Fachliche Eindrücke/Tätigkeitsbeschreibung
Das ZCH ist ein staatliches Krankenhaus in einem der ärmsten Ländern der Welt, was man an der Einrichtung, den Gebäuden und der allgemeinen Bedingungen auch meint zu erkennen – im Vergleich zu privat oder kirchlich geführten Kliniken aber fast ausschließlich auf die Korruption zurückzuführen ist.
Am ZCH arbeiten zwei deutsche Ärzte, ein Kinderarzt und ein Chirurg, die von einer deutschen Organisation ausgewählt, in das Land geschickt und bezahlt werden. Diese sind auch die einzigen Fachärzte am Krankenhaus, denn das Medizinstudium in Malawi ist sehr teuer, und wer es geschafft hat, arbeitet entweder im Ausland oder an einer Privatklinik, aber mit Sicherheit nicht für den Lohn an einem staatlichen Krankenhaus. So gibt es in ganz Malawi ungefähr drei einheimische Ärzte...
Die medizinische Arbeit im Krankenhaus wird von sogen. clinical officers verrichtet, die eine 4jährige Ausbildung absolviert haben (3 Jahre Theorie, 1 Jahr Praxis) und die Funktion eines deutschen Stations-/Assistenzarztes ausüben. Zu ihren Aufgaben gehören die Stationsarbeit, die Patienten- aufnahme und OP-Assistenz bzw. selbstständige Dürchführung kleiner OPs.
Ich absolvierte meine zweimonatige Famulatur in der Chirurgie, wobei es mir sowohl von dem deutschen Chirurgen und sowieso vom Krankenhaus völlig freigestellt war, auch in die anderen Abteilungen, wie Gynäkologie/Geburtshilfe, Innere, Pädiatrie reinzuschauen.
Meine Tätigkeit umfaßte etwa die gleichen Arbeiten wie die der clinical officers:
Zwischen 7:30 und 8:00 begannen wir mit einem Rundgang über die Station – ein großer Saal mit ca.40 Betten, wovon die meisten mit zwei Patienten belegt waren. Bei diesem Rundgang schauten wir uns nur die Patienten an, die nachts eingeliefert worden waren oder bei denen es Probleme gab. Die nächtlichen Zugänge wurden kurz untersucht, wenn nötig wurde ein Zugang gelegt, eine Infusion angeschlossen, und Medikamente oder Untersuchungen angeordnet – wobei die einzigen apparativen Untersuchungsmöglichkeiten im Röntgen oder dem Ultraschall bestand. Dies war allerdings vollkommen ausreichend, weil praktisch alle chirurgischen Patienten mit solch deutlichen, von „außen“ mit bloßem Auge sichtbaren und eindrucksvollen Befunden ins Krankenhaus kamen, dass man keine große und aufwendige Diagnostik betreiben mußte. Die umfangreiche Diagnostik war aber nicht das einzige was im Gegensatz zum deutschen Stationsalltag wegfiel, es gab auch so gut wie keine Schreibarbeit zu erledigen und weil in der Chirurgie nur sehr wenig Laboruntersuchungen durchgeführt wurden, beschränkten sich die Blutentnahmen pro Woche auf maximal fünf!
Ein HIV-Test erübrigt sich sowieso bei den meisten Patienten, da man ihnen die Krankheit bereits ansieht oder sie mit monströsen Kaposi-Sarkomen kommen. Während die HIV-Rate im Land bei ungefähr 20-30% liegt, muß man im Krankenhaus von einer Rate zwischen 80 und 100% ausgehen, und sich dementsprechend verhalten. Leider wollen die Malawis die große Verbreitung der Krankheit nicht wahrhaben, sodass praktisch jeder angeordnete HIV-Test mit einem negativen Ergebnis zurückkommt....
Am Montag, Mittwoch und Freitag war OP-Tag, und man begann um ca. 8:30h mit dem Programm, das 5 bis 12 Patienten umfaßte. Zu dem OP-Spektrum gehörten Tumoren an jeder Stelle des Körpers( v. a. Prostata-Ca, Blasen-Ca, Mamma-Ca, Kolon-Ca, etc.), aber auch Volvuli, Frakturen, ausgedehnte Weichteilverletzungen, Leistenhernien, etc. Bei diesen größeren Operationen habe ich zusammen mit einem clinical officer dem deutschen Chirurg assistiert; kleinere OPs habe ich ganz alleine bzw. mit Hilfe eines c.o. durchführen dürfen, wie z.B. das Spalten von Abszessen oder Zirkumzisionen.
Außerdem mußte ich fast jeden Tag bei einem Kaiserschnitt helfen, weil in der Geburtshilfe immer zu wenig Mitarbeiter waren, und die Indikation zur Sectio aufgrund der geringen Überwachungs- möglichkeiten sehr großzügig gestellt wurde.
An den nicht-OP-Tagen bzw. Nachmittags war einmal wöchentlich große Visite angesagt, Sprechstunde und jeden Tag Verbandswechsel bei den septischen Wunden. Für diese Verbands-wechsel und ähnliche Tätigkeiten gab es einen „dressing-attendant“, denn das machte weder ein c.o. noch eine Schwester. Pflege im engeren Sinn gibt es auch nicht, weshalb jeder Patient mindestens fünf Angehörige mitbringt, um versorgt zu werden. Dementsprechend bevölkert ist das Krankenhaus-gelände!