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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Prozeßbeginn nach Zwischenfall in "Schönheitsklinik"



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Kandra
18.04.2014, 08:36
Ach ja, @pottmed:
Ich hab für jeden Studenten Verständnis, der BLS-Maßnahmen nicht durchführen kann.
Weil man's - zumindest bei uns - einfach nicht lernt.

Wie läuft das eigentlich an anderen Unis? (Ich hoffe, besser...)

Wie oben schonmal geschrieben: Ähnlich.
Obligater Erste-Hilfe-Kurs und dann im 6. oder 7. Semester je nach Block 3x 3h Notfallpraktikum. 1. Tag BLS, 2. Tag ALS, 3. Tag ABCDE-Schema und ein bisschen Wiederholung von Tag 1 und 2. Es gibt wohl nächstes Semester einen Refresher-Kurs, der ist allerdings auf freiwilliger Basis. Und das wars dann.

Brutus
18.04.2014, 08:47
Als ich in meinem ersten Monat als Assi zum ersten Mal jemand nach Propofolnarkose der Aufwachraum-Mannschaft übergeben hatte, fiel mir erst mal gar nicht auf, dass der nicht richtig atmet. Und die komischen Schnarchgeräusche nahm ich überhaupt nicht ernst (schnarcher halt :-nix. ) Als die Sättigung immer weiter abfiel, stand ich wie der Ochs vorm Berg mit großen Schweißperlen an der Stirn. Erst als der OA dann nebenbei lässig den Esmarch anwendete und die Sättigung sekündlich wieder stieg, hab ich erkannt: ich muss noch viel lernen, auch wenn ich theoretisch einiges weiß.
Das ist der Grund, warum wir uns entschlossen haben, JEDEM Patienten, der eine ITN hatte, einen Wendel zu gönnen. Kostet fast nix, ist sicher und wenn die Patienten wach sind, ziehen sie sich das Teil selbst aus der Nase...
Und die LaMas bleiben auch drin, bis sie vom Patienten rausgezogen werden.


(PS.: Vom Esmarch hab ich im Studium und unzähligen Rettungsdienstfortbildungen(!) gefühlt 1 Mio. mal gehört u. auch immer wieder an Puppen den Atemweg "erfolgreich frei gemacht". Aber beim richtigen Menschen, der noch dazu komische Geräusche macht, ists halt was anderes. Und wenn man die Situation nicht erkennt, hilfts Nüsse.
Eben. Wichtig ist halt, dass mans erkennt. Wenn man dann Probleme bei den folgenden Maßnahmen hat, kann man sich Hilfe organisieren. Aber das Erkennen, das nimmt einem niemand ab. :-nix


Das eigentliche Drama an diesem Fall in der Schönheitsklinik ist ja, dass die Patientin wahrscheinlich nur nen einfachen Handgriff gebraucht hätte...
Tja, aber eben auch die Erkenntnis, dass es unter Umständen an der "Infusion" liegen könnte. Klar bringt der Ermarch erst mal was, aber wenn die Infusion munter weiter läuft...

Propofol in NaCl finde ich übrigens auch ungewöhnlich. Aber ich nehme Medikamente eh lieber unverdünnt. Und zur fehlenden Beschriftung: klar war das sein Fehler. Aber da muss ich gestehen, dass ich da auch nicht immer dran denke. Gerade in Situationen, wo es halt schnell gehen muss, da steht dann eben nicht Akrinor oder Atropin auf der Spritze. Aber da fuckelt auch niemand anderes dran rum. Und nach der OP wird bei uns eh alles in den Müll geworfen, was da noch so rumliegt. :-nix
Wobei unsere Pflege da echt gut eingearbeitet ist. Die schreiben sogar auf die Infusionen den Zeitpunkt der Herrichtung drauf.

smanpodg
18.04.2014, 12:21
Kurz: Ärztinnen in unseren AWR haben den Patienten auch schon Opioide im Abstand von 15 Minuten gegeben, weil diese post OP Schmerzen hatten. Und weil das erste nach 15 Minuten nicht wirkt, manchmal dann auch freudig die Präparate gewechselt. Das führte mitunter zu Beatmungspflicht, als dann die Wirkung etappenweise eingesetzt hat ;) Ich resümmiere: Fehler passieren. Wenns um Menschen geht, sind diese fatal

Verdammt... ein wiederbelebter Artikel von vor dreitausend Jahren ;) Sorry^^

Rico
18.04.2014, 14:08
Ich resümmiere: Fehler passieren. Wenns um Menschen geht, sind diese fatalDas ist vielleicht ein bisserl viel Fatalismus.
Klar passieren Fehler, aber das wichtige ist, dass man sie erkennt und behebt, bzw. eine Fehlerkultur hat, die es einem erlaubt, sich Hilfe zu holen wenn man es nicht mehr selber hinkriegt ohne dass man sich nachher am Pranger wieder findet.
Es hätte ja auch im vorliegenden Fall noch zahlreiche Möglichkeiten gegeben da noch die Kurve zu kriegen, der fatale Ausgang war ja selbst als das Propofol drin war nicht vorprogrammiert, sondern hätte von einer entsprechend ausgebildeten Fachkraft einfach behoben werden können (Propofol aus, Esmarch/Wendel/Güdel, Sauerstoff und evt. bebeuteln bis der Anästhesist oder der NA da ist). Klar ist der initiale Fehler der juristisch bedeutsame, aber fatal wird es erst durch die fehlenden nachgeschaltete Sicherheitsnetze).


Verdammt... ein wiederbelebter Artikel von vor dreitausend Jahren ;) Sorry^^naja... Von heute morgen. Ist natürlich in unserer kurzlebigen Zeit eine halbe Ewigkeit, aber grad noch so okay. ;-)

Christoph_A
18.04.2014, 16:11
Ich muß hier auch mal sagen, daß ich es zu platt finde, der Studentin hier den Hauptteil der Schuld anzukreiden und sich sogar noch über ihre Notfallmedizinqualitäten lustig zu machen.
Erstens, wie hier schon von einigen richtigerweise geschrieben wurde, hat nicht jeder eine gute Ausbildung in ALS/BLS, und selbst, wenn man das mal theoretisch an ner Puppe durchgespielt hat, ist der erste eigene Notfall immer was besonderes, da macht man oft aus Angst gar nix oder nur Mist. Muß nur an meine erste Reanimation als Famulant zurückdenken, um zu wissen, wie hilflos man sich da fühlen kann und wie froh man ist, daß man da eben nicht alleine mit dem Patienten war, sondern ein altes "Schlachtross" neben sich hatte.
Die eigentliche Sauerei ist die Organisation dieser, es widerstrebt mir, so ein Wort in diesem Zusammenhang überhaupt zu verwenden, "Klinik". Wie kann ich eine studentische Sitzwache alleine neben einer operierten Patienten nachts sitzen lassen und mich nicht um eine adäquate medizinische Versorgung zu kümmern. So ein Laden gehört dicht gemacht und seine Betreiber in den Knast, unglaublich, daß da erst ein Mensch sterben muß, bevor man was tut.
Solche Gewinnmaximierer sind der Grund, warum die deutsche Medizin immer mehr zum :-kotz wird. Hauptsache Geld verdienen und das bei den niedrigstmöglichen, da dann billigeren, Sicherheitsstandards. Und wenn man das anprangert, wird man von sogenannten Kollegen auch noch als "Bedenkenträger" und "Dinosaurier" beschimpft.
Hauptsache das rosa Polohemd passt zum Porschesitzbezug und man ist ja medizinisch soooo toll. Wie ich solche Schmierenheinis gefressen habe.
So, genug gekotzt, waren meine 50 Cent zu dieser sehr traurigen Story.

ChemieFreund
18.04.2014, 17:12
Ich hatte mal ne Zeit als stud Hilfskraft in der Anästhesie gearbeitet und ich fand es teilweise wirklich schwer, im Gesamtkontext die Situation einzuschätzen.
Man muss es mal so sehen: hier ist es nicht so, dass man als erfahrener Notarzt oder RA reinplatzen und gleich das Programm abspielen kann, das fiel mir im Studium auch nicht schwer. Wenn z.B. in der Prüfung gesagt wurde "Hier ist jemand reanimationspflichtig, bitte reanimieren", adnn ists einfach.
Wenn man aber in der klinischen Situation ist, den Patienten schon lange betreut und es ihm zunehmend schlechter geht, ist es als Unerfahrener noch umso schwerer, die Situation einzuschätzen und den Punkt zu sehen, wo man jetzt eskalieren und nicht nur zuwarten muss.

Daher find ichs unverantwortlich (wenn es so war, hab nicht den ganzen Thread gelesen), dass jemand als Unerfahrener ohne Pflegekraft oder Arzt solche Patienten betreuen muss.

Nessiemoo
18.04.2014, 18:31
Ich kann auch nicht wirklich verstehen, wieso man eine Studentin alleine mit einer Patientin lässt. Mache ja auch Nachtschichten, wo man alleine auf "Station" ist, da sind aber eben nur gesunde Menschen, und man ist in einer riesigen Klinik, wo erfahrene Pfleger und Ärzte auf nächsten Station vorhanden sind und eben in 3-5 Minuten da sein können. auch so ist selbstständige Gabe von irgendwelchen Medikamenten oder Infusionen verboten, höchstens Ibuprofen o.ä nach Absprache... für alles andere kommt der Arzt rein, wenn tagsüber was war (sei es auch "nur" Fieber), bleibt jemand auch über Nacht da. :-nix Bei der Einarbeitung wird klar gesagt dass im äussersten Notfall von uns nichts mehr erwartet wird (oder auch erlaubt ist), als Reateam rufen und drücken.