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PJ in Neuseeland

Kiwis, Silberfarn und Meer

Karsten Thiemann

Eine Zwischenbilanz

Als Fazit hat es gereicht den Entschluß zu fassen, wiederzukommen. Dabei hatten die Nacht und Wochenenddienste immer sehr interessante Notfälle zu bieten. Von der Subarachnoidalblutung über Schusswunden bis hin zu Pfählungen war alles vertreten. Aber nun zur „täglichen“ Arbeit. Im Gesundheitssystem arbeiten nur ca. 30 % der in Neuseeland ausgebildeten Ärzte. Der Rest geht aufgrund der besseren Verdienstmöglichkeiten nach Australien. Dies hat zur Folge, dass ein Großteil ausländischer Doktoren hier praktiziert. Insbesondere in der Anästhesie waren Briten und Kontinentaleuropäer sehr dominierend. Man könnte denken, man ist zuhause. In der Neurochirurgie die Amerikaner. Man merkt überall, wie groß der Einfluss der Krone noch ist. So sind die „tea breaks“ obligat. Für den Fall, dass mal keine zwei Narkoseärzte für einen Saal eingeteilt sind, stellt der Coordinator immer sicher, dass es jemanden gibt, der zu Kaffee und Mittagspausen auslöst. Personalmässig herrschten im Vergleich zu Deutschland Traumzustände. Wenn man etwas brauchte wurde es geholt und man hatte immer noch ein bis zwei Schwestern. Eine war allerdings meist mit Telefonieren beschäftigt. Jeder brachte sein Mobiltelefon und Pieper mit in den OP. Da in den dortigen Häusern kein Handyverbot besteht und man sich auf die Studien beruft, das Funktelefone sicher sind, schaut einen auch keiner schief an. In Deutschland ist ja auch der Hauptgrund für das Telefonverbot, dass sich die Hauseigenen Telefonsysteme amortisieren sollen. Gewöhnungsbedürftig war allerdings der Verzehr von Speisen und Getränken im OP. Tee nahgut aber Kuchen? Dienstbeginn war 8:15 Uhr Schluß 17 Uhr, bei laufenden OPs übernahm der Spätdienst bis 22 Uhr. Waren die Punkte früher beendet ging es auch schon mal um 13 Uhr gen home. Nach 22:00 Uhr betreute der Nachtdienst die Schmerzpatienten oder narkotisierte bei vital indizierten Punkten. Eine Besonderheit von Neuseeland ist das Gesundheitssystem. Es gibt eine Unfallkasse, die bei allen Arten von Verletzungen (Autounfall bis zum Behandlungsfehler) die Neuseeländer absichert. Allerdings haben sie auch kein Recht auf Schadensersatzklagen. Da muß schon jemand grob fahrlässig oder mit Vorsatz gehandelt haben, um bei Gericht auch nur eine Chance zu haben. Das öffentliche Gesundheitssystem sichert die medizinische Versorgung der Einwohner. Illegale Einwanderer (selten) erhalten nur eine Basisversorgung. Teure Therapien wie in der Krebs und HIV-Behandlung stehen für sie nicht vom Staat zur Verfügung.
Fazit: Als Student kann man alles machen oder auch gar nichts. Man muss sich nur trauen zu fragen.

Gelauscht (Foren)

Medi-Learne-Foren
Es gibt immer einen Kollegen in einem der 10 OP-Säale, der bereit ist als Lehrer zu fungieren. So war es mir auch möglich Periduralkatheter zu legen, was eigentlich Aufgabe der Registrars ist und selbst nur manchmal den House Officers erlaubt wird. Die erworbenen Kenntnisse in der Durchführung von Anästhesien, wie Intubation, Larynxmasken etc. verschafften mir in der zweiten, deutschen Hälfte des Tertials viele Freiheiten. Am ersten Tag war ein Rapport bei der zuständigen Oberärztin und sie sagte ich hätte eine gute Ausbildung genossen und dürfte dies hier in Deutschland auch weiter praktizieren.

Tipps und Abschlußbemerkung

Tipp: Wer vor hat, eine Famulatur oder ein PJ-Tertial an der Uni in Auckland durchzuführen, sollte sich vorher direkt an den Abteilungsarzt wenden. Mit einer Zusage in der Tasche kommt man leichter an dem Bewerberpool vorbei. Versuchen sollte man es auf jeden Fall.
In meinen zwei Monaten musste ich Krankenunterlagen aber auch Bewerbungen vom Deutschen ins Englische für die Klinik übersetzen. Mein Chef sagte dann immer „die können ja nicht einmal Englisch und 6 Monate ist mir zu kurzfristig“! Der ehemalige deutsche Klinkleiter ist jetzt in Perth und sein Nachfolger nicht mehr so Ausländer / Deutschfreundlich. Dies solltet ihr unbedingt beachten. Nichts desto trotz rate ich jedem zu einer Bewerbung. Hochsaison (Sommer) ist von Ende Januar bis Anfang März. Ich war von Oktober bis Dezember in Neuseeland und habe ungewöhnlicherweise noch Taifune mitbekommen. Der dortige Frühling ist aber immer noch wärmer als der deutsche Herbst.
Zur Vorbereitung reichen ein Taschenatlas von Thieme und normalgute Englischkenntnisse. Wer schon mal Famulaturen im angloamerikanischen Ausland gemacht hat, für den stellt die Konversation bei Weiterbildung und Patientengesprächen kein Hindernis dar.
Der öffentliche Transport ist sehr umständlich und teuer. Wer länger als 6 Wochen bleibt und das Land sehen will, sollte sich gleich um ein Auto bemühen. TÜV ist alle 6 Monate aber die Zulassung etc. kann man auf dem Postamt erledigen.
Lebenshaltungskosten sind geringer als in Deutschland. Preist Mc Donalds hier den Cheeseburger für einen Euro an, kostet er dort nur 0,38 Cent. Teuer sind in Neuseeland Wohnungen und Wohnheime. „Günstige Unterkünfte“ werden zum Teil durch die Universität vermittelt.

Adresse des Krankenhauses:
A+ Auckland Hospital
Grafton Road
Auckland, Grafton
Neuseeland


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