: ich bin in der Unfallchirurgie! Da kommen keine Bauchschmerzen...
Medimatze
11.03.2012, 10:11
Nochmal: Mit einer Ambulanzgebühr schreckst du nur die ab, die sowieso erst dann kommen würden, wenn sie nicht mehr krabbeln können. Wenn du glaubst, dass du die anderen abschrecken würdest, dann hast du den Blick für die Realität verloren. :-nix Die kommen, diskutieren mit der Aufnahme wegen der 50 Euro, lassen sich nen Überweisungsträger geben, lassen sich untersuchen und den Rest darf dann die Verwaltung übernehmen und Rechnungen, Mahnungen und Co schicken. So und nicht anders läuft es leider. Die wirklich kranken Menschen denken sich erst "Ich wart noch bis morgen früh" und wenn sie dann vor der Anmeldung stehen "Ach nee, lieber bis morgen warten, dann kostets nix". Und bis zum Morgen ist das Kind vermutlich schon in den Brunnen gefallen. Nicht gerade das, was ich mir so unter natürlicher Auslese vorstelle.
Die anderen werden vor dir stehen und ob du nun mit ihnen diskutierst, warum du sie nicht anschaust oder ob du eine kurze Untersuchung machst, ist Jacke wie Hose, denn aufstehen musstest du in beiden Fällen. Das ist in der Klinik nunmal Teil des Jobs. Natürlich kotzt es einen an, aber wenn man das nicht mag, dann ist man in der Klinik schlicht falsch!
Und mit Jobwechsel meinte ich: Geh in eine Praxis, in ein MVZ oder was auch immer. Denn anscheinend lässt sich dein Job nicht mit deinem Privatleben und deiner Familie in Einklang bringen. Da wirst du überlegen müssen, wo für dich die Prioritäten liegen. Du wirst die Menschen nicht ändern und du wirst das "akute Nichts" nicht abschaffen, egal was du tust und egal, wie teuer du eine Untersuchung in der Ambulanz machst. Wenn du in der Klinik bleiben willst, wirst du dich damit abfinden müssen.
Dann muss es anders (siehen scandinavische Länder) geregelt werden. Ich suche ja nach Möglichkeiten...
Flauscheding
11.03.2012, 10:16
Ich muß mich ja allen ernstes schwer wundern, wie man so verbissen, frustriert und hämisch werden kann.
Natürlich macht es keinen Spass, nachts um 3,4 oder 5 wegen nichts aus dem Bett krabbeln zu müssen. Aber es ist nunmal dein Job und ich verstehe nicht, warum du diese ganzen Sachen so perönlich nimmst. Nicht einer deiner nächtlichen Patienten kommt zu dir, weil er sich denkt "so, nun ärger ich den diensthabenden Arzt mal so richtig", sondern sie alle kommen, weil sie einen gewissen Leidensdruck haben. Ob nun zu Recht oder Unrecht, sei mal dahingestellt, aber sie sind allesamt nunmal medizinische Laien und können ihr Beschwerden zu diesem Zeitpunkt eben nicht richtig einschätzen. Punkt.
Und da kommst du dann eben ins Spiel.
Diese albernen Machtspielchen, die du mit den verzögerten Briefen und extra langen Wartezeiten spielst, bringen weder dir, noch dem Patienten etwas.
Vielleicht solltest du deine Berufswahl nochmal kritisch überdenken, wenn es dir so unerträglich ist.
Darüberhinaus bin ich der Meinung, dass der Dienst nunmal auch nicht dafür da ist, am nächsten Tag ausgeruht und ausgeschlafen nach hause zu gehen um die Kinder zu bespaßen. Wünschenswert ja, aber dafür wirst du nunmal nicht bezahlt.
Bin im Hintergrund, allerdings sind durch Ärztemangel seit 3 Wochen die Honorarärzte im Haus und die gehen um 3 Uhr. Das bedeutet dass ich zwischen 3 und 7 zuständig bin...
Ähhm. Mit anderen Worten: Du kannst von 16:00 Uhr bis um 3 Uhr schlafen, TV gucken, beischlafen, weiterschlafen und musst dann (evtl.) gegen 3 Uhr mal aufstehen und nach (evtl. vorhandenen) Patienten sehen? LUXUS!!!
Tschuldigung: ich bin in der Unfallchirurgie! Da kommen keine Bauchschmerzen...
Oh entschuldigense. Dann kann man natürlich bei Bauchschmerzen liegenbleiben. Und die Rückenschmerzen können ja auch NUR von der Wirbelsäule kommen...
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