Panische Angst vor dem Physikum
Und wie ich es trotzdem geschafft habe
Juliane Nielsen
Per Telefon Konzept entwickelt
Unmittelbar vorm Physikum wurden die Ängste wieder schlimmer: „5 Wochen noch. Wie soll man das schaffen? Geht doch gar nicht!“ Und es ging doch! Nachdem bei uns in Rostock schon mal 60% der Studenten unseres Jahrganges ausgesiebt wurden, standen wir Übriggebliebenen vor einem riesigen Berg an zu lernendem Stoff. Ich machte mir einen Zeitplan, den ich schon am ersten Tag nicht einhalten konnte. Ich hatte mir einfach viel zu viel vorgenommen. Diese Situation jagte mir eine riesige Angst ein. Ich bekam Panik, dass ich nicht alles perfekt schaffen könnte und war kurz vorm Aufgeben.
Ich wurde zum Apotheken-Dauerbesucher
Mit meinen Eltern entwickelte ich am Telefon ein Konzept. Ich zwang mich, jeden Tag zum Lernen in die Bibliothek zu fahren, weil ich dort nicht alleine war. Abends rief meine Mutter an, das war das Signal, die Bücher aus der Hand zu legen. Optimal wäre wahrscheinlich eine Lerngruppe gewesen, um zu merken, dass es den anderen ähnlich erging. Doch leider war kaum einer meiner Freunde zugelassen worden und ich stand somit ziemlich alleine da! Vor lauter Angst bekam ich Schlafstörungen und wurde somit zum Apotheken-Dauerbesucher. Baldrian für den Tag und Schlafmittel für die Nacht, „ganz normal bei Prüfungen,“ wie mir die Apothekerin sagte! Doch trotz Ängsten und schlafloser Nächte zwang ich mich jeden Tag, früh aufzustehen. Hätte ich ausgeschlafen, wären die Ängste nur größer geworden, weil ich dann in Verzug gewesen wäre. So entwickelte ich meine Strategien. Zu den Prüfungen kam jeweils meine Mutter immer zu Besuch und wir machten uns vor den Prüfungen einen netten Abend mit DVD und Pizza.
Flucht nach vorne antreten!
Im Endeffekt verlief das Physikum super. Die Prüfungen waren machbar und auch meine „unfairen, gemeinen und strengen“ Prüfer entpuppten sich als nette Menschen, die uns ängstlichen Studenten, so kurz vorm Ziel, auch keine Steine mehr in den Weg legen wollten! Die mündliche Prüfung war sogar die leichteste Prüfung meines bisherigen Studiums. Ich kann denjenigen, die auch sehr mit Ängsten zu kämpfen haben, nur raten: Tretet die Flucht nach vorne an und scheut nicht davor, euch helfen zu lassen. Auch ärztlichen oder psychologischen Beistand zu erfragen, ist vollkommen legitim. Die Physikumszeit ist nun mal eine Ausnahmesituation, für die alle vollstes Verständnis haben. Man muss sich einfach damit abfinden, dass man nicht alles perfekt schaffen kann. Und: Nicht einmal für eine Eins muss man alles beantworten können. Ich wünsche euch für eure Prüfungen viel Glück. Kopf hoch, der Spruch „es ist alles halb so schlimm“ – er stimmt in diesem Fall!