Pflegepraktikum auf der Wöchnerinnenstation
Mein erster Tag begann mit einem Schrecken
Saskia Fischer
Nach dem theoriebelasteten stressigen 2.Semester freute ich mich ganz besonders auf mein Pflegepraktikum. Endlich würde ich die Welt des Krankenhauses genauer kennen lernen und auch Kontakt zu Patienten haben. Ich habe mich für ein kleineres Krankenhaus abseits der Großstadt entschieden, weil ich dort auf eine bessere Betreuung hoffte.
Mein erster Tag begann mit einem Schrecken: Obwohl ich mich schon Monate vorher angemeldet hatte, bin ich vergessen worden! Dieses Problem wurde aber schnell gelöst und dann durfte ich endlich auf meine Wunschstation, die Gynäkologie. Ich freute mich, dass ich auf der Wöchnerinnenstation arbeiten durfte. Die Schwestern empfingen mich sehr herzlich und ich fühlte mich sofort wohl. Zunächst gab es nicht viel zu tun, so dass sich Zeit hatte, dem Kinderarzt bei den Vorsorgeuntersuchungen zuzusehen. Danach wurde mir kurz die Station gezeigt. Meine erste wirkliche Aufgabe an diesem Tag war das Verteilen des Mittagessens. Es war spannend, die vielen verschiedenen Mütter zu erleben. Aber besonders gefielen mir die neugeborenen Babys. Ich hoffte so sehr, eine Geburt mitzuerleben. Aus diesem Grunde unterhielt ich mich viel mit den Hebammen und begleitete sie häufig. Leider hatte ich aber immer Pech, denn fast alle Babys kamen auf die Welt kurz bevor ich morgens das Krankenhaus betrat. Umso glücklicher war ich, dass ich die Möglichkeit hatte, bei einem Kaiserschnitt zuzusehen. Das war das erste Mal, dass ich einen OP betrat und alles war neu für mich. Da war ich froh, die Hebamme an meiner Seite zu haben, die mir alles zeigte. Es war absolut spannend zu sehen, wie die Operteure arbeiten und die Anatomie live zu sehen. Die Zeit verging rasend schnell und schon bald hieß es wieder auf die Station zurückzukehren.
Meine Aufgaben waren das morgendliche Betten machen mit Temperatur und Blutdruck messen, das Verteilen der Mahlzeiten und natürlich das ungeliebte Putzen. Da aber alle Patientinnen jung, glücklich und selbstständig waren, gab es ansonsten nicht sehr viel zu tun. Das war natürlich zu meinem Vorteil, denn die Schwestern hatten so Zeit, mir verschiedene Sachen zu erklären und waren daher wenig gestresst. Ich konnte auch den Ärzten bei verschiedenen Untersuchungen assistieren, was sehr interessant war. So habe ich z.B. schon viel über das Sonografieren gelernt. Und auch in den OP durfte ich öfters mitgehen und Haken halten. Leider verlor ich am stundenlangem Rumstehen in unmöglichen Positionen schnell das Interesse, so dass ich lieber auf der Station blieb.
Mein gutes Verhältnis zu den Hebammen kam mir kurz vor Ende meines Pflegepraktikums zu Gute, denn ich durfte bei einer Geburt anwesend sein. Doch leider war es keine einfache Geburt, wie ich es erhoffte: Gespannt saß ich neben der Hebamme im Kreißsaal und wartete, was wohl als nächstes passieren würde. Doch es passierte nichts. Die Wehen wurden immer schwächer und selbst der Oxytocin-Tropf brachte keine Besserung. Da aber das CTG gut aussah, beschlossen die Ärzte noch mit einem Kaiserschnitt zu warten. Glücklicherweise erholte sich die Mutter wieder etwas und nach zwei Stunden sah es fast so aus, als würde das Kind jeden Moment auf die Welt kommen. Doch auch jetzt kam es zum Stillstand. Die Situation wurde immer dramatischer und ich saß neben der Gebärenden am Kopf und beruhigte sie. Die Ärzte entschieden sich für eine Zangengeburt. Inzwischen waren sehr viele Leute anwesend, so dass ich nicht mehr viel sehen konnte. Dennoch war es für mich ein sehr einprägsames Erlebnis und ich war schockiert über den riesigen Dammschnitt - das hatte ich mir im Anatomiekurs ganz anders vorgestellt! Umso erleichterter war ich, als ich am nächsten Tag nach der Mutter und ihrer kleinen Tochter sah und beide glücklich im Bett lagen.