Dieses Wintersemester ist in der Uni Bonn das Projekt „Medizinstudenten werden Paten. Frühkindliche Entwicklung erleben“ gestartet. Medizinstudenten aus vorklinischen und klinischen Semestern dürfen ein Kind von der Geburt bis zu dessen zweitem Geburtstag begleiten. Auf diese Weise sollen die Studenten Einblick in die frühkindliche Entwicklung bekommen und Unterschiede in Krankenhaus- und Praxismedizin kennen lernen. Sie begleiten Kind und Eltern zu den Vorsorgeuntersuchungen, die in Seminaren und Praktika vorbereitet werden. Gleichzeitig können die Studenten sich in Kommunikation und Gesprächsführung mit Patienten und Eltern, aber auch im Umgang mit Säuglingen und Kleinkindern üben.
Das Vorbild für dieses Projekt nannte sich „Präventive Pädiatrie“ und fand erstmals 2007 in Heidelberg statt. Ähnlich wie bei dem Bonner Projekt begleiteten Medizinstudenten Kinder von der Geburt an für zwei Jahre. Tanja hat an diesem ersten Durchgang in Heidelberg teilgenommen und berichtet von ihren Erfahrungen:
„Das Projekt wurde damals mit einem Flyer beworben und es wurde zu einer Infoveranstaltung geladen. Da es sehr viele Interessenten gab, entschieden das Semester und das Los. Dabei wurden „jüngere“ Semester bevorzugt, damit die Teilnahme an dem longitudinalen Projekt, das ja auf zwei Jahre ausgelegt war, gewährleistet war.
Ich wollte teilnehmen, weil ich mein Studium schon mit dem Wunsch begonnen habe, später in der Kinderheilkunde tätig zu sein. Zudem war es eine einmalige Möglichkeit, einen niedergelassenen Kinderarzt bei seiner Arbeit zu begleiten und seine wichtige Rolle in der Prävention von Krankheiten kennenzulernen. Zudem war es interessant, Einblicke in das Familienleben mit Kindern zu erhalten und von den Sorgen und Nöten der Eltern zu erfahren. Nicht zuletzt war es für mich erstaunlich, wie viele Fragen die Eltern nach den Vorsorgeuntersuchungen noch hatten, weil sie sie zum Beispiel vor lauter Aufregung vergessen hatten, sie während des Gespräches mit dem Arzt zu stellen. Beratung oder Behandlung gehörten jedoch nicht zu unseren Aufgaben.
Da ich am „ersten Durchlauf“ teilgenommen habe, wussten wir alle noch nicht im Detail, was uns erwarten würde. Dementsprechend gab es keine konkreten Erwartungen. Ich war vor allem neugierig an einem Projekt teilzunehmen, das über den Zeitraum von zwei Jahren laufen sollte.
Die Verteilung auf die verschiedenen Familien erfolgte vermutlich zufällig. In das Projekt waren nur Familien integriert, die bereits ein größeres Kind hatten. Rekrutiert wurden die Familien übrigens durch die ebenfalls teilnehmenden Kinderärzte.
Im Rahmen des Projektes begleiteten wir die Kinder mit den Eltern zu allen Vorsorgeuntersuchungen beim Kinderarzt. Dort wurde uns von den Ärzten viel über die Untersuchungsmethoden, Präventionsmaßnahmen und Entwicklungsschritte erklärt. Außerdem gehören auch sogenannte „Hausbesuche“ zum Projekt. Da besuchten wir die Familien und konnten uns über die Lebensumstände und –gewohnheiten informieren. Ich hatte ein sehr freundliches Verhältnis zu „meiner“ Familie. Leider ist der Kontakt nach dem Ende des zweijährigen Projektes jedoch abgebrochen.
Zusätzlich zu den Haus- und Kinderarztbesuchen, haben wir noch an Gruppentreffen zusammen mit den drei Initiatoren des Projektes teilgenommen. Dort konnten wir unsere Erfahrungen austauschen und Fragen stellen.
Eine persönliche Erfahrung aus dem Projekt ist für mich die Erkenntnis, dass durch Prävention bereits viel erreicht werden kann. Für das Studium habe ich gelernt, dass es sinnvoll ist, die normale motorische, psychosoziale und sprachliche Entwicklung eines Kindes zu beobachten, statt nur Krankheiten zu lernen. Auf jeden Fall würde ich wieder an einem solchen Projekt teilnehmen und es meinen Kommilitonen empfehlen.“