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Erfahrungsbericht: Präp-Hiwi

Was macht der Hiwi eigentlich?

MEDI-LEARN Redaktion

Man könnte meinen, das sei kein Drama, schließlich ginge es um die Fülle von Wissen. Trotzdem wirkt es in einem Anatomie-Testat mindestens befremdlich, wenn ein Studierender jede noch so kleine Abzweigung der Hirngefäße kennt, aber keine Idee von den Aufgaben des Nervus facialis hat. Deswegen sollte der Tutor im Vorfeld darauf achten, den Studierenden deutlich zu machen, welche Sachverhalte zu den unverzichtbaren Grundlagen gehören und welche „nur“ gut für Bonuspunkte sind. 

Ein guter Tutor ist in der Lage, leistungsstarke und leistungsschwache Studierende zu unterscheiden und sie individuell zu fördern. Für die leistungsschwächeren Studierenden kann es eine großartige Hilfe sein, wenn der Tutor ihnen nicht nur ihre Wissenslücken aufzeigt, sondern geduldig ein weiteres Mal das präparierte Gebiet erklärt und Basiswissen wiederholt. Möglicherweise können Lerntipps oder der Hinweis auf Nachhilfe dem Studierenden das Lernen erleichtern. 

Zur Vorbereitung auf die Testate bieten sich Prüfungssimulationen an. Der Tutor kennt die Eigenarten und Fragevorlieben der Dozenten und kann sie gezielt in die Übung einbauen. So gewöhnen sich die Studierenden nicht nur an die Prüfungssituation und lernen, auf Fragetechniken zu reagieren, sondern der Präp-Hiwi erkennt, auf welchen Gebieten Lücken sind. Dementsprechend kann er dann vor der Prüfung entsprechende Lücken schließen. 

Wichtig sind solche Simulationen besonders für Studierende mit Prüfungsangst. Manch einer bekommt vor lauter Aufregung kein Wort raus oder verwechselt die einfachsten Strukturen. Durch das Üben der Situation wird diese Angst gemindert. Als weitere Prüfungsvorbereitung bietet sich zudem einerseits die Vertiefung des theoretischen Wissens an, also Erläuterungen der Fakten anhand von Tafelbildern oder am Skelett. Zum anderen geht kaum etwas über die Vertrautheit mit dem präparierten Gebiet. So lohnt es sich für Tutor und Studierende gleichermaßen, wenn die präparierten Strukturen stets aufs Neue abgefragt werden. 

Während der Testate steht der Tutor den Studierenden bei. Er beruhigt sie und nimmt ihnen die Angst. Dadurch, dass er sie in ihrer regelmäßigen Arbeit am Tisch kennt, kann er gezielt Ermutigungen aussprechen und so dem einzelnen Studierenden dessen Stärken ins Gedächtnis rufen. Seine Anwesenheit in der Prüfungssituation wirkt beruhigend, der Studierende fühlt sich dem Dozenten nicht alleine ausgeliefert. Unter Umständen kann dadurch ein Blackout vermieden werden und die Prüfung wird bestanden. Das ist dann ein Erfolgserlebnis für Student und Hiwi. 

Fassen wir kurz einmal die Vor- und Nachteile des Tutorendaseins zusammen. Der größte Vorteil für den Tutor selber – insbesondere wenn er sein Physikum noch vor sich hat – ist wohl, dass er die Professoren kennen und einschätzen lernt. Nicht nur die Wiederholung des Wissens, sondern vor allem das viele Sprechen und Erklären während des Kurses sind eine optimale Übung für die mündliche Prüfung. Als Tutor ist man es gewöhnt, viel und frei zu sprechen, sodass Aufregung und dadurch bedingtes Verhaspeln in der eigenen Prüfung minimal sind. Die anatomischen Sachverhalte beherrscht man gleichfalls im Schlaf und niemand kann einem mehr ein X für ein U vormachen. Keine Frage überrascht mehr, schließlich hat man sie allesamt in den Testaten gehört oder sogar schon einmal selber gestellt. 

Der größte Nachteil ist dagegen wahrscheinlich die große Menge an Zeit, die für die Vorbereitung der einzelnen Kursstunden aufgewendet werden muss. Schließlich ist der Tutor ebenfalls Student und hat seinen eigenen Stundenplan zu absolvieren – neben den Stunden im Präp-Saal und der Vorbereitung dafür. Möglicherweise bleibt die eigene Motivation und Lernfreude auf der Strecke und Erschöpfung macht sich breit. Daher gilt es abzuwägen, ob man sich der Belastung gewachsen sieht und den Anforderungen standhalten kann. 

Ein weiterer unschätzbarer Vorteil liegt in dem Spaß, den das Unterrichten machen kann. Der Tutor lernt einen anderen Jahrgang Studierende kennen, die seine Arbeit zu schätzen wissen und ihre Dankbarkeit auch zeigen. An vielen Unis ist es üblich, dass „der Tisch“ gemeinsam etwas unternimmt und auf diese Weise neue Kontakte entstehen. Das entschädigt den Tutor für die eine oder andere Anstrengung im Verlaufe des Semesters. Und last, but not least ist der Job als Tutor ein bezahlter Job. Neben den dankbaren Studierenden und den Vorteilen bei der eigenen Prüfungsvorbereitung erhält man ein wenig Geld. Es gibt wahrlich undankbarere Nebenjobs.
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