Meine ersten Erlebnisse im U-Kurs!
Erfahrungsbericht aus dem Medizinstudium
Robert Kapelle
Vor 8 Frauen die Hose ausziehen
Nachdem er schließlich meine Lunge perkutiert und auskultiert hatte, bellte er seinen nächsten Befehl: ?Hinlegen!?. Kaum lag ich, musste ich auch schon die nächste Qual über mich ergehen lassen. Etwa 5 Minuten lang versuchte unser Doc das Kopfteil der Liege zu verstellen, wobei er unsanft an dem Gerät herumrüttelte und mich einem schweren Schädel-Hirn-Trauma ein ganzes Stück näher brachte. Als er es endlich geschafft hatte, begann er mein Herz zu untersuchen, und stellte eine deutliche Tachykardie fest. Welch ein Wunder! Bei diesem Untersuchungsstil würde es mich nicht wundern, wenn diese Diagnose häufiger in seinen Untersuchungsberichten auftauchen würde. Diesen Gedanken behielt ich aber lieber für mich. Nachdem er schließlich auch noch nach Leber und Milz getastet hatte, ging er rasch zum nächsten Highlight über: ?Hose aus?! Super! Vor 8 Frauen auch noch Hose ausziehen. Das ganze begann langsam peinliche Ausmaße anzunehmen. Hatte ich an saubere Unterwäsche gedacht? Hatte ich überhaupt an Unterwäsche gedacht? Glücklicherweise erinnerte ich mich daran, am Morgen eine einigermaßen stilvolle Variante gewählt zu haben, und konnte so auch noch die Untersuchungen meiner Beine und Füße über mich ergehen lassen. Als ich schließlich nach einer guten Stunde, mit den Nerven am Ende und völlig apathisch wieder von der Liege durfte, hatte sich meine euphorische Einstellung zum Untersuchungskurs doch etwas abgemildert. Zumal der freundliche Herr Doktor beim Abschied noch ankündigte, dass beim nächsten Mal dann die Studenten untersuchen dürften.? Wäre schön, wenn sich dann der eine oder andere nochmals als zu Untersuchender zur Verfügung stellen würde? Kein großes Rätsel, wen er damit wohl gemeint haben könnte...
Was bleibt als Fazit?
Zur Beruhigung aller Studenten, die den Untersuchungskurs im Moment noch als Motivationshilfe für die grauen Vorklinik-Tage benutzen, sei gesagt, dass wir nach der Anfangsphase auch auf echte Patienten losgelassen wurden, bei denen wir dann die Anamnese erheben durften, um sie schließlich ausführlich zu untersuchen. In 3er Gruppen pro Patient, mit ausreichend Zeit, und anschließender gemeinsamer Patientenvorstellung und Besprechung inklusive der dazugehörigen EKG?s und Röntgenbilder wurde die Veranstaltung doch noch sehr spannend und lehrreich. Bestimmte Handgriffe muss man einfach lernen, und der Untersuchungskurs Innere eignet sich wirklich gut für die ersten Schritte in dieser neuen Welt. Auch wenn man zuweilen mit Patienten leben muss, die alles besser zu wissen glauben (und manchmal stimmt das auch, wir hatten zum Beispiel einmal einen ehemaligen Chefarzt zu untersuchen), so hat mir der Kurs doch sehr viel Spaß gemacht. Und unserem grimmigen Internisten habe ich zu guter Letzt auch noch vergeben!