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Die Theorie in der Praxis unter Beweis stellen

PJ-Tertial in der Anästhesie in Siegburg

Csaba Losonc

 

Die weiteren 4 Wochen folgen dann im kardiochirurgischen OP, hier ist alles großzügiger, neuer und moderner. Ferner begegne ich wieder neuen Gesichter, neue Schwestern, Kardiotechniker – wusste bis vor kurzem nicht, dass es ein Beruf ist – neue Oberärzte etc. Also heißt es erst einmal erklären, wer und was bin ich, welche Stellung habe ich und ganz wichtig, ich will euch nichts böses. In diesem Bereich werden herzchirurgische Eingriffe durchgeführt, die Mehrzahl von ihnen Bypass-Ops und Herzklappenchirurgie. Meine Aufgaben sind hier sehr eingeschränkt, da vieles hier automatisiert abläuft. Die Zeit morgens von der Einleitung bis zum Schnitt ist sehr kurz, deshalb stehe ich hier eher im Hintergrund und darf nur assistieren. Meine Zeit kommt dann – wie hier kernig gesagt wird in der „zweiten Runde“. In der Zeit also, wo die erste Op noch läuft, der nächste Patient aber schon vorbereitet wird. Hier sind meine Aufgaben kaum zu unterscheiden von der allgemeinchirurgischen Anästhesie, allerdings werden sie ergänzt durch das
Legen von arteriellen Zugängen
Legen von zentralen Venenkathetern
Legen von Blasenkathetern
Transösophageale Echokardiographie (TEE) (unter Aufsicht)

Was in der anderen Abteilung die Hauptsache schien, nämlich die Narkose, läuft hier so nebenbei. Wichtig hier sind vor allem die Überwachung des Kreislaufes und regelmäßige Laborkontrollen während des Eingriffes. Teilweise muss der Arzt auf bestimmte Ereignisse sekundenschnell reagieren, deshalb hat jedes Instrument und Medikament des Anästhesisten einen bestimmten Platz. So bekommt das Wort Ordnung hier einen besonderen Stellenwert. Interessant ist auch das Kennen lernen der Kardiotechniker mit ihren „Herz-Lungen-Maschinen“ (verkürzte Version: Maschine), sie sind hier aus dem Op nicht wegzudenken, was einem vorher nicht so bewusst ist.
Auch wenn ich meine Aufgaben in diesem Bereich nicht selbstständig durchführen kann, ist es doch eine sehr schöne Erfahrung. Nicht viele Mediziner bekommen Gelegenheit die Anatomie und vor allem die Pharmakologie am Herzen mit bloßem Auge zu sehen. Man kann beobachten, wie die Medikamente – teilweise schon während des Injizierens – direkt am Herzen agieren.

Nun habe ich schon 8 Wochen Anästhesie auf „dem Buckel“ und wechsele auf die kardiochirurgischen Intensivstation. Und mir jetzt bekannt, aber schon fast vergessen, die erneute Vorstellung und Erklärung meiner Person. Die Ärzte sind mir vertraut, da sie permanent rotieren, so dass ich schon Gelegenheit hatte alle Kollegen der Abteilung vorher kennen zu lernen. Ich wurde auch hier gut eingearbeitet, meine Aufgaben sind unter anderem

Entlassung der Patienten auf die periphere Stationen
Tägliche Untersuchung der Patienten
Erstellung von Therapieplänen und Vorbereitung der Kurven
Übernahme der operierten Patienten
….

Zum ersten Mal seit dem Anfang des PJs sehe ich eine Station, lerne den Ablauf kennen und erlebe den Alltag. Diese 5 wöchige Erfahrung ist ebenfalls wichtig für mich, da die Patienten teilweise in einem solch schlechten Allgemeinzustand vor der Operation sind, dass sie nach dem Eingriff versterben. Der Umgang mit dem Tod und zu sehen wie die Mitarbeiter darauf reagieren ist enorm bedeutend für mich. Eine weitere sehr fruchtbare Erfahrung ist die Begleitung der Oberärzte bei Gesprächen mit Angehörigen der Verstorbenen, sie zeigt mir eine menschliche Seite der technisierten Medizin.

Für den letzten Block rotiere ich für 2 Wochen in die Schmerzambulanz, die durch zahlreiche Patienten in regelmäßigen Abständen besucht wird, so dass an 3 Tagen in der Woche eine Sprechstunde stattfindet. Hauptsächlich sind ein Oberarzt und eine Anästhesistin die ärztlichen Betreuer der schmerzgeplagten Menschen. Die Sprechstunde wird von kranken besucht, die teilweise im Arbeitsleben stehen, teilweise berentet sind. Die Ursache der Schmerzen ist hierbei unterschiedlich, z.T. frühere traumatische Ereignisse, z.T. Operationen, allerdings auch psychische Gründe. Meine Aufgabe in diesem Block ist zunächst nur passiv, ich begleitete den OA zu den Gesprächen und bespreche danach mit ihm sein Vorgehen. In der 2. Woche führe ich in Abwesenheit des OAs einen Teil der Gespräche, ich muss mich aber rückversichern, falls ich die Dosierung der Analgetika verändere. Der Vorteil ist, dass ich mir im voraus eine Strategie überlegen kann und diese danach ausführlich und in aller Ruhe unter vier Augen besprechen kann – eine sehr hilfreiche Übung.
Die Ambulanzfreien, sowie die übrigen Tage verbringe ich zum Abschluss im allgemeinchirurgisch/gynäkologischen Op, wo ich noch einmal auf gelerntes zurückgreifen kann.
Ich bin mit der Auswahl die ich getroffen habe sehr zufrieden – ich hätte mich ja auch für Gynäkologie oder Radiologie entscheiden können, da das Klinikum außer Anästhesie diese Wahlfächer anbietet – da ich sehr lehrreiche Erfahrungen gemacht habe. Das Klinikum Siegburg ist in jedem Fall für die Absolvierung des Wahlfaches Anästhesie im Verlauf des Praktischen Jahres geeignet. Grade das vielfältige Angebot der Anästhesie ist für den Studenten interessant. Hier kann man noch motivierte Ärzte und Schwestern begegnen, die einem alles in Ruhe erklären. Ich kann allen nur raten, die im Rheinland wohnen und Wahlfach Anästhesie wählen möchten, Siegburg in ihre Überlegung miteinzubeziehen.
Als Abschluss möchte ich natürlich auch die negativen Aspekte nicht vergessen, die ich in tabellarischer Form aufgelistet habe.
Positiv:
Motiviertes Personal (Ärzte, Pflege)
Sehr netter, bemühter Chefarzt
Man darf viel machen
Breites Spektrum durch das Rotieren durch die Abteilungen
PJ-Fortbildung Anästhesie vom Chefarzt (neben anderen Fortbildungen)
Essen kostenlos
Nagelneue PJ-Bibliothek mit Fachliteratur
4 PCs mit Internet (ausschließlich für PJler)

Negativ
Bisher kein Studientag (ab 02/05 zwei Tage im Monat)
Keine bezahlten Dienste in den anderen Abteilungen möglich
Qualität der Lehre ist stark personabhängig

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