Mehr Stationsarbeit, weniger Room Service
Ein Pflegepraktikum in Kosice, Slowakei
Anne Seyffarth
Mehr Stationsarbeit, weniger Room Service
© stummi123 / PIXELIO
Im Rahmen meines Pflegepraktikums hatte ich bereits einen Monat in einem deutschen Krankenhaus abgeleistet und war ziemlich frustriert über die langen Arbeitszeiten und den geringen Bezug zur späteren ärztlichen Tätigkeit. Ich wollte einfach noch etwas anderes erleben. Deswegen erkundigte ich mich beim DFA (Deutscher Famulantenaustausch) und erfuhr, dass die Slowakei das einzige Land ist, das Pflegepraktika anbietet.
Ein Auslandspraktikum schien mir eine willkommene Abwechslung, und in der Slowakei war ich zuvor noch nie gewesen. Außerdem hatte eine Kommilitonin dieselbe Idee. Also beschlossen wir, zusammen den Schritt zu wagen.
Unkomplizierte Anreise
Die Bewerbung über den DFA musste ich bis zum 15. Januar für den kommenden Sommer abgeben. Ich bewarb mich für die Städte Bratislava, Kosice und Martin. Zirka zwei Monate später erhielt ich die Zusage für das Faculty Hospital Louis Pasteur in Kosice. Die Stadt liegt im Südosten der Slowakei, nahe der ukrainischen und der ungarischen Grenze.
Angereist sind wir mit der Bahn, insgesamt 15 Stunden (mit Umstieg in Dresden und Bratislava) dauerte die Fahrt von Leipzig nach Kosice. Trotz des vielen Gepäcks war die Zugfahrt recht unproblematisch und ist wirklich empfehlenswert. Der Preis lag bei rund 180 Euro für Hin- und Rückfahrt.
In Kosice wurden wir dann von unserer Betreuerin vom Bahnhof abgeholt und in einem Wohnheim für Ärzte und medizinische Mitarbeiter untergebracht. Meine Kommilitonin und ich mussten uns ein schlichtes Zimmer teilen. Auf Kühlschrank, Waschmaschine und Fernseher mussten wir in diesem Monat leider verzichten, und es gab nur eine Küche für die gesamte Etage, die entsprechend „sauber und ordentlich“ aussah. Dafür hatten wir eine Putzfrau, die jeden Tag unseren Müll leerte und eine Empfangsdame, die uns zu jeder Tages- und Nachtzeit unseren Schlüssel aushändigte.
Leider war damit auch eine starke und für mich ungewohnte Kontrolle verbunden – Herrenbesuch auf den Zimmern wird nach 18 Uhr nicht mehr akzeptiert und das Wegbleiben bis drei Uhr wurde mit bösen Blicken bestraft. Im Großen und Ganzen war unsere Bleibe dennoch zweckmäßig und ausreichend.
Viele Einblicke in den Mediziner-Alltag
Die ersten beiden Wochen verbrachten wir auf der Traumatologie, was äußerst interessant war. Zu unseren Aufgaben zählten unter anderem das Blutdruckmessen, das Anlegen von Verbänden und der Patiententransport in den OP. Wir erlernten die Verabreichung von Injektionen (intravenös, subkutan, intramuskulär) oder das Entfernen von Nähten und hatten die Möglichkeit, viele Operationen zu beobachten, was für mich persönlich sehr beeindruckend war. Viel Zeit verbrachten wir auch in der Ambulanz und durften bei der Aufnahme von Notfällen mitwirken. Zu Aufgaben wie dem Bettenmachen und der Austeilung von Essen wurden wir nur selten herangezogen, wohingegen dieses in Deutschland zu meinen Hauptaufgaben zählte.
Auch die Arbeitszeiten waren um einiges humaner als im deutschen Pflegepraktikum: Der Dienstbeginn lag meist zwischen 8 und 10 Uhr. Am frühen Nachmittag wurden wir oft heimgeschickt – mit der Aufforderung, doch etwas zu unternehmen und das Land besser kennen zu lernen!
Das Klima auf Station ist weniger hektisch und persönlicher
Die zwei letzten Wochen wurden wir auf der Geburtshilfestation eingesetzt. Aufgrund der Vielzahl von Schwestern gab es dort nicht so viel zu tun. Meistens gingen wir mit der Ärztin, der wir zugeteilt waren, auf Visite oder nahmen an Lehrstunden mit anderen ausländischen Studenten teil. Auch hatten wir das Glück, bei Kaiserschnitten und Geburten dabei sein zu dürfen.
Für das Krankenhaus benötigt man auf jeden Fall eine weiße Hose und ein weißes T-Shirt oder einen Kittel sowie weiße Schuhe. Im Merkblatt des DFA steht, man brauche ein Stethoskop, was aber nur auf internistischen Stationen nötig ist. Die Krankenhäuser in der Slowakei sind auf jeden Fall einfacher eingerichtet als in Deutschland. Dennoch ist das Gesundheitssystem nicht schlecht. Vor allem durch die hohe Anzahl an Ärzten und Schwestern ist das Klima auf Station weniger hektisch und persönlicher.